Begrüßen Sie die Abschaffung der Sargpflicht?

Es gibt sie bisher nur noch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern: die Sargpflicht. Sie soll nun in Bayern abgeschafft werden. Damit soll es Muslimen und Juden in Zukunft ermöglicht werden, ihre Toten statt in einem Sarg in ein Tuch eingehüllt zu beerdigen, wie es in den beiden Religionen üblich ist.

Um die Umsetzung der Neuregelung werden sich die Städte kümmern müssen – eine Herausforderung. Denn es ist nicht klar, wie diese Form der Bestattung in der Praxis umgesetzt werden kann. Es kommen Fragen auf: Wie bekomme ich jemanden, der von einem Tuch umgeben ist, pietätvoll in ein Grab? Wie kann ich den Toten zuvor lagern? Außerdem zersetzt sich ein Leichnam langsamer, wenn er in einem Tuch beigesetzt wird.

Vor allem Stimmen aus der SPD begrüßen die Neuregelung, diese sei ein überfälliges Zeichen des Respekts gegenüber unterschiedlicher Bestattungstraditionen. Die Sozialdemokraten sehen darin vor allem einen Fortschritt in der Integrationspolitik.

Claudia Urbasek

Begrüßen Sie die Abschaffung der Sargpflicht?

Kommen Autofahrer im Wahlkampf zu kurz?

Radfahren liegt im Trend. Kein Wunder: Es ist kostengünstig und es macht keine Emissionen. Wenn mehr Menschen mit dem Rad in die Innenstadt fahren und auf Autos verzichten, dann gibt es weniger Verkehrsbelastung und der Suchverkehr nach Parkplatz geht zurück. Fast alle politischen Parteien wollen, so ihre Versprechungen im derzeit laufenden Kommunalwahlkampf, mehr durchgängige Radwege in den Städten und Fahrradautobahnen zwischen den Metropolen in der Region bauen lassen. Es soll Parkhäuser für Räder geben und eigene Straßenspuren, die von Fahrradfahrern, Rollerfahrern und Bussen gemeinsam genutzt werden. Die Parteien unterscheiden sich bei diesem Thema nur über die Quantität ihrer Versprechungen.

Das mag alles sinnvoll sein und die Autolobby konnte ihre Besitzstände in den vergangenen Jahren gut verteidigen. Doch jetzt scheint es ernst zu werden. Mehr Platz für Räder kann nur zu Lasten der Autofahrer geschaffen werden.

Im Kommunalwahlkampf 1996 setzte die CSU ganz stark auf das Thema Individualverkehr, während die SPD den Autofahrern das Leben schwermachen wollte, um sie zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen. Damit gewann die CSU die Wahl und stellte zum ersten und bislang einzigen Mal den Oberbürgermeister in Nürnberg. Die Zeiten haben sich verändert. Trotzdem hätten die Autofahrer gerne gewusst, welche Partei noch mit Überzeugung zum kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellwegs steht und welche konkreten Alternativen die Gegner des kreuzungsfreien Ausbaus für die vom Stau betroffenen Autofahrer und die unter Lärm und Emissionen leidenden Anlieger haben. Eine neue Straßenbahn in den Südwesten wird nicht genügen und ein Boulevard mag schön sein, aber die Verkehrsprobleme würden bleiben.

Interessant zu wissen wäre für viele Autofahrer auch, warum in Nürnberg es so selten Grüne Wellen, beispielsweise am Ring gibt. Es kann nicht nur daran liegen, dass entweder die Autos auf dem Ringe oder aber die Hauptverkehrsachsen in die Stadt Vorfahrt haben. Warum dauern praktikable Lösungen, etwa für das westliche Ende der Bamberger Straße, so lange? Könnte man den Autoverkehr und die Auslastung der Parkhäuser in Nürnberg digital nicht wesentlich besser steuern als bisher?

André Fischer

Kommen Autofahrer im Wahlkampf zu kurz?

Braucht Nürnberg eine Trendsporthalle?

Dass junge Menschen auch in einer dicht bebauten Großstadt Raum für sich brauchen, ist unbestritten. Eine Halle, in der sich Jugendliche betreut austoben können, mit Slacklines, BMX, Skaten (Foto: Günter Distler) oder Parkour, auch am Abend und im Winter, würde eine Lücke im Angebot für die junge Generation schließen.

Freilich: Ein solches Projekt muss finanziert sein. Die Stadt schwimmt nicht im Geld. Eine sehr grobe Schätzung der Stadtverwaltung kommt auf rund sieben Millionen Euro, die eine Trendsporthalle in Kombination mit einem Kinder- und Jugendhaus kosten würde.                                      Gabi Eisenack

Braucht Nürnberg eine Trendsporthalle?

Gelbe Tonne: Eine gute Lösung?

Es war ein endloses Ärgernis: Schon Tage vor der Abholung lagen die Gelben Säcke vor den Häusern, platzten wegen ihrer Dünnhäutigkeit auf und ihr wenig ansehnlicher Inhalt verteilte sich auf Straße und Gehweg. Den Zustand wollten viele Bürger nicht hinnehmen und überhäuften die Stadt mit Beschwerden. Diese hat jetzt reagiert und schafft das Problem aus der Welt.

Ab dem neuen Jahr wird nun der Gelbe Sack abgeschafft und die Gelbe Tonne eingeführt. Nach einigem Hin und Her konnte die Stadt mit dem Systembetreiber eine Einigung erzielen. Die ungeliebten Müllsäcke werden künftig nicht mehr das Straßenbild verschandeln.

Kritiker der Umstellung sind allerdings skeptisch. Nicht überall sei schließlich Platz für noch eine weitere Tonne. Da gibt es immerhin schon einen Behälter für Altpapier, einen für Biomüll und einen für den Restmüll. Wie soll ein weiteres sperriges Teil in den Vorgarten passen? Die Stadt verweist auf die Wertstoffhöfe. Wer will, kann auch dort seinen Verpackungsmüll abladen. Ein Gelber-Tonnen-Zwang besteht nicht.

Marco Puschner

Gelbe Tonne: Eine gute Lösung?

Stadtbibliothek: Soll sie auch am Sonntag öffnen?

Eine Stadt befindet sich im ständigen Wandel, genauso wie die Bedürfnisse ihrer Bewohner. Manches verliert an Bedeutung, anderes gewinnt an Zuspruch. Auch wenn die Menschen heute vielleicht weniger Bücher lesen als früher, der Beliebtheit der Nürnberger Stadtbibliothek tut das keinen Abbruch. Rund eine Million Besucher im Jahr zählt das Haus. Denn längst sind Bibliotheken keine staubigen Büchertempel mehr. Sie sind ein Ort mit Aufenthaltsqualität. Schon morgens stehen die Bürger vor dem Tor Schlange und warten, dass sich endlich das Gitter hebt.

In der Stadtbibliothek trifft sich die ganze Gesellschaft, hier ist Teilhabe möglich, hier darf sich jeder zu Hause fühlen, ob Arm oder Reich, ob Jung oder Alt, ob mit deutschen Wurzeln oder ausländischen. Nicht jeder kommt zum Lesen, aber es sind die Bücher, die eine besondere Atmosphäre schaffen. Die SPD hat in einem Antrag an die Verwaltung vorgeschlagen, die Stadtbibliothek auch gelegentlich an Sonntagen zu öffnen, um besonders Familien anzusprechen. Das ist eine gute Idee, aber nicht nur für Eltern und Kinder. Eine Bibliothek, die am Sonntag öffnet, kann auch ein attraktives Angebot für Menschen sein, die sich einsam fühlen. Und deren Zahl steigt. Allerdings muss das Angebot finanziert sein. Die Haushaltskasse der Stadt lässt dafür kaum Spielraum.

Gabi Eisenack

Stadtbibliothek: Soll sie auch am Sonntag öffnen?

Braucht Nürnberg Anlagen für Wassernebel?

Die vergangenen Wochen zeigten es wieder: In heißen Sommern sucht der Städter verzweifelt nach Kühle. Bäume, Brunnen und Schattenplätze sind aber nicht beliebig vermehrbar. Da klingt ein Vorschlag der SPD-Stadtratsfraktion bedenkenswert. Sie möchte Wassernebelanlagen im öffentlichen Raum testen (Foto: Günter Distler). Das sind große Luftbefeuchter, unter deren feinem Sprühregen sich Passanten kostenlos erfrischen können. Einerseits eine wenig aufwändige Maßnahme – andererseits lädt jedes zusätzliche Objekt im Stadtraum zu Vandalismus ein und zieht neuen Wartungsbedarf nach sich.
Wir wollen daher in unserer Leserfrage wissen: „Braucht Nürnberg Anlagen für Wassernebel?“ In unserem Blog „Senf dazu“ (www.nordbayern.de/senf) können Sie abstimmen und diskutieren.
Vergangene Woche haben wir gefragt: „Höhere Strafen für Müllsünder?“ Teilgenommen haben 295 Leser. Mit Ja antworteten 98,6 Prozent, mit Nein 1,4 Prozent.

Isabel Lauer

Braucht Nürnberg Anlagen für Wassernebel?

OB-Kandidatur: Haben die Grünen richtig entschieden?

Jetzt hat auch die drittstärkste Partei im Nürnberger Rathaus das Geheimnis gelüftet, mit welchem Kopf sie in den OB-Wahlkampf 2020 ziehen will. Ende Juni wollen die Grünen Verena Osgyan  (Foto: Roland Fengler) zu ihrer Spitzenkandidatin ernennen. Die Nürnbergerin, gebürtig aus Roth, ist seit 2013 Landtagsabgeordnete. Sie ließ bisher bei Frauen- und Hochschulthemen von sich hören und engagiert sich in der evangelischen Kirche.
Die SPD in der Krise, die CSU mit einem wenig bekannten Kandidaten, dazu der bundesweite grüne Höhenflug – das verleiht der 48-Jährigen ungeahnte Chancen, im Kampf ums Rathaus weit zu kommen. Über ein Alleinstellungsmerkmal in dem Trio verfügt sie schon mal: Sie ist weiblich. Andererseits hat Osgyan keine kommunalpolitische Vergangenheit, was sich meist als Handicap beim Wähler erweist.

Isabel Lauer

OB-Kandidatur: Haben die Grünen richtig entschieden?

Sind Knöllchen für Falschparker zu billig?

Wer in Nürnberg verboten parkt, der musste im vergangenen Jahr im Schnitt gerade einmal 14,56 Euro berappen – und das auch nur, wenn er dabei erwischt wurde. Freilich: Es gibt Ecken in der Stadt, in denen Parksünder den Verkehrsüberwachern ganz sicher ins Netz gehen. Wer etwa rund um deren Hauptquartier an der Gleißbühlstraße nur kurz falsch parkt, der ärgert sich gewaltig, wenn er ein Knöllchen bekommt. Es gibt aber auch Ecken in der Stadt, an denen kommen die Kontrolleure vielleicht nicht ganz so oft vorbei. Wenn das dann auch noch Ecken sind, in denen man sonst eigentlich nur ins Parkhaus fahren kann, wenn man sein Fahrzeug irgendwo abstellen will, dann kommen Autofahrer schnell auf durchtriebene Ideen. Vielleicht kommt es ja günstiger, wenn sie sich das Parkhaus sparen, illegal und kostenlos parken und ganz bewusst ein Knöllchen riskieren. Im Ernstfall kostet das eben ein paar Euro. Zwei Knöllchen in der Woche kosten bei weitem nicht so viel wie eine Woche im Parkhaus zu parken.

Autofahrer, die lieber Knöllchen riskieren, als Gebühren für ein Parkhaus zu bezahlen, gibt es immer mehr – und das sehr zum Ärger der anderen Verkehrsteilnehmer. Der Anwohner etwa, die keinen Bewohnerparkplatz finden, weil auf den vorhandenen Stellflächen jede Menge Auswärtige ohne entsprechende Berechtigung stehen. Oder der Menschen, die brav ein Ticket lösen und Gebühren bezahlen, die sich andere nicht leisten wollen.

Bewusste Falschparker sind ein Ärgernis. Und es werden immer mehr. Das sagen zumindest die Verkehrsüberwacher. Sie finden: So kann es nicht weitergehen. Einen Lösungsvorschlag haben sie auch schon: Die Knöllchen müssen teurer werden. Das schmerzt dann zwar auch diejenigen, die nur aus Versehen kurz parken, sorgt aber für mehr Ordnung auf den Straßen.

Julia Vogl

Sind Knöllchen für Falschparker zu billig?

OB-Kandidatur: Hat die CSU richtig entschieden?

Die Entscheidung von Oberbürgermeister Ulrich Maly, bei der nächsten Kommunalwahl im März 2020 nicht noch einmal anzutreten, hat der Nürnberger CSU einen richtigen Schub versetzt. Ursprünglich war geplant, im nächsten Jahr einen jungen Kandidaten gegen den übermächtigen Maly antreten zu lassen. Dieser Herausforderer sollte sich bekanntmachen, um dann 2026 gute Chancen zu haben, den OB-Posten zu erreichen. Der Kandidat sollte der CSU-Fraktionsvorsitzende Marcus König sein.

Nach dem angekündigten Ausstieg Malys und der allgemeinen SPD-Schwäche wittert die CSU aber ihre Chance, schon 2020 den OB zu stellen. Es wurde deshalb noch einmal genau analysiert, ob König der richtige Kandidat ist, ober ob der Bezirksvorsitzende Michael Frieser angesichts seiner Erfahrung und seines Bekanntheitsgrades nicht geeigneter wäre.

Am Ende blieb es bei König, dem mit Kulturreferentin Julia Lehner eine erfahrene Politikerin an die Seite gestellt wurde, die im Fall eines Wahlsiegs der CSU Kulturbürgermeisterin werden soll. Bislang hat Klemens Gsell das Bürgermeisteramt für die Bereiche Schule und Sport inne.

Das Tandem König/Lehner steht für Frau/Mann, jung/alt und eine große Bandbreite an Themen. Dass Lehner eine CSU-Liste anführt, die paritätisch mit Männern und Frauen besetzt ist, erhöht die Spannung, denn bislang hat die CSU bei der Besetzung von Mandaten noch einen erheblichen Nachholbedarf, was das weibliche Geschlecht anbelangt.

Mit König tritt ein Kandidat an, der sich im Berufsleben hochgearbeitet hat und der trotzdem immer politisch aktiv war. Dass er das Image der CSU als Partei der Autofahrer verändern will und er die Verbesserung der Grünflächen im Blick hat, ist richtig. Das hebt König aber noch nicht von der SPD und den Grünen ab. Mehr Grün, mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger – das wollen alle Parteien. Die Frage ist, mit welchen konkreten Maßnahmen man die Wähler überzeugt.

André Fischer

OB-Kandidatur: Hat die CSU richtig entschieden?

Soll die Nürnberger Innenstadt autofrei werden?

Autos sind laut und sorgen für schlechte Luft. Manchmal aber braucht man sie doch. Aber auch in der Innenstadt? „Wir fordern den Umbau der Innenstadt (innerhalb der Stadtmauern) zu einer autofreien Zone“, heißt es in der Petition auf der Plattform openpetition.de, die seit Anfang April rund 400-mal unterzeichnet worden ist. „Im Hinblick auf den zunehmenden Stress, Lärm und Abgase, welche sich ein Anwohner tagtäglich aussetzt, würde diese Maßnahme dazu führen, eine Stadt zu planen, welche sich um den Menschen dreht und nicht wie ein Auto am besten durch eine Stadt kommt.“ Der Verfasser ist sich sicher: Eine solche Maßnahme würde den Einzelhandel beleben und mehr Platz für Grün in der Stadt schaffen.

Aber: Widersprechen derartige Verbote nicht der Freiheit eines jeden Einzelnen? Und: Würde ein Autoverbot nicht auch Geschäfte treffen, die Waren anbieten, die nur schwer ohne Auto zu transportieren sind? Würde das nicht auch Arbeitsplätze gefährden? Und: Was machen Altstadtbewohner, die ihr Auto täglich für die Arbeit brauchen, es künftig aber erst am Stadtrand abholen müssen? Überhaupt: Wie sollen weniger mobile Menschen die Vorzüge einer autofreien Innenstadt genießen können, wenn sie ohne Auto gar nicht mehr in die Stadt kommen?

Julia Vogl

Soll die Nürnberger Innenstadt autofrei werden?