Abwrackprämie auch für Roller und Co.?

Der Winter ist endlich vorbei und die Temperaturen steigen: Es wird Zeit, endlich die Zweiräder wieder hervorzuholen. Nur hartgesottene Fans fahren auch bei Minustemperaturen Fahrrad, Roller oder Motorrad. In den letzten Jahren ist im Sommerhalbjahr vor allem die Zahl der Roller-Fahrer gestiegen. Vespa und Co. genießen regelrecht einen Kultstatus. Vor allem, wenn es sich um ältere Modelle handelt.
Doch bei allem Charme, den die Roller und Mopeds entfalten, so sind sie doch, ja, das Wort muss sein, richtige Dreckschleudern. Vor allem dann, wenn sie noch keinen Katalysator haben. Das ist bei praktisch allen älteren Zweitaktern der Fall. Das Gemisch aus Öl und Benzin sorgt dann bei der Verbrennung für einen hohen Schadstoffausstoß. Laut einer Studie des Umweltbundesamts produzieren 1000 Roller so viele Kohlenwasserstoff-Emissionen wie eine Viertelmillion Autos. Der Zweitakt-Motor scheint noch aus der technologischen Steinzeit zu stammen.
Im Umweltausschuss des Stadtrats war man sich in dieser Woche deshalb einig, dass das Umweltamt zusammen mit der N-Ergie überlegen soll, ob es eine Förderprämie beim Kauf eines Elektrorollers gibt. Die Förderung könnte aus dem Topf des CO2-Minderungsprogramm der N-Ergie stammen. Derzeit wird das Geld zur Unterstützung bei der Umstellung auf effiziente Heizsysteme oder Speichersysteme verwendet. Elektroroller sind nicht nur sauberer, sondern auch leiser. Die Förderung könnte auf Pedelecs ausgedehnt werden. In Tübingen werden pro Kauf eines solchen Verkehrsmittels 500 Euro spendiert. Das schwebt auch den Nürnberger Grünen vor, die den Antrag mit dem Hinweis auf die schwäbische Studentenstadt gestellt haben.
Die Anhänger des Zweitaktmotors, der in Roller, Mopeds und in einigen wenigen Motorrädern eingebaut ist, werden darauf verweisen, dass keiner weiß, wie viele solcher Zweiräder es in Nürnberg gibt und ob das von der Anzahl her wirklich ein Problem ist. Außerdem sind Roller und Co. nicht das ganz Jahr unterwegs. Auch das individuelle Glück wird eine Rolle spielen: Warum lässt man Roller-Fans diese kleine Freude nicht? Auch wenn es ein bisschen knattert und stinkt.

André Fischer

Abwrackprämie für Roller und Co.?

Ist Nürnberg zu autofreundlich?

Nürnberg baut seine U-Bahn aus und hat gerade eine neue Straßenbahnstrecke eröffnet. Und trotzdem hat sie jeder Nürnberger weiter in seinem Bekanntenkreis: die ÖPNV-Miesmacher. Sie sind stolz darauf, nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. In der U-Bahn hätten sie Angst, Busse kämen unpünktlich, die VAG sei zu teuer, und mit dem Radfahren haben sie es auch nicht so. Die Schattenseiten des Autoverkehrs in einer immer dichter besiedelten Stadt blenden diese Leute gerne aus: die hohen Kosten für den eigenen Pkw, den gestiegenen Parkdruck in allen Wohnstraßen, das Stop-and-go jeden Tag am Ring, den umtosten Bahnhofsplatz (Foto: Stefan Hippel) oder die schlechte Luft durch Stickstoffdioxid.
Es ist schon was dran am Lamento der Grünen und der Fahrradvertreter: Nürnberg ist immer noch sehr attraktiv für Autofahrer. Es gibt massenhaft Gratis-Parkplätze und im Städtevergleich eher selten Strafzettel. Die CSU im Stadtrat behütet den Autoverkehr immer noch. Zu autofreundlich ist die Stadt auch für den Bund Naturschutz. Wenn der Verband nun allerdings seine Opposition zum kreuzungsfreien Frankenschnellweg gegen Straßenrückbaumaßnahmen an anderer Stelle eintauschen will, drängt er die Frage leider nur in die ideologische Schublade.

Isabel Lauer

Ist Nürnberg zu autofreundlich?

Soll es Pfand auf Milchtüten geben?

Kann das weg oder bringt das Pfand? Eine Frage, die sich in Deutschland manchmal erst nach einem ganz genauen Blick auf die Verpackung beantworten lässt. Es ist aber auch kompliziert: die Limo-Dose kann man zurückgeben und bekommt sogar Geld dafür, die Prosecco-Dose muss man selbst entsorgen. Bei Plastikflaschen ist das Spielchen ähnlich: Cola bedeutet Pfandpflicht, Saftflaschen landen dagegen im Müll. Gleiches Material, unterschiedliche Verfahren – ein Wirrwarr also. Einige Bundesländer wollen das System nun vereinfachen. Es steht sogar die Idee im Raum, die Pfandpflicht einfach auf alle Getränke auszuweiten.

Diskutiert wird auch, die Pfandpflicht auf Milchtüten auszuweiten. Ein Karton Milch wäre damit im Handel um den Pfandbetrag teurer. Schmeißt man die leere Verpackung dann aber nicht in den gelben Sack, sondern bringe sie in den Supermarkt zurück, bekäme man das zusätzlich bezahlte Geld zurück. Der Vorteil: man müsste die Kartons, die nach einiger Zeit müffeln, nicht selbst sammeln, bis einmal im Monat die gelben Säcke abgeholt werden. Weiterer Pluspunkt: Verbraucher würden künftig vielleicht weniger leere Milchkartons fälschlicherweise als Restmüll entsorgen – schließlich wären sie durch das Pfand bares Geld wert.

Der Vorschlag hat jedoch auch ein paar Haken: Für Händler und Hersteller bedeutet Pfand Arbeit. Und die kostet Geld. Womöglich würde man die Kosten für die Einrichtung eines solchen Pfandsystems auf die Verbraucher umlegen, die Milch würde also nicht nur um den Pfandbetrag teurer werden.

Julia Vogl

Soll es Pfand auf Milchtüten geben?

Sind Autorennen noch zeitgemäß?

Das Norisring-Rennen (Foto: Ralf Rödel) gehört zu den Höhenpunkten des Sportjah­res in Nürnberg. Auch diesmal verfolgten wieder Zehntausende Besucher das Geschehen. Sie kommen, weil sie fasziniert sind von der Technik, von der (be­grenzten) Macht des Menschen über die Maschine, von der Geschwindigkeit. Wer einmal auf der Tribüne sitzt, kann sich dem Flair der Veranstaltung schwer­lich entziehen. Doch: Ist diese Art von Sport heute wirklich noch zeitgemäß? Die Menschen leiden unter dem Lärm in den Städten, sie leiden unter schlechter Luft. Warum also einer Faszination anhängen, die dazu beiträgt und dann auch noch gefährlich ist? Andererseits: Treibhausgase verursacht schließ­lich jeder, der mit dem Auto unter­wegs ist. Und lebensgefährlich kann auch Skifahren sein.

Gabi Eisenack

Sind Autorennen noch zeitgemäß?

Verzichten Sie künftig auf Plastiktüten?

Jeder Deutsche benutzt im Schnitt 70 Plastiktüten (Foto: dpa) pro Jahr. Das soll sich der Umwelt zuliebe ändern. Ab dem 1. April schaffen viele große Handelsketten ihre kostenlosen Tüten ab. Die Lebensmittelmärkte verlangen schon seit geraumer Zeit Geld für die unökologischen Transportmittel, auch Drogerie- und Elektronikmärkte tun das. Die meisten Kunden hätten kein Problem mit der Umstellung gehabt, wie die Unternehmen in einer NZ-Umfrage mitteilten.

Viele Menschen haben ohnehin immer einen Einkaufsbeutel bei sich, weil sie helfen wollen, die Plastikflut einzudämmen. Wer trotzdem eine Tüte will, bezahlt künftig zwischen 5 und 20 Cent. Das sind nicht unbedingt abschreckende Beträge, aber sie bringen den einen oder anderen vielleicht doch dazu, künftig darauf zu verzichten.

Gabi Eisenack

Verzichten Sie künftig auf Plastiktüten?

Soll es auf Einwegbecher Pfand geben?

Nach der wohl nicht unberechtigten Aufregung um die Plastikbeutel ist jetzt das „Coffee to go“ im Pappbecher (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert) im Brennpunkt der Kritik. „Coffee-to-go“ – bevor einige Leser, verständlicherweise, einen dicken Hals bekommen: Gemeint ist damit „Kaffee zum Mitnehmen“. Auch in Nürnberg ist dies, gerade in den Vormittagsstunden, häufig zu sehen. Auf dem Weg zur Arbeit marschieren viele Menschen mit dem Wegwerf-Kaffeebecher durch die Altstadt. Dieser landet dann später im Müll des Arbeitgebers oder in einem der städtischen Abfallbehälter.
Schlechtestenfalls finden sich diese, Jürgen Resch zufolge, „kunststoffbeschichteten Zombies“ in Parks, Flüssen und Seen wieder. Der Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe äußerte jüngst dazu: „Coffee-to-go-Becher sind ein wahrer Fluch für die Umwelt.“

Die aktuellen Zahlen lassen diesen Satz nicht übertrieben erscheinen. Stündlich landen 320 000 Pappbecher in Deutschland im Müll. Das sind also 7,68 Millionen am Tag. Am Ende eines Jahres kommt man auf die Zahl von 2,8 Milliarden. Resch rechnete aus, dass für die Produktion dieser Anzahl an Wegwerfbechern jährlich eine Energiemenge nötig sei, mit der man eine Kleinstadt versorgen könnte.
Einweg-Plastiktüten muss der Kunde mittlerweile in den meisten Geschäften extra bezahlen. Einige Abgeordnete und Umweltschützer haben nun bereits eine Abgabe von 20 Cent für den Wegwerf-Kaffeebecher gefordert. Davon sind natürlich die Verkäufer nicht begeistert – und viele Kunden auch nicht.
Bei der Bundesregierung hält sich der Zuspruch dafür ebenfalls in engen Grenzen. So will Bundesumweltministerin Barbara Hendricks keine Abgabe für Einwegbecher einführen. Dies könnte nach ihrer Meinung als Steuererhöhung gewertet werden. Wohingegen andere meinen, dies könnte als deutliches Signal gewertet werden, die Umwelt nicht noch mehr mit Kunststoff zu versauen.

Dieter Wegner

Soll es auf Einwegbecher Pfand geben?

Wo passen in der Stadt mehr Bäume hin?

StrassenbaeumePapiere sind genug geschrieben, nun muss zur Tat geschritten werden: Dieser Ansicht ist jedenfalls der Bund Naturschutz (BN), der endlich mehr Bäume in der Innenstadt haben will. Bei der derzeitigen Sommerhitze sei es eine „Tortur“, sagt Mathias Schmidt vom BN-Arbeitskreis „Bäume in der Stadt“, durch die Altstadt zu laufen.

„Nürnberg glüht vor sich hin“, war kürzlich eine Sonderseite in der NZ überschrieben, die sich dem fehlenden Grün in der Stadt widmete. BN-Kreischef Otto Heimbucher weist denn auch darauf hin, dass bei Hitzewellen die Temperatur im Zentrum fünf Grad über der in Laufamholz oder Mögeldorf liege – und zwar, weil es an Bäumen fehle.

Der BN fordert eine „Aufforstung“ der Plätze in der Innenstadt, die er für „Steinwüsten“ hält. Mit dem Andreij-Sacharow-Platz könnte begonnen werden, unter anderem stehen aber auch der Platz vor der Katharinenruine, der Gewerbemuseumsplatz, der Egidienplatz, der Hallplatz, der Bauhof und der Klarissenplatz im Fokus. „Wir wollen Klimaschutzinseln schaffen“, sagt Schmidt. Unterstützt wird der BN vom Bürgerverein Nürnberg-Altstadt, vom SPD-Ortsverein Altstadt und von der CSU-Nürnberg-Altstadt. Das Bündnis fordert die Stadt Nürnberg in einer Resolution auf, „zeitnah ein Programm zur Begrünung geeigneter Plätze in der Altstadt zu planen und mittelfristig umzusetzen“. Das nötige Geld könnte aus den „staatlich geförderten Stadterneuerungsprozessen in der Altstadt bereitgestellt werden“.

Den Hauptmarkt erwähnt die Initiative in der Resolution bewusst nicht, weil sie bei der Stadtspitze hier stets auf Granit biss. „Es hieß immer, Bäume passten nicht in die historische Kulisse.“ Der BN könnte sich durchaus an den Seiten des Platzes Baumreihen vorstellen, die auch die „Bespielung“ des Hauptmarkts (Christkindlesmarkt, Bardentreffen etc.) nicht behindern würden. Aber das Bündnis „Mehr Bäume auf die Plätze der Altstadt“ will sich nun erstmal auf jene Plätze konzentrieren, auf denen eine Begrünung leichter durchsetzbar ist. Beim Andreij-Sacharow-Platz, glauben Schmidt und Heimbucher, dürfte es kaum Widerstand gegen ein paar Bäume geben (die grünen Kreise auf dem Foto machen deutlich, wo sich der BN die Bäume vorstellen könnte).

Haben Sie auch Vorschläge für ein grüneres Nürnberg? Dann diskutieren Sie gerne mit!

Marco Puschner

Blogger verändern die Welt – nachhaltig

blogger_klein.jpgAuf der BioFach habe ich wieder einmal gestaunt, wie weit die Bio-Welt schon ist. Das war, bevor ich beim Treffen der nachhaltigen Blogger war: Denn dann wusste ich, dass die Bio-Welt noch viel weiter ist. Jedenfalls in Blogs. Im Pressecenter des CCN West traf sich am Freitag Abend eine verschworene Gemeinschaft, die sich aber größtenteils zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht sah: Kritische Konsumenten wie von den wundervollen Blogs http://www.karmakonsum.de/ und http://www.konsumguerilla.net/. Diese Leute sind so wichtig für die Bio-Branche, denn sie sind witzig, ideologiefrei und zeigen, dass bewusstes Handeln nix mit Freudlosigkeit zu tun hat.

Hedwig Danzer (http://nachhaltigkeit.blogs.com/) von den Möbelmachern hatte sich für dieses Treffen stark gemacht und wirklich die Creme de la creme der Menschen versammelt, denen es nicht egal ist, wie andere leben und wie ihr eigenes Leben in einigen Jahrzehnten aussehen wird. Die NürnbergMesse (http://www.nuernbergmesse.de/) hatte Raum, Essen und Manpower zur Verfügung gestellt – und Kommunikationschef Peter Ottmann gab zwar zu, noch nix zu verstehen von der Blogger-Welt, aber zu wissen, dass dieses Medium auch für die Messe von großer Bedeutung sein wird. Sein Mitarbeiter Geoffrey Glaser wird in Zukunft noch mehr zu tun haben.

Aber tatsächlich: Wer hätte gedacht, dass Leute ein Dorf mit nachhhaltiger Lebensweise in Österreich planen (http://www.lebensdorf.at/) oder eine Saftkelterei durch ihren Blog (http://www.saftblog.de/) bekannter wird als durch ihr eigentliches Produkt?

Dieses Bloggertreffen zeigte, dass es so viele Menschen gibt, deren Weg und Ziele ähnlich sind – und für die das Internet eine unglaublich tolle Plattform ist. Nach der Müsli-Revolution steht jetzt also die Blogger-Revolution bevor. Und auf der nächsten BioFach werden diese Menschen sicher eine noch größere Rolle spielen. Anfangen muss man halt mal.