Stadtbibliothek: Soll sie auch am Sonntag öffnen?

Eine Stadt befindet sich im ständigen Wandel, genauso wie die Bedürfnisse ihrer Bewohner. Manches verliert an Bedeutung, anderes gewinnt an Zuspruch. Auch wenn die Menschen heute vielleicht weniger Bücher lesen als früher, der Beliebtheit der Nürnberger Stadtbibliothek tut das keinen Abbruch. Rund eine Million Besucher im Jahr zählt das Haus. Denn längst sind Bibliotheken keine staubigen Büchertempel mehr. Sie sind ein Ort mit Aufenthaltsqualität. Schon morgens stehen die Bürger vor dem Tor Schlange und warten, dass sich endlich das Gitter hebt.

In der Stadtbibliothek trifft sich die ganze Gesellschaft, hier ist Teilhabe möglich, hier darf sich jeder zu Hause fühlen, ob Arm oder Reich, ob Jung oder Alt, ob mit deutschen Wurzeln oder ausländischen. Nicht jeder kommt zum Lesen, aber es sind die Bücher, die eine besondere Atmosphäre schaffen. Die SPD hat in einem Antrag an die Verwaltung vorgeschlagen, die Stadtbibliothek auch gelegentlich an Sonntagen zu öffnen, um besonders Familien anzusprechen. Das ist eine gute Idee, aber nicht nur für Eltern und Kinder. Eine Bibliothek, die am Sonntag öffnet, kann auch ein attraktives Angebot für Menschen sein, die sich einsam fühlen. Und deren Zahl steigt. Allerdings muss das Angebot finanziert sein. Die Haushaltskasse der Stadt lässt dafür kaum Spielraum.

Gabi Eisenack

Stadtbibliothek: Soll sie auch am Sonntag öffnen?

Wieder Gebühren bei der Stadtbibliothek?

Foto: Roland  Fengler                   Motiv:      Unter Nürnbergs Dächer      Besuch der Stadtbibliothek     Datum:  12.03.2014
Die Stadt leistet sich den Luxus, keine Jahresgebühren für die Ausleihe der Stadtbibliothek zu verlangen. Luxus? werden einige fragen und darauf verweisen, dass der Verzicht auf Gebühren es allen möglich macht Bücher oder andere Medien auszuleihen. Es wird niemand von diesem Bildungsangebot ausgeschlossen, nur weil er es sich nicht leisten kann, ein Grundgebühr zu bezahlen. Aus einer sozialen Perspektive sicherlich verständlich und die Nutzerzahlen sind auch deutlich angestiegen.

Nachdem 2013 die Erhebung von Grundgebühren bei der Stadtbibliothek abgeschafft wurden, bestand die Hoffnung, dass über die Verlängerungs- und Vormerkgebühr, die noch erhoben werden, zumindest so viel Geld zusammenkommt, dass der städtische Anteil bei der Finanzierung nicht weiter steigt. Doch das System klappte nicht: Offenbar gibt die überwiegende Zahl der Nutzer ihre Bücher rechtzeitig zurück und bei den Vormerkungen halten sie sich diszipliniert zurück.

Da die Stadt ein Einsparpaket in Höhe von 20 Millionen Euro schnüren muss, um die Vorgaben der Regierung von Mittelfranken zu erfüllen und um Spielraum im Haushalt für die anstehenden Investitionen zu bekommen, wird derzeit darüber diskutiert, ob eine Grundgebühr in Höhe von 15 Euro pro Jahr eingeführt werden soll. Rund 500.000 Euro würde das an Mehreinnahmen bedeuten.

Die Befürworter der Wiedereinführung einer Jahresgebühr können darauf verweisen, dass 15 Euro im Jahr ganze 1,25 Euro im Monat sind. Ein Summe, die verkraftbar erscheint. Wenn etwas umsonst ist, dann gibt es immer wieder Mitnahmeeffekte, etwa von Nutzern, die genügend Geld haben, Bücher und Medien, die sie benötigen, selber zu bezahlen. Es gehört nicht zu den Aufgaben der Stadt, Reiseführer, die dann für den dreiwöchigen im Urlaub mitgenommen werden, vorzuhalten. Das ist keine kein Teil der kommunalen Daseinsvorsorge, sondern Luxus. Zu loben ist auch, das gute, weil breite Angebot von Zeitungen und Zeitschriften. Muss das komplett umsonst sein?

Wir wollen deshalb von Ihnen wissen:

Zurück zur Jahresgebühr bei der Stadtbibliothek?

Vergangene Woche haben wir gefragt: „Hat Bob Dylan den Literatur-Nobelpreis verdient?“ Teilgenommen haben 213 Leser (online und per Telefon). Mit Ja antworteten 61,4 Prozent, mit Nein 38,6 Prozent.