Studiengebühren: Soll Bayern sie abschaffen?

Der liberale Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch will nicht auf die Einnahmen durch die Studiengebühren verzichten. Sie würden gebraucht, um die Bedingungen an den Hochschulen zu verbessern – und seien deshalb nicht ungerecht, sondern eine soziale Maßnahme.

Gegner der Studiengebühren sehen den Fall genau umgekehrt: Die Gebühren seien eben keine soziale, sondern eine unsoziale Sache. Sie würden Studenten aus finanziell schwächeren Familien abschrecken, an eine Hochschule oder Universität zu gehen. Sie würden das Studium verlängern, weil mehr nebenbei gejobbt werden müsse und sie würden viele junge Leute schon jetzt in eine Schuldenfalle jagen. Sie müssten nämlich Kredite aufnehmen, an denen sie ewig zu knabbern haben. Wer am Anfang seines Berufslebens steht, vielleicht auch an Familie denkt, für den sind das nicht eben die besten Startbedingungen

Unsere NZ-Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Studiengebühren: Soll Bayern sie abschaffen?“ Geben Sie ihr Votum unter nz.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Braucht Nürnberg ein Faschingsprinzenpaar?“ Mit Ja antworteten 33 Prozent, mit Nein 67 Prozent.

Soll Tempo 30 vor Schulen bleiben?

Zehn Beschwerdeführer bei der Regierung von Mittelfranken wollen die flächendeckende Tempo-30-Regelung vor Schulen in Nürnberg, die seit September gilt, zu Fall bringen. Sie haben um eine Überprüfung der verkehrsrechtlichen Anordnungen der Stadt Nürnberg gebeten. Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet, denn es geht um einen Kurswechsel bei der Ausweisung der Tempo-30-Zonen auf Hauptverkehrsstraßen in Bayern: Bislang wurden solche flächendeckenden Geschwindigkeitsregelungen in Bayern nicht geduldet. „Nach der Straßenverkehrsordnung dürfen Beschränkungen und Verbote des fließenden Verkehrs nur angeordnet werden, wenn aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung von Rechtsgütern erheblich übersteigt. Die Rechtmäßigkeit einer Anordnung kann deshalb nur unter Berücksichtigung der konkreten Verkehrsverhältnisse in jedem Einzelfall beurteilt werden“, erklärt Günther Kiermeier, stellvertretender Pressesprecher der Regierung von Mittelfranken. Pauschale Tempo-30-Regelungen sind demnach eigentlich ausgeschlossen. Es müssen die jeweilige Gefahrenlage und die örtliche Verkehrssituation berücksichtigt werden. Wie wichtig aber eine Geschwindigkeitsbeschränkung vor Schulen ist, machen folgende Zahlen deutlich: In der ersten Schulwoche 2011, die nur aus vier Tagen bestand, wurden bei Geschwindigkeitskontrollen 883 Verstöße festgestellt.

Die Beschwerde führenden Autofahrer sehen dagegen die Geschwindigkeitsbeschränkung als Möglichkeit, Autofahrer zu schröpfen, um Geld für den maroden Stadthaushalt zu bekommen. Eine Gefahrenlage liege in vielen Fällen nicht vor, so der Tenor der Kritik. „Die bislang 10 Einwender machen im Wesentlichen geltend, dass die Verkehrsbeschränkungen nach der Straßenverkehrsordnung nicht erforderlich seien, auch weil in vielen Fällen Schülerlotsen oder technische Einrichtungen zur Schulwegsicherung in Form von Fußgängerüberwegen, Ampeln vorhanden seien“, so Kiermeier. In Berlin unterlag im November aber eine Autofahrerin vor Gericht, als sie die dortige Tempo-30-Regelung vor Schulen und Kindertagesstätten kippen wollte. Die Richter stuften die Unversehrtheit von Kindern höher ein als den Zeitverlust für Autofahrer durch eine reduzierte Fahrgeschwindigkeit. Die Regierung von Ansbach überprüft jetzt die Nürnberger Regelung

Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Soll Tempo 30 vor Schulen bleiben?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf der NZ-Homepage ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Fan-Randale: Soll der Club härter durchgreifen?“ Mit Ja antworteten 48 Prozent, mit Nein 52 Prozent. fis

Bildungsstreik: Haben die Schüler recht?

Sie verlassen die Hörsäle und Klassenzimmer und gehen auf die Straße. Aber nicht, weil sie nicht lernen wollen. Im Gegenteil, sie wollen es. Besser sogar als bisher. Doch was hunderttausende Schüler und Studenten bundesweit auf den Demonstrationen beklagen, ärgert auch viele Nürnberger: Große Klassen, veraltetes Lehrmaterial, ein undurchlässiges Bildungssystem und hohe Studiengebühren.
Bildung ist ein Menschenrecht, sagen sie. Und das soll nicht nur in Anspruch nehmen können, wer reiche Eltern hat, wer sich teure Nachhilfestunden und Elite-Universitäten leisten kann. Für ihre Forderungen riskieren sie auch Verweise und andere Sanktionen. Denn wenn sie nachmittags demonstrieren, werden sie kaum wahrgenommen, sagen die Schüler. So wie die vielen anderen Kundgebungen, die tagtäglich stattfinden.
Ihr Anliegen ist ihnen so wichtig, dass sie für die nötige Aufmerksamkeit die Schulen und Universitäten verlassen und den Zorn der Direktoren auf sich nehmen. Das unterstützen auch viele Bürger, Gewerkschaften und Parteien. Wie sehen Sie das? Muss das Bildungssystem reformiert werden, durchlässiger werden und Schülern und Studenten mehr Raum geben? Wir wollen diese Woche von Ihnen wissen: „Bildungsstreik: Haben Schüler und Studenten recht?“ Die Frage der vergangenen Woche lautete: Ist das Bratwurstdorf jetzt fränkisch genug? Mit Ja antworteten 56,8 Prozent, mit Nein 43,2 Prozent.

Unterrichtsbeginn erst um 9 Uhr?

Ganze Schülergenerationen haben — vor allem an dunklen Wintermorgen, wenn Gletscherbildung, Gerundivum oder andere ermüdende Stoffe auf dem Plan standen — den frühen Unterrichtsbeginn gehasst. Nur wäre damals niemand auf die Idee gekommen, Schüler (also: Minderjährige) zu fragen: Wie hättet ihrs denn gern?

An der Berliner John-Lennon-Schule war das nun anders. Da wurden die Schüler gefragt und votierten mehrheitlich dafür, den Unterricht weiterhin um 8 Uhr beginnen zu lassen. Der Namensgeber der Schule dürfte sich möglicherweise im Grabe umdrehen, wenn ihn das noch interessieren würde, aber auch die Lehrerschaft war einigermaßen überrascht über dieses Abstimmungsergebnis.

Dabei ist das Schülerverhalten bei genauerem Hinsehen nicht ganz so abwegig. Immerhin müssen die meistens mit Eltern und Geschwistern aufstehen. Wenn sich bei denen am Morgen nichts ändert, nützt ihnen der spätere Schulbeginn also überhaupt nichts. Zudem fällt die erste Stunde schließlich nicht ersatzlos aus, der Unterricht rückt nur mehr in den Nachmittag, wo ein Schüler vielleicht Besseres zu tun hat.

Dennoch sind solche Überlegungen nicht am Lernerfolg orientiert. Der, und das ist inzwischen durch Studien erwiesen, ist am späteren Vormittag größer. Am frühen Morgen sind Schüler weniger aufnahmebereit als am späteren Vormittag. Außerdem ist es eigentlich ein Fingerzeig der Natur: Wenn es länger dunkel ist, sollte man auch länger schlafen.

In unserer Leserfrage der Woche wollen wir diesmal von Ihnen wissen: Unterrichtsbeginn erst um 9 Uhr? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Kann München die Nürnberger Justiz retten? Mit Ja antworteten 24,8 Prozent, mit Nein 75,2 Prozent.