Stadtbibliothek: Soll sie auch am Sonntag öffnen?

Eine Stadt befindet sich im ständigen Wandel, genauso wie die Bedürfnisse ihrer Bewohner. Manches verliert an Bedeutung, anderes gewinnt an Zuspruch. Auch wenn die Menschen heute vielleicht weniger Bücher lesen als früher, der Beliebtheit der Nürnberger Stadtbibliothek tut das keinen Abbruch. Rund eine Million Besucher im Jahr zählt das Haus. Denn längst sind Bibliotheken keine staubigen Büchertempel mehr. Sie sind ein Ort mit Aufenthaltsqualität. Schon morgens stehen die Bürger vor dem Tor Schlange und warten, dass sich endlich das Gitter hebt.

In der Stadtbibliothek trifft sich die ganze Gesellschaft, hier ist Teilhabe möglich, hier darf sich jeder zu Hause fühlen, ob Arm oder Reich, ob Jung oder Alt, ob mit deutschen Wurzeln oder ausländischen. Nicht jeder kommt zum Lesen, aber es sind die Bücher, die eine besondere Atmosphäre schaffen. Die SPD hat in einem Antrag an die Verwaltung vorgeschlagen, die Stadtbibliothek auch gelegentlich an Sonntagen zu öffnen, um besonders Familien anzusprechen. Das ist eine gute Idee, aber nicht nur für Eltern und Kinder. Eine Bibliothek, die am Sonntag öffnet, kann auch ein attraktives Angebot für Menschen sein, die sich einsam fühlen. Und deren Zahl steigt. Allerdings muss das Angebot finanziert sein. Die Haushaltskasse der Stadt lässt dafür kaum Spielraum.

Gabi Eisenack

Stadtbibliothek: Soll sie auch am Sonntag öffnen?

Braucht Nürnberg ein weiteres Frauenhaus?

Frauen leiden sehr lange heimlich. Was hinter deutschen Haustüren passiert, bleibt oft verborgen, bis sich die äußeren Zeichen der Gewalt an den Körpern der Opfer nicht mehr verbergen lassen. Dass sie sich oft keine Hilfe holen, liegt auch an der Scham. Und vielleicht an der Angst, dass es ohnehin kein Entrinnen gibt.

Gewalt gegen Frauen trifft Menschen aus allen Schichten – und sie macht auch die Kinder krank. Das Leben in permanenter Angst vor gewaltsamen Ausbrüchen hinterlässt tiefe seelische Wunden. Doch stellt sich die Frage nach dem Wohin? Frauenhäuser sind ein sicherer Zufluchtsort, dort können die Betroffenen zur Ruhe kommen und finden Hilfe für die Neuorganisation ihres Lebens. Leider aber sind die Plätze rar – was für manche Frau ein tödliches Problem werden kann.

Gabi Eisenack

Braucht Nürnberg ein weiteres Frauenhaus?

Soll die Stadt eine mobile Sporthalle kaufen?

Weil die Wände der großen Vierfachhalle am Berufsschulzentrum Berliner Platz (BBZ) repariert werden müssen, bleibt die Halle mindestens bis zum Jahresende geschlossen. Das bedeutet für den Profi-Basketball in der Stadt ebenso einen Einschnitt wie für Schüler und Vereinssportler. Nun erwägt die Stadt, eine mobile Sporthalle zu kaufen.

Dies könnte auch deshalb sinnvoll sein, weil nicht sicher ist, ob die Bauarbeiter nicht in der Halle auf Asbest stoßen und diese viel länger geschlossen bleiben muss. Andererseits wäre eine solche Lösung ziemlich teuer. Eine mittlere sechsstellige Summe müsste die Stadt für die Halle ausgeben.

Marco Puschner

Soll die Stadt eine mobile Sporthalle kaufen?

Grundschulabitur: Ist es zu schwierig?

Die Viertklässler haben am 2. Mai ihr Übertrittszeugnis bekommen und damit eine harte Zeit hinter sich gebracht. 22 Proben haben sie in rund einem halben Jahr in Deutsch, Mathe sowie Heimat- und Sachunterricht geschrieben. Nur diese drei Fächer spielen eine Rolle, wenn es darum geht, an welche weiterführende Schule die Kinder wechseln dürfen.

Der Druck, den die Schüler in dieser Zeit ausgesetzt sind, ist enorm. Selbst wenn sie nicht von überehrgeizigen Eltern drangsaliert werden, die nur das Gymnasium im Blick haben. In Bayern gilt: Am Ende des vierten Schuljahrs wird aussortiert. Soziale Kompetenzen spielen keine Rolle, auch Fähigkeiten in Sport, Musik oder Kunst nicht. Lehrer- und Elternverbände kritisieren dieses System des Aussiebens schon lange. Eine Forderung lautet, den Elternwillen zählen zu lassen und die Kinder erst nach der sechsten Klasse zu trennen. Damit bliebe den Schülern viel Frust erspart, den mancher sein Schulleben lang nicht mehr los wird.

Das Kultusministerium beruft sich darauf, dass die Entscheidung nach der vierten Klasse noch keine endgültige über die künftige Laufbahn des Kindes ist. Dass das bayerische Schulsystem durchlässig ist. Das mag schon sein. Trotzdem: Wer neun oder zehn Jahre alt ist, soll mit Freude und nicht mit Angst in die Schule gehen dürfen.

Gabi Eisenack

Grundschulabitur: Ist es zu schwierig?

Sind Smartphones schädlich für Kinder?

Für viele Kinder sind Smartphone und Tablet völlig selbstverständlich: Sie halten darüber Dauerkontakt zu Freunden, zocken Spiele, schauen Videos, surfen im Internet, lernen mit Apps – nicht selten viele Stunden lang am Tag. Es gibt in Familien mit jungen Mädchen oder Jungen selten ein Thema, das so viel diskutiert wird wie der Konsum von digitalen Medien. Einige befürworten es, dass der Nachwuchs möglichst früh Zugang zu Tablet und Smartphone erhalten soll: Eine moderne Gesellschaft und später auch eine digitalisierte Arbeitswelt erfordern dies, so die Argumente. Andere fürchten, dass Kinder über die Beschäftigung mit digitalen Medien vereinsamen und süchtig werden, von den gesundheitlichen Risiken wie Entwicklungsstörungen und Hyperaktivität ganz zu schweigen. Tatsächlich zeigt eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums, dass die extensive, völlig unkontrollierte Nutzung digitaler Medien gravierende Folgen haben kann. Dem gegenüber steht die Einschätzung amerikanischer Kinderärzte, dass Mädchen und Jungen ab drei Jahren bis zu einer Stunde am Tag auf einen Bildschirm gucken können, ohne Nachteile fürchten zu müssen. Die Menschheit hat viele Jahrhunderte Erfahrung mit analogen Lernmaterialien wie Büchern. Dagegen beschäftigt uns die Existenz von Internet und digitalen Medien erst seit rund 20 Jahren. Die Unsicherheit ist also groß, die Vorsicht berechtigt.

Ngoc Nguyen

Sind Smartphones schädlich für Kinder?

Digitales Klassenzimmer: Ein echter Fortschritt?

Die Digitalisierung der Welt schreitet unaufhaltsam fort – zu Hause, im Berufsleben, in der Freizeit. Nur in vielen Klassenzimmern ist sie noch nicht angekommen. Dabei sind gerade die Schüler versiert im Umgang mit Smartphone, Tablet und Co. Es muss sich also rasch etwas tun. In Nürnberg wird bereits intensiv am Abschied der Kreidezeit gearbeitet, die Stadt investiert viel Geld in die technische Ausstattung der Schulen. Das ist lobenswert, aber die Umstellung braucht Zeit. Viele historische Gebäude lassen sich nicht mal eben schnell technisch aufrüsten.
In den neuen Schulen in Nürnberg, der Viatisschule, der Michael-Ende-Schule oder der Gretel-Bergmann-Schule ist das digitale Klassenzimmer bereits Standard. Die Kinder sind begeistert, die Lehrer berichten von der Vielfalt der neuen Möglichkeiten, die die Technik bietet.
Andere wiederum sind skeptisch und zweifeln den pädagogischen Nutzen an, den die Digitalisierung im Klassenzimmer mit sich bringt. Klar ist: Es muss auch der Lehrplan der neuen Zeit angepasst werden, ohne dass Inhalte auf der Strecke bleiben. Es geht nicht nur darum, die Technik bereitzustellen, sondern auch Konzepte zu entwickeln, wie sie den Unterricht und das Lernen bereichern kann. Und schließlich müssen auch die Lehrer lernen, wie die neuen Unterrichtsmittel sinnvoll einzusetzen sind. Dann hat die Digitalisierung einen echten Mehrwert.

Gabi Eisenack

Digitales Klassenzimmer: Ein echter Fortschritt?

Sollen die Sommerferien verkürzt werden?

In Bayern ist die sechste und damit letzte Ferienwoche angebrochen. Manche Eltern zählen schon die Tage, bis die Schule endlich wieder losgeht. Wenn der Nachwuchs allmählich beginnt, sich zu langweilen, wird das Familienleben anstrengend.  Auch Aleksander aus Estland findet die Ferien zunehmend öde. Dieser Tage erreichte uns die Agenturnachricht aus Tallinn, dass der junge Mann einen Brief an die Regierung seines Landes geschrieben und sich über die zu lange Auszeit beklagt hat – die Sommerferien dauern in seiner Heimat drei Monate. Im Vergleich dazu sind unsere Sommerferien richtig kurz. Trotzdem hat Aleksander eine alte Diskussion wieder in Gang gebracht. Müssen die Sommerferien unbedingt sechs Wochen dauern? Klar, Kinder brauchen eine Pause, und auch Langeweile fördert die Fantasie.

Pädagogen hingegen werfen ein, dass die Schüler viel Stoff vergessen und zu Schuljahresbeginn eine Menge Auffrischungsarbeit nötig sei. Andere meinen, man könne die Sommerferien auf fünf Wochen kürzen und dafür die Herbstferien verlängern. Denkbare Varianten sind zahlreich.

Gabi Eisenack

 

Sollen die Sommerferien verkürzt werden?

Sollen Kitas gebührenfrei werden?

Jap, die Bundestagswahl steht kurz bevor. Das merkt der Bürger an den ehrgeizigen Versprechen der Politiker. So machte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz Schlagzeilen mit seinem Wahlprogramm. Eine Passage dreht sich auch um die Bildung. Schulz weiß: Mit diesem Begriff lassen sich Wähler gewinnen. Noch das Wort „gebührenfrei“ hinzugefügt und schon hat der Politiker das perfekte Rezept zur Wählergewinnung. Doch so schmackhaft „gebührenfreie Bildung“ auch klingen mag, kann Schulz sie tatsächlich servieren – wenn er die Wahl im September gewinnt und Bundeskanzler wird?
Bildung und Betreuung sollen schon für unsere Kleinsten kostenlos sein, fordert er – und das nicht erst ab der Schule. Es ist ein Thema, das die meisten Eltern umtreibt. Wer nämlich sein Kind in eine Kita schickt, muss zahlen. Und das meist nicht zu knapp. Die Gebühren für städtische Kindertageseinrichtungen in Nürnberg kosten Familien zwischen 100 und 300 Euro, und das jeden Monat. Oben drauf kommt das Essensgeld. Private Einrichtungen sind meist sehr viel teurer. Ohne eine Förderung können sich das viele Familien nicht leisten.
Eben diese Zuschüsse sind es aber auch, die jedem Kind in Nürnberg einen Besuch in einer solchen Einrichtung ermöglichen. Es gebe in Nürnberg keine Familie, die ihren Nachwuchs nicht in einer Kita betreuen lassen könnte, versichert Georg Reif vom Amt für Kinder, Jugendliche und Familien. Es sei ein sehr soziales und gerechtes System, was wir hier haben. Wieso also etwas ändern, was gut funktioniert?
Und wo käme dann eigentlich das Geld her, das Kommunen vom Bund wegen ausfallender Kita-Gebühren einfordern könnten? Nürnberg hat im vergangenen Jahr dadurch immerhin über zehn Millionen Euro eingenommen. Geld, auf das die Stadt verständlicherweise nur ungern verzichtet.

Sollen Kitas gebührenfrei werden?

Impfpflicht für Kita-Kinder?

Alle reden im Moment über die Grippe – in ihrem Windschatten sind aber noch andere Krankheitserreger mit Gefahrenpotenzial unterwegs. Keuchhusten zum Beispiel. 2016 starben in Deutschland drei Babys an diesen Bakterien, meldete jüngst das Robert-Koch-Institut. 22 119 Keuchhusten-Fälle registrierte das Institut im vergangenen Jahr insgesamt, ein Höchststand seit Beginn der Meldepflicht 2013. Es komme derzeit wieder zu Erkrankungswellen – auch wegen Impflücken in der Bevölkerung, so das Institut.
Keuchhusten, Windpocken, Masern, Mumps, Röteln, Pneumokokken – sie zählen zu den ansteckenden Infektionskrankheiten, gegen die die Ständige Impfkommission Schutzimpfungen für Kinder empfiehlt. Der Nürnberger CSU-Stadtratsfraktion gehen die bloßen Empfehlungen nicht weit genug: Sie will speziell die Masernimpfung zur Voraussetzung für die Aufnahme in eine Kindertagesstätte der Stadt Nürnberg machen. Denn die wenigen Impfgegner oder -faulenzer würden viele andere Menschen gefährden, die zum Beispiel wegen Immunschwäche nicht geimpft werden dürfen.
Tatsächlich führen gerade die Masern in Einzelfällen zu tragischen Komplikationen: Sie können eine tödliche Hirnhautentzündung auslösen. Fälle davon gab es auch schon in Nürnberg. Die Nürnberger Jugend- und Gesundheitsämter lehnen eine Impfpflicht trotzdem ab. Eltern müssten durch Sachargumente überzeugt werden. Auch wäre die Vorschrift zur Impfung bei Einrichtungen der öffentlichen Hand gesetzlich derzeit gar nicht oder nur sehr aufwändig durchsetzbar.

Isabel Lauer

Impfpflicht für Kita-Kinder?

Kinderbetreuung: Soll sie kostenlos sein?

Kinder sind ihren Eltern ganz besonders viel Wert und sie kos­ten auch viel Geld. Jasmin Laub, Bundestags-Direktkandidatin für die FDP im Nürnberger Süden und Schwabach, hat drei Kinder, die in einer Kindertages­stätte betreut werden. 1320,60 Euro muss sie dafür im Monat bezahlen. Der Geschwisterrabatt ist dabei schon abgezogen. Viel Geld bleibt bei einem Teilzeitjob dann nicht mehr übrig. Für Laub leisten Kindertagesstätten weit mehr als nur die Betreuung. „Sie vermitteln Bildung. Was aber das Umfeld Kinder-Tagesstätte mit speziell für das Alter ausgebilde­ten Fachkräften leistet, werde ich daheim meinen Kindern nie bie­ten können“, so Laub, die selber Lehrerin und Pädagogin ist.
Die FDP-Politikerin kritisiert, dass im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz der Besuch einer Kinderta­gesstätte in Bayern nicht kosten­los ist. Für Laub ist das ein Stand­ortnachteil. Dass sozial Schwä­chere unterstützt werden, wenn ihre Kinder eine Kita besuchen, hält sie für ungerecht. Angesichts der Beträge, die bei mehreren Kin­dern zusammenkommen, müssten sich Normalverdiener inzwischen überlegen, ob sie ihre Kinder in einer Einrichtung betreuen las­sen. Wenn sie es nicht tun, würde der Nachwuchs auf Bildungschan­cen verzichten. Der Besuch einer Kindertagesstätte müsste deshalb grundsätzlich kostenlos sein, damit alle Kinder gleichermaßen gefördert werden, fordert Laub.
Dem steht entgegen, dass die Sozialausgaben schon sehr hoch sind. Der Haushalt der Stadt Nürnberg geht, wenn man alles zusammenzählt, zur Hälfte in den Sozialbereich. Kostenlose Kinder­tagesstätten müsste komplett das Land finanzieren. Vor dieser Belastung dürfte der Freistaat aber trotz guter finanzieller Lage zurückschrecken. Wenn einmal kostenlose Kindertagesstätten angeboten werden, dann gibt es kein zurück mehr.
André Fischer

Kinderbetreuung: Soll sie kostenlos sein?