Gänse abschießen am Wöhrder See?

Die Freude über die neue Bademöglichkeit am Wöhrder See ist schnell getrübt worden. Denn in der Norikusbucht und auch am Strand gegenüber fühlt sich nicht nur der Mensch wohl, sondern auch die Gans (Foto: Eduard Weigert). Diese hat eine große Familie und bevölkert dementsprechend üppig Land und Wasser.

Was an sich kein Problem darstellt, wären da nicht die hässlichen Hinterlassenschaften. Der Gänsekot ist nicht nur eklig, er enthält auch Keime (E.coli, Campylobacter), die Durchfall verursachen können. Das bereitet nicht nur den Eltern von Kleinkindern Sorgen.

Die Stadt Nürnberg will das Problem nun angehen und, wie berichtet, auf die Tiere schießen lassen. Freilich sollen die Wasservögel nicht in Massen erlegt werden – es geht um Abschreckung. Tierschützer sind trotzdem schon auf die Barrikaden gegangen. Sie verteidigen die unschuldigen Vögel, die der Mensch durch verbotenes Füttern angelockt hat, und finden, die Natur gehöre schließlich auch ihnen. Andere Stimmen befürchten, es könnten nicht nur Gänse, sondern auch Spaziergänger vom Jäger getroffen werden.

Gabi Eisenack

 

Sollen am Wöhrder See Gänse abgeschossen werden?

  • Ja (81%, 30 Stimmen)
  • Nein (19%, 7 Stimmen)

Wähler insgesamt: 37

Wöhrder See: Ein Kiosk für das Südufer?

Der Kiosk am Nordufer des Wöhrder Sees (Foto: Dominik Heinz) muss im nächsten Jahr einem Café weichen, das dort gebaut wird. Dieses neue „Seecafé“ mag architektonisch nicht jedermanns Geschmack sein – aber das steht auf einem anderen Blatt. Es soll für das Publikum am Sandstrand Getränke und Snacks bieten und ordentliche Toiletten anbieten. So weit, so gut.

Doch für Michael Reichelt, den Betreiber des Kiosks, der in der Nähe des künftigen „Seecafés“ acht Sommer lang Süßigkeiten, Eis und Getränke angeboten hat, sieht die Zukunft zappenduster aus. Denn er muss nicht nur seinen angestammten Platz räumen; es gibt auch keinen Ausweichplatz für ihn. Im Freiraumkonzept der Stadt ist nämlich außer dem neuen Café kein Platz für einen weiteren Anbieter von Snacks und Getränken vorgesehen – auch nicht am Südufer des Wöhrder Sees. Laut Wirtschaftsreferent Michael Fraas gibt es dort mit der Pizzeria in der Norikus-Anlage und einer weiteren im ehemaligen Milchhof-Gelände genügend gastronomische Angebote.

Viele Mütter mit Kindern, die am Wöhrder See nur spazieren gehen oder sich auf dem Spielplatz vergnügen möchten, wollen aber schlicht und einfach ein Eis oder Süßigkeiten für ihre Kleinen und selbst vielleicht einen Kaffee oder eine Cola – genau das, was Reichelt in seinem Kiosk bisher angeboten hat.

Da plant die Stadt Nürnberg vom grünen Tisch aus ein Freiraum-Konzept für den Wöhrder See und beschließt, ein Café am Nordufer und die umliegende Gastronomie werde dafür ausreichen. Mit Müttern und Kindern dürfte da niemand gesprochen haben. Die wären sicher weiterhin dankbar für ein Angebot, wie Reichelt es in seinem Kiosk hatte. Sie wären wahrscheinlich auch froh, wenn nicht nur in einem Café am Nordufer so etwas zu bekommen wäre, sondern auch auf der südlichen Seeseite. Schließlich kommt man nicht überall so schnell und einfach von einer Seeseite auf die andere.

Wäre es da nicht am besten, wenn es auch am südlichen Ufer des städtischen Gewässers einen Kiosk gäbe?

Ute Wolf

 

Wöhrder See: Ein Kiosk für das Südufer?

Gefällt Ihnen das neue Seecafé?

Lange hat es gedauert, bis die Stadt einen Wirt für den Sandstrand am Wöhrder See gefunden hat. Es waren viele Voraussetzungen zu erfüllen, die Pacht ist hoch. Zudem musste jeder Interessent einen Gebäude-Entwurf einreichen, der allen gefällt. Dies gelang einem Architekten aus Neumarkt mit einer kompakten Konstruktion aus Holz, Glas und Stahl. Ihm schwebte, erklärte Karl-Heinz Werner, ein Schiff vor – passend zum Standort am See (Illustration: Karl-Heinz Werner). Die Seiten sollten den Betrachter an eine helle Jacht erinnern. Das Liegenschaftsamt zeigte sich begeistert, das Gebäude strahle Wertigkeit und Schönheit aus. Immerhin läuft der Mietvertrag bis zu 25 Jahre lang. In dieser Zeit sollten die Nürnberger den Anblick des großen „Seecafés“ mögen, alles andere wäre schade um den prominenten Standort.

Doch das Gebäude kommt nicht bei allen so gut an wie bei der Stadt. Manch einer fühlte sich beim Anblick der Illustration an eine überdimensionierte Toilette aus billigen Plastikbauteilen erinnert. Andere finden es wenig gelungen, einige sogar schlicht und einfach hässlich.

Allerdings müssen Kritiker bedenken, dass die Stadt viele Vorgaben gemacht hat, die die Gestaltungsfreiheit einschränkten. So hätte Architekt Werner gerne ein doppelstöckiges Gebäude entworfen, dies war aber nicht möglich. Außerdem mussten die Toiletten für alle Besucher des Strandes unkompliziert zugänglich sein, so dass diese Eingänge auch nicht versteckt integriert werden konnten.

Architektur im öffentlichen Raum hat es immer schwer, muss sie doch vielen Interessen gerecht werden. Missfällt sie aber den meisten Betrachtern, die dort womöglich tagtäglich vorbeigehen, ist sie ein Ärgernis, das schon in der Planungsphase hätte verhindert – oder verändert – werden müssen.

Ngoc Nguyen

 

 

 

Gefällt Ihnen das neue Seecafé?

Soll der Wöhrder See erhalten werden?

e-nn-ha-20101005_170021-2Eine Pracht ist er nicht: Der Wöhrder See muffelt im Sommer, wenn die Algen im Wasser wuchern, die Wege rundherum sind am Wochenende voll wie die Autobahnen – Radler, Jogger, Spaziergänger, Skater, Kinderwagen-Schieber, Hunde-Ausführer teilen sich nicht immer gerade rücksichtsvoll die schmalen Spuren. Sitzgelegenheiten gibt es kaum, das Café am Wastl ist wegen der Bauarbeiten am Seniorenheim geschlossen und der Biergarten, der im Sommer am Fuße des Norikus steht, auch kein attraktiver Ort zum Verweilen.

Aber bei allen Schönheitsfehlern: Dieser See wird geliebt. Wer im Osten der Stadt wohnt, weiß seine Qualitäten zu schätzen. Raus aus dem Haus, rein ins Grüne. Vor allem morgens ist der See eine Idylle, wenn die Nebelschwaden noch tief hängen und die Wasservögel träge ihre Runden ziehen. Da fühlt sich der Alltag sehr nach Urlaub an.

Für das Wasserwirtschaftsamt ist der See allerdings längst zum Problemfall geworden. Nicht nur wegen der alljährlichen Algenplage, sondern auch wegen des Sands, der regelmäßig mit viel Aufwand weggebaggert werden muss. Nach Experten-Schätzung wird der See in 30 Jahren komplett verlandet sein. Kürzlich hat das Amt deshalb ein Konzept vorgestellt, wie der See gerettet, die Uferbereiche verschönert und die Aufenthaltsqualität für Mensch und Tier verbessert werden könnten. Der Bund Naturschutz hingegen möchte dem Lauf der Natur keinen Einhalt gebieten, den See lieber zurückzubauen und eine Auenlandschaft entstehen lassen.

Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: Soll der Wöhrder See erhalten werden? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Haben Sie Verständnis für den Streik bei der VAG? Mit Ja antworteten 26,3 Prozent, mit Nein 73,7 Prozent. gs