Soll das Quelle-Gebäude abgerissen werden?

Wer Besuch von auswärts hat und mit ihm an der Fürther Straße, Höhe U-Bahn Eberhardshof, vorbeikommt, muss als Ortskundiger öfter mal diese eine Frage beantworten: Was, um Himmels willen, ist das? Da liegt eingezäunt ein hellbrauner, offensichtlich toter Gebäudekomplex von riesigen Ausmaßen. Das Quelle-Versandzentrum, es ist zum Mitleidsobjekt geworden.

Seit der spektakulären Firmenpleite des Versandhändlers 2009 steht es leer, als zweitgrößte deutsche Immobilienbrache nach dem Flughafen Tempelhof, wobei sogar dessen Sanierung inzwischen vorangeht. Zurzeit gibt es nicht einmal mehr Zwischennutzungen. Der Eigentümer, der portugiesische Einzelhandels-Immobilienkonzern Sonae Sierra, ist abgetaucht. Interessierte Partner sprangen alle wieder ab. Die Stadtverwaltung kann außer Nachfragen und Bitten nicht viel tun.

Oder? Ein Nürnberger Immobilienvermittler hat jetzt öffentlich auf den Abriss gedrängt. Er meint: Bei diesem schwierigen Gebäude lässt sich die Umnutzung schlicht nicht finanzieren. Allerdings: Mit dem Abbruch verschwände nicht nur ein denkmalgeschütztes Monument der lokalen Wirtschaftsgeschichte. Auch gigantische Mengen an Baumaterial und Energie würden verschleudert.

Isabel Lauer

Soll das Quelle-Gebäude abgerissen werden?

Her mit der Quelle

quelleHausherr über 250000 Quadratmeter? Das wäre doch was. Das denkt sich zumindest eine Gruppe von Künstlern und Kreativen, die das Quellegelände (Foto von Karlheinz Daut) kaufen will. Ihr Plan: Eine Stadt in der Stadt mit Werkstätten, sozialen Angeboten und Einrichtungen, vielen Ateliers und allem, was das Leben sonst noch schöner macht. Was sie dafür brauchen? Viel Geld. 25 Millionen Euro, mindestens. Woher sie das nehmen wollen? Von uns allen. Wir sollen nämlich „crowdfunden“ – als im Schwarm finanzieren. Jeder gibt ein paar Euro und schon gehört die Quelle uns.

Eine entsprechende Initiative haben die Quelle-Interessenten nun gestartet. Auf ihrer Homepage rufen sie neuerdings zum Schwarmfinanzieren auf. Das Schöne daran: wer mitzahlt, darf auch mitbestimmen. „Jeder, der Ideen hat, was er oder sie in ‚der Quelle‘ verwirklichen könnte, ist eingeladen uns mit Tatkraft zu unterstützen“, steht auf der Internetseite.

Also: Was würden Sie sich für die Quelle wünschen und wie viel Geld wollen Sie dafür ausgeben? Ideen bitte hier im Blog, Geld an die Initiative.

Julia Vogl

Aufklärung oder makabre Leichenschau?

KörperweltenEs gibt wohl kaum eine andere Ausstellung, deren Veranstalter sich so wenig Sorgen machen müssen, ob sie in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen wird: Egal wo Gunther von Hagens „Körperwelten“ Station machen, sind hitzige Diskussionen an Ort und Stelle garantiert.

Obwohl schon über 15 Jahre seit der ersten Plastinat-Präsentation in Deutschland verstrichen sind, liefern die konservierten Leichen Stoff für mehrere heiß umstrittene Streitfragen: Die Bandbreite reicht von „Wird die Würde der so gezeigten Verstorbenen verletzt?“ über „Ist es nicht geschmacklos, tote Körper beim Skatspielen oder beim Sex zu zeigen?“ bis hin zu „Wird hier unter dem Deckmantel der medizinischen Aufklärung ein makaberes Geisterbahn-Spektakel inszeniert?“ Das angestrebte Verbot der geplanten Dauerausstellung in Berlin liefert dabei vor allem den Kritikern neue Nahrung.

Die Befürworter können darauf pochen, dass sich schon rund 40 Millionen Besucher die Ausstellungen angesehen haben – vermutlich nicht ausschließlich sensationslüsterne Jenseits-Spanner. Und es finden sich außerdem nach wie vor mehr als ausreichend Menschen, die ihre Körper für die Plastination zur Verfügung stellen – oft sogar mit dem ausdrücklichen Wunsch, einmal in einer Ausstellung zu landen.

Wir wollen von Ihnen diesmal wissen: „Körperwelten: Ist die Ausstellung geschmacklos?“ Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Soll der Ladenschluss gelockert werden?“ Teilgenommen haben 742 Leser. Mit Ja antworteten 40,8 Prozent, mit Nein 59,2 Prozent.

Soll die Quelle abgerissen werden?

In der vergangenen Woche tobte eine verbale Schlacht um das ehemalige Quelle-Versandzentrum mit seiner Nutzfläche von 256.000 Quadratmetern. Während Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly den unter Denkmalschutz stehenden Bau mit einer universitären Nutzung wiederbeleben möchte, setzt Finanzminister Markus Söder auf Abriss und Neubau. Statt der Umnutzung des ehemaligen Versandzentrums möchte Söder einen kleinen, neuen Wissenschaftscampus auf dem Quelle-Gelände errichten. Die Architektur soll modern und zukunftszugewandt sein. Die markante Quelle-Fassade möchte der Finanzminister im Grunde nur noch als ein Zitat stehenlassen.

Söder befürchtet, dass die Sanierung des Quelle-Altbaus für eine universitäre Nutzung zu teuer kommt und der Freistaat ein hohes Risiko eingehen würde, wenn er die 70.000 Quadratmeter Nutzfläche für einen Euro erwirbt. Dieses Angebot hat der portugiesische Immobilienentwickler Sonae Sierra der Staatsregierung gemacht.

Doch so einfach ist das alles nicht, denn der Denkmalschutz, unter dem die Quelle-Immobilie steht, kann nicht so einfach aufgehoben werden, wie immer behauptet wird. Es müsste in jedem Fall nachgewiesen werden, dass die Immobilie nicht mehr weiter sinnvoll genutzt werden kann. Dieser Nachweis ist wohl nicht zu erbringen.

Bislang ist nicht bekannt, wie die Argumentation verlaufen könnte, um einen Abriss zu ermöglichen. Der Freistaat müsste beim Denkmalschutz ohnehin eigentlich vorbildlich agieren, sonst besteht die Gefahr, dass der Schutz von Denkmälern bei privaten Bauherren noch schwieriger als bisher zu vermitteln ist.

Der Milchhof ist ein schlechtes Beispiel

Es hat in Nürnberg schon einmal einen ähnlichen Fall wie den der Quelle gegeben, der sich nur von der Größe her erheblich unterscheidet: Die ehemalige Produktionshalle auf dem Milchhofgelände. Die spezielle Form der Shed-Dach-Konstruktion war einzigartig in Bayern. Nachdem sich alle Musical-Pläne zerschlagen hatten, wurde die Halle systematisch kaputt gemacht. Das Dach wurde aufgesägt, um etwas auszubauen und am Ende gab es gar eine Katastrophenübung in der Halle: Dabei wurde die Halle endgültig kaputt gemacht. Die Vorschläge, das Milchhof-Gelände inklusive Halle für die Erweiterungsbauten der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm zu sichern, wurden vom Freistaat als angeblich zu teuer zurückgewiesen: Die neuen Gebäude der Ohm Hochschule verteilen sich jetzt über die Stadt und die Architekten erhielten mit ihren Studenten in der Bahnhofstraße eine anonyme Kiste.

Vergleiche hinken, sagen Historiker und man darf auch nicht vergessen, dass Sonae Sierre sicherlich nichts verschenkt. Es gibt aber Situationen im Geschäftsleben, bei denen beide Seiten einen Gewinn machen. Auch die Ohm Hochschule hätte von den eigenwilligen Milchhof-Bauten profitieren können. Solche Chancen kommen nur einmal.

Wir wollen von Ihnen in unserer Leserfrage diesmal wissen: „Soll die Quelle abgerissen werden?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf NZ.de auf der rechten Seite ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Sollen Plastiktüten verboten werden?“ Mit Ja antworteten 69 Prozent, mit Nein 31 Prozent.

Haben Sie Angst um Ihren Arbeitsplatz?

Das Aus für Quelle hat der Region einen Schock versetzt. Wieder schließt ein Traditionsunterneh­men, wieder stehen Tausende Men­schen auf der Straße.

Die einst stolzen Namen des Wirt­schaftswunderlandes verschwinden und hinterlassen Erinnerungen an eine Arbeitswelt, in der noch ein gro­ßes Maß an Sicherheit herrschte. An Zeiten, in denen sich quasi als verbe­amtet fühlen konnte, wer in einem Großunternehmen beschäftigt war, ob Bank, Versicherung, Siemens oder eben Quelle.

Von der Lehre bis zur Rente in ein und demselben Betrieb – das war früher kein ausgefallener Lebens­lauf. Der Firma galt manchen als zweites Zuhause, die Kollegen als Familie.

Das ist heute freilich anders. Die globalisierte Arbeitswelt schafft Konkurrenz und fordert Flexibili­tät. Wer da nicht mithalten kann, ist schnell draußen. Unersetzlich ist niemand. Und die Finanzkrise hat die Situation noch verstärkt. Mitt­lerweile zieht sich die Furcht vor dem Jobverlust durch alle Bevölke­rungsschichten.

Wir wollen heute von Ihnen wis­sen: Haben Sie Angst um Ihren Arbeitsplatz? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Unsere Frage der vergangenen Woche lautete: Soll Nürnberg an der Weih­nachtsbeleuchtung sparen? Mit Ja antwor­teten 39,4 Prozent der Leser, mit Nein 60,6 Prozent. gs

Aus für Quelle: Wer trägt die Schuld?

Mit nur wenigen Unternehmen identifiziert sich unsere Region so sehr wie mit dem Quelle-Versandhaus. Im Raum Nürnberg-Fürth arbeiten viele tausend Menschen für den Konzern, der einst in einem kleinen Krämerladen in Hersbruck seinen Anfang nahm. Der Untergang des Hauses Quelle ist aber nicht nur eine Katastrophe für die Mitarbeiter. Er ist ein Schock für ganz Mittelfranken. Was wurde falsch gemacht? Und wer hat die Fehler begangen? Hat die Unternehmensführung um die Familie Schickedanz zu spät auf die Herausforderung des Internet-Zeitalters reagiert? Hat die Politik in den Krisenzeiten zu halbherzig geholfen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.