Radschnellwege – eine gute Idee?

Im Großraum Nürnberg könnte es künftig Radschnellwege geben. Zumindest empfehlen es drei Planungsbüros in einer Machbarkeitsstudie. Diese Woche wurden die Ergebnisse vorgestellt. Sieben Strecken haben die Experten genau untersucht. Ob alle gebaut werden, ist noch offen. Die Zuständigkeiten sowie die Finanzierung wären noch zu klären. Die Stadt Nürnberg verspricht sich einiges von den Radschnellwegen und zeigt sich zuversichtlich, dass die Bürger sie annehmen, auch, weil immer mehr von ihnen E-Bikes und Pedelecs nutzen.

Doch ob die Menschen tatsächlich diesen Schritt tun, ist ungewiss. Hinzu kommt, dass die Strecken einiges kosten. Sollten alle sieben Routen gebaut werden, würden rund 150 Millionen Euro dafür anfallen, hieß es bei der Vorstellung der Studie.

Doch die Schätzung von heute bedeutet nicht immer die Realität von morgen: Es ist anzunehmen, dass die Kosten eher noch steigen – für die Baumaßnahmen und für die Grundstücke, die den Besitzern abgekauft werden müssten, um dort die Strecken zu legen. Auch wenn es Förderungen für den Bau möglich wären, wird das Vorhaben die Stadt etwas kosten. Um den Verkehr zu entlasten und die Umwelt zu schützen, könnte die Stadt dieses Geld stattdessen für den weiteren Ausbau der Radwege innerhalb der Stadt oder für die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

Radschnellwege – Eine gute Idee?

Nervt Sie der Gelbe Sack?

Er kam Anfang der 90er Jahre, und seitdem bleibt es kompliziert mit ihm. Die Kritik am Gelben Sack reißt nicht ab. „Abreißen“ ist da schon ein Stichwort: Dass diese Müllbeutel so leicht zerreißen, ist noch eines der kleineren Ärgernisse. Als größtes gilt sicher die inkonsequente Handhabung. In Deutschland wird wegen wirtschaftlicher Fehlanreize nur knapp die Hälfte der Verpackungen, die Haushalte im Sack und in der gelben Tonne sammeln, wiederverwertet – der andere Teil wird verbrannt wie Restmüll.

Bis heute verstehen die wenigsten Bürger, was hineindarf (nur Verpackungen, für deren Entsorgung der Handel gezahlt hat) und was nicht (andere Kunststoffteile), es gibt eine hohe Quote sogenannter „Fehlwürfe“. Auch ist der Sack nicht gerade stadtbildverschönernd – Grund zu Dauerbeschwerden im Rathaus. Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel hat jetzt härtere Strafen angekündigt, falls man den Sack früher als einen Abend vor der Abholung an die Straße stellt. Was man dem Gelben Sack trotzdem zugutehalten kann: Er fördert wenigstens teilweise die Mülltrennung und das Bewusstsein für Wertstoffe.

Isabel Lauer

Nervt Sie der Gelbe Sack?

Soll es eine Gebühr für Kaffeebecher geben?

Ohne den nächsten „Coffee to go“ in Sichtweite werden manche Menschen kribbelig. Ein Kaffee auf die Hand gehört für sie zum Bild des modernen Städters, ob auf dem Bahnsteig, dem Weg ins Büro oder auf Einkaufstour. Mit Haltekaffee sieht man urban und beschäftigt aus. Das steigende Angebot gibt diesen Leuten recht.

Die Schattenseite aber stört die Umweltbewussteren unter ihnen mittlerweile selbst: der Bechermüll. Laut Deutscher Umwelthilfe fallen jährlich drei Milliarden Pappbecher in Deutschland durch den Mitnahmekaffee an, 40.000 Tonnen. Die Becher sind kunststoffbeschichtet, um nicht aufzuweichen, sie müssen als Restmüll verbrannt werden. Ihre kurze Lebensdauer steht im Missverhältnis zum Aufwand für Herstellung und Entsorgung. Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum in Nürnberg hatte 2016 zweieinhalbmal so viele To-Go-Becher zu beseitigen wie im Jahr zuvor.

Initiativen für Mehrweg-Thermosbecher haben der Materialverschwendung den Kampf angesagt; manche Kunden bringen ihren Pott schon zur Theke mit. Starbucks und Mc Donald’s geben dann kleine Rabatte. Ladengemeinschaften, etwa in Freiburg oder Rosenheim, bieten eigene Mehrwegbecher gegen Pfand an. Doch Pfandsysteme tendieren stets zur Kompliziertheit. Dagegen könnte ein einfacherer Trick die Kehrtwende bringen: die schmerzhafte Verteuerung. Wer für den Pappbecher extra zahlen muss, beispielsweise einen Euro, verkneift ihn sich vielleicht am ehesten. Dem Deutschen Kaffeeverband gefällt diese Idee gar nicht. Er wendet ein, dass dann auch Pizzaschachteln oder Fastfood-Boxen zusätzlich kosten müssten.

Isabel Lauer

Soll es eine Gebühr für Kaffeebecher geben?

Dieselfahrverbot – auch eine Idee für Nürnberg?

Seitdem der Münchener Oberbürgermeister Dieter Reiter in der vergangenen Woche laut über ein Dieselfahrverbot nachgedacht hat, nimmt die Debatte wieder an Fahrt auf. Tatsächlich kocht das Thema seit Jahren immer wieder hoch, doch diesmal ist der Grund dafür erschreckend: So zeigen neue Abgaswerte, dass der von der EU zugelassene Mittelwert für die Belastung durch das giftige Stickstoffdioxid nicht nur auf den großen Ring- und Einfallstraßen regelmäßig überschritten wird sondern auch in weit davon entfernten Wohngegenden. Stickstoffdioxid ist vor allem für Asthmatiker gefährlich, da es die Bronchien verengt.
Doch es ist nicht einfach, ein generelles Fahrverbot für ältere Dieselautos durchzusetzen: Nicht nur Hunderttausende private Fahrzeuge wären betroffen, sondern auch Taxis, Lieferverkehr, Autos von Handwerkern, teilweise ganze Fahrflotten von Unternehmen. Kein Wunder, dass die Wirtschaft gegen Reiters Pläne Sturm läuft und andere Maßnahmen fordert, zum Beispiel die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs.
Auch Nürnberg gehört zu den Städten, in denen zu hohe Stickstoffdixid-Werte gemessen werden. Hier will das Umweltreferat erst einmal abwarten, ob man die Ziele des von der Staatsregierung erlassenen Luftreinhalteplans auch ohne Fahrverbote erreichen kann.

Ngoc Nguyen

Dieselfahrverbot - auch eine Idee für Nürnberg?

Abwrackprämie auch für Roller und Co.?

Der Winter ist endlich vorbei und die Temperaturen steigen: Es wird Zeit, endlich die Zweiräder wieder hervorzuholen. Nur hartgesottene Fans fahren auch bei Minustemperaturen Fahrrad, Roller oder Motorrad. In den letzten Jahren ist im Sommerhalbjahr vor allem die Zahl der Roller-Fahrer gestiegen. Vespa und Co. genießen regelrecht einen Kultstatus. Vor allem, wenn es sich um ältere Modelle handelt.
Doch bei allem Charme, den die Roller und Mopeds entfalten, so sind sie doch, ja, das Wort muss sein, richtige Dreckschleudern. Vor allem dann, wenn sie noch keinen Katalysator haben. Das ist bei praktisch allen älteren Zweitaktern der Fall. Das Gemisch aus Öl und Benzin sorgt dann bei der Verbrennung für einen hohen Schadstoffausstoß. Laut einer Studie des Umweltbundesamts produzieren 1000 Roller so viele Kohlenwasserstoff-Emissionen wie eine Viertelmillion Autos. Der Zweitakt-Motor scheint noch aus der technologischen Steinzeit zu stammen.
Im Umweltausschuss des Stadtrats war man sich in dieser Woche deshalb einig, dass das Umweltamt zusammen mit der N-Ergie überlegen soll, ob es eine Förderprämie beim Kauf eines Elektrorollers gibt. Die Förderung könnte aus dem Topf des CO2-Minderungsprogramm der N-Ergie stammen. Derzeit wird das Geld zur Unterstützung bei der Umstellung auf effiziente Heizsysteme oder Speichersysteme verwendet. Elektroroller sind nicht nur sauberer, sondern auch leiser. Die Förderung könnte auf Pedelecs ausgedehnt werden. In Tübingen werden pro Kauf eines solchen Verkehrsmittels 500 Euro spendiert. Das schwebt auch den Nürnberger Grünen vor, die den Antrag mit dem Hinweis auf die schwäbische Studentenstadt gestellt haben.
Die Anhänger des Zweitaktmotors, der in Roller, Mopeds und in einigen wenigen Motorrädern eingebaut ist, werden darauf verweisen, dass keiner weiß, wie viele solcher Zweiräder es in Nürnberg gibt und ob das von der Anzahl her wirklich ein Problem ist. Außerdem sind Roller und Co. nicht das ganz Jahr unterwegs. Auch das individuelle Glück wird eine Rolle spielen: Warum lässt man Roller-Fans diese kleine Freude nicht? Auch wenn es ein bisschen knattert und stinkt.

André Fischer

Abwrackprämie für Roller und Co.?

Ist Nürnberg zu autofreundlich?

Nürnberg baut seine U-Bahn aus und hat gerade eine neue Straßenbahnstrecke eröffnet. Und trotzdem hat sie jeder Nürnberger weiter in seinem Bekanntenkreis: die ÖPNV-Miesmacher. Sie sind stolz darauf, nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. In der U-Bahn hätten sie Angst, Busse kämen unpünktlich, die VAG sei zu teuer, und mit dem Radfahren haben sie es auch nicht so. Die Schattenseiten des Autoverkehrs in einer immer dichter besiedelten Stadt blenden diese Leute gerne aus: die hohen Kosten für den eigenen Pkw, den gestiegenen Parkdruck in allen Wohnstraßen, das Stop-and-go jeden Tag am Ring, den umtosten Bahnhofsplatz (Foto: Stefan Hippel) oder die schlechte Luft durch Stickstoffdioxid.
Es ist schon was dran am Lamento der Grünen und der Fahrradvertreter: Nürnberg ist immer noch sehr attraktiv für Autofahrer. Es gibt massenhaft Gratis-Parkplätze und im Städtevergleich eher selten Strafzettel. Die CSU im Stadtrat behütet den Autoverkehr immer noch. Zu autofreundlich ist die Stadt auch für den Bund Naturschutz. Wenn der Verband nun allerdings seine Opposition zum kreuzungsfreien Frankenschnellweg gegen Straßenrückbaumaßnahmen an anderer Stelle eintauschen will, drängt er die Frage leider nur in die ideologische Schublade.

Isabel Lauer

Ist Nürnberg zu autofreundlich?

Soll es Pfand auf Milchtüten geben?

Kann das weg oder bringt das Pfand? Eine Frage, die sich in Deutschland manchmal erst nach einem ganz genauen Blick auf die Verpackung beantworten lässt. Es ist aber auch kompliziert: die Limo-Dose kann man zurückgeben und bekommt sogar Geld dafür, die Prosecco-Dose muss man selbst entsorgen. Bei Plastikflaschen ist das Spielchen ähnlich: Cola bedeutet Pfandpflicht, Saftflaschen landen dagegen im Müll. Gleiches Material, unterschiedliche Verfahren – ein Wirrwarr also. Einige Bundesländer wollen das System nun vereinfachen. Es steht sogar die Idee im Raum, die Pfandpflicht einfach auf alle Getränke auszuweiten.

Diskutiert wird auch, die Pfandpflicht auf Milchtüten auszuweiten. Ein Karton Milch wäre damit im Handel um den Pfandbetrag teurer. Schmeißt man die leere Verpackung dann aber nicht in den gelben Sack, sondern bringe sie in den Supermarkt zurück, bekäme man das zusätzlich bezahlte Geld zurück. Der Vorteil: man müsste die Kartons, die nach einiger Zeit müffeln, nicht selbst sammeln, bis einmal im Monat die gelben Säcke abgeholt werden. Weiterer Pluspunkt: Verbraucher würden künftig vielleicht weniger leere Milchkartons fälschlicherweise als Restmüll entsorgen – schließlich wären sie durch das Pfand bares Geld wert.

Der Vorschlag hat jedoch auch ein paar Haken: Für Händler und Hersteller bedeutet Pfand Arbeit. Und die kostet Geld. Womöglich würde man die Kosten für die Einrichtung eines solchen Pfandsystems auf die Verbraucher umlegen, die Milch würde also nicht nur um den Pfandbetrag teurer werden.

Julia Vogl

Soll es Pfand auf Milchtüten geben?

Tempo 60 auf dem neuen Frankenschnellweg?

Der kreuzungsfreie Ausbau des Frankenschnellwegs ist seit Jahrzehnten ein Thema. Seit über drei Jahren liegt eine fertige Planung vor und die Staatsregierung hat eine überdurchschnittliche Förderung der Projekts zugesagt. Wenn die Klage des Bund Naturschutzes gegen den Frankenschnellweg nicht wäre, dann könnten die Bauarbeiten schnell begonnen werden. Beim Rechtsstreit dreht es sich auch nur noch indirekt um die Frankenschnellweg, sondern vor allem darum, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nicht Pflicht gewesen wäre. Nach dem Bayerischen Straßen- und Wegerecht war sie es nicht, nach Europäischen Recht wahrscheinlich schon. Sie wird derzeit nachgeholt und soll auch noch in den Genehmigungsprozess einfließen.
Durch die Verzögerungen entstehen pro Jahr Mehrkosten in Höhe von 15 Millionen Euro. Aus den kalkulierten 450 Millionen Euro, die der kreuzungsfreie Ausbau einmal kosten sollt, sind wahrscheinlich schon 500 Millionen Euro geworden. Bürgermeister Christian Vogel hat deshalb dem BN ein Vergleichsangebot gemacht, das viele Forderungen der Naturschützer aus den vergangenen Jahren enthält, wenn sie ihre Klage zurückziehen.
Der Kompromissvorschlag des Bürgermeisters umfasst den Vorschlag, innerhalb des Mittleren Rings eine Umweltzone einzurichten. Zwischen 2018 und 2022 soll es außerdem jährlich vier Millionen Euro mehr für den Bau von Radwegen, Lärmschutzmaßnahmen und der Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs geben. Geplant ist auch ein Durchfahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen, die kein Ziel in Nürnberg ansteuern und den Frankenschnellweg nur als Abkürzung benutzen. Der Hafen bleibt bei dieser Regelung uneingeschränkt zugänglich. Im Angebot Vogels ist auch die Reduzierung der Geschwindigkeit auf dem ausgebauten Frankenschnellweg enthalten. Bislang waren auf dem Frankenschnellweg außerhalb des Tunnels ein Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometer und im Tunnel 70 Stundekilometer geplant. Künftig sollen aber zwischen der Anschlussstelle Nürnberg-Fürth und dem Kreuz Hafen-Süd durchgängig nur noch 60 Stundenkilometer sein.

André Fischer

 

Tempo 60 auf dem neuen Frankenschnellweg?

Sind Autorennen noch zeitgemäß?

Das Norisring-Rennen (Foto: Ralf Rödel) gehört zu den Höhenpunkten des Sportjah­res in Nürnberg. Auch diesmal verfolgten wieder Zehntausende Besucher das Geschehen. Sie kommen, weil sie fasziniert sind von der Technik, von der (be­grenzten) Macht des Menschen über die Maschine, von der Geschwindigkeit. Wer einmal auf der Tribüne sitzt, kann sich dem Flair der Veranstaltung schwer­lich entziehen. Doch: Ist diese Art von Sport heute wirklich noch zeitgemäß? Die Menschen leiden unter dem Lärm in den Städten, sie leiden unter schlechter Luft. Warum also einer Faszination anhängen, die dazu beiträgt und dann auch noch gefährlich ist? Andererseits: Treibhausgase verursacht schließ­lich jeder, der mit dem Auto unter­wegs ist. Und lebensgefährlich kann auch Skifahren sein.

Gabi Eisenack

Sind Autorennen noch zeitgemäß?

Verzichten Sie künftig auf Plastiktüten?

Jeder Deutsche benutzt im Schnitt 70 Plastiktüten (Foto: dpa) pro Jahr. Das soll sich der Umwelt zuliebe ändern. Ab dem 1. April schaffen viele große Handelsketten ihre kostenlosen Tüten ab. Die Lebensmittelmärkte verlangen schon seit geraumer Zeit Geld für die unökologischen Transportmittel, auch Drogerie- und Elektronikmärkte tun das. Die meisten Kunden hätten kein Problem mit der Umstellung gehabt, wie die Unternehmen in einer NZ-Umfrage mitteilten.

Viele Menschen haben ohnehin immer einen Einkaufsbeutel bei sich, weil sie helfen wollen, die Plastikflut einzudämmen. Wer trotzdem eine Tüte will, bezahlt künftig zwischen 5 und 20 Cent. Das sind nicht unbedingt abschreckende Beträge, aber sie bringen den einen oder anderen vielleicht doch dazu, künftig darauf zu verzichten.

Gabi Eisenack

Verzichten Sie künftig auf Plastiktüten?