Trinkstuben: Der richtige Weg?

Die Probleme mit der Trinkerszene im Bereich des Hauptbahnhofs nehmen zu. Alkohol macht aggressiv, die Zahl der Körperverletzungen steigt. Das belegen Zahlen der Polizei. Die Stadt will deshalb so bald wie möglich das Alkoholverbot an Ort und Stelle ausweiten. Im Herbst dürfte es wohl so weit sein.

Doch reicht es, die Menschen von dort zu vertreiben? Sie werden sich andere Treffpunkte suchen, sie sind ja nicht aus der Welt. Genauso wenig wie die Probleme, die sie haben. Viele von ihnen sind krank und brauchen Hilfe. Die Grünen hatten deshalb vor einem Jahr angeregt, spezielle Räume für alkoholkranke Menschen zu schaffen. Versuche mit „Trinkerstuben“ gibt es zum Beispiel in Kiel und Dortmund. Dort dürfen die Besucher Wein und Bier konsumieren dürfen, aber nichts Hochprozentiges. Außerdem gibt es Beratungsangebote. „Wir brauchen Konsumräume, egal, wie wir sie nennen“, so Britta Walthelm, Stadträtin der Grünen.

Die Frage ist: Werden die Betroffenen solche Räume wirklich nutzen? Sozialamtschef Dieter Maly ist in dieser Hinsicht nicht ganz sicher. „Wir müssen uns mit der Zielgruppe intensiv beschäftigen.“ Mit einem Schnellschuss werde man der Sache nicht gerecht.

Trinkstuben: Der richtige Weg?

Soll es in der Altstadt ein Alkoholverbot geben?

Das subjektive Sicherheitsgefühl und die objektive Lage müssen sich nicht immer decken: Im Vergleich zu Kohlenhof oder Klingenhof, wo wesentlich mehr Körperverletzungen unter Alkoholeinfluss geschehen, ist die Altstadt laut Polizeistatistik kein unsicherer Ort. Dennoch fühlen sich die Bewohner durch nächtliche Saufgelage auf den Straßen des Stadtzentrums massiv in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, wie Richard Auer, Chef des Bürgervereins der Altstadt, kürzlich im Rechtsausschuss des Stadtrats deutlich machte. Die Stadtspitze hofft nun auf eine Rechtsgrundlage durch den Freistaat, damit sie an bestimmten neuralgischen Punkten im öffentlichen Raum in der Altstadt ein Alkoholverbot aussprechen darf.

Skeptiker halten solche Vorschriften für fragwürdig, Nürnberg brauche doch als Großstadt ein attraktives Nachtleben. Andere wenden ein, dass ein solches Verbot ohnehin ein zahnloser Tiger wäre, weil die Polizei nicht die Ressourcen habe, auf die Einhaltung der Vorschrift zu achten.

Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Alkoholverbot in der Altstadt?“

Geben Sie Ihr Votum bitte unter www.nz.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Neues Sorgerecht: Dient es dem Kindeswohl?“ Mit Ja antworteten 63 Prozent, mit Nein 37 Prozent.

Soll Alkohol in Bussen und Bahnen verboten werden?

42372915Seit Monaten wird immer wieder über ein Ess- und Trinkverbot in Bussen und Bahnen diskutiert. Die VAG hat dazu im Sommer eine repräsentative Umfrage unter ihren Fahrgästen durchgeführt und feststellen müssen, dass Essen und Trinken bei der Mängelliste nicht an erster Stelle stehen. Wohl aber der Alkohol. 77 Prozent der befragten Fahrgäste sehen es negativ, wenn in Bussen und Bahnen Alkohol getrunken wird. Die VAG plant deshalb ein Alkoholverbot zum 1. Januar einzuzuführen. Sie verweist dabei auf gute Erfahrungen mit einem Verbot in Bamberg und München. Geplant sind Schwerpunktkontrollen mit der Polizei vor allem im Vorfeld von Fußballspielen. Auch erhofft sich die VAG mit dem Verbot, eine Handhabe gegen das „Vorglühen“ von Jugendlichen zu haben. Dem Alkohol-Verbot muss allerdings noch der Aufsichtsrat der VAG zustimmen.

Kritiker des Verbots wie SPD-Stadtrat Jürgen Fischer wenden ein, dass Verbote auch kontrolliert werden müssen und es schwierig sei, nachzuprüfen, was in den Flaschen sei, die mitgeführt werden. Auch helfe ein Verbot nicht, sich gegen Pöbeleien und schlechten Witzen von Betrunkenen in Bussen und Bahnen zu schützen. „Eine Fahrt in der U-Bahn ist doch schnell vorüber“, sagte Fischer im Verkehrsplanungsausschuss.
Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: Soll Alkohol in Bussen und Bahnen verboten werden? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Soll der Wöhrder See erhalten werden? Mit Ja antworteten 87,6 Prozent, mit Nein 12,4 Prozent. fis