Trübt das Rauchverbot die Bierzelt-Stimmung?

Lokales-festzeltwirtKAINZDas Frühlingsvolksfest am Dutzendteich musste in den ersten Tagen mit dem wenig frühlingshaften Wetter zurechtkommen. Die Festwirte müssen sich erstmals mit dem Mindestlohn herumärgern und weiterhin mit dem Rauchverbot in Bierzelten leben. Die Raucher müssen draußen ihrer Leidenschaft nachgehen und sich – zumindest bei den noch eher winterlichen Temperaturen – einen abfrieren. Wo bleibt bei so viel „muss“ und „darf nicht“ die gute Stimmung?
Bei den Nichtrauchern vielleicht? Die sind doch wohl zufrieden, dass die Nachwehen früherer Besuche in rauchigen Bierzelt-Spelunken endlich Vergangenheit sind, oder? Kopfweh am Tag danach kann jetzt höchstens noch die Folge von zu viel Bier- oder anderem Alkoholgenuss sein. Das lästige Passivrauchen und unfreiwillige „Mitstinken“ liegt hinter ihnen.
Doch an manchen Biertischen will die Laune trotzdem nicht so überschäumen wie das Bier. Da gibt es zum Teil ein Männleinlaufen wie sonst nur auf der Frauenkirche am Hauptmarkt – und nicht nur einmal am Tag respektive Abend. Das Kommen und Gehen der Raucher will gar kein Ende nehmen. Sie verschwinden meist gleich grüppchenweise, weil gemeinschaftliches Ziehen am Glimmstängel den Spaßfaktor um ein Mehrfaches erhöht.
Die Nichtraucher müssen dann warten, bis sie die heißen Diskussionen – etwa um den unglückseligen „Club“ – mit den anderen weiterführen können. Wenn es dumm läuft, haben die Qualmköpfe das Thema vor der Tür schon längst gewechselt, und nun muss man bei Rückkehr der Tischnachbarn erst mal sondieren, wovon eigentlich inzwischen die Rede ist. Auch Witze, die nach einer Maß (oder mehreren) die Runde machen, werden erst so richtig lustig, wenn man sie unter Nikotingenuss (zu Ende) erzählt. Die Nichtraucher verpassen dann womöglich die Pointe.
Das Rauchverbot kann sich also durchaus zum Stimmungskiller entwickeln. Zum Beispiel auch wenn man nur mit wenigen Bekannten unterwegs ist und allein drinnen zurückbleibt, während sich die anderen draußen amüsieren. Oder wenn sich zufällig nur Raucher zum Volksfestbesuch treffen, die ihren Platz besetzt finden, sobald sie die Zigaretten ausgemacht haben und ins Zelt zurückkommen.

In unserer Frage der Woche möchten wir deshalb von Ihnen wissen:

 

Trübt das Rauchverbot die Bierzelt-Stimmung?

                                                                                                                                              Ute Wolf

Shisha-Wirte wissen nicht weiter

Shisha-LSeit dem 1. August ist das strenge Nichtraucherschutzgesetz in Kraft. Es verbietet das Rauchen in jeglichen gastronomischen Einrichtungen.
Das trifft besonders die Betreiber von Cafés hart, deren Läden vor allem von Rauchern besucht wurden – wie beispielsweise Shisha-Cafés, in denen nun die Wasserpfeifen kalt bleiben müssen. Rund zwanzig dieser Cafés gibt es in Nürnberg, viele der Besitzer stehen vor dem finanziellen Ruin.
Mit einer Eilklage beim Bayerischen Verfassungsgericht auf Aussetzung des Verbotes hatten einige Wirte noch versucht, das Nichtraucherschutzgesetz zu kippen. Am 24. September scheiterten sie.
Die Kläger hatten unter anderem argumentiert, Shisha-Cafés würden nicht von Nichtrauchern besucht, der Gesetzgeber hätte Härtefall-, Übergangs- oder Ausgleichsregelungen vorsehen müssen, weil die Wirte viel investiert hätten und um ihre Existenz bangen. Zudem sei es unverständlich, warum an Flughäfen oder in Bildungseinrichtungen Raucherräume erlaubt seien, in Lokalen jedoch nicht.
Die Argumente wurden nacheinander zerpflückt: Das Volk habe entschieden, der Entscheid sei vorschriftsmäßig verlaufen. Zudem sei das Freiheitsrecht der Wirte nicht höher zu bewerten als der Gesundheitsschutz. Die Wirte hätten sich darauf einstellen müssen, dass der Volksentscheid erfolgreich sein könnte.
Nach dem Scheitern der Eilklage ist nun noch die Hauptklage anhängig. Die Aussichten auf Erfolg sind nahe Null.
So mancher Wirt, wie Lemir Tarek Chehab, versuchen noch, einen Ausweg aus der wirtschaftlichen Katastrophe zu finden. Bisher vergeblich. Eine Umwandlung seiner Shisha-Bar „Mocca“ am Nürnberger Aufseßplatz in ein Restaurant scheitert an den Auflagen des Ordnungsamts. Um Gastronomie betreiben zu können, muss er zahlreiche Einbauten vornehmen. Diese kann er aber nicht bezahlen, weil der Gewinnverlust seit Inkrafttreten des Rauchverbots letzte Reserven aufgebraucht haben.
Einen Laden könnte er aus seiner Bar noch machen. Allerdings muss er sich dann an das Ladenschlussgesetz halten und um 20 Uhr schließen. „Die Leute rauchen aber erst am Abend Shisha“, sagt Chehab verzweifelt.
Die verschiedenen Ämter der Stadt, darunter Rechts- und Ordnungsamt, haben Verständnis für den Ärger der Shisha-Bar-Besitzer. Auch sie bedauern, dass Existenzen zerstört werden. Allerdings seien auch sie nur ausführende Behörden, Hoffnung auf Ausnahmeregelungen können auch sie nicht machen.
Und was sagt Sebastian Frankenberger, Initiator des Volksentscheides „Für echten Nichtraucherschutz”, zum Thema Shisha-Cafés? Auch er bedauere die Lage der Wirte. Aber: „Wir wollen nicht, dass Jugendliche glauben, Wasserpfeifen-Rauchen sei die neue In-Droge.” Zudem habe der Inhalt des Volksentscheides eins zu eins dem allerersten Gesetzentwurf der CSU aus dem Jahr 2008 entsprochen. In diesem gab es keine Aufweichungen – weder Raucherclubs noch abgetrennte Räume. Und auch keine Shisha-Bars. Für Ausnahmeregelungen sei er nicht. Das Volk habe entschieden.

Claudia Urbasek

Weitere Klage gegen das Rauchverbot

Christine Klever vom "Casa del Habano" will gegen das Rauchverbot klagen. Am vergangenen Sonntag musste in bayerischen Kneipen auch die letzte Zigarette ausgedrückt werden – das strikte Rauchverbot trat in Kraft. Einigen Wirten bringt das nicht nur frische Luft, sondern Existenzängste. Nach Christine Klever, Betreiberin der Nürnberger Zigarren-Lounge „Casa del Habana“ (Foto), will nun ein weiterer Wirt vor Gericht ziehen.

Eine Ausnahmeregelung will Lemir Tarek Chehab für seine „Mocca“-Bar erreichen. Der Grund: Das „Mocca“ ist eine Shisha- und Cocktail-Bar. Seinen Hauptumsatz macht der Gastronom mit Wasserpfeifen. Seit Sonntag darf er diese nur noch auf drei Tischen vor dem Lokal aufstellen. Die Gäste blieben schon jetzt aus, sagt der 41-Jährige. Bevor seine Existenz endgültig den Bach runtergeht, will er Klage beim Bayerischen Verfassungsgericht einreichen, damit die Gäste wieder in der Bar rauchen dürfen.

Im Ordnungsamt Nürnberg liefen bereits an den ersten beiden Tagen nach Inkrafttreten des Rauchverbots die Telefone heiß. Wirte suchen Hilfe bei Rechtsfragen und Anwohner beschweren sich über den steigenden Lärmpegel, der durch Raucher entsteht, die nun in vermehrter Zahl wieder vor den Kneipen stehen. „Und die Raucher laden ihren Frust bei uns ab“, sagt der stellvertretende Leiter, Robert Pollack.

Seit dem 1. August darf weder in Restaurants, Eckkneipen, Nebenräumen, Diskotheken, Bars oder Festzelten geraucht werden. Auch die Raucherclubs sind passé. Einzige Ausnahme: Bei privaten Feiern in Gaststätten darf weiter geraucht werden.

Die Kontrollbesuche in gastronomischen Einrichtungen werden aber nur sporadisch erfolgen, eine „Raucherpolizei“ werde es nicht geben, so Pollack. Wer gegen das Verbot verstößt, dem drohen Geldstrafen von 200 bis 1000 Euro. Zuvor werden die Wirte jedoch schriftlich ermahnt. Das wird wohl auch den Wirten so gehen, die in einigen Boulevard-Blättern bekanntgegeben hatten, das Verbot bewusst ignorieren zu wollen.

Soll das Rauchverbot gelockert werden?

rauch.JPGVor kurzem erst hatten sich Bayerns Politiker gegenseitig auf die Schultern geklopft und sich des schärfsten Rauchverbots der Bundesrepublik gerühmt. Für das lasche Vorgehen in Berlin („Der Senat sieht es nicht gern, wenn sie hier rauchen“) gab es nur Hohn und Spott. Dann kam der 28. September.
Nach dem Wahldesaster versucht die CSU jetzt, beim verärgerten Wahlvolk Sympathiepunkte zu sammeln. Der designierte Ministerpräsident Horst Seehofer will das Verbot lockern – weil es „die bayerische Volksseele verletzt“ habe. Wie die Lockerungen aussehen sollen, weiß noch niemand. Die Wirte freilich freut‘s – sie hoffen darauf, dass die Raucher wieder in die Gaststätten kommen. Wenn sie diese nicht schon in Raucherclubs verwandelt haben. Für Nichtraucher würde es dagegen enger, weil dann wieder Qualmer am Nachbartisch auftauchen können. Und wenn das bayerische Vorzeige-Rauchverbot kippt, könnten auch andere Bundesländer mitziehen – die Rolle rückwärts im Nichtraucherschutz droht. Seehofers möglicher Koalitionspartner FDP jedenfalls hat schon im Wahlkampf Front gegen das Verbot gemacht, ist es in den Augen der Liberalen doch eine Gängelung der Bürger. Ist die angekündigte Lockerung also ein Stück mehr Freiheit oder doch nur ein Zuckerl für rauchende CSU-Wähler? Deshalb wollen wir von Ihnen wissen: Soll das Rauchverbot gelockert werden? Geben Sie Ihr Votum bitte hier  ab.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Schafft die CSU so den Neuanfang? Mit Ja antworteten 42,8 Prozent, mit Nein 57,2 Prozent.  oelf

Rauchverbot – macht sich die CSU unglaubwürdig?

Sicher darf auch in diesem Jahr wieder auf dem Oktoberfest geraucht werden, bestimmt auch in jedem anderen Bierzelt, möglicherweise auch in bestimmten Kneipen – das Rauchverbot steht auf der Kippe. Knapp eine Woche nach der CSU-Schlappe bei den Kommunalwahlen in Bayern ist die Abkehr vom deutschlandweit strengsten Rauchverbot beschlossene Sache. Der Grund ist klar: Die Union glaubt, dass die Raucher ihr einen Denkzettel verpasst haben. Nun wird zurückgerudert.
„Ein politischer Offenbarungseid“ sei das, sagen die Grünen im Landtag. Auch mit ihren Stimmen war im Dezember letzten Jahres das Nichtraucherschutzgesetz beschlossen worden. Die Wirte, die qualmenden Kneipengänger, die auf Gemütlichkeit pochenden Bierzelt-Besucher werden die Änderungen sicherlich begrüßen. Doch ebenso schwer wie der gesundheiltliche Schaden für die Passivraucher wiegt wohl der für das Ansehen der Politiker. „Umfaller“ seien die, schimpfen viele Bürger, egal ob Raucher oder Nichtraucher. „Die da oben“ seien nicht in der Lage, die Durchsetzung eines unbequemen Gesetzes durchzustehen. Ganz offenbar hatte das Wahlergebnis die CSU zum Nachdenken gebracht – doch muss nicht auch der Wählerwille respektiert werden, indem man ein ungeliebtes Gesetz nachbessert? Wir wollen von Ihnen daher wissen: Rauchverbot – macht sich die CSU unglaubwürdig? Abstimmen können Sie (wiem immer ab Montag) auf der NZ-Webseite.
In der vergangenen Woche fragten wir: Ist die Stadtratswahl zu kompliziert? Mit Ja antworteten 70,1 Prozent, mit Nein 29,9 Prozent (Telefon- und Internetvotings).

Freuen Sie sich über das Rauchverbot?

rauchen.JPGRaucher raus aus Kneipen und Restaurants!, heißt es seit einer Woche in Bayern. Der Freistaat hat mit einem der schärfsten Nichtraucherschutzgesetze in Deutschland schon seit Monaten für heftige Diskussionen gesorgt. Alle Argumente sind längst ausgetauscht, und jetzt sind die ersten Tage des Gesetzes in der Praxis vorbei.

In Bayern gibt es keine Ausnahme wie in anderen Bundesländern, wo einzelne Räume für die Raucher abgetrennt werden dürfen. Einzige Möglichkeit für Rauchzeichen in der Kneipe bieten geschlossene Veranstaltungen oder Clubs mit Mitgliedsnachweis. Im Freistaat stehen die Aschenbecher vor der Tür, egal wie kalt es draußen ist.

Die Meinungen über diese Praxis gehen auseinander. Wirte klagen einerseits über Umsatzeinbrüche, andererseits wollen sie neue Kunden gewinnen, die bisher die Raucherhöhlen gemieden haben. Die einen Kunden freuen sich über die frische Luft in den Restaurants, andere aber ärgern sich über die Bevormundung.

Unsere Frage der Woche lautet: Freuen Sie sich über das Rauchverbot? Abstimmen können Sie wie immer über den Link rechts unten auf der NZ-Homepage.