Mathe-Abitur: Ist die Aufregung gerechtfertigt?

„2016 war es anspruchsvoll, 2017 war es machbar, 2018 war es nahezu leicht und 2019 enthielt plötzlich Aufgabenstellungen, die vorher kaum einer gesehen hatte“, heißt es in einer Petition an das Kultusministerium über das Mathe-Abitur. Und weiter: „Wir Abiturienten bitten darum, den Notenschlüssel zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen.“ Unterschrieben haben die Petition bislang mehr als 75000 Menschen – das Mathe-Abi wirklich geschrieben hat nur ein Bruchteil davon. Die Argumente der Unterzeichner: Die Aufgaben waren zu schwer, die Zeit hat nicht ausgereicht. Einfach hinnehmen wollen sie das nicht, schließlich hat die Prüfung am Ende Einfluss auf den Abischnitt – und der ist wichtig, wenn man mit anderen Abiturienten – auch aus anderen Bundesländern – um Studienplätze konkurriert.

Die Aufregung der Schüler hat hohe Wellen geschlagen – auch in den Medien. Dort meldeten sich auch Schulleiter zu Wort. Viele von ihnen halten die Aufgaben für durchaus machbar. Freilich, sie seien ungewohnt formuliert gewesen. Dass Schüler künftig aber mehr um die Ecke denken müssen, sei gewollt und auch so angekündigt worden.

Überhaupt: Etliche Kommentatoren in den sozialen Netzwerken meinen auch, dass die Aufgaben durchaus lösbar seien. Nur sei es gerade bei Mathe – für etliche Schüler nach wie vor ein Angstfach – eben so, dass jeder Jahrgang meint, er habe die schwersten Aufgaben bekommen. Außerdem: Es geht um den höchsten Schulabschluss. Ein gewisser Anspruch gehöre da schon dazu.

Julia Vogl

Mathe-Abitur: Ist die Aufregung gerechtfertigt?

„Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?“

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht ins Gespräch gebracht und ist damit in der Union auf sehr viel Zustimmung gestoßen. Junge Menschen sollen demnach im Anschluss an die Schule ihre Arbeitskraft ein Jahr der Gesellschaft zur Verfügung stellen. Damit ist keine Wiedereinführung der ausgesetzten Wehrpflicht gemeint, obgleich das Militär ein Ort ist, an dem die jungen Leute den Dienst ableisten können.
Aber der Idee nach wäre es genauso möglich, sich in sozialen, ökologischen oder kulturellen Einrichtungen zu engagieren. Befürworter glauben, dass ein solches verpflichtendes Gesellschaftsjahr den Bürgern eines wohlhabenden Landes durchaus abverlangt werden könne. Soziale Träger, die unter dem Wegfall des Zivildienstes litten, könnten die Kräfte gut brauchen. Zudem würde die Gesellschaft enger zusammenrücken, denken die Verfechter der Idee. Und obendrein sei es auch eine Chance für die jungen Leute, sich beruflich zu orientieren und Tätigkeitsfelder kennenzulernen, auf die sie sonst vielleicht nicht stoßen würden.
Allerdings geht das bisher auch schon, wenngleich auf freiwilliger Basis – man kann ein soziales Jahr einlegen oder sich im Bundesfreiwilligendienst engagieren (Foto: dpa). Vertreter von SPD, Grünen, Linken und FDP haben sich denn auch skeptisch gezeigt, ob eine allgemeine Dienstpflicht wirklich sinnvoll ist. Hans-Peter Bartels (SPD) zum Beispiel äußerte verfassungsrechtliche Bedenken, Zwangsarbeit sei schließlich verboten. Die Linkspartei befürchtet, dass junge Leute über ein solches System instrumentalisiert werden könnten, um Notstände in der Pflege zu verringern. FDP und Grüne sehen durch ein Pflichtjahr einen massiven Eingriff in die individuellen Rechte der jungen Leute und lehnen es daher ab.
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?“ In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren.

Marco Puschner

"Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?"

Soll das Studium kostenlos sein?

StudenteSeit fast einer Woche halten Studierende in Nürnberg und Erlangen ihre Hörsäle besetzt. Eine ihrer Hauptforderungen ist es, die Studiengebühren wieder abzuschaffen. Seit zwei Jahren müssen Studenten 500 Euro pro Semester entrichten. Ist das gerechtfertigt?

Pro: Sie sind langhaarig und faul, studieren zehn Jahre oder länger und liegen damit dem Steuerzahler auf der Tasche. Dieses Bild der Langzeitstudenten haben viele Menschen im Kopf. Damit ist dank der Studiengebühren endlich Schluss. Je mehr ein Student trödelt, desto teurer wird es für ihn. Daher strengt er sich an und macht schneller seinen Abschluss. Die Studenten profitieren zudem von den Gebühren. Denn die Hochschule stattet damit ihre Räume mit moderner Technik aus, etwa Beamern oder Mikrofonanlagen. Möchte ein Handwerker eine Meisterschule besuchen, muss er auch bezahlen.

Contra: Die Studiengebühren führen zu sozialer Selektion. 40 Wochenstunden in der Uni, zu Hause soll der Stoff vor- und nachbereitet werden. Viele Studenten müssen nebenher jobben. Wer dagegen von seinen Eltern unterstützt wird, kann sich ganz aufs Lernen konzentrieren. Schreibt bessere Noten und bekommt damit eher eines der seltenen Stipendien.
Doch neben guten Noten wollen die Personaler auch soziales Engagement im Lebenslauf lesen. Doch wo bleibt Zeit für die Mitarbeit in der Uni-Umweltgruppe, Zeit für kritisches Nachfragen im Sinne des Humboldtschen Bildungsideals? Warum werden 500 Euro eingefordert, wo doch laut Hochschulgesetz die Beiträge nur mindestens 300 Euro betragen müssen. Wir wollen daher wissen: Soll das Studium kostenlos sein?

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Lassen Sie sich gegen Schweinegrippe impfen? Mit Ja antworteten 16,1 Prozent, mit Nein 83,9 Prozent. Christina Merkel