Böllerverbot für die Altstadt?

So manchem Besucher, der in der Silvesternacht in der Altstadt unterwegs war, wurde angst und bange: Schließlich zischten Rake­ten und Kracher (Foto: Ralf Rödel)  inmitten der dicht gedrängten Menschen in alle Richtungen. Weil die Freunde des Feuerwerks ihre Böller allzu rücksichtslos in die Gegend war­fen, überkam viele Besucher ein mulmiges Gefühl. Sie fühlten sich akut gefährdet.
Doch es sind nicht nur solche Sicherheitsaspekte, die die Grü­nen im Nürnberger Stadtrat jetzt dazu bewogen haben, für eine feu­erwerksfreie Altstadt zu plädie­ren. Schließlich besteht auch die Gefahr, dass Kirchen und histori­sche Gebäude beschädigt werden. Die Gemeinde St.Lorenz beklagt zum Beispiel die hohen Kosten, die alljährlich entstehen, nur um das Kirchendach zu reinigen. 4000 Euro muss die Kirche hier­für berappen. Ein Feuerwerksver­bot auf der Burg besteht bereits, vielleicht müsste dieses ausgewei­tet werden, meinen Beobachter, denen die Knallerei im Zentrum auf den Keks geht.
Die Grünen bringen einen Aus­bau der böllerfreien Feierkultur, die durch das Silvestival ja schon bestehe, ins Spiel. Allerdings fin­det das Silvestival nur alle zwei Jahre statt – und das Kulturrefe­rat machte auch deutlich, dass es eine weitere Großveranstaltung nicht im jährlichen Turnus stem­men könne.
Es ist auch fraglich, ob man die Bürger schon wieder mit einem Verbot überziehen sollte oder die Stadt nicht die Spaßbremse spielt, wenn sie die ja nur einmal im Jahr stattfindende Böllerei untersagt.

Marco Puschner

Böllerverbot in der Altstadt?

Ausländer kämpfen für Nürnbergs Altstadt

Das Luitpoldhaus, Teil der Stadtbibliothek, wird abgerissen. Der Abbruch des Luitpoldhauses hat begonnen, das ideologische Gefecht geht weiter. Pablo de la Riestra versteht sich so fieberhaft als Nürnberger, dass es ihm noch nicht genügt, eine Lichterkette gegen den Umbau der Stadtbibliothek auf den Plan gerufen zu haben.

Sein südamerikanisches Feuer brennt länger. Soeben hat er, lässt er die Zeitungen wissen, die Initiative „Ausländer für den Erhalt der Nürnberger Altstadt“ gegründet.

Nun ist die Altstadt derzeit gottlob nicht vom Einsturz bedroht. Es geht dem Kunstprofessor und Architekturzeichner aus Argentinien, der seit 1991 in Nürnberg wohnt, vielmehr darum, das Stadtbild „vor weiteren unsensiblen Fremdkörpern“ zu bewahren, als da wären: Citypoint, Kornmarkt, Katharinenparkhaus, Sebalder Höfe, Wirtschaftsrathaus oder – als nächster Coup in der „Ansammlung von Fehlentscheidungen“ – die geplante neue Stadtbibliothek.

Deren Proportionen würden die Altstadt wie ein wild gewordener Le Corbusier verunstalten, meint de la Riestra. Auch gegen die Entfernung der Lorenzer Dachgauben hat er in diesem Sommer schon protestiert (die NZ berichtete).

Als er Nürnberg 1979 zum ersten Mal betrat, seien ihm Tränen gekommen vor Bewunderung für den Wiederaufbau, sagt der Argentinier. Die Einheit der historischen Gebäude sei es, die alle ausländischen Besucher entzücke. „Die Stadt Nürnberg scheint aber nicht zu kapieren, warum diese Leute in die Stadt kommen.“

Hier gelangt der Mann nun zu seiner pikanten These: Ausländer wie er, meint er, würden Nürnbergs historisches Gesicht prinzipiell mehr wertschätzen als Einheimische. „Die heutigen Deutschen sind mit diesem Problem überfordert.“ In ihrem Komplex der Scham über die NS-Zeit würden sie es sich versagen, die gewachsene Ästhetik ihrer Städte zu ehren. Stattdessen: architektonische Zumutungen aus bürokratischen Bauverwaltungen, „die uns für dumm verkaufen“.
Stundenlang kann der 56-Jährige sich echauffieren über falschen Stolz von Architekten, Ohnmachtsgefühle und Medien, die ihm nach der Lichterkette Feindlichkeit gegen die Moderne zuschrieben. Dabei sei er der größte Verehrer moderner Architektur, aber nur auf geeigneten Flächen, etwa außerhalb mittelalterlicher Zentren oder in der Kunststadt Brasilia. Er hasse beispielsweise historisierende Möbel.
Aus dem Verein der Altstadtfreunde, die ja ebenfalls einiges am Bibliotheksneubau kritisieren, schert de la Riestra aus, weil sie ihm zu wenig Biss beweisen. Und wer außer ihm erinnere schon daran, dass mit dem nach dem Krieg wiederaufgebauten Luitpoldhaus jetzt die Erinnerung an den jüdischen Stifter Berolzheimer verschwinde? „Es hat Schönheit und gehört seit 50 Jahren zum Stadtbild.“
Bislang ist die Schlagkraft der „Ausländer-Initiative“ allerdings limitiert. Sie besteht nur aus ihrem Gründer, einem Mitstreiter und sechs ideellen Partnern in Spanien und Südamerika. Weil Pablo de la Riestra sich nicht der Deutschtümelei verdächtig machen will, sollen ausdrücklich nur Migranten mitmachen.

Kontakt: pablo@de-la-riestra.de

isa

Schafft die CSU einen Neuanfang?

Mit Sicherheit waren es viele Gründe, die zum Wahldebakel der CSU geführt haben. Dennoch sind manche schnell bei der Hand, wenn es um die Suche nach Schuldigen geht. So haben vor allem oberbayerische CSU-Parlamentarier, nachdem sie Ministerpräsident Günther Beckstein erfolgreich zum Rücktritt gedrängt hatten, die Parole ausgegeben: Bloß keinen Franken mehr. Der in Erlangen kandidierende Joachim Herrmann hat diese Stimmungslage schon früher erkannt. Vor der Wahl ließ er bereits allerorten Bayernfahnen hissen und überall publizieren, dass er in München geboren sei. Dabei trat er bevorzugt im Trachtenlook auf, um nicht mit dem Frankenmakel belegt zu werden.
Für die Franken wird die Luft in der CSU jedenfalls dünn. Doch das, was da an altbayerischem Personal zu Debatte steht, scheint dafür eher in Richtung rückwärts zu gehen. Thomas Goppel hat längst seinen politischen Zenith überschritten. Georg Schmid schüttelt zwar gerne viele Hände, wird aber von vielen eher als Stoiber-Double angesehen. Horst Seehofer war eigentlich vor einem Jahr schon zweite Wahl. Über allem schwebt dann der eigentlich bereits auf dem Altenteil sitzende Edmund Stoiber als Racheengel.
Auf den ersten Blick sind das also keine guten Voraussetzungen, um zu alter Stärke zurückzufinden. Aber vielleicht auf den zweiten. In unserer Leserfrage wollen wir daher von Ihnen wissen: Schafft die CSU so den Neuanfang? Geben Sie Ihr Votum bitte ab Montag  hier ab.

Hier noch ein Video für Nostalgiker (so ändern sich die Zeiten; bemerkenswert auch Stoibers Grünen-Einschätzung):

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Die Frage der vergangenen Woche lautete: Trauen Sie den Banken noch? Mit Ja antworteten 19,9 Prozent, mit Nein 80,1 Prozent.

Kaiserburg: Soll die bayerische Fahne weg?

burg_klein.jpgNeuerdings wehen auf der Kaiserburg die deutsche und die bayerische Fahne einträchtig nebeneinander. „Die Bayern sind stolz auf ihre Landesfarben Weiß und Blau“, hatte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann gesagt, als er die neue Dauerbeflaggung vieler öffentlicher Gebäude vorstellte. Damit folgt die Staatsregierung dem patriotischen Trend, der bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gesetzt wurde. Beflaggung, so Herrmann, stärke die Identifizierung der Bürger mit dem eigenen Land und der eigenen Nation.

Doch in diesem Landstrich kommt er damit nicht bei allen gut an, selbst nach 200 Jahren Zugehörigkeit zu Bayern. Den Patrioten des Fränkischen Bundes etwa stößt sauer auf, dass der „Tag der Franken“ am 2. Juli ohne den rot-weißen Frankenrechen an staatlichen Gebäuden auskommen muss. Man erinnere sich an den Eiertanz, den der Kulmbacher SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Hoderlein und CSU-Ministerpräsident Günther Beckstein im letzten Jahr veranstalteten. Monatelang ging es da um die Frage, ob es von den fränkischen Rathäusern Rot und Weiß wehen darf. Schließlich wurde Hoderleins Antrag abgelehnt. Und nun hisst die Nürnberger Burg, das Wahrzeichen der Frankenmetropole, die bayerische Fahne – das tut manchem in der Seele weh.
Wir wollen daher von Ihnen wissen: Soll die Bayern-Fahne von der Kaiserburg weg? Sie können Ihr Votum ab Montag hier abgeben.

Die Frage der letzten Woche lautete: Braucht Nürnberg einen Lebkuchenmarkt? Mit Ja antworteten 24,9 Prozent, mit Nein 75,1 Prozent.