Dieselfahrverbot – auch eine Idee für Nürnberg?

Seitdem der Münchener Oberbürgermeister Dieter Reiter in der vergangenen Woche laut über ein Dieselfahrverbot nachgedacht hat, nimmt die Debatte wieder an Fahrt auf. Tatsächlich kocht das Thema seit Jahren immer wieder hoch, doch diesmal ist der Grund dafür erschreckend: So zeigen neue Abgaswerte, dass der von der EU zugelassene Mittelwert für die Belastung durch das giftige Stickstoffdioxid nicht nur auf den großen Ring- und Einfallstraßen regelmäßig überschritten wird sondern auch in weit davon entfernten Wohngegenden. Stickstoffdioxid ist vor allem für Asthmatiker gefährlich, da es die Bronchien verengt.
Doch es ist nicht einfach, ein generelles Fahrverbot für ältere Dieselautos durchzusetzen: Nicht nur Hunderttausende private Fahrzeuge wären betroffen, sondern auch Taxis, Lieferverkehr, Autos von Handwerkern, teilweise ganze Fahrflotten von Unternehmen. Kein Wunder, dass die Wirtschaft gegen Reiters Pläne Sturm läuft und andere Maßnahmen fordert, zum Beispiel die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs.
Auch Nürnberg gehört zu den Städten, in denen zu hohe Stickstoffdixid-Werte gemessen werden. Hier will das Umweltreferat erst einmal abwarten, ob man die Ziele des von der Staatsregierung erlassenen Luftreinhalteplans auch ohne Fahrverbote erreichen kann.

Ngoc Nguyen

Dieselfahrverbot - auch eine Idee für Nürnberg?

Abwrackprämie auch für Roller und Co.?

Der Winter ist endlich vorbei und die Temperaturen steigen: Es wird Zeit, endlich die Zweiräder wieder hervorzuholen. Nur hartgesottene Fans fahren auch bei Minustemperaturen Fahrrad, Roller oder Motorrad. In den letzten Jahren ist im Sommerhalbjahr vor allem die Zahl der Roller-Fahrer gestiegen. Vespa und Co. genießen regelrecht einen Kultstatus. Vor allem, wenn es sich um ältere Modelle handelt.
Doch bei allem Charme, den die Roller und Mopeds entfalten, so sind sie doch, ja, das Wort muss sein, richtige Dreckschleudern. Vor allem dann, wenn sie noch keinen Katalysator haben. Das ist bei praktisch allen älteren Zweitaktern der Fall. Das Gemisch aus Öl und Benzin sorgt dann bei der Verbrennung für einen hohen Schadstoffausstoß. Laut einer Studie des Umweltbundesamts produzieren 1000 Roller so viele Kohlenwasserstoff-Emissionen wie eine Viertelmillion Autos. Der Zweitakt-Motor scheint noch aus der technologischen Steinzeit zu stammen.
Im Umweltausschuss des Stadtrats war man sich in dieser Woche deshalb einig, dass das Umweltamt zusammen mit der N-Ergie überlegen soll, ob es eine Förderprämie beim Kauf eines Elektrorollers gibt. Die Förderung könnte aus dem Topf des CO2-Minderungsprogramm der N-Ergie stammen. Derzeit wird das Geld zur Unterstützung bei der Umstellung auf effiziente Heizsysteme oder Speichersysteme verwendet. Elektroroller sind nicht nur sauberer, sondern auch leiser. Die Förderung könnte auf Pedelecs ausgedehnt werden. In Tübingen werden pro Kauf eines solchen Verkehrsmittels 500 Euro spendiert. Das schwebt auch den Nürnberger Grünen vor, die den Antrag mit dem Hinweis auf die schwäbische Studentenstadt gestellt haben.
Die Anhänger des Zweitaktmotors, der in Roller, Mopeds und in einigen wenigen Motorrädern eingebaut ist, werden darauf verweisen, dass keiner weiß, wie viele solcher Zweiräder es in Nürnberg gibt und ob das von der Anzahl her wirklich ein Problem ist. Außerdem sind Roller und Co. nicht das ganz Jahr unterwegs. Auch das individuelle Glück wird eine Rolle spielen: Warum lässt man Roller-Fans diese kleine Freude nicht? Auch wenn es ein bisschen knattert und stinkt.

André Fischer

Abwrackprämie für Roller und Co.?

Tempo 60 auf dem neuen Frankenschnellweg?

Der kreuzungsfreie Ausbau des Frankenschnellwegs ist seit Jahrzehnten ein Thema. Seit über drei Jahren liegt eine fertige Planung vor und die Staatsregierung hat eine überdurchschnittliche Förderung der Projekts zugesagt. Wenn die Klage des Bund Naturschutzes gegen den Frankenschnellweg nicht wäre, dann könnten die Bauarbeiten schnell begonnen werden. Beim Rechtsstreit dreht es sich auch nur noch indirekt um die Frankenschnellweg, sondern vor allem darum, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nicht Pflicht gewesen wäre. Nach dem Bayerischen Straßen- und Wegerecht war sie es nicht, nach Europäischen Recht wahrscheinlich schon. Sie wird derzeit nachgeholt und soll auch noch in den Genehmigungsprozess einfließen.
Durch die Verzögerungen entstehen pro Jahr Mehrkosten in Höhe von 15 Millionen Euro. Aus den kalkulierten 450 Millionen Euro, die der kreuzungsfreie Ausbau einmal kosten sollt, sind wahrscheinlich schon 500 Millionen Euro geworden. Bürgermeister Christian Vogel hat deshalb dem BN ein Vergleichsangebot gemacht, das viele Forderungen der Naturschützer aus den vergangenen Jahren enthält, wenn sie ihre Klage zurückziehen.
Der Kompromissvorschlag des Bürgermeisters umfasst den Vorschlag, innerhalb des Mittleren Rings eine Umweltzone einzurichten. Zwischen 2018 und 2022 soll es außerdem jährlich vier Millionen Euro mehr für den Bau von Radwegen, Lärmschutzmaßnahmen und der Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs geben. Geplant ist auch ein Durchfahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen, die kein Ziel in Nürnberg ansteuern und den Frankenschnellweg nur als Abkürzung benutzen. Der Hafen bleibt bei dieser Regelung uneingeschränkt zugänglich. Im Angebot Vogels ist auch die Reduzierung der Geschwindigkeit auf dem ausgebauten Frankenschnellweg enthalten. Bislang waren auf dem Frankenschnellweg außerhalb des Tunnels ein Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometer und im Tunnel 70 Stundekilometer geplant. Künftig sollen aber zwischen der Anschlussstelle Nürnberg-Fürth und dem Kreuz Hafen-Süd durchgängig nur noch 60 Stundenkilometer sein.

André Fischer

 

Tempo 60 auf dem neuen Frankenschnellweg?

Sind Sie für ein Böllerverbot an Silvester?

Auch wenn der Anlass diesmal ein besonderer ist, ist die Kritik an der lauten Silvesterknallerei eigentlich alle Jahre wieder zu hören. Diesmal war es der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele, der ein Verbot von besonders lauten Geböllere vorgeschlagen hat. Ansonsten, so argumentiert er könnte der Krach die zur Zeit spürbare Terrorangst noch weiter anschüren.

Die Reaktionen auf Ströbeles Vorstoß fielen überwiegend kritisch aus. Schließlich gebe es in Deutschland bereits klare Vorgaben für den maximalen Lärm von Knallkörpern (Foto: Caroline Seidel) und auch so ausgewiesene feuerwerksfreie Zonen, wird argumentiert. Dazu gehören etwa die Umgebung von Krankenhäusern und Seniorenheimen und feuergefährdete Bereiche. In Nürnberg ist bereits seit einiger Zeit die Burg eine solche Tabuzone, weil es in dem Gedränge auf der Freiung immer wieder zu Gefährdung von Feiernden gekommen war. Wesentlich weiter ist man bereits in den Niederlanden, wo in diesem Jahr 56 Gemeinden angekündigt haben, feuerwerksfreie Zonen einzurichten. So etwas dürfte auch im Sinne vieler Tierschützer sein, die immer wieder darauf hinweisen, welchen Stress die Knallerei bei vielen Haustieren auslöst.

Ein ganz praktisches Argument für ein Böller-Verbot könnte schließlich der massive Feuerwerks-Müll sein, der alljährlich zum 1. Januar die Straßen verunstaltet. Vor allem die immer beliebteren Mehrfach-Batterien schlagen hier zu Buche.
Die Feuerwerks-Befürworter halten all dem entgegen, dass man nicht einfach so fest verwurzelte Bräuche über Bord werfen sollte. Außerdem beschränke sich die Knallerei ja in Deutschland weitestgehend auf die Silvesternacht.

Clemens Helldörfer

 

Sind Sie für ein Böllerverbot an Silvester?

Wo passen in der Stadt mehr Bäume hin?

StrassenbaeumePapiere sind genug geschrieben, nun muss zur Tat geschritten werden: Dieser Ansicht ist jedenfalls der Bund Naturschutz (BN), der endlich mehr Bäume in der Innenstadt haben will. Bei der derzeitigen Sommerhitze sei es eine „Tortur“, sagt Mathias Schmidt vom BN-Arbeitskreis „Bäume in der Stadt“, durch die Altstadt zu laufen.

„Nürnberg glüht vor sich hin“, war kürzlich eine Sonderseite in der NZ überschrieben, die sich dem fehlenden Grün in der Stadt widmete. BN-Kreischef Otto Heimbucher weist denn auch darauf hin, dass bei Hitzewellen die Temperatur im Zentrum fünf Grad über der in Laufamholz oder Mögeldorf liege – und zwar, weil es an Bäumen fehle.

Der BN fordert eine „Aufforstung“ der Plätze in der Innenstadt, die er für „Steinwüsten“ hält. Mit dem Andreij-Sacharow-Platz könnte begonnen werden, unter anderem stehen aber auch der Platz vor der Katharinenruine, der Gewerbemuseumsplatz, der Egidienplatz, der Hallplatz, der Bauhof und der Klarissenplatz im Fokus. „Wir wollen Klimaschutzinseln schaffen“, sagt Schmidt. Unterstützt wird der BN vom Bürgerverein Nürnberg-Altstadt, vom SPD-Ortsverein Altstadt und von der CSU-Nürnberg-Altstadt. Das Bündnis fordert die Stadt Nürnberg in einer Resolution auf, „zeitnah ein Programm zur Begrünung geeigneter Plätze in der Altstadt zu planen und mittelfristig umzusetzen“. Das nötige Geld könnte aus den „staatlich geförderten Stadterneuerungsprozessen in der Altstadt bereitgestellt werden“.

Den Hauptmarkt erwähnt die Initiative in der Resolution bewusst nicht, weil sie bei der Stadtspitze hier stets auf Granit biss. „Es hieß immer, Bäume passten nicht in die historische Kulisse.“ Der BN könnte sich durchaus an den Seiten des Platzes Baumreihen vorstellen, die auch die „Bespielung“ des Hauptmarkts (Christkindlesmarkt, Bardentreffen etc.) nicht behindern würden. Aber das Bündnis „Mehr Bäume auf die Plätze der Altstadt“ will sich nun erstmal auf jene Plätze konzentrieren, auf denen eine Begrünung leichter durchsetzbar ist. Beim Andreij-Sacharow-Platz, glauben Schmidt und Heimbucher, dürfte es kaum Widerstand gegen ein paar Bäume geben (die grünen Kreise auf dem Foto machen deutlich, wo sich der BN die Bäume vorstellen könnte).

Haben Sie auch Vorschläge für ein grüneres Nürnberg? Dann diskutieren Sie gerne mit!

Marco Puschner

Benzin: Wären Sie bereit, mehr zu zahlen?

Es war nur eine Frage der Zeit, bis in der diesjährigen Oster-Debatte über zu hohe Benzinpreise Forderungen nach Steuersenkungen aus der Politik laut werden. Sie stehen bei diesem Dauerthema regelmäßig ganz oben auf der Wunschliste der Populisten. Womöglich werden auch bald wieder mal ein „Benzinpreis-Gipfel“, das Anzapfen der Ölreserven, Tankgutscheine für Pendler, Sozialtarife für Energie oder eine Spekulationssteuer auf Ölgeschäfte verlangt.

Immer wieder kommt irgendeinem Politiker dann auch die Idee, Benzin mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben statt 19 Prozent zu belegen. Mit knapp 40 Milliarden Euro macht die Mehrwertsteuer auf den Sprit fast zehn Prozent der gesamten Steuereinnahmen aus und ist damit nach Einkommen- und Umsatzsteuer die drittstärkste Steuerquelle eines Landes, das Rekordschulden vor sich herschiebt.

Mit einer Absenkung würde man Benzin und Diesel gleichsetzen mit Grundnahrungsmitteln wie Brot, Milch und Butter. Im Gegensatz dazu fordern nicht nur Umweltschützer, den Sprit eher teurer zu machen. Nur über den Geldbeutel sei ein bewusster Umgang mit der wertvollen Ressource Öl zu erreichen und der Umstieg auf regenerative Energien interessant.  

Wir wollen diesmal von Ihnen wissen: Wären Sie bereit, mehr für Benzin zu bezahlen? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Überdachte Radständer in der Altstadt? Mit Ja antworteten 32,9 Prozent, mit Nein 67,1 Prozent. sag

Merken Sie schon etwas vom Klimawandel?

Dauerthema Klimawandel: Es vergeht kaum eine Woche, in der Klimaforscher nicht neue Schreckensmeldungen über die Folgen der Erderwärmung verbreiten. Wen wundert’s da, dass wir dazu neigen, jedes heftige Gewitter, jeden verregneten Sommer oder schneearmen Winter dem Klimawandel zuzuschreiben.

 Fragt man dazu Wetterexperten, heißt es: Zumindest hier bei uns seien solche Wetterkapriolen ganz normal, es habe sie schon immer gegeben. Trotzdem sind viele Menschen davon überzeugt, dass sich das Wetter innerhalb der letzten Jahrzehnte verändert hat.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Merken Sie schon etwas vom Klimawandel? Abstimmen können Sie hier

sieb

Weniger Fleisch essen für den Klimaschutz?

Stromfressende Glühlampen kommen in den Müll, das Haus wird gedämmt, statt jeden Meter mit dem Auto zurückzulegen, kommt das Fahrrad zum Einsatz – es gibt viele Möglichkeiten, das Klima zu schützen. Andreas Troge bringt eine neue ins Spiel: weniger Fleisch essen. Der Chef des Umweltbundesamtes empfiehlt „die Rückkehr zum Sonntagsbraten und eine Orientierung an mediterranen Ernährungsgewohnheiten“.
Denn nach den Berechnungen seines Hauses verbraucht die Fleischproduktion besonders viel Energie: in Rindermägen entsteht bei der Verdauung klimaschädliches Methan, die Tiere brauchen viel Grünzeug. Doch bei der Düngung von Böden wird schädliches Lachgas freigesetzt, dazu kommt das Kohlendioxid der landwirtschaftlichen Maschinen.
Doch anders als in der italienischen oder der asiatischen Küche setzt man in Franken auf Deftiges. Die hiesigen Braten und Fleischspezialitäten sind weltberühmt – man denke nur an die Nürnberger „Broadwerschtla“, die sogar von der Europäischen Union geschützt sind. Für viele Menschen gehören Wurstbrötchen oder Leberkäs-Semmel einfach zum täglichen Speiseplan dazu, an den Wochenenden fahren ganze Heerscharen aufs Land, um in den Gaststätten Schäuferle und Sauerbraten zu genießen. Vegetarische Speisen setzen sich hierzulande kaum durch, noch immer gelten sie als die schlechtere Wahl.
Dabei mahnen auch Ärzte immer wieder, dass weniger Fleisch auf den Teller kommen sollte. Berichte von Massentierhaltungen verderben Konsumenten immer wieder den Appetit. Und nun sollen Wurst und Braten auch noch klimaschädigend sein.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll auf das Fleisch essen zugunsten des Klimaschutzes verzichtet werden? Abstimmen können Sie hier.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Halten Sie die Schrottprämie für sinnvoll? Mit Ja antworteten 8,1 Prozent, mit Nein 91,9 Prozent.