Klassik-Open-Air: Passt das Konzept für den Verkehr?

Die Polizei hat dieses Jahr zusammen mit der Stadt Nürnberg ein neues Verkehrskonzept für das Klassik-Open-Air erarbeitet. So wurden einige Straßen für den Durchgangsverkehr gesperrt und der Verkehr umgeleitet (Foto: Michael Matejka). Die Polizei und die Stadt Nürnberg sahen im neuen Verkehrskonzept wichtige Verbesserungen: Die Maßnahme sollte die Sicherheit der Veranstaltung erhöhen.

Außerdem versprachen sich die Verantwortlichen mehr Verkehrssicherheit für Fußgänger, die aufgrund der Zufahrtssperren die Straße einfach überqueren konnten. Andererseits erforderte die Umsetzung einen höheren Aufwand für die Polizei und einiges an Umstellungen für die Autofahrer, die nicht zum Klassik-Open-Air wollten. Ella Schindler

Klassik-Open-Air: Passt das Konzept für den Verkehr?

Nürnbergs neuer Konzertsaal: Passt der Standort?

Nürnberg bekommt einen neuen Konzertsaal, soweit der Plan seit Jahren. Interessanterweise haben wir an dieser Stelle schon einmal gefragt, ob der Standort gut gewählt ist. Zwei Jahre liegt das zurück, damals traf der Stadtrat die Grundsatzentscheidung, den Saal unmittelbar neben der Meistersingerhalle zu errichten. „Soll der Konzertsaal neben die Meistersingerhalle?“, fragten wir. 76,2 Prozent der Teilnehmer waren einverstanden, Nein sagten 23,8 Prozent.

Jetzt hat der Stadtrat seine Entscheidung präzisiert, und es folgt Gemurre. Der neue Saal soll an die Westseite, neben die Kleine Meistersingerhalle, kommen (siehe gelbe Markierung). Damit folgten die Stadtratsmitglieder der Empfehlung der Stadtverwaltung, die das Gelände ausgiebig prüfen ließ. Für so einen Prestige-Bau sei die Ecke Münchener Straße/Schultheißallee aber doch zu klein gedacht, monieren die ersten Bürger. Sie befürchten vor allem Verkehrschaos. Andere finden den nicht gerade lebendigen Stadtteil beim Luitpoldhain zu dezentral.

Die Verantwortlichen aus der Stadtregierung beruhigen: Selbst bei Doppelbespielung mit der Meistersingerhalle werde es genügend Parkplätze geben. Zwar würden die jetzigen 150 Parkplätze vor dem Parkhotel wegfallen. Aber entweder könnte der große Meistersingerhallen-Parkplatz um ein Parkdeck aufgestockt werden, oder, so die Hoffnung, das in die Jahre gekommene Hotel könnte irgendwann bei einer Sanierung seine Tiefgarage erweitern. Finanziell kündigt sich die Westseite sparsamer an als die Alternativstandorte rund um die Meistersingerhalle. Im Süden wäre der Eingriff in das Parkgelände ökologisch nicht zu vertreten. Im Osten würde ein neues Bauwerk gleichsam den Zugang zum Park versperren, außerdem bräuchte es mehr Schallschutz wegen der Anwohner.

Das Gebäude soll mindestens 25 Meter hoch werden. Die aktuellen Planungen sehen den Baubeginn für 2021 vor, die Kosten sind noch völlig unklar. Und wie sehen Sie das?

Isabel Lauer, Illustration: Stadt Nürnberg

Neuer Konzertsaal: Passt der Standort?

Ist Nürnberg zu autofreundlich?

Nürnberg baut seine U-Bahn aus und hat gerade eine neue Straßenbahnstrecke eröffnet. Und trotzdem hat sie jeder Nürnberger weiter in seinem Bekanntenkreis: die ÖPNV-Miesmacher. Sie sind stolz darauf, nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. In der U-Bahn hätten sie Angst, Busse kämen unpünktlich, die VAG sei zu teuer, und mit dem Radfahren haben sie es auch nicht so. Die Schattenseiten des Autoverkehrs in einer immer dichter besiedelten Stadt blenden diese Leute gerne aus: die hohen Kosten für den eigenen Pkw, den gestiegenen Parkdruck in allen Wohnstraßen, das Stop-and-go jeden Tag am Ring, den umtosten Bahnhofsplatz (Foto: Stefan Hippel) oder die schlechte Luft durch Stickstoffdioxid.
Es ist schon was dran am Lamento der Grünen und der Fahrradvertreter: Nürnberg ist immer noch sehr attraktiv für Autofahrer. Es gibt massenhaft Gratis-Parkplätze und im Städtevergleich eher selten Strafzettel. Die CSU im Stadtrat behütet den Autoverkehr immer noch. Zu autofreundlich ist die Stadt auch für den Bund Naturschutz. Wenn der Verband nun allerdings seine Opposition zum kreuzungsfreien Frankenschnellweg gegen Straßenrückbaumaßnahmen an anderer Stelle eintauschen will, drängt er die Frage leider nur in die ideologische Schublade.

Isabel Lauer

Ist Nürnberg zu autofreundlich?

Braucht Nürnberg ein Fahrradleihsystem?

Es kam nicht ganz unerwartet: Im Oktober kündigte die Firma Nextbike an, bis Ende des Jahres 2016 aus dem Betreibervertrag für „NorisBike“ auszusteigten – aus wirtschaftlichen Gründen. Das anfangs vielgelobte Leihfahrrad-Modellprojekt hatte sich für das Leipziger Unternehmen immer mehr zum Draufzahlgeschäft entwickelt. Bei der Diskussion, wer oder was die Ursache an der Misere trägt, gehen die Meinungen natürlich weit auseinander: Die Stadt zählt nicht befriedigend auskurierte Kinderkrankheiten und mangelndes Marketing auf, bei Nextbike wird etwa moniert, dass die Stadt nach der Förder-Phase Vergünstigungen für VAG-Kunden kappte und dass etliche Wunsch-Standorte für Verleihstationen wegen des Denkmalschutzes nicht realisiert werden konnten.

In der Sitzung des Verkehrsausschusses in dieser Woche, die sich mit dem Thema befassen wird, will sich die Stadtverwaltung grundsätzlich für ein Fahrradverleihsystem stark machen und dafür „alle Möglichkeiten prüfen“. Grundsätzlich stünde als Partner auch die Firma Nextbike bereit, allerdings unter anderen wirtschaftlichen Bedingungen. Ohne kommunale Förderung, so deutet es sich schon an, wird ein solches System in Zukunft nicht realisierbar sein. Daraus lässt sich natürlich auch die Frage ableiten, ob ein grundsätzlicher Bedarf für öffentliche Leihfahrräder besteht. Man könnte ja auch argumentieren, dass nach den bisherigen Erfahrungen Nürnberg im Unterschied zu anderen Kommunen wohl nicht das geeignete Pflaster für ein solches Angebot ist. Auf der anderen Seite stünde eine Stadt, die sich die Fahrradfreundlichkeit groß auf die Fahnen geschrieben hat und Kampagnen wie „Nürnberg steigt auf“ betreibt, ohne eine Leihfahrrad-Option doch eher unglaubwürdig da.

Clemens Helldörfer

Braucht Nürnberg ein Fahrradleihsystem?

Hat Nürnberg zu viele Gratisparkplätze?

Schlechte Luft, Lärm, Stau: Der Straßenverkehr setzt den großen Städten zu und bedeutet für die Bewohner den puren Stress. Es sind immer noch zu wenige Menschen, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel setzen oder das Fahrrad dem Auto vorziehen. Wissenschaftlern zufolge liegt das Problem auch darin, dass es zu viele kostenlose Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum gibt (Foto: Oliver Acker). Dieser Fakt trage dazu bei, dass das Auto nach wie vor das beliebteste Fortbewegungsmittel ist. In Nürnberg stehe bei Diskussionen über Parkgebühren immer die Altstadt zu sehr im Vordergrund, so Professor Harald Kipke von der Technischen Hochschule. Man müsse jedoch auch die angrenzenden Stadtteile mit einbeziehen. Dort stünden Parkplätze am Straßenrand größtenteils gratis zur Verfügung.
Die Stadt Wien ist schon aktiv geworden und hat in allen dicht bebauten Vierteln flächendeckend Parkgebühren eingeführt. Gleichzeitig bietet sie Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr zu attraktiven Preisen an. Damit tut sie letztlich auch den Autofahrern einen Gefallen, denn die finden einen Parkplatz, wenn sie ihn brauchen, und müssen nicht endlose Schleifen ziehen, bis sie ihren Wagen endlich irgendwo abstellen können – und damit auch wieder zum Verkehrschaos beitragen.

Gabi Eisenack

Hat Nürnberg zu viele Gratisparkplätze?