Soll die Stadt auf Tabakwerbung verzichten?

In Amerika werden die Tabakkonzerne gezwungen, eine millionenschwere Werbekampagne gegen das Rauchen zu finanzieren. „Rauchen tötet im Schnitt 1200 Amerikaner — täglich“, lautet die Botschaft in den Anzeigen. Rauchen erzeugt Krebs, ist für Asthma verantwortlich und lenkt überdurchschnittlich oft vom Lenken eines Autos ab, was zu Unfällen führt. Das ist alles wissenschaftlich unbestritten.
Dagegen versucht die Werbung für Tabakwaren in Deutschland ein ganz anders Bild zu vermitteln: Wer raucht, der ist Teil eines lässigen Lebensstils und verkörpert einen individuellen Charakter. Gleichzeitig wird alles Mögliche in Schulen unternommen, um junge Leute vom Rauchen abzuhalten. Die Nürnberger Grünen sehen diesen Widerspruch und kritisieren deshalb, dass Deutschland das einzige EU-Land ist, in dem Außenwerbung für Tabak noch erlaubt ist.
Die Grüne-Stadtratsfraktion forderte deshalb die Stadtreklame auf, nicht mehr für Tabakkonsum zu werben. „Als Kommune hat Nürnberg die Möglichkeit, zumindest auf städtischen Flächen diesem Missstand ein Ende zu bereiten“, formuliert Achim Mletzko, Fraktionschef der Grünen. „Die Stadt ist nicht verpflichtet, ihre Außenwerbeflächen für Tabakwerbung zur Verfügung zu stellen.“ Die Stadtreklame Nürnberg hat noch bis 2020 das exklusive Recht zur Vermarktung der städtischen Werbeflächen. Dann wird neu verhandelt.
Auf der anderen Seite gibt es die freiwillige Selbstverpflichtung der Tabakindustrie, nicht vor Schulen, Kindertagesstätten und Jugendeinrichtungen für ihre Produkte zu werben. Diese Regelung wird in Nürnberg eingehalten. Auch gibt es kein generelles Tabakwerbeverbot in Deutschland. Muss außerdem eine private Angelegenheit wie das Rauchen werbetechnisch geregelt werden? Wer raucht, der sollte alt genug sein, darüber selber zu entscheiden.

André Fischer

 

Soll die Stadt auf Tabakwerbung verzichten?

Ist ein Werbeverbot für Tabak sinnvoll?

Großer Widerspruch aus der Öffentlichkeit ist keiner zu erwarten, wenn bis 2020 auch die letzten verbliebenen Bastionen der Tabakwerbung geschleift werden sollen: Egal ob Bushaltestelle oder Litfaßsäulen – an keiner dieser Stellen darf dann noch der Blaue Dunst angepriesen werden, an dessen Spätfolgen nach einer aktuellen Studie rund 121000 Menschen allein in Deutschland sterben.
Mit dem totalen Werbeverbot wird eine entsprechende EU-Richtlinie umgesetzt und der auch von Bundesernährungsminister Christian Schmidt angeprangerte Umstand beendet, dass Deutschland neben Bulgarien das letzte europäische Unions-Land ist, in dem noch in der Öffentlichkeit die Werbetrommel für Glimmstängel gerührt werden darf. Es wird allerdings noch einige Jahre dauern, bis die entsprechenden Vorschriften wirksam sind.
Zumindest von Seiten der Betroffenen kommt naturgemäß doch noch Widerspruch: Erstmals dürfte dann in Deutschland für ein legales Produkt nicht mehr geworben werden, klagt der Verband der Zigarettenindustrie. Andere Stimmen sehen durch ein solches Verbot auch die Gefahr einer gewissen Legendenbildung: Was offiziell geächtet wird, mag dem einen oder anderen dann erst recht cool und begehrenswert erscheinen. So ähnlich wie zu den Zeiten, als es manche Musiker, Filmproduzenten oder Comicverlage geradezu darauf anzulegen schienen, als „jugendgefährdend“ auf den Verbotsindex zu kommen.

Clemens Helldörfer

Ist ein Werbeverbot für Tabak sinnvoll?

Wahlplakate: Nur noch in begrenzten Zonen?

plakate_klein2.jpgSie wollen in diesem Land etwas zu sagen haben, halten sich aber nicht einmal bei so einfachen Dingen wie dem richtigen Aufstellen der Wahlplakate an die Spielregeln. Die Gruppierungen am rechten Rand des Parteienspektrums sorgten mit ihren Verstößen gegen die Sondernutzungssatzung für berechtigte Empörung. Die Republikaner plakatierten bereits vor der erlaubten Zeit, die NPD hängte ihre Plakate zu hoch. Von der FDP kam nun der Vorschlag, dass sich die Stadt dieses Theater künftig ersparen solle, indem sie Wahlplakate nur noch in eigens ausgewiesenen Werbezonen zulässt.

Dagegen ließe sich einwenden, dass weniger politisch interessierte Bürger durch die in der ganzen Stadt verteilten Plakate auf die anstehenden politischen Weichenstellungen aufmerksam gemacht werden und sich ein Bild machen können. In die Werbezonen würden sie sich kaum begeben.

Andererseits hat der Vorschlag der Liberalen auch einen gewissen Charme: Der Umwelt würden die Werbezonen gut tun, denn es fiele weniger Müll an. Zudem sind die Botschaften auf den Plakaten zumeist ohnehin wenig aussagekräftig – wenn sie in einer begrenzten Werbezone nebeneinander angebracht werden müssten, hätte der Bürger wenigstens den direkten Vergleich. Und wer sich tiefgehender mit den Standpunkten der Parteien auseinandersetzen will, der muss sich ohnehin die Programme holen, die Plakate helfen hier nicht weiter. Wir wollen daher wissen: Sollen die Wahlplakate nur noch in begrenzten Werbezonen erlaubt werden?

Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Nimmt die Stadt zu viel Rücksicht auf Kneipenanwohner? Mit Ja antworteten 65,2 Prozent, mit Nein 34,8 Prozent.