Sind Autorennen noch zeitgemäß?

Das Norisring-Rennen (Foto: Ralf Rödel) gehört zu den Höhenpunkten des Sportjah­res in Nürnberg. Auch diesmal verfolgten wieder Zehntausende Besucher das Geschehen. Sie kommen, weil sie fasziniert sind von der Technik, von der (be­grenzten) Macht des Menschen über die Maschine, von der Geschwindigkeit. Wer einmal auf der Tribüne sitzt, kann sich dem Flair der Veranstaltung schwer­lich entziehen. Doch: Ist diese Art von Sport heute wirklich noch zeitgemäß? Die Menschen leiden unter dem Lärm in den Städten, sie leiden unter schlechter Luft. Warum also einer Faszination anhängen, die dazu beiträgt und dann auch noch gefährlich ist? Andererseits: Treibhausgase verursacht schließ­lich jeder, der mit dem Auto unter­wegs ist. Und lebensgefährlich kann auch Skifahren sein.

Gabi Eisenack

Sind Autorennen noch zeitgemäß?

Soll der BN seine Klage zurückziehen?

Bis der Europäische Gerichtshof (Eu GH) sich mit dem Thema Fran­kenschnellweg (Foto: Oliver Acker) beschäftigt, dürfte einige Zeit vergehen. Bis dahin sollten die Kontrahenten die Pause zum Nachdenken nützen. OB Ulrich Maly hatte den Bund Naturschutz (BN) aufgefordert, seine Klage zurückzuziehen, denn die Stadt Nürnberg habe schon versprochen, eine Umweltverträg­lichkeitsprüfung durchzuführen und sich an deren Ergebnisse zu halten. Die gerichtliche Auseinan­dersetzung koste nur Zeit und Geld.
Vom BN kamen unterschiedli­che Signale. Die Vertreter der har­ten Linie wollen unbedingt eine Entscheidung des Eu GH, denn dann könnte wahrscheinlich der Klageweg weiter beschritten wer­den. So lange geklagt wird, kann nicht gebaut werden, so die Stra­tegie.
Es gibt aber auch andere, ver­deckt kompromissbereit argumen­tierende BN-Kräfte, die an einer Lösung des Verkehrsproblems interessiert sind: Wenn es etwa möglich wäre, eine Umleitung des Lkw-Verkehrs auf die A3 in Nachtzeiten vorzunehmen und die Lärmschutzwände noch ein bisschen verlängert oder erhöht würden, dann würden sie viel­leicht nicht auf der Fortsetzung der Klage bestehen. Die Richter des Bayerischen Verwaltungsge­richtshofs haben den Kontrahen­ten ebenfalls empfohlen, einen Kompromiss außerhalb des Gerichts zu suchen.

Text: André Fischer

Soll der BN seine Klage zurückziehen?

Sollen Sportveranstaltungen auf dem Hauptmarkt bleiben?

Für viele ist der Nürnberger Hauptmarkt die „gute Stube“ der Stadt. Ob es darin eher lebhaft zugehen soll oder doch lieber stiller, darüber gehen die Ansichten weit auseinander. Neuen Gesprächsstoff lieferte eine Entscheidung von Oberbürgermeister Ulrich Maly. Er hatte der Neuauflage des Smart-Beach-Volleyball-Cups (Foto: Horst Linke) für das kommende Jahr eine Absage erteilt. Man könne für die Veranstaltung einen anderen Ort suchen, auf dem Hauptmarkt werden die Bälle jedoch nicht mehr fliegen. Die Begründung für die Entscheidung lautete, dass bei dem Volleyballturnier die Werbung – unter anderem für ein Auto – im Vordergrund stehe und nicht der Sport.

Der Beachvolleyball-Wettbewerb war nicht das einzige Sport-Event im Herzen der Stadt. Wenige Wochen zuvor hatten die Weitsprung-Wettkämpfe im Rahmen der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften auf dem Hauptmarkt stattgefunden, ein Jahr zuvor zeigten Mountainbiker beim „Red Bull District Ride“ ihr Können. Der Aufwand für eine solche sportive Veranstaltung ist meist enorm, riesige Anlagen und Tribünen müssen aufgebaut werden, beim Beachvolleyball Berge von Sand herangefahren werden. Hinzu kommen – oft zum Missfallen der Touristen und vieler Bürger – Werbebanner, -fahnen, -plakate, -aufbauten. Insgesamt war der Hauptmarkt im Jahr 2015 an 17 Tagen, inklusive Auf- und Abbau, wegen Sportveranstaltungen für die Markthändler nicht nutzbar. Weitere Veranstaltungen – ohne Sport – belegten den Hauptmarkt an 132 Tagen, darunter das Bardentreffen, Trempel- und Spezialmärkte.
Manch einer hat kein Verständnis dafür, dass es den Beach-Volleyball-Cup dort nicht mehr geben soll, andere begrüßen die Entscheidung Malys und argumentieren, Sportveranstaltungen, bei denen eher der Eventcharakter im Vordergrund steht, gehörten in Stadien, vielleicht noch in Parks oder auf das Flughafengelände. Wie sehen Sie das?

Claudia Urbasek

Sollen Sportveranstaltungen auf dem Hauptmarkt bleiben?

Sollen Straßenmusiker zum amtlichen Vorspielen?

Ohne Frage: Straßenmusiker (Foto: Michael Matejka) bereichern eine Großstadt. Doch in Nürnberg werden sie für die Bewohner der Innenstadt zum Ärgernis. Manche der Musiker spielen immer das Gleiche, einige sogar immer nur ein und das selbe Lied in Dauerschleife. Entnervte Innenstadtbewohner sprechen schon von „musikalischem Psychoterror“ und haben sich an Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly gewandt. Doch der zeigt sich hilflos, verweist auf die Auflagen – nur fünf Mann oder Kleingruppen (mit maximal fünf Personen) dürfen spielen, alle halbe Stunde müssen sie die Spielstätte wechseln und dürfen keine Verstärker oder zu laute Instrumente verwenden. Auf das Repertoire des Straßenmusikanten hätte er keinen Einfluss, so Maly.
Doch ist das wirklich so? München litt vor 15 Jahren unter der gleichen Problematik: Mehr oder minder begabte Musiker beschallten Anwohner und Geschäftsleute mit der immer gleichen Musik. Doch die Stadt zeigte sich kreativ und entschied, dass nur noch Straßenmusiker- und -künstler in der Innenstadt auftreten dürfen, die zuvor in der Stadt-Information eine Kostprobe ihres Könnens abgegeben hatten.
Drei Stücke müssen die Musiker flüssig und einigermaßen fehlerfrei vortragen, dann bekommen sie eine Spielerlaubnis. Diese wird nur tagesaktuell vergeben, es dürfen keine Verstärker benutzt werden und – ganz entscheidend: Die Musiker dürfen einen Standplatz nur einmal täglich für eine Stunde aufsuchen, Spielzeiten sind festgelegt (11 bis 14 Uhr und 15 bis 22 Uhr). Die Auftritte sind auf maximal zwei Werktage pro Woche limitiert, die Stadt vergibt zweimal fünf Genehmigungen pro Tageshälfte. Die Qualität der Darbietung wird nicht nur morgens im Amt überprüft, die städtischen Mitarbeiter sehen sich später die Auftritte auch live in der Innenstadt an.
Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert Sperren von drei bis zwölf Monaten. Das ist oft schmerzhafter für die Musiker als Geldstrafen, zeigt die Erfahrung. Und wesentlich teurer ist die Vorgehensweise nicht, weil sich die Stadt aufwändige Ordnungswidrigkeitsverfahren spart.
Die Lage habe sich durch das Vorspielen entspannt, sagt Albert Dietrich von der Stadt-Information München. Er ist zuständig für das Casting. Der Erfolg ist so groß, dass Berlin, Frankfurt/Main und Innsbruck das Modell übernehmen wollen.

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