Braucht Nürnberg Alkohol-Konsumräume?

Alkohol-Konsum in der Öffentlichkeit scheint zu einem Problem zu werden. In der Königstorpassage sammeln sich häufig Trinker, es wird gepöbelt, mitunter fliegen die Fäuste. Und in den Stadtvierteln klagen Bürgerinnen und Bürger darüber, dass öffentliche Plätze, Spielplätze und Parkanlagen zu Treffpunkten für Alkoholgelage mutieren. Vor allem Familien und ältere Menschen fühlen sich in solcher Gesellschaft unwohl und bleiben weg.

Die Stadtratsfraktion der Grünen möchte deshalb Trinkräume einrichten lassen. Städte wie Augsburg, Kiel und Hamburg, Dortmund, Hannover oder Kassel hätten bereits solche kommunal finanzierten Einrichtungen für alkoholkranke Menschen geschaffen. In der Regel sind sie tagsüber geöffnet; Nutzer dürfen gewisse Mengen Wein und Bier mitbringen, harte Alkoholika und Drogen müssen vor der Tür bleiben. Wer möchte, kann in den Einrichtungen auch medizinische Sprechstunden nutzen und Informationen zu Hilfs- und Beratungsangeboten für Suchtkranke bekommen.

Kritiker halten dagegen, dass Alkohol – im Gegensatz zu illegalen Drogen – gesellschaftlich akzeptiert ist. Auch für Alkoholkranke Menschen gebe es damit keinen Druck , die Öffentlichkeit zu meiden und in einen Trinkraum zu gehen. Nicht zuletzt sei der öffentliche Raum für alle Menschen da. Probleme könnten nur Gemeinsam im Diskurs gelöst werden.

Tilmann Grewe

Braucht Nürnberg Alkohol-Konsumräume?

Schockbilder auch auf Alkoholflaschen?

Zigaretten sind schädlich, zu viel Alkohol auch und die meisten Drogen sind verboten. Die Grüne Jugend von Nürnberg und Fürth hat jetzt aber kritisiert, dass durch die unterschiedliche Behandlung von weichen Drogen, Zigaretten und Alkohol im öffentlichen Raum die Wahrnehmung der Folgen massiv verzerrt wird. Während auf den Zigarettenschachteln mit abschreckenden Bildern auf die möglichen Folgen des Zigarettenkonsum hingewiesen wird, ist auf Flaschen mit Alkohol nichts zu sehen.

Die Grüne Jugend vermutet, dass die gesellschaftliche Akzeptanz bei Alkohol um einiges größer ist, als zum Beispiel bei Zigaretten, und deshalb ein abschreckender Hinweis fehlt. Diese Ungleichbehandlung soll aber nicht so bleiben. Die Grüne Jugend fordert deshalb Warnbotschaften auch auf alkoholhaltigen Waren und Getränken. „Besonders bei hochprozentigem, käuflich erwerbaren Alkohol, da die Behandlung dieser Drogen ein reines Produkt einer konstruierten Vorstellung von Kultur und aus diesem Grund nicht unterstützbar ist“, fordert Jule Ziegler, Frauen- und Genderpolitische Sprecherin der Grünen Jugend Bayern. Das Thema soll auch besser im bayerischen Lehrplan verankert werden.

Wenn man alles verbietet, was ungesund ist und auf konstruierte Vorstellungen von Kultur und Gesellschaft zurückzuführen ist, dann müsste es Warnbilder und -botschaften auch auf stark zuckerhaltige und zu fette Lebensmittel geben. Als nächstes wären zu schnelle Autos und gefährliche Sportarten wie Fallschirmspringen an der Reihe. Das alles gefährdet unser Leben und wir konstruieren uns in unserer Vorstellungswelt ein Wohlgefühl, bis wir uns diese Wünsche erfüllen. Danach kommt dann das schlechte Gewissen, auch das ist meistens eine Konstruktion.

André Fischer

Schockbilder auch auf Alkoholflaschen?

Soll Alkohol im Stadion verboten werden?

Der Meinungsstreit zum Alkoholverbot in den Stadien der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga geht quer durch die Gesellschaft. Auch die Innenpolitiker sind sich uneins in ihrer Bewertung.

Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) stößt mit seinem Vorstoß für ein Alkoholverbot in Fußballstadien auf wenig Gegenliebe. Er will mit einem Alkoholverbot in den Stadien Gewaltexzesse eindämmen. Seiner Meinung nach enthemmt erst der Alkoholkonsum viele der späteren Täter.

Die FDP-nahen Jungen Liberalen sprachen von einer „Bevormundungskultur“, die sie eher bei den Grünen erwarten würden. „Prinzipiell sollte jeder Mensch selbst urteilen, wann, wo und ob er Alkohol konsumieren kann und will“, sagte ihr Vorsitzender Hendrik Silken. Ein Verbot wäre nach seiner Ansicht auch „nutzlos“. Der Alkohol-Konsum werde sich „lediglich verlagern“. Zudem sei die Initiative ein Verstoß gegen den „Geist der sozialen Marktwirtschaft“. Der Staat solle keinem Fußballverein vorschreiben, wie er sein Stadion zu betreiben habe, meinte Silken.

SPD-Politikerin Nancy Faeser sprach von einem „hilflosen Profilierungsversuch“ des Innenministers Rhein, ist aber nicht gegen ein solches Vorgehen. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) spricht sich gegen ein generelles Alkoholverbot in Stadien aus. Mit der Einschränkung von individueller Freiheit müsse man „immer anlassbezogen sehr sorgsam und auch ein bisschen staatstragend umgehen“. Ein Alkoholverbot bei normalen Spielen hält er nicht für nötig: „Bei einem vernünftigen Spiel mit vernünftigen Fans schmeckt auch das Bier mal zur Bratwurst.“

Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: „Soll Alkohol im Stadion verboten werden?“

Soll die Sperrstunde verlängert werden?

Mittelfrankens Polizeipräsident Gerhard Hauptmannl hat sich in der vergangenen Woche im Stadtrat für eine Verlängerung der Sperrstunde eingesetzt. Solche politischen Einlassungen von hohen Beamten in der Öffentlichkeit sind selten geworden. Hauptmannl wies dabei auf die steigende Kriminalitätsrate hin: Immer mehr Delikte würden unter Einfluss von Alkohol begangen. Wer das bestreite, wolle bewusst Fakten nicht zur Kenntnis nehmen. Die wachsende Zahl von Delikten, bei denen Alkohol eine Rolle spiele, wie Raub, Sachbeschädigung und Schlägereien belaste zunehmend die Polizeiarbeit. weiter lesen