Sorgen Sie sich um die gesetzliche Rente?

Nachdem sich CDU und CSU in der Flüchtlingspolitik fleißig gestritten hatten, drohte jetzt der nächste Konflikt in der Großen Koalition. Die SPD hätte gerne das Rentenniveau von 48 Prozent bis ins Jahr 2040 festgeschrieben. Der Koalitionsvertrag gibt nur bis 2025 eine Garantie. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rügte die Genossen, mit dieser Debatte unnötig die Bürger zu verunsichern. Für die Zeit nach 2025 gebe es schließlich eine kürzlich eingesetzte Expertenkommission, deren Vorschläge man erst einmal abwarten müsse.

Der DGB betont stets, dass die gesetzliche Rente der Eckpfeiler der Altersversorgung bleiben müsse, betriebliche oder private Lösungen könnten diese lediglich ergänzen, seien aber keine gleichwertige Alternative zum gesetzlichen System.

Zugleich aber gibt es Zweifler, die angesichts der demografischen Entwicklung die gesetzliche Rente nicht mehr für sicher halten. Wenn die SPD das Rentenniveau und die Beiträge stabil halten wolle, müsse die Lebensarbeitszeit auf 73 Jahre steigen, meint etwa Rentenexperte Bernd Raffelhüschen – oder es müsste höhere Steuern geben. Dass Merkel den Vorschlag der SPD so klar ablehnt, könnte freilich auch jene Verunsicherung erzeugen, die sie der SPD vorwirft. Ist es um die gesetzliche Rente womöglich doch nicht so gut bestellt, wie die Konservativen zuletzt behaupteten?

Marco Puschner

Sorgen Sie sich um die gesetzliche Rente?

Sind Sie für eine längere Lebensarbeitszeit?

Die Rechnung, die Paul Ziemiak aufmacht, scheint auf den ersten Blick einleuchtend: Weil die Lebenserwartung ständig steigt, müsse auch das Renteneintrittsalter (Cartoon: Gerd Bauer) nach hinten verschoben werden. Der Generationenpakt funktioniere nicht mehr, mahnt der Chef der Jungen Union, weil die Jungen auf Dauer die permanent wachsende Zahl der Alten nicht mehr finanzieren könnten. In der Tat hat sich die Rentenbezugsdauer, die 1960 noch bei knapp zehn Jahren lag, inzwischen verdoppelt. Die Rente befinde sich im „Schraubstock der Demografie“, schrieb der SPD-Politiker Peer Steinbrück im Jahr 2012 in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Ihm ging es aber damals darum, die in der Sozialdemokratie hochumstrittene Rente mit 67 zu verteidigen – Ziemiak wiederum denkt, dass der Staat die Bürger auch mit 67 noch nicht aus der Arbeitswelt entlassen kann. Jan Korte von der Linkspartei warf ihm daher vor, die Leute bis zum Tod schuften lassen zu wollen.
Der linke Flügel der SPD, die Linkspartei und Gewerkschaftsvertreter halten die demografischen Rechenspiele ohnehin nicht für seriös und verweisen in der Rentendebatte stets darauf, dass die Wertschöpfung in Deutschland im Vergleich zu früheren Jahrzehnten auch enorm gestiegen sei. Insofern könne es sich diese reiche Wirtschaftsnation auch ein würdiges Rentensystem leisten und müsse die Leute nicht bis 70 arbeiten lassen. Zumal das in körperlich anstrengenden Berufen auch gar nicht gehe. Doch neben solchen eher finanzpolitisch dominierten Debatten spielt es auch eine Rolle, dass viele Ältere sich noch fit fühlen und es als diskriminierend begreifen, mit 65 zum alten Eisen gezählt zu werden. Indes hat dieses Argument ebenfalls eine Kehrseite: Denn sollten die Senioren, die Anspruch auf eine auskömmliche Rente haben, nicht auch ihre Arbeitsplätze räumen, um Platz zu machen für die nachrückenden Generationen?

Marco Puschner

 

Sind Sie für eine längere Lebensarbeitszeit?

Rentenreform auf Kosten der Jugend?

Sie war ein Herzensanliegen der SPD im Wahlkampf und auch ein wichtiger Trumpf, um den Anhang beim anschließenden Mitgliedervotum von der Großen Koalition überzeugen zu können: Die Rente mit 63. Wer 45 Jahre lang in die Kasse eingezahlt habe, solle auch abschlagsfrei seinen Ruhestand genießen können.

Damit wollen die Sozialdemokraten Lebensleistungen belohnen, für mehr Gerechtigkeit sorgen und zudem die von ihnen forcierte „Rente mit 67“ sozial abfedern.

Karl Lauterbach, stellvertretender Chef der SPD-Bundestagsfraktion, betonte kürzlich in der Talkshow „Anne Will“ nochmals, dass diese Reform auch nur relativ geringe Kosten verursache, weil der betroffene Personenkreis klein sei. Schützenhilfe erhielt er in dieser Sendung vom Wirtschaftswissenschaftler Heinz-Josef Bontrup, der sogar sagte, dass sich der Staat das Vorhaben „lässig leisten“ könne.

Auf der anderen Seite mahnt der Wirtschaftsflügel der CDU, dass die SPD mit dieser Politik angesichts des demografischen Wandels genau die falsche Richtung einschlage – die Leute werden älter und müssten daher auch länger arbeiten, nicht kürzer. Die jungen Menschen, so die Kritiker, müssten an die älteren die Zeche für dieses Wahlgeschenk zahlen. Die faire Lastenverteilung zwischen den Generationen sei aufgekündigt.

Außerdem fürchten Skeptiker, dass sich eine Reihe von Arbeitnehmern mit 61 arbeitslos meldet und dann zwei Jahre später ohne Einbußen in Rente geht. Ein solches Vorgehen will Andrea Nahles aber gesetzlich verhindern.

Wir wollen von Ihnen in unserer Leserfrage daher diesmal wissen: „Rentenreform auf Kosten der Jugend?“ Geben Sie Ihr Votum hier ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Endlich Schluss mit G 8?“ Teilgenommen haben 374 Leser. Mit Ja antworteten 63,4 Prozent, mit Nein 36,6 Prozent.

Haben Sie Angst vor Armut im Alter?

Nun ist es raus: Ab 2030, also bereits in 18 Jahren, erhalten Arbeitnehmer mit einem monatlichen Bruttoverdienst von 2500 Euro nach 35 Jahren Vollzeitarbeit 688 Euro Rente. Ursula von der Leyen schlägt Alarm – und vielen Menschen das Herz schneller. Selbst bei einem Bruttoverdienst von 3500 Euro würde der Rentner bei der geplanten Senkung des Rentenniveaus die 1000-Euro-Grenze nicht überschreiten.

Und auch bei noch höheren Bruttoverdiensten würde es für viele keinen Grund zum Aufatmen geben. Die Altersarmut droht also mitnichten nur den „Geringverdienern“, sondern auch der breiten Mittelschicht. Prompt fordert der DGB, eine „Demografiereserve“ aufzubauen. Das ginge natürlich nur, wenn der Rentenbeitragssatz nicht gesenkt wird, wie vorgesehen. Nun geistern alle möglichen Begriffe wie „Grundsicherung“, „Zuschussrente“ oder „steuerfinanzierte Garantierente“ durch die Republik – nichts, was dem Schreckgespenst „Altersarmut“ den Schrecken nehmen könnte.

Rente auf Sozialhilfeniveau, so haben sich das die Menschen hierzulande nicht vorgestellt, in einer Zeit, in der die meisten Unternehmen angesichts hoher Gewinne aus dem Jubeln gar nicht mehr herauskommen. Letztlich besteht aber Hoffnung: Ein für alle Seiten erträglicher Kompromiss muss gefunden werden. Die Politiker werden dieses Problem nicht aussitzen können. Zu erwarten ist, dass auch in Deutschland die betriebliche und die private Altervorsorge ein größeres Fundament erhalten, Hand in Hand mit einer zur Not auch steuerfinanzierten staatlichen Bezuschussung. In Schweden funktioniert das sehr gut, und die rentenrelevanten Rahmenbedingungen dort sind mit denen in Deutschland vergleichbar.

Und noch ein Hoffnungsschimmer: Wahlchancen werden sich in den kommenden Jahren nur solche Parteien und Politiker ausrechnen dürfen, die gangbare Lösungen für das Problem „Altersarmut“ bieten können, denn bei diesem Thema heben Millionen Bürger die Hand als Betroffene. Bereits jetzt fürchten Volksvertreter, mit dieser hochbrisanten Problematik im bevorstehenden Wahlkampfjahr unter die Räder zu kommen.

Unsere Leserfrage lautet in dieser Woche: „Haben Sie Angst vor Altersarmut?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf NZ.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Sind Sie für einen vegetarischen Wochentag?“ Mit Ja antworteten 49 Prozent, mit Nein 51 Prozent.

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Sollen Eltern bei der Rente bevorzugt werden?

Das Aufziehen eines Kindes kostet viel Geld. Wer würde da widersprechen? Und Kinder sind unsere Zukunft, auch klar. Und so fordert die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer höhere Renten für Eltern. Sie schlägt vor, dass Kinderlose die Vergünstigungen finanzieren sollen.

Haderthauer stellt sich vor, dass für jedes Kind bis zum zwölften Lebensjahr der Rentenbeitrag eines Elternteils um 50 Euro monatlich ermäßigt wird. Zudem solle im Alter das Rentenniveau von Eltern weniger stark abgesenkt werden, als es wegen der demografischen Entwicklung sonst geschähe. Die erwarteten Kosten von 5,5 Milliarden Euro jährlich sollen Haderthauer zufolge durch Umschichtungen in der Rentenkasse zu Lasten Kinderloser finanziert werden.

In Berlin stieß der Vorschlag aus Bayern auf wenig Gegenliebe. So warf der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP, Heinrich Kolb, Haderthauer „mangelnde sachpolitische Kenntnis“ vor. Die Rente sei eine Anwartschaft, kein staatliches Almosen. Er verwies auf das Äquivalenzprinzip, wonach sich die Höhe der Rente nach Höhe und Dauer der einbezahlten Beiträge richtet. Alternativ schlagen die Liberalen vor, Eltern beim Aufbau einer privaten Altervorsorge zu unterstützen.

Wir wollen nun von Ihnen in unserer Frage der Woche wissen: Sollen Eltern bei der Rente bevorzugt werden? Geben Sie Ihr Votum bitte hier de ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Sollen Club-Fans schärfer kontrolliert werden? Mit Ja antworteten 61,3 Prozent, mit Nein 38,7 Prozent. we