Corona: Würden Sie sich impfen lassen?

Wissenschaftlerweltweit forschen derzeit an einem Impfstoff gegen Corona. Gefunden haben sie ihn noch nicht. Wenn es aber soweit ist, dann könnte man sich mit einem kleinen Piks vor der Krankheit schützen, die gerade die ganze Welt in Atem hält (Foto: Martin Schutt/zb/dpa). Wer sich impfen lässt, der könnte ohne Angst vor einer Ansteckung wieder so leben, wie wir es alle vor Ausbruch der Pandemie gewohnt waren. Besonders Risikogruppen, also Menschen, die ein wenig älter sind oder eine Vorerkrankung haben, könnten endlich aufatmen. Nicht nur, weil sie sich durch die Impfung selbst schützen würden, sondern auch, weil eine Durchimpfung der Gesellschaft zu einer Herdenimmunität führen würde, von der auch die Personen profitieren, die die Verabreichung eines Impfstoffes ablehnen oder die nicht geimpft werden können. Nur: Schon jetzt – also zu einer Zeit, zu der noch gar kein Impfstoff existiert – gehen bereits Menschen auf die Straße, die Impfungen kritisch gegenüber stehen. Einige von ihnen befürchten, dass man beim Impfen einen Chip unter die Haut gepflanzt bekommen soll. Die meisten Impfkritiker aber argumentieren nicht mit Verschwörungstheorien. Sie wollen nur erreichen, dass jeder selbst darüber entscheiden darf, ob er sich impfen lässt oder nicht. Auch eine vergleichsweise harmlose Impfung könnte doch zu schlimmen Nebenwirkungen führen. Aus diesem Grund lehnen sie die Maßnahme für sich selbst – sollte nun ein Impfstoff gefunden werden – zunächst ab.

Julia Vogl

 

Corona: Würden Sie sich impfen lassen?

Corona: Haben Sie noch Angst vor Ansteckung?

DieInfektionszahlen sinken. Vor einigen Wochen noch mussten mehrere Hundert Nürnberger in Quarantäne verharren, weil sie sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Der Lockdown aber zeigte Wirkung (Foto: Julia Vogl).
Während die Zahl der Neuinfizierten täglich immer weiter sank und zwischenzeitlich an manchen Tagen gar keine neuen Fälle gemeldet wurden, konnten immer mehr Menschen aus der Quarantäne entlassen werden.
Die Folge: Am Sonntag etwa mussten gerade einmal noch 48 Nürnberger laut städtischer Mitteilung daheim bleiben. Der Trend ist auch in den umliegenden Städten und Kreisen zu sehen. Auch in der Region sinkt die Zahl der akut erkrankten Menschen immer weiter. Rein rechnerisch ist die Möglichkeit, sich mit dem Virus anzustecken, damit sehr gering.
Dazu kommt: Die Menschen halten Abstand und tragen an Orten, an denen dieser nicht immer eingehalten werden kann, einen Schutz vor Nase und Mund. Selbst wenn sie also das Virus in sich tragen, gibt es Vorkehrungen, die eine Ansteckung anderer Menschen zumindest weniger wahrscheinlich werden lassen.
Und dennoch gibt es Menschen, die die Lockerungen noch nicht richtig genießen können. Was, wenn man sich bei einem Menschen ansteckt, der einfach nicht getestet worden ist? Wie kann man eine Ansteckung vermeiden, wenn man unter Leute geht, die sich dann aber nicht ausreichend an Hygieneregeln halten? In Ostfriesland etwa war das der Fall – dort trafen sich 50 Personen in einem Restaurant, 23 von ihnen wurden positiv auf das Virus getestet. Und auch beim Besuch des Gottesdienstes ist vielen noch mulmig. Hat es doch in Frankfurt erst eine Masseninfektion in einer Kirche gegeben.
Wie geht es Ihnen? Genießen Sie die Lockerungen oder machen Sie sich Sorgen, weil Sie sich womöglich anstecken könnten?

Julia Vogl

Corona: Haben Sie noch Angst vor Ansteckung?

Organspende: Soll sich jeder festlegen müssen?


Mittlerweile besitzen immerhin 36 Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis. Doch das Problem bleibt ungelöst: Zu wenige Organe werden gespendet; alle acht Stunden stirbt ein Patient auf der Warteliste.

In einer offenen Aussprache bewertete der Bundestag in der vergangenen Woche den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für die sogenannte Widerspruchslösung. Dabei wird jeder zum potenziellen Organspender, sofern er dies zu Lebzeiten nicht abgelehnt hat oder die Angehörigen nach dem Tod nicht widersprechen. Im Moment gilt das Gegenteil: Nur wer sich aktiv dafür entscheidet, kann Spender sein.

In den Reden der Abgeordneten schwang viel Misstrauen gegen die Ethik von Spahns Vorschlag mit. Der Staat dürfe nicht über den Körper verfügen, so der Tenor, eine Spende müsse aus Gemeinsinn und freiem Willen erfolgen. Die Widerspruchslösung allein steigert ohnehin nicht die Spendenzahlen, das ist bewiesen. Die Spende scheitert in der Praxis auch nicht unbedingt an der Spendenbereitschaft, sondern an anderen Strukturen.

Eine andere, mildere Regelung, von der in diesen Tagen kaum die Rede war, könnte hier trotzdem einen Schritt nach vorn bedeuten: die Äußerungspflicht oder Entscheidungslösung. Der Staat könnte verlangen, dass sich jeder Bürger persönlich erklären muss, ob er Organspender sein will oder nicht. Das könnte jene Menschen einfangen, die aus Bequemlichkeit oder Unwissen nie einen Spenderausweis ausfüllen. Diese Abfrage ließe sich beispielsweise mit einem Verwaltungsvorgang – etwa der Beantragung eines Personalausweises oder der Gesundheitskarte – koppeln.

Aber: Auch hier kommt wieder die Pflicht ins Spiel. Die Entscheidung mag mancher als Druck erleben. Und wird man bestraft, wenn man sich nicht äußern mag?

Isabel Lauer

Organspende: Soll sich jeder festlegen müssen?

Missbrauch in der Kirche: Soll der Staat einschreiten?

Nach der Veröffentlichung einer groß angelegten Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Geistliche in Deutschland seit 1946 bleibt ein Gefühl der Befremdung, nicht nur bei den Betroffenen. Befremdung über das geschehene Unrecht sowieso – mehr noch aber über die anhaltende Hilflosigkeit bei der Aufarbeitung. Acht Jahre nach Bekanntwerden einer Riesenwelle alter Missbrauchsfälle 2010 ist man nun gerade mal so weit, den Skandal genauer beziffern zu können. Die Deutsche Bischofskonferenz beendete ihre Horrorwoche mit der Ankündigung eines Sieben-Punkte-Plans zur künftigen Prävention von Missbrauch. Darin setzt sie auch auf die Einbeziehung externer Fachleute. Aber: kein Angebot für eine konkrete Entschädigung der Opfer, keine Anordnung zur Öffnung von Archiven oder zur strengeren Ahndung der Täter, kein Rücktritt eines Bischofs.
Kritiker bezweifeln jetzt endgültig, dass die Kirche – egal ob katholisch oder evangelisch übrigens – aus eigener Kraft aus dem Sumpf kommt. Für eine Lösung, sagen Opfervertreter, bräuchte es tiefgreifende Reformen in Kirchenrecht und -struktur, Reuebezeigungen und Moraldebatten allein genügten nicht mehr. Dies würde auch das Eingeständnis erfordern, dass ein Kleriker heute kein Machthaber mit Nimbus mehr sein darf, sondern höchstens ein Diener an den Menschen, der gegen Pädophilie Therapien benötigt statt Gebete, und vielleicht ist dieser Perspektivwechsel sogar der schwierigste von allen.
Staatliches Handeln könnte diesen Erkenntnisprozess forcieren. Das schlägt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, vor. Staat und Kirche (Foto Michael Matejka) sind an anderer Stelle eng verflochten, der Staat lagert viele soziale Aufgaben an die Kirche aus, auch die Kinderbetreuung. Politiker dürfen von ihr also auch juristische Standards fordern, etwa staatsanwaltschaftliche Prüfungen, Akteneinsichtsrechte, vertraglich geregelte, einheitliche Prävention und Entschädigung. Andere betroffene Länder sind zumindest mit staatlichen Untersuchungskommissionen eingeschritten. Denn der Missbrauch konnte sich auch deshalb so gut verstetigen, weil die Kirchenhierarchien nach Gutdünken Vorfälle unter den Teppich kehrten, solange der Druck von Betroffenen nicht allzu groß war. Sie waren niemandem außer dem Herrgott Rechenschaft schuldig.

Isabel Lauer

Missbrauch in der Kirche: Soll der Staat einschreiten?