Skandale: Ist Olympia noch attraktiv?

Wenn der olympische Gedanke noch nicht tot ist, so kränkelt er zumindest chronisch. Nicht erst jetzt, wenige Tage vor Beginn der Winterspiele in Südkorea, mehren sich wieder die ablehnenden Stimmen. Olympia – ist das eigentlich etwas anderes als eine Dauerwerbesendung und ein Konjunkturprogramm für die Baubranche? Und sollte das Publikum nicht besser ins örtliche Stadttheater gehen, wenn es eine Tragikomödie über Betrug und Bestechlichkeit des Menschen sehen will?

Nach den dopingverseuchten Radrennen und der ins Zwielicht geratenen Fifa hat mittlerweile auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Ansehen schwer gelitten. Es bekommt die Doping-Probleme nicht in den Griff, im Gegenteil. Der Umgang mit betroffenen Teilnehmern aus Russland war halbherzig, jetzt hebeln auch noch Sportrichter verhängte Sperren wieder aus. Skirennfahrer Felix Neureuther tat am Wochenende in einem Interview nicht als Erster sein Unbehagen kund. Der Glanz der Medaillen verblasse, kritisiert er, weil das Programm aufgebläht und kommerziell sei. Die Athleten selbst müssten endlich protestieren.

Was gibt es überhaupt noch Gutes über Olympia zu sagen, von der Traditionswahrung abgesehen? Vielleicht dass der Sport in einer mehr denn je zerstrittenen Welt eines der letzten Instrumente für Völkerverständigung darstellen kann – gerade im Fall der beiden Koreas? Oder der Bildungsaspekt. Als Zuschauer kann man abwegige Sportarten entdecken, atemberaubende Spitzenleistungen sauberer Athleten bewundern, von denen sich zu Hause auf dem Sofa nur träumen lässt. Olympia war immer auch Unterhaltung und Emotion. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Isabel Lauer

Skandale: Ist Olympia noch attraktiv?

Ist Lanz der richtige Gottschalk-Nachfolger?

Thomas Gottschalk geht, Markus Lanz kommt. Der von den meisten erhoffte Nachfolger für „Wetten, dass…?“ hat dem ZDF den Laufpass gegeben: Hape Kerkeling. Nun also Lanz, er ist bekannt, er ist beliebt, hat Charme, ist hartnäckig und geschmeidig zugleich.

Vielleicht zu geschmeidig und zu sehr „Everybody’s Darling“. Vielleicht fehlen Lanz die Ecken und Kanten Gottschalks, die oft die Würze der „Wetten, dass..?“-Suppe ausmachten. Gottschalk wurde seine unverhohlen zur Schau getragene Selbstverliebtheit von seiner Fangemeinde verziehen: Er glich aus – mit intelligenter Frechheit. 

Lanz ist nicht selbstverliebt, aber vielleicht eine Spur zu nett, zu brav, zu höflich, um den Spannungsbogen einer solchen Unterhaltungsshow bis zum Ende unter Strom zu halten. Es kann aber auch sein, dass wir einen Lanz-Gottschalk-Kerkeling der Superlative erleben.

Unsere Leserfrage lautet in dieser Woche: „Ist Lanz der richtige Gottschalk-Nachfolger?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf NZ.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Öffentlicher Dienst: Sind die Forderungen gerechtfertigt?“ Mit Ja antworteten 59 Prozent, mit Nein 41 Prozent. Den Raclette-Grill hat Norbert Mann aus Nürnberg gewonnen. In dieser Woche verlosen wir unter den Teilnehmern an der Leserfrage einen Funkkopfhörer.

Soll die GEZ abgeschafft werden?

Gottscha.JPGAn der GEZ, die die Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender eintreibt, wird schon seit Jahren herumgekrittelt. Mancher ist einfach nur sauer, weil er zahlen muss. Doch wenn er einsichtig ist, kann man ihm meistens schon erklären, worum es beim öffentlich-rechtlichen Auftrag geht, und was uns blüht, wenn nur noch Private Sender Informationen an die Zuschauer bringen – selbst wenn das mit der journalistischen Grundversorgung nicht mehr so wichtig ist, wie zur Zeit der Einführung des öffentlcih-rechtlichen Rundfunk und wenn Quote mittlerweile eine größere Rolle spielt.
Inzwischen fängt aber das öffentlich-rechtliche Fernsehen an, sich selbst zu demontieren. Zuerst hat Marcel Reich-Ranicki dem Fernsehen attestiert, es sei  zu seicht zu  und schustere seine Sendezeit mit „Blödsinn“ zu. Elke Heidenreich hat dann nachgelegt und eine Qualitätsdebatte eingefordert. Anstatt diese Debatte zu führen, wurde Heidenreich beim ZDF wegen ihrer Kritik rausgeworfen. Die von ihr moderierte Sendung „Lesen“ wurde eingestellt. Wenn Heidenreich und Reich-Ranicki recht haben, zahlen wir also zwangsweise für „Blödsinn“ und dafür, das Gleiche als Aufzeichnung zu sehen, was die Privaten live bringen. Vielleicht haben die Kritiker aber auch nicht recht und viele Zuschauer sind froh, dass sie etwa in arte oder in den Dritten Programmen mitunter auch Gehobeneres geboten bekommen und  Johannes B. Kerner oder Waldemar Hartmann  ohne Werbeunterbrechungen genießen können.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll die GEZ abgeschafft werden? Geben Sie Ihr Votum bitte (ab Montag) hier  ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Gefällt Ihnen der neue Augustinerhof? Mit Ja antworteten 39,0 Prozent, mit Nein 61,0 Prozent.

Zu viel Gebabbel über Fußball?

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz“, meinte einst Otto Rehhagel. Wer sich derzeit die Berichterstattung zur Europameisterschaft ansieht, könnte indes glauben, dass die Spiele nur das Vorprogramm für die Experten- und Comedyrunden abgeben. Stundenlang debattiert Johannes B. Kerner im ZDF mit seinen beiden Fachmännern, und danach präsentiert Ingolf Lücks Gaudirunde in „Nachgetreten“ viele abgestandene Gags, in denen zudem oft üble nationale Klischees – zum Beispiel gegen die osteuropäischen Teams – reproduziert werden.

Andererseits haben die Dialoge zwischen Günter Netzer und Gerhard Delling, die im Ersten die Spiele flankieren, eine treue Fangemeinde. Zudem bietet das Rahmenprogramm im TV oft auch wichtige Einordnungen. Gerade jetzt, wo die Gruppenphase zu Ende geht, benötigt der nicht so kundige Zuschauer ja auch Informationen darüber, wie sich die Mannschaften für das Viertelfinale qualifizieren. Zudem bereiten die Experten und Kabarettisten vieles auf, was der Kommentator während der Spiele schon aus Zeitgründen offen lassen muss.

Wir wollen von Ihnen wissen: Gibt es zu viel Fußball-Fachsimpelei im Fernsehen? Abstimmen können Sie (ab Montag) hier.

Die Leserfrage der vergangenen Woche lautete: Wird Deutschland Europameister? Mit Ja antworteten 32,7 Prozent, mit Nein 67,3 Prozent.

18 Euro monatlich für ARD und ZDF

Die Rundfunkgebühren sollen weiter steigen. Die Gebührenkommission hat eine Erhöhung um 95 Cent pro Monat vorgeschlagen und wie es aussieht, wird dieser Vorschlag abgenickt (in der Hoffnung, dass eh die meisten sagen: Ist ja nicht einmal ein Euro, was soll also die Aufregung). Knapp 18 Euro (17,98 Euro genau) werden dann monatlich als Fernsehgebühr abgebucht. Zwangsweise, denn eine Möglichkeit, auf die öffentlich-rechtlichen Sender zu verzichten und nur werbefinanzierte Sender zu schauen, hat man nicht.

In den NZ-Weblogs ist in den letzten Tagen wiederholt Kritik an ARD und ZDF geübt worden. Sei es beim seltsamen Verhalten der ARD in Sachen Tour de France, sei es bei der Unkenntnis der Sender in Bezug auf das Internet oder sei es wegen bezahlter Eigenwerbung jobsuchender Journalisten. Auch an teuren und ehrgeizigen Filmprojekten ließ der NZ-Kritiker kaum ein gutes Haar. Selbst wenn es um Berichte aus unserer Region geht, bleiben die gebührenfinanzierten Sender den Beweis schuldig, dass sie es besser hin bekommen.

Dabei wäre es augenblicklich nicht schwer, kompetenter und seriöser Programm zu machen als die Privaten mit ihren Gewinnspielen oder Dschungelcamps, zumal wenn man wie ARD und ZDF dafür 7,7 Milliarden Euro pro Jahr zur Verfügung hat.

Zugegeben, es gibt hin und wieder auch gute Sendungen bei den Öffentlich-Rechtlichen, aber sind die 18 Euro pro Monat wert?