Ist der District Ride gut für Nürnberg?

Seit vergangener Woche ist klar: Im kommenden Jahr findet auf dem Hauptmarkt wieder ein großes Mountainbike- Spektakel statt. Der District Ride kommt zurück.

Bei dem Event stürzen sich die weltbesten Fahrer über Rampen vom Burgberg hinab und fahren einen waghalsigen Parcours in Richtung Hauptmarkt. Dort geht es dann ins Rathaus, per Aufzug hoch in das oberste Stockwerk, wo schon die Finale Rampe auf die Sportler wartet, die es möglichst kunstvoll und sturzfrei zu bewältigen gilt.

Klar: In Nürnberg ist der District Ride ein riesiges Spektakel. An der Strecke und auf dem Hauptmarkt herrschte deshalb schon in den vergangenen Jahren Gedränge. Aber die Veranstaltung wirkt auch weit über die Stadtgrenzen hinaus. Weltweit schauen sich Sportfans dann nicht nur waghalsige Sprünge an – sondern werden auch auf die tolle Kulisse in Nürnberg aufmerksam. Eine Werbewirkung, die nicht zu unterschätzen ist. Und dennoch hat der District Ride nicht nur Fans. Kritiker weisen bei Großveranstaltungen wie dieser immer wieder auf eine „Eventisierung“ von Nürnbergs guter Stube hin. Demnach werde dem Platz mit solchen Veranstaltungen zu viel zugemutet. Ebenfalls nicht bei allen beliebt: Für das Event müssen Plätze und Straßen zumindest teilweise gesperrt werden, Parkplätze fallen weg, und generell verschlingen Auf- und Abbau viele Ressourcen.

Julia Vogl

Ist der District Ride gut für Nürnberg?

Braucht Nürnberg eine Trendsporthalle?

Dass junge Menschen auch in einer dicht bebauten Großstadt Raum für sich brauchen, ist unbestritten. Eine Halle, in der sich Jugendliche betreut austoben können, mit Slacklines, BMX, Skaten (Foto: Günter Distler) oder Parkour, auch am Abend und im Winter, würde eine Lücke im Angebot für die junge Generation schließen.

Freilich: Ein solches Projekt muss finanziert sein. Die Stadt schwimmt nicht im Geld. Eine sehr grobe Schätzung der Stadtverwaltung kommt auf rund sieben Millionen Euro, die eine Trendsporthalle in Kombination mit einem Kinder- und Jugendhaus kosten würde.                                      Gabi Eisenack

Braucht Nürnberg eine Trendsporthalle?

Soll das Radrennen zurückkommen?

Leistungssport zum Anfassen, schweißtreibender Wettkampf hautnah: Dafür stand das Radrennen rund um die Nürnberger Altstadt viele Jahre lang. Der Wettkampf der Profis und Semiprofis zog zunehmend die Massen an. Dann erschütterte die Doping-Skandalserie im Radsport die Sportöffentlichkeit – und ließ das Zuschauerinteresse an dem Nürnberger Happening zusehends schwinden. So stark, dass schließlich die Nürnberger Versicherung als Hauptsponsor ausstieg – die Traditionsveranstaltung musste am Ende eingestellt werden.

Jetzt, vier Jahre später, scheint plötzlich ein Hoffnungsschimmer am Horizont auf: Die Deutschland-Tour, die 2018 aus der Taufe gehoben wurde, könnte 2020 ihr Finale in die Noris verlegen (die NZ berichtete). Sportbürgermeister Klemens Gsell (CSU) und Stadtkämmerer Harry Riedel (SPD) scheinen bereits guter Dinge zu sein, dass dieser sportliche Coup gelingen könnte. Zumal die Zustimmung des Stadtrats, dafür mindestens 300 000 Euro lockerzumachen, bereits als weitgehend ausgemacht gilt. Ein solches Großereignis würde Nürnberg einige mediale Aufmerksamkeit bescheren. Zudem ist Radfahren (wieder) „in“ – im Sportbereich ebenso wie im Privaten: Wohl noch nie in der Geschichte unserer Stadt waren so viele Radfahrer täglich auf den Straßen zu sehen.

Nicht zuletzt wäre das Finale der Deutschlandtour ein Leckerbissen für Radsport-Enthusiasten. Allerdings hätte ein solches Event durchaus Schattenseiten: die Absperrung der Altstadt jeweils für einen ganzen Sonntag etwa, mit entsprechenden Konsequenzen für Autofahrer und Altstadt-Bewohner. Oder die Frage, ob die genannten 300 000 Euro vielleicht auch an anderer Stelle gut angelegt wären.

Tilmann Grewe

Soll das Radrennen zurückkommen?

Bedauern Sie das Aus für das Altstadtrennen?

altstadtrennenNach dem Ende der „fetten Jahre“ in den 1990ern, als Radsport in Deutschland unheimlich populär war, mussten die Fans mehrfach schon um die Zukunft des Altstadtrennens zittern. Durch die Kooperation mit der Bayern-Rundfahrt konnte die Veranstaltung ab 2013 noch einmal für drei weitere Auflagen gerettet werden, so dass das Nürnberger Radrennen heuer immerhin das 25. Jubiläum erlebte. Nun aber ist den Veranstaltern der Bayern-Rundfahrt selbst das Geld ausgegangen – als Konsequenz ist auch die Schlussetappe in Nürnberg Geschichte. Die Stadt hat eine Großveranstaltung weniger.

Neben den Radsportfreunden, die die Strecke säumten und den Profis zuschauten, mögen das auch die vielen Freizeitsportler bedauern, die bei den „Jedermann-Rennen“ begeistert mitmachten und die an Wettbewerben wie „Run and Bike“ ihren Spaß hatten. Diejenigen, die Nürnberg als unattraktiv diffamieren, haben nun vielleicht ein Argument mehr.

Auf der anderen Seite waren mit dem Rennen auch massive Einschränkungen für die Bürger verbunden, musste doch die Altstadt weitgehend gesperrt werden. Und dann stellt sich obendrein die Frage, ob die ewige Wiederholung der immer gleichen Großveranstaltungen nicht auch Langeweile erzeugt: Jedes Jahr Blaue Nacht, jedes Jahr Rock im Park, jedes Jahr Bardentreffen, jedes Jahr Norisring, jedes Jahr Stadtverführungen und bisher auch alljährlich ein Radrennen. Das fällt nun weg. Was im besten Fall Stadtrat und -verwaltung vielleicht den Anstoß gibt, sich mal etwas Neues auszudenken. Insofern könnte das Ende auch in einen Aufbruch münden.

Marco Puschner

Wir wollen deshalb in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen:

Bedauern Sie das Aus für das Altstadtrennen?