Soll das Pegnitztal Ost Naturschutzgebiet werden?

Pegnitztal OstGrün in der Großstadt ist ein kostbares Gut. Zu den ganz besonderen Naturschätzen Nürnbergs gehört das östliche Pegnitztal (Foto: Günter Distler). Landschaftsschutzgebiet ist es schon, nun soll es nach Willen der Verwaltung den Status Naturschutzgebiet werden. Denn nur dann, so argumentiert Umweltreferent Peter Pluschke, könne die Stadt lärmige Veranstaltungen und diverse kommerzielle Freizeitspäße von der Idylle fernhalten. Immer stärker dränge es nämlich unter anderem Anbieter von Trampolinanlagen danach, sich im Pegnitztal Ost niederzulassen. Wäre es Naturschutzgebiet, hätte die Stadt eine stärkere Handhabe, solche Ansinnen zu verbieten. Das sei schließlich auch im Sinne der Bürger, die dort Erholung suchen.
Doch viele der Menschen, die dort gerne spazieren gehen, radeln, ihre Hunde laufen und ihre Kinder auf Bäume klettern lassen, sehen ihre Bewegungsfreiheit gefährdet, sollte das Pegnitztal einen neuen Status bekommen. Sie fürchten, dass sie dann überhaupt nichts mehr dürfen. Manche von ihnen lehnen das Vorhaben der Stadt deshalb komplett ab, andere hoffen auf einen Kompromiss. Im Umweltausschuss des Stadtrats hatte Peter Pluschke bereits angekündigt, dass es Hundeauslaufwiesen geben werde, dass Spaziergänger und Radfahrer keineswegs aus dem Pegnitztal vergrault werden sollen. Es gehe darum, das Naturidyll auf Dauer zu bewahren.

Gabi Eisenack

Soll das Pegnitztal Ost Naturschutzgebiet werden?

Um jeden Preis ans Pegnitzufer?

Die Aufenthaltsqualität in der Altstadt soll verbessert werden. Dazu gehören nicht nur Bäume, sondern auch die Öffnung von Plätzen und Freiräumen zur Pegnitz hin. Nach der Überschwemmungskatastrophe Anfang des vergangenen Jahrhunderts hat sich die Stadt Schritt für Schritt von ihrem Fluss abgegrenzt.

Eigentlich schade, denn zum Ausruhen und Träumen wäre ein Zugang zum Fluss doch ganz schön. Andere Städte in Europa haben es vorgemacht. Mit einem geringen finanziellen Aufwand will die Stadt in den nächsten Jahren an vier Stellen, den direkten Zugang zur Pegnitz ermöglichen. Mit Stufen und anderen Sitzgelegenheiten sollen kleine Erholungsräume in der Stadt geschaffen werden. Den Anfang sollte im Herbst das Südufer der Insel Schütt machen.

Derzeit ist der schmale Grünzug gegenüber dem Cinecittà eher ein Hundeklo. Mit relativ wenigen Mitteln könnte er aber eine kleine Attraktion werden, denn an dieser Stelle plätschert die Pegnitz wunderbar melodisch, was aber oben auf der Insel Schütt nicht zu hören ist, und man ist von allen Lärmquellen abgeschnitten – es könnte ein richtig lauschiges Plätzchen werden, trotz der Nähe zum Parkhaus. Dazu muss nur das Unterholz ausgeschnitten werden und es braucht eine Treppe damit man direkten Zugang zur Pegnitz bekommt.

Die ersten Planungen waren vielversprechend, die NZ berichtete mehrfach. Jetzt hat aber der Servicebetrieb öffentlicher Raum (Sör) einen Entwurf vorgelegt, der eigentlich nur einen geteerten Weg und eine Art Untertunnelung der Cinecittá-Brücke vorsieht. Vom heimeligen Charme eine Uferatmosphäre ist jedenfalls nichts mehr zu spüren. Die Planungen sind aber sicher behindertengerecht. Einen stark befestigten Weg, der noch dazu sehr teuer ist, brauchen an dieser Stelle aber nur sehr wenige, denn es geht darum, eine kleine Oase zum Erholen zu schaffen. Die Pläne von Sör sollen jetzt noch einmal überarbeitet werden. Wenn man jedoch ehrlich ist, dann dürfte es aber extrem schwierig werden, an dieser Stelle eine komplette Barrierefreiheit mit einer eher naturbelassenen Grünfläche zu verbinden, denn es gibt sehr viele Wurzeln, die etwa Rollstuhlfahrer behindern können. Zu überlegen ist allerdings, ob solche kleinen Grünflächen, wirklich barrierefrei sein müssen? Die Gefahr ist, dass dann überhaupt nichts mehr passiert.

Unsere Leserfrage lautet in dieser Woche: „Um jeden Preis ans Pegnitzufer?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf NZ.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Italien-Schelte: Hat Steinbrück überzogen?“ Mit Ja antworteten 56 Prozent, mit Nein 44 Prozent.