Verzichten Sie auf Einwegbecher?

Einweg-Becher gibt es in jedem noch so kleinen Geschäft, das im Eckchen eine Kaffeemaschine stehen hat. So kann jeder, der spontan ein Heißgetränk für unterwegs mitnehmen möchte, zugreifen. Damit machen die Anbieter von To-go-Coffee ein gutes Geschäft – und das ist das Problem. Die Bequemlichkeit der Nürnberger lässt eine wahre Becherflut entspringen, Tag für Tag landen 50.000 Einweg-Becher im Müll. Nun will die Stadt gegensteuern, mit Aufklärungskampagnen auf Müllwagen und einem Pfandsystem. Bei diesem zahlt man für einen 0,3-Liter-Becher einen Euro. Gibt man den Becher in einem Partnerbetrieb ab, wird das Geld erstattet. Seit Samstag gilt im Tiergarten dieses Pfandsystem, Einwegbecher sind am Schmausenbuck nun tabu.
Was der Umwelt dient, ist jedoch nicht immer praktisch. Wer zum Beispiel hat schon stets einen Mehrwegbecher dabei, für den Fall, dass man unterwegs einen Kaffee trinken möchte? Und wer ist so vernünftig, auf einen schnellen Kaffee zu verzichten, wenn es den nur im Einwegbecher gibt? Viele Anbieter von Kaffee klagen, dass ihre Umsätze zurückgegangen sind, seitdem sie keine Wegwerfbecher mehr anbieten. Diese gehören offenbar längst zum Alltag dazu, ein Umlenken ist schwierig.

Ngoc Nguyen

Verzichten Sie auf Einwegbecher?

Kann der Club den Klassenerhalt schaffen?

„Auf jeden Aufstieg“, meinte Achim Stocker einmal weise, „folgt auch wieder ein Abstieg.“ Der inzwischen verstorbene damalige Präsident des SC Freiburg wusste, wovon er sprach. Viermal mussten die Breisgauer das Oberhaus, in das sie erstmals 1993 einzogen, wieder verlassen, zuletzt 2015. An diesem Wochenende durfte gejubelt werden, die Retttung glückte knapp, aber die Bundesliga bleibt für den SC ein Drahtseilakt.

Nun ist Freiburg zugegeben ein klassischer Underdog. Aber auch ein einstmals so arrivierter Verein wie der 1.FC Köln, zwischen 1963 und 1998 ununterbrochen erstklassig, kommt seit dem ersten Abstieg vor 20 Jahren nicht mehr aus dem Fahrstuhl heraus. Heuer geht es bereits zum sechsten Mal eine Etage tiefer.

Der Club hat sogar acht Abstiege aus der Bundesliga auf dem Konto – Rekord. Folgt in der kommenden Spielzeit die Nummer neun? Es wird jedenfalls keine einfache Aufgabe, den Ligaerhalt zu bewerkstelligen. Zumal mit Kevin Möhwald ein Leistungsträger Abschied nimmt. Auf der anderen Seite scheinen alle anderen Stammspieler zu bleiben, so dass der 1.FC Nürnberg die Mission Klassenerhalt mit einem eingespielten Ensemble angehen kann. Und mit Vereinen wie Mainz, Augsburg, Hannover oder eben Freiburg müsste das Team von Trainer Michael Köllner doch einigermaßen mithalten können. Vielleicht wird es davon abhängen, ob der ruhmreiche Altmeister die Euphorie des Aufstiegsjahres in die neue Saison hinüberretten kann.

Marco Puschner

Kann der Club den Klassenerhalt schaffen?

Grundschulabitur: Ist es zu schwierig?

Die Viertklässler haben am 2. Mai ihr Übertrittszeugnis bekommen und damit eine harte Zeit hinter sich gebracht. 22 Proben haben sie in rund einem halben Jahr in Deutsch, Mathe sowie Heimat- und Sachunterricht geschrieben. Nur diese drei Fächer spielen eine Rolle, wenn es darum geht, an welche weiterführende Schule die Kinder wechseln dürfen.

Der Druck, den die Schüler in dieser Zeit ausgesetzt sind, ist enorm. Selbst wenn sie nicht von überehrgeizigen Eltern drangsaliert werden, die nur das Gymnasium im Blick haben. In Bayern gilt: Am Ende des vierten Schuljahrs wird aussortiert. Soziale Kompetenzen spielen keine Rolle, auch Fähigkeiten in Sport, Musik oder Kunst nicht. Lehrer- und Elternverbände kritisieren dieses System des Aussiebens schon lange. Eine Forderung lautet, den Elternwillen zählen zu lassen und die Kinder erst nach der sechsten Klasse zu trennen. Damit bliebe den Schülern viel Frust erspart, den mancher sein Schulleben lang nicht mehr los wird.

Das Kultusministerium beruft sich darauf, dass die Entscheidung nach der vierten Klasse noch keine endgültige über die künftige Laufbahn des Kindes ist. Dass das bayerische Schulsystem durchlässig ist. Das mag schon sein. Trotzdem: Wer neun oder zehn Jahre alt ist, soll mit Freude und nicht mit Angst in die Schule gehen dürfen.

Gabi Eisenack

Grundschulabitur: Ist es zu schwierig?

Kreuze in allen staatlichen Dienstgebäuden?

Kreuze gehören zu Bayern wie die Berge. Das soll Ministerpräsident Edmund Stoiber schon 1995 auf einer Großdemonstration in München gesagt haben. Seinerzeit brachte der „Kruzifix-Beschluss“ des Bundesverfassungsgerichts die Massen in Wallung. Karlsruhe erklärte damals die Anordnung zum Kreuz in bayerischen Klassenzimmern für verfassungswidrig. In der Praxis darf es seither trotzdem hängen bleiben, es sei denn, jemand erhebt Einspruch.

Mehr als 20 Jahre danach ordnet der aktuelle Ministerpräsident Markus Söder Kreuze für alle staatlichen Dienstgebäude an – und löst damit einen Sturm der Entrüstung aus (Foto: dpa). Quer durch die Republik werfen Politiker, Kirchenvertreter und -verbände dem bayerischen Regierungschef berechnende „Symbolpolitik“ für Traditionalisten vor. Aus den Unionsparteien bekommt Söder auffallend wenig Unterstützung, vom Zuspruch Stoibers abgesehen.

Der deutsche Alltag ist heute noch religionsferner als in den 1990er Jahren. Warum also dient das Kreuz überhaupt noch zum Kulturkampf? Die einen fühlen sich dadurch bedrängt, sie möchten weder vom Christentum noch von irgendeiner Religion so kumpelhaft umarmt werden. Die anderen, meist sind es bekennende Christen, sehen das Kreuz in außerkirchlichen Zusammenhängen zum Dekorationsgegenstand herabgewürdigt. Das Zeichen für den Kreuzestod Christi sei eben gerade kein Brauchtumsding wie die Lederhose und der Bierkrug. Es steht universell für die Humanität des Christseins, losgelöst von jedem Staatsgebilde. Die Frage ist also weniger, ob das Christentum eine Vereinnahmung aushält. Sondern eher, ob Politik es aushält, sich auf ein religiöses Symbol zu stützen.

Isabel Lauer

Kreuze in allen staatlichen Behörden?

Ist der Konzertsaal-Entwurf gelungen?

Die ersten Reaktionen unserer Online- Leser fielen, gelinde gesagt, verheerend aus. Sie tun den Anblick des Siegerentwurfs für Nürnbergs neuen Konzertsaal als einfallslosen Schuhkarton ab, als Hochbunker, nicht besser als eine Trafowerk-Halle oder das Quelle-Versandzentrum. Liegt es an der Verzerrung der von viel gedankenloser Motzerei geprägten Internet-Kommentarschreiberei, oder ist da was dran?

Unter 246 anonymen Einsendungen hat sich ein mit Mattglas verkleideter Kubus in einem zweistufigen Architektenwettbewerb durchgesetzt. Er ist, kurioser Zufall, eine Teamarbeit aus Nürnberg. Die Büros Johannes Kappler Architekten und Super Future Collective tun sich dafürmit Zürcher Landschaftsarchitekten zusammen. Ein 15-köpfiges Preisgericht, ergänzt um 25 Sachverständige, hat insgesamt vier Tage über die Auswahl beraten.

Es ist nützlich, vor der Beschimpfung innezuhalten. Der Standort des geplanten Klassik-Spielorts verträgt baulich längst nicht alles. Das Konzerthaus entsteht direkt neben dem Meistersingerhallen-Komplex, als dessen moderne Ergänzung. Dass die Meistersingerhalle nicht optisch verdrängt wird, war ein zentrales Auswahlkriterium der Jury, zu der die Stadtregierung und Architekten aus ganz Deutschland zählten. Vielleicht zeigen sich die Vorzüge des Gewinners auch erst im Betrieb. Für die Innenbeleuchtung durchlässig, soll das Gebäude laut Entwurf einmal wie ein „Leuchtkörper im Park“ wirken. In der transparenten Hülle sollen sich die Bäume der Umgebung spiegeln.

Manche Kritiker werden trotzdem unzufrieden bleiben. Es nervt sie, dass Nürnberg bei Neubauten, abgesehen vom Neuen Museum oder den „Sebald-Kontoren“ beim Laufer Schlagturm, architektonisch immer vorsichtig Maß hält und sich wenig traut. Letztlich ist das freilich eine Geschmacks-Grundsatzfrage.

Isabel Lauer

Ist der Konzertsaal-Entwurf gelungen?

Pfarrermangel: Laien in die Kanzel?

In Brasilien oder im Kongo gibt es das schon ein halbes Jahrhundert: Die katholische Kirche organisiert sich im Alltag teilweise ohne Priester. Mit dem vor allem aus Lateinamerika bekannten Modell solcher Basisgemeinden setzen sich neuerdings auch Christen in Deutschland vermehrt auseinander. Laien an die Macht – holt das die Kirche aus ihrer Schrumpfungskrise?

Die ersten Bistümer, Osnabrück und München-Freising, gehen bereits in die Testphase. Sie gestatten es künftig nichtgeistlichen Beauftragten, Pfarreien zu leiten. Für die Sakramente bleibt ein Priester notwendig, doch die Seelsorge wird kollegial geteilt, und die Sonntagmorgenmesse ist nicht mehr das Nonplusultra. Die katholische Stadtkirche in Nürnberg trägt sich mit ähnlichen Gedanken. Hier sind es erst Erwägungen, mit kirchenrechtlichen Fragezeichen behaftet. Auch ist im Zukunftsplan der Stadtkirche momentan nicht von haupt-, sondern ehrenamtlichen Laien die Rede – schlicht aus Mangel an entsprechend vielen Theologen.

Doch Nürnbergs Katholiken haben erkannt: Durch den Rückgang an Priestern und aktiven Gläubigen braucht es ein neues Amtsverständnis, bevor die Kirche vor Ort ganz wegbricht. Schließlich geht es bei so einer Strukturrevolution nicht nur um die Verwaltung des Mangels. Sie kratzt auch an Traditionen und Autoritäten. Wahrscheinlich wird die Not der Umstände sowieso bald dazu zwingen.

Skeptiker, und diese müssen nicht Ultrakonservative sein, werden es für einen verzweifelten Versuch halten, derart umständlich die Organisationsstrukturen auf Notbetrieb umzubauen. Aus ihrer Sicht erspart das nicht die inhaltlichen, versäumten Kirchenreformen: das Priesteramt zu öffnen, Frauen gleichzustellen und manch alten Zopf abzuschneiden, bei dem die theologische Spitzfindigkeit der Auslegung noch die letzten treuen Gemeindemitglieder zu vergraulen droht. Der aktuelle Papst gewährt den Bischöfen vor Ort teils größere Freiheiten, als sie heute in Anspruch nehmen.

Isabel Lauer

Pfarrermangel: Laien in die Kanzel?

Soll das Quelle-Gebäude abgerissen werden?

Wer Besuch von auswärts hat und mit ihm an der Fürther Straße, Höhe U-Bahn Eberhardshof, vorbeikommt, muss als Ortskundiger öfter mal diese eine Frage beantworten: Was, um Himmels willen, ist das? Da liegt eingezäunt ein hellbrauner, offensichtlich toter Gebäudekomplex von riesigen Ausmaßen. Das Quelle-Versandzentrum, es ist zum Mitleidsobjekt geworden.

Seit der spektakulären Firmenpleite des Versandhändlers 2009 steht es leer, als zweitgrößte deutsche Immobilienbrache nach dem Flughafen Tempelhof, wobei sogar dessen Sanierung inzwischen vorangeht. Zurzeit gibt es nicht einmal mehr Zwischennutzungen. Der Eigentümer, der portugiesische Einzelhandels-Immobilienkonzern Sonae Sierra, ist abgetaucht. Interessierte Partner sprangen alle wieder ab. Die Stadtverwaltung kann außer Nachfragen und Bitten nicht viel tun.

Oder? Ein Nürnberger Immobilienvermittler hat jetzt öffentlich auf den Abriss gedrängt. Er meint: Bei diesem schwierigen Gebäude lässt sich die Umnutzung schlicht nicht finanzieren. Allerdings: Mit dem Abbruch verschwände nicht nur ein denkmalgeschütztes Monument der lokalen Wirtschaftsgeschichte. Auch gigantische Mengen an Baumaterial und Energie würden verschleudert.

Isabel Lauer

Soll das Quelle-Gebäude abgerissen werden?

Ladenöffnungszeiten: Sollen sie freigegeben werden?

Die Diskussion über die Ladenöffnungszeiten ist alt, neu belebt haben sie kürzlich die bayerischen Liberalen, die mit dem Thema in den Landtagswahlkampf ziehen. Sie fordern eine flexible Handhabung an sieben Tagen der Woche.

In anderen Bundesländern sind die Zeitgrenzen für den Konsum längst gefallen. In Berlin oder Hamburg dürfen Läden bis 24 Uhr geöffnet bleiben. Für Sonntage bestehen unterschiedliche Regelungen. In Nürnberg gibt es in diesem Jahr zwei verkaufsoffene Sonntage: am 6. Mai in der Südstadt und am 16. September in der Altstadt.

Gegen verkaufsoffene Sonntage sprechen sich neben den Gewerkschaften auch die Kirchen aus. Sie möchten, dass nicht auch noch dieser Tag dem Konsum geopfert wird. Die Gewerkschaften sind dagegen, weil der Sonntag der Familie, den Freunden und der Erholung gehören soll. Wenn dann auch noch die Geschäfte in die Innenstädte locken, ist es mit dem Sonntagsfrieden vermutlich vorbei – dann wird die Warenwelt durchkämmt, statt der Wanderrucksack geschnürt.

Die FDP jedoch ist der Meinung, dass liberale Ladenöffnungszeiten vor allem den kleinen Geschäften nutzen. Und schließlich sei im Internet Einkaufen rund um die Uhr sowieso schon längst Normalität.

Gabi Eisenack

Ladenöffnungszeiten: Sollen sie freigegeben werden?

Sind Smartphones schädlich für Kinder?

Für viele Kinder sind Smartphone und Tablet völlig selbstverständlich: Sie halten darüber Dauerkontakt zu Freunden, zocken Spiele, schauen Videos, surfen im Internet, lernen mit Apps – nicht selten viele Stunden lang am Tag. Es gibt in Familien mit jungen Mädchen oder Jungen selten ein Thema, das so viel diskutiert wird wie der Konsum von digitalen Medien. Einige befürworten es, dass der Nachwuchs möglichst früh Zugang zu Tablet und Smartphone erhalten soll: Eine moderne Gesellschaft und später auch eine digitalisierte Arbeitswelt erfordern dies, so die Argumente. Andere fürchten, dass Kinder über die Beschäftigung mit digitalen Medien vereinsamen und süchtig werden, von den gesundheitlichen Risiken wie Entwicklungsstörungen und Hyperaktivität ganz zu schweigen. Tatsächlich zeigt eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums, dass die extensive, völlig unkontrollierte Nutzung digitaler Medien gravierende Folgen haben kann. Dem gegenüber steht die Einschätzung amerikanischer Kinderärzte, dass Mädchen und Jungen ab drei Jahren bis zu einer Stunde am Tag auf einen Bildschirm gucken können, ohne Nachteile fürchten zu müssen. Die Menschheit hat viele Jahrhunderte Erfahrung mit analogen Lernmaterialien wie Büchern. Dagegen beschäftigt uns die Existenz von Internet und digitalen Medien erst seit rund 20 Jahren. Die Unsicherheit ist also groß, die Vorsicht berechtigt.

Ngoc Nguyen

Sind Smartphones schädlich für Kinder?

City-Point: Ist der Abriss sinnvoll?

In Nürnberg werden immerwieder markante Gebäude abgerissen – mal schmerzt ihr Verlust mehr, mal weniger. Meistens rücken die Bagger dann an, wenn ein Bauwerk zu marode ist, um es zu sanieren – etwa der AOK-Bau am Frauentorgraben. Die Nachricht, dass der City-Point aus dem Stadtbild verschwinden soll, kam allerdings überraschend. Das Einkaufszentrum steht schließlich seit vergleichsweise kurzer Zeit an der Stelle, wo sich einst das Hertie-Kaufhaus befand. 1999 ist das Gebäude eröffnet worden. Nun will es der Eigentümer, der Düsseldorfer Projektentwickler Development Partner, abreißen und durch einen Neubau ersetzen – untergebracht werden sollen Einzelhandel, Gastronomie, mehr Stellplätze und ein Hotel.

Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich sieht die Entscheidung positiv. Der Neubau, der optisch deutlich ansprechender ausfallen werde, bedeute eine Aufwertung der Innenstadt. Kritiker halten dagegen, dass damit Ressourcen und Energie verschwendet würden. „Die Wegwerfgesellschaft hat schon das Baugewerbe erfasst“, schreibt etwa ein Kommentator dazu im Internet.

Gabi Eisenack

City-Point: Ist der Abriss sinnvoll?