Würden Sie den Kassen Ihre Daten geben?

Die Krankenkassen wissen viel über uns: welche Medikamente wir nehmen, wie oft wir operiert wurden, ob wir eine Lesebrille brauchen. Würde man diese Daten auswerten, kämen dabei unter Umständen interessante Erkenntnisse heraus, die die Forschung voranbrächten, glauben die Kassen (siehe dazu auch nebenstehenden Artikel). Man wolle aber die Daten nur dann verwenden, wenn die Versicherten damit auch einverstanden sind.
Kritiker glauben, dass die sogenannten Routinedaten der Krankenkassen viel zu unspezifisch sind, um einen wirklichen Nutzen zu bringen. Und viele Bürgerinnen und Bürger haben Angst, zum „gläsernen Patienten“ zu werden, mit dessen Daten Schindluder getrieben wird. (Foto: Patrick Pleul)
Auf der anderen Seite stellen heute schon Millionen Menschen Unternehmen wie Google, Amazon oder Apple ihre Gesundheitsdaten freiwillig zur Verfügung – über Suchanfragen oder weil sie Fitnessapps verwenden, in denen sie zum Beispiel festhalten, wie viel sie sich bewegen. Es sei nur eine Frage der Zeit, sagen Experten, bis die Unternehmen diese riesigen Datenmengen zu Geld machen. Die Krankenkassen glauben, dass viele Menschen gar nichts dagegen hätten, wenn ihre Routinedaten – natürlich anonymisiert – für die Forschung verwendet würden.

Stephanie Siebert

Wir wollen deshalb in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen:

Würden Sie den Kassen Ihre Daten geben?

  • Nein (67%, 10 Stimmen)
  • Ja (33%, 5 Stimmen)

Wähler insgesamt: 15

Der Revoluzzer im Hausarzt

HausärzteprotestUnd, ist Ihr Hausarzt auch schon demonstrieren gegangen? Bayerns Allgemeinmediziner fühlen sich offensichtlich wie die Knechte der Nation. Zu Tausenden haben sie in der Nürnberger Arena ihrem Zorn Luft gemacht. Wer einen redseligen Hausarzt hat, wird das nachvollziehen können. Die Klagen über absurde Abrechnungsverfahren, unzureichende Vergütung für die Beratung mehrfach und chronisch Kranker, Schlechterstellung gegenüber den Fachärzten, sie entspringen der Realität eines kranken Gesundheitssystems.

Andererseits, bis ins Letzte begriffen haben nicht alle Bürger den flammenden Unmut. Das mag auch am Kommunikationsauftritt der Mediziner liegen. Der legt immer noch etwas ungeschickt nahe, dass es ihnen vor allem um höhere Honorare gehe und nicht nur um die Freiheit – dabei könnten sich ganz andere Berufsgruppen als Ärzte beschweren, wenig zu verdienen. Ist da nicht also doch viel standespolitisches Säbelrasseln dabei? Mit ihrem radikalen Vorhaben, möglichst zahlreich die Kassenzulassung zurückzugeben, betreten die Hausärzte außerdem rechtliches Niemandsland, erst einmal ohne viel Rücksicht auf ihre Patienten.

Haben Sie Verständnis für den Protest der Hausärzte? Auch in unserer Leserfrage können Sie, wie immer ab Montag auf der NZ-Homepage, abstimmen.