Welches Museum hätten´S denn gern?

MuseumIndustriekulturSchon wenn sie das Wort „Museum“ hören, beginnen manche zu gähnen. Doch die meisten Museen verdienen heutzutage eine solche Reaktion nicht mehr. Es hat sich eine Menge verändert in der Museumslandschaft. Die Besucher müssen in vielen Häusern längst nicht mehr „Abstand halten“ zu den ausgestellten Sachen – ganz im Gegenteil: Das Berühren ist immer öfter erwünscht und nicht mehr verboten. Auch in Nürnberg – links im Bild das Museum Industriekultur – haben sich die Museen weiterentwickelt und laden die Besucher oft zu eigenen Aktivitäten ein.

Die Nürnberger werden aber in letzter Zeit auch zunehmend selbst aktiv, was Ideen für neue Museen angeht. Es gibt eine ganze Liste von Vorschlägen, welche zusätzlichen Museen man gern hätte: In der Ehrenhalle des Rathauses sollen die Kopien der Reichskleinodien ausgestellt werden. Ein Kulturhistorisches Museum soll die Bedeutung Nürnbergs auf dem Gebiet von Kunst und Kunsthandwerk endlich gebührend würdigen. Ein Museum für historische Fahrzeuge steht ebenso auf der Wunschliste wie ein Feuerwehrmuseum oder ein Museum zur Bayerischen Geschichte und sogar ein Arabisches Museum. Die Sportstadt Nürnberg soll in einer eigenen Sportsammlung präsentiert werden, und als Spielzeugstadt will man zusätzlich zum Spielzeugmuseum auch noch ein Spielearchiv.

Was ist sinnvoll, was kann und soll sich die Stadt leisten? Gibt es womöglich bestehende Museen, die nicht mehr sinnvoll sind? Wie kann man alte Einrichtungen mit neuen Inhalten füllen? Oder passt alles so, wie es ist?
Jetzt sind Sie gefragt: Schreiben Sie uns Ihre Meinung hier im Blog in einem Kommentar!

Macht das "Germanische" ein gutes Programm?

Es ist keine gute Bilanz, die das Germanische Nationalmuseum (GNM) in der vergangenen Woche bekanntgab: 2009 ging die Zahl der Besucher um fast zehn Prozent zurück. Nur knapp 320 000 Kunstinteressierte sahen sich im letzten Jahr die Schätze des renommierten Hauses an.
Woran lag es? Als Sündenbock hat die Museumsleitung die Ausstellung „Kunst und Kalter Krieg“ ausgemacht: Die international anerkannte Sonderschau über die deutsche Teilung in der Kunst brachte in Nürnberg längst nicht den erhofften Besucherstrom – und das, obwohl sie vom amerikanischen Kritikerverband AICA als beste Themenschau des Jahres 2009 ausgezeichnet wurde. Aber es ist ja nichts Neues, dass die Meinung von Kunstkritikern und der Geschmack des breiten Publikums meilenweit voneinander entfern sind!
Nun sind zehn Prozent bei einer Größenordnung von 320 000 Besuchern eigentlich keine sehr beeindruckende Zahl. Das Problem ist, ob das GNM als wichtigstes Museum in der Stadt und eines der bedeutendsten im ganzen Land nicht grundsätzlich zu wenig Menschen anlockt. Schöpft das Haus seine Möglichkeiten nicht genügend aus, macht es zu wenig populäre Angebote, bleibt es häufig zu abstrakt in seiner Themenstellung, macht es zu wenig Werbung für sich? Das sind die Fragen, die sich automatisch stellen.
Für dieses Jahr stehen interessante Veranstaltungen auf dem Programm des GNM, zum Beispiel die erfolgsträchtige Sonderausstellung „Mythos Burg“ oder die Schau „Reisebegleiter – Mehr als nur Gepäck“ mit Koffern, die Geschichte(n) erzählen, anlässlich des 175. Bahnjubiläums. Auch die neu gestaltete Sammlung „Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur 16.–18.
Jahrhundert“ könnte ein Besuchermagnet werden. Aber reicht das alles schon aus, um eine Trendwende zu erreichen?
Wir wollen von Ihnen diesmal wissen: Macht das „Germanische“ ein gutes Programm? Abstimmen können Sie hier.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Wurde Siggi Schneider zu Recht ausgegrenzt? Mit Ja antworteten 82,7 Prozent, mit Nein 17,3 Prozent.

Ein zweites Männleinlaufen

Von der Beliebtheit des Männleinlaufens an der Frauenkirche könnte Nürnberg ruhig noch mehr profitieren, meinen Touristenführer: Sie wünschen sich zum traditionellen Durchgang um 12 Uhr auch einen zweiten Lauf um 16 Uhr. Die Stadtspitze ist da deutlich gespaltener Meinung.

Technisch wäre es problemlos umzusetzen: Eine kleine Umprogrammierung im neuerdings digital gesteuerten Laufwerk würde genügen. Die Gemeinde der Frauenkirche wäre einverstanden. Auch historisch gäbe es keinen Hinderungsgrund. Nach Recherchen des Stadtarchivs ist keinerlei Anordnung überliefert, die der Spieluhr eine bestimmte Prozedur vorschreibt.

Was spräche also dagegen? Die Angst vor Beliebigkeit. Es sei eben „Alleinstellungsmerkmal“ der Paradeuhr, dass sie nur einmal täglich läuft. Die Kulturreferentin ist skeptisch, und der Oberbürgermeister lehnt den Vorschlag rundheraus ab. Für sie gingen Wert und Ernst des Rituals verloren. Die Runde der städtischen Referenten wird die Sache bald entscheiden; die Uhr ist in städtischem Besitz.

Soll Nürnberg Kunstwerke verkaufen?

Depots_d.JPGNürnberg  ist reich. Leider nicht an Geld, dafür aber an Kunstwerken und historischen Wertgegenständen. Und die wiederum sind arm dran: Zum größten Teil lagern sie bei schädlichem Klima in völlig ungeeigneten, überfüllten Depots. Ihr Verfall ist teilweise nur eine Frage der Zeit. Da jedes städtische Museum den Auftrag hat, auch aktuelles Kulturgut in der Hoffnung auf Wertsteigerung für die Nachwelt aufzuheben, wird beständig weiter gesammelt. Allein die Gemälde- und Skulpturensammlung umfasst jetzt schon 120.000 Objekte.

Die Schaffung eines modernen Zentraldepots, wie es München gerade plant, wäre eine Lösung – eine millionenschwere. Ist sie vertretbar in einer Stadt, die als drängendste Probleme Jugendarbeitslosigkeit, Kinderbetreuungslücken und einen Schuldenberg von fast einer Milliarde Euro herumschleppt? Müsste eine Kommune nicht auch ihr „Tafelsilber“ gewinnbringend für die Allgemeinheit einsetzen? Es muss kein Ausverkauf der Dürers werden, aber vielleicht eine sanfte Entschlackungskur für die Depots. Solvente Privatsammler für jede erdenkliche Art von Kunst gibt es auf der ganzen Welt.

Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll die Stadt Kunstschätze verkaufen? Ab Montag können Sie hier abstimmen.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Kaiserburg: Soll die Bayern-Fahne weg? Mit Ja antworteten 45,9 Prozent, mit Nein 54,1 Prozent. Die Digitalkamera hat Margarete Meier aus Nürnberg gewonnen. In dieser Woche verlosen wir unter den Teilnehmern an der Leserfrage ein Standfeuer.