Denken Sie über einen Kirchenaustritt nach?

Immer mehr KirchenaustritteUnsere tägliche Meldung gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld: Missbrauchsfälle, fast jeden Tag werden neue bekannt, ein Ende ist nicht absehbar. Viele gläubige Kirchenmitglieder sind enttäuscht, entsetzt, erschüttert. Priester missbrauchten ihre Opfer und nutzten ihre besondere Vertrauensstellung schamlos aus.

Angesichts der zahlreichen Enthüllungen über den sexuellen Missbrauch und über nicht zu entschuldigende körperliche Misshandlungen erlebt besonders die katholische Kirche einen massiven Exodus. Auch in Nürnberg (die NZ berichtete) haben fast dreimal so viele Katholiken ihre Mitgliedschaft gekündigt als im Vormonat. Beim „Abschied“, nicht von Gott, sondern von der Kirche, ist häufig zu hören, dass die nun bekannt gewordenen Auswüchse das Fass zum Überlaufen gebracht hätte. Diese Priester haben ihren Opfern viel Leid zugefügt. Nun leiden auch die Gläubigen – und in der Folge leidet die gesamte Kirche.
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Kampf den Wildpinklern

Die einen können ihre Fenster nicht mehr öffnen, weil sich fiese Wildpinkler regelmäßig unter selbigem erleichtern. Das Stangengässchen bzw. die Passage zur Kaiser- und Adlerstraße wird immer mehr zur öffentlichen Bedürfnisanstalt, beklagen Anwohner.

Einen Angriff auf christliche Toleranz stellen die Ereignisse rund um die Epiphaniaskirche dar. Egal, zu welcher Tag- und Nachtzeit pinkeln Männer in den Vorgarten. Manche hinterlassen auch größere Geschäfte. Für viele von ihnen scheinen die 31 öffentlichen Toiletten nicht attraktiv genug zu sein. Die Betroffenen fordern mehr öffentliche Toiletten von der Stadt. Diese wiederum klagt über den Vandalismus, der regelmäßig Schließungen der WC-Anlagen notwendig macht.

Was kann man gegen Wildpinkler tun? Sind sie nur Einzelphänomene? Diskutieren Sie mit.

Weitere Infos zum Thema finden Sie hier.

Tu Gutes, kauf Bionade!

Bionade_.JPGSollten Kirchen nicht das Evangelium verkünden, also die frohe Botschaft? Stattdessen tragen sie im Augenblick eher Werbebotschaften nach außen. Schließlich muss Geld in die Kasse für die teuren Renovierungen der alten Sakralbauten.

Wie dieser Spagat schon fast zur Persiflage auf die frohe Botschaft werden kann, das demonstriert zur Zeit die Nürnberger Lorenzkirche. Wer von der Königstraße kommt sieht an der Kirchenfassade auf einem riesigen Plakat zunächst nur die Worte „Tu Gutes“. Erst kurz vor der Kirche wird dann die gesamte Botschaft sichtbar: „Tu Gutes in Dich.“

Der Slogan ist eine Werbung für Bionade. Nach einem Ökotest-Urteil, wonach in diesen Produkten gar nicht so viel Gesundes drin sein soll, hat Bionade einen gesteigerten Verkündigungsbedarf. 10.000 Euro bekommt die Kirche, wenn sie einen Monat lang den guten Ruf der Bionade wieder herstellen hilft.

Doch die Bionade-Werbung ist noch längst nicht alles. Die Gemeinden St.Lorenz und St.Sebald planen, auch weiterhin mit Werbung Geld für die teure Renovierung ihrer Kirchen zu verdienen. In unserer NZ-Leserfrage wollen wir deshalb wissen: Stört Sie Werbung an Kirchenfassaden? Abstimmen können Sie (ab Montag) hier.

Bei der Leserfrage „Ist der Norisring noch zeitgemäß?“ votierten 37,5 Prozent mit Ja und 62,5 Prozent mit Nein.

Ein Bischof im Zwielicht

Bischof Müller (Mitte), Bischof Marx (links)Der Pfarrer hat seine Strafe wegen jahrelangen sexuellen Missbrauchs eines Ministranten bekommen. Der 40-jährige pädophile Geistliche mit schwerer Persönlichkeitsstörung muss seine Strafe drei Jahre lang in der geschlossenen Abteilung einer forensischen Klinik absitzen.
In dem Dorf Riekofen bei Regensburg lebt das heute 16-jährige Opfer – schwer traumatisiert. Und in Regensburg lebt Bischof Müller, der von einer moralischen Schuld nichts wissen will und der den einschlägig vorbestraften Pfarrer wieder in eine Gemeinde ließ.
Juristisch ist der Fall erledigt, ist er es aber auch moralisch? Fest steht, dass der Pfarrer bereits fünf Jahre zuvor in Viechtach seine Hände nicht von Messdienern lassen konnte. Dafür erhielt er damals eine Bewährungsstrafe. Fest steht, dass die Bischöfe in ihren Leitlinien festgelegt haben: „Geistliche, die sich des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig gemacht haben, werden nach Verbüßung ihrer Strafe nicht mehr in Bereichen eingesetzt, die sie mit Kindern und Jugendlichen in Verbindung bringen.“
Diese Leitlinie ist dem Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller entweder unbekannt, oder er hat sie bewusst missachtet. Müller setzte nämlich Pfarrer Peter K. als Pfarradministrator ein. Dass er von der Leitlinie nichts gewusst hatte, ist auszuschließen: Bischof Müller ließ auch nach dem jüngsten Fall verkünden, er habe nach den Leitlinien seiner Bischofskollegen gehandelt.
Der Regensburger Bischof hat sein „Bedauern“ über das Geschehene ausgedrückt. Dass er aber einen Fehler gemacht hat, indem er wissentlich der Vorgeschichte einen pädophil fixierten Geistlichen erneut in einer Gemeinde wirken ließ, das will Bischof Müller bislang nicht von sich geben.
In der betroffenen 800 Seelengemeinde Riekhofen warten nun viele auf eine Entschuldigung des Bischofs. Kann sich Bischof Müller darauf berufen, sich nicht für etwas entschuldigen zu wollen was er nicht beeinflussen konnte? Oder, und das ist unsere Frage der Woche, sollte sich Bischof Müller entschuldigen?

Die Leserfrage finden Sie wie immer ab Montag auf der NZ-Homepage.                    Dieter Wegener