Soll das Radrennen zurückkommen?

Leistungssport zum Anfassen, schweißtreibender Wettkampf hautnah: Dafür stand das Radrennen rund um die Nürnberger Altstadt viele Jahre lang. Der Wettkampf der Profis und Semiprofis zog zunehmend die Massen an. Dann erschütterte die Doping-Skandalserie im Radsport die Sportöffentlichkeit – und ließ das Zuschauerinteresse an dem Nürnberger Happening zusehends schwinden. So stark, dass schließlich die Nürnberger Versicherung als Hauptsponsor ausstieg – die Traditionsveranstaltung musste am Ende eingestellt werden.

Jetzt, vier Jahre später, scheint plötzlich ein Hoffnungsschimmer am Horizont auf: Die Deutschland-Tour, die 2018 aus der Taufe gehoben wurde, könnte 2020 ihr Finale in die Noris verlegen (die NZ berichtete). Sportbürgermeister Klemens Gsell (CSU) und Stadtkämmerer Harry Riedel (SPD) scheinen bereits guter Dinge zu sein, dass dieser sportliche Coup gelingen könnte. Zumal die Zustimmung des Stadtrats, dafür mindestens 300 000 Euro lockerzumachen, bereits als weitgehend ausgemacht gilt. Ein solches Großereignis würde Nürnberg einige mediale Aufmerksamkeit bescheren. Zudem ist Radfahren (wieder) „in“ – im Sportbereich ebenso wie im Privaten: Wohl noch nie in der Geschichte unserer Stadt waren so viele Radfahrer täglich auf den Straßen zu sehen.

Nicht zuletzt wäre das Finale der Deutschlandtour ein Leckerbissen für Radsport-Enthusiasten. Allerdings hätte ein solches Event durchaus Schattenseiten: die Absperrung der Altstadt jeweils für einen ganzen Sonntag etwa, mit entsprechenden Konsequenzen für Autofahrer und Altstadt-Bewohner. Oder die Frage, ob die genannten 300 000 Euro vielleicht auch an anderer Stelle gut angelegt wären.

Tilmann Grewe

Soll das Radrennen zurückkommen?

Verkaufsoffener Sonntag nur noch in der Altstadt?

 

Der Streit um den verkaufsoffenen Sonntag (Foto: Eduard Weigert) ist alt, aber erhitzt trotzdem immer wieder die Gemüter. In Nürnberg gibt es vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr: zwei in der gesamten Stadt ohne Südstadt, zwei nur in der Südstadt. Die Verwaltung betont, dass diese Regelung rechtskonform sei, signalisiert aber Gesprächsbereitschaft mit den Kritikern – vor allem Kirchen und Gewerkschaften.
Die Kommunen dürfen an Sonntagen nur anlässlich von Märkten, Messen oder ähnlichen Veranstaltungen die Läden aufsperren lassen. Dies sieht das Ladenschlussgesetz vor. Darin steht außerdem geschrieben, dass die Veranstaltung und die Läden, die offen haben, nicht zu weit auseinander liegen dürfen. Wenn also, wie am kommenden Sonntag, die Geschäfte wegen des Herbstmarkts offen haben, sollten dann nicht auch nur die Geschäfte in der Altstadt öffnen dürfen? Reichen nicht generell zwei verkaufsoffene Sonntage im Jahr – und die dann nur im Stadtzentrum?
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Verkaufsoffener Sonntag nur noch in der Altstadt?“ – In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren. Vergangene Woche haben wir Sie gefragt: „Zu viel Aufhebens um den 1. Schultag?“ Teilgenommen haben 88 Leser. Mit Ja antworteten 93,2 Prozent, mit Nein 6,8 Prozent.

Gabriele Eisenack

 

 

 

 

 

 

Verkaufsoffener Sonntag nur noch in der Altstadt?

  • Ja (86%, 6 Stimmen)
  • Nein (14%, 1 Stimmen)

Wähler insgesamt: 7

Soll die Stadtbibliothek gebaut werden?

Der Neubau der Stadtbibliothek treibt derzeit nicht nur die Altstadtfreunde um, siehe nebenstehenden Bericht, sondern auch die Parteien im Stadtrat. Während SPD, Grüne und FDP an den Beschlüssen festhalten wollen und die Stadtbibliothek wie geplant bauen wollen, möchten CSU, ÖDP und Freie Wähler das Verfahren noch einmal aufrollen. Ziel der Kritiker ist, den Hauptbau entlang der Nonnengartenstraße ein Stockwerk niedriger zu bauen, damit der Riegel ohne Satteldach nicht so massiv ausfällt. Außerdem soll die Westfassade völlig neu gestaltet werden.
Die Befürworter der Pläne sehen die Fassade als gelungen an und befürchten durch eine Verzögerung des Bauwerks den Verlust von Fördergeldern. Außerdem hätten die Kritiker über ein Jahr Zeit verstreichen lassen, bis sie sich ablehnend geäußert haben. Jede Verzögerung kostet aber Geld. Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll die Stadtbibliothek wie geplant gebaut werden?

Sagen Sie uns doch Ihre Meinung.

Vernachlässigt die Stadt ihr historisches Erbe?

Seit der Debatte über den Augustinerhof vor fast zwanzig Jahren sind die Bewohner Nürnbergs sehr sensibel, was Bauen in der Innenstadt anbelangt. Verteidigern des noch existierenden architektonischen Erbes wird dann oft reflexhaft altmodisches Denken unterstellt. Dabei hängen sie nur an ihrer Stadt. Viel ist nach dem Zweiten Weltkrieg auch nicht stehen geblieben und gelungene moderne Bauten in den Innenstadt sind an einer Hand abzuzählen. Wirklich attraktiv sind von wenigen Ausnahmen abgesehen die wieder aufgebauten historischen Großbauten wie Rathaus, Burg und die Kirchen.

Nach dem Abriss des markanten Milchhofes, der Paketpost und der Diskussion über die Nutzung und Umgestaltung des Deutschen Hofs wurde jüngst wieder heftig über die Stadtpolitik und ihren Umgang mit der Historie gestritten. Auch die Debatte um den Wiederaufbau des Pellerhofs hat neuen Schwung in die Diskussion gebracht.

Insgesamt entstand aber der Eindruck, dass Denkmalschutz, Politik und Verwaltungsspitzen zu wenig für den Erhalt markanter Architektur tun. Da passt es ins Bild, dass direkt an der Stadtmauer ein Glasgebäude mit roten Riegeln gebaut werden soll (Bild) und niemand etwas davon gewusst hat. Was natürlich nicht ganz stimmt, denn im Jugendhilfeausschuss wurde das Thema behandelt. Die Fachkollegen wurden dann aber nicht informiert.

Auf der anderen Seite darf natürlich auch die Innenstadt kein Museum werden. Sie muss sich entwickeln können und moderne, gelungene Bauwerke zulassen. Das muss aber mit durchschauberen Prozessen und öffentlichen Debatten durchgesetzt werden. Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Vernachlässigt die Stadt ihr historisches Erbe? Ihr Votum können Sie hier abgeben.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Bildungsstreik: Haben Schüler und Studenten recht? Mit Ja antworteten 50,4 Prozent, mit Nein 49,6 Prozent. fis