Hat der Club eine Chance im Aufstiegsrennen?

Nun gut, ein Testspielsieg sollte natürlich nicht gleich zu blauäugiger Euphorie verleiten. Aber ein bisschen freuen dürfen sich die Club-Fans sicherlich über das 2:1 vom Samstag, immerhin hat der 1.FC Nürnberg mit dem 18-fachen italienischen Meister Inter Mailand einen der renommiertesten Klubs aus Europa geschlagen – obgleich Inter auch schon bessere Tage gesehen hat.

Wohin geht der Weg der Nürnberger in der neuen Spielzeit? Kann der Club nach Platz drei im Jahr 2016 und der enttäuschenden Vorsaison heuer wieder oben mitspielen? 2016/17 blockierten die starken Absteiger Stuttgart und Hannover die Aufstiegsränge, diesmal scheint das Feld ausgeglichener zu sein, denn Ingolstadt und Darmstadt dürften nicht das Format ihrer Vorgänger haben. Trainer Michael Köllner, der im März den Job an der Seitenlinie übernahm, hat zudem nun das Team seines Vertrauens zusammengestellt, darunter viele hoffnungsvolle Talente und Torjäger Adam Zrelak. Das Trainingslager beurteilte er als „perfekt“. Und wenn Ewerton die Lücke in der Innenverteidigung schließt, die Dave Bulthuis hinterließ, könnte auch die Defensive stabil stehen.

Marco Puschner

Hat der Club eine Chance im Aufstiegsrennen?

Club: Ist der Traum vom Aufstieg schon ausgeträumt?

Das Modewort „suboptimal“ schmeichelt wohl den Nürnbergern noch, wenn man ihren Saisonstart in der Zweiten Fußball-Bundesliga beschreiben will. In der Liga haben die Schützlinge von Trainer Alois Schwartz zunächst zwei magere Unentschieden abgeliefert, dann kamen sie im Pokalwettbewerb beim Viertligisten Viktoria Köln nur mit Ach und Krach eine Runde weiter. Anschließend gab es die 1:6-Pleite bei Eintracht Braun­schweig. Muss sich der 1.FC Nürn­berg schon nach drei Spieltagen von allen Aufstiegsträumen verab­schieden? Es scheint zumindest so, als könn­te der Dritte der Vorsaison nach den Abschieden von Trainer René Wei­ler sowie der Offensivkräfte Füll­krug, Kerk und Blum nicht mehr mit den Topteams der Liga mithal­ten.

Ein Blick in die Geschichte tröstet

Auf der anderen Seite mag ein Blick in die Geschichte trösten. Denn oft tat sich der Ruhmreiche in der Zweiten Liga zu Beginn schwer. Zum Beispiel die Saison 1979/80: Damals lag der Club nach drei Spie­len auf Rang 20 von 21 Teams in der guten alten Zweiten Liga Süd und war zum Beispiel gegen den Außen­seiter VfR Bürstadt nicht über ein 2:2 hinausgekommen. Der damalige Trainer Jef Vliers bekam seine Papiere und eine Abfindung im legendären Schuhkarton, danach starteten die Nürnberger durch und feierten am Ende dann die Meister­schaft. Oder die aufregende Saison 1984/85: Da fand der Club bis in den Herbst hinein nicht in die Spur, setzte dann aber nach der berühm­ten Oktoberrevolution und Spieler­entlassungen zu einer beachtenswer­ten Aufholjagd an. Amletzten Spiel­tag eroberte er mit einem 2:0 im Endspiel gegen Hessen Kassel noch den Platz an der Sonne. Oder die Spielzeit 2003/04: nach neun Spieltagen war der Club Vier­zehnter,
am Ende Erster. Oder 2008/09, als die Mannschaft sogar nach dem Ende der Hinserie nur Platz acht im grauen Mittelfeld belegte und schließlich trotzdem noch den Sprung ins Oberhaus schaffte.

Furiose Serie zum Abschluss

Und selbst in der vergangenen Saison lief es ja anfangs nicht rund, was dann aber dank einer furiosen Serie von 18 Spielen ohne Nieder­lage und dem Beinahe-Aufstieg rasch in Vergessenheit geriet. Inso­fern sind Aufstiegsträume eigent­lich nicht schon nach drei Spiel­tagen ausgeträumt. Oder doch?

Text: Marco Puschner

Club: Ist der Traum vom Aufstieg schon ausgeträumt?

Soll die Relegation abgeschafft werden?

Nach der alten Regelung hätte der Club schon vor zwei Wochen – nach dem 33. Spieltag – den Aufstieg feiern dürfen, schließlich hatte er Platz drei zu diesem Zeitpunkt sicher. Aber ein neuer Modus hat für eine Verschiebung der Feierlichkeiten gesorgt. Demnach darf der Dritte der Zweiten Liga nicht automatisch nach oben, sondern muss wieder – wie schon zwischen 1982 und 1991 – gegen den Drittletzten der Bundesliga ein Stechen um den letzten freien Platz im Oberhaus bestreiten.

Das sorgt sicherlich für zusätzliche Spannung. Und die Fußballfans dürfen sich über zwei richtige Endspiele freuen, die live im Fernsehen übertragen werden. Diesmal hat mit dem FCN auch der Klassentiefere gewonnen – das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Zweiten Liga ein fester Aufstiegsplatz genommen wurde. Als Bayer Leverkusen in der Saison 2002/03 in Abstiegsgefahr geriet, hat der damalige Bayer-Manager Reiner Calmund eine Entschärfung der Abstiegsregel gefordert, weil Bundesligavereine als Wirtschaftsunternehmen Planungssicherheit bräuchten. Solche Überlegungen stellen freilich wirtschaftliche Interessen über sportliche Gesichtspunkte.
Die Einführung der Relegation kann als Schritt in diese Richtung gewertet werden: Sie macht es den Bundesligisten leichter, oben zu bleiben, für die Kleinen wird es schwieriger, den Sprung ins Oberhaus zu schaffen. Zwischen 1982 und 1991 setzte sich nur dreimal der Zweitligist durch, siebenmal siegte der Bundesligist.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll die Relegation wieder abgeschafft werden? Die Frage der vergangenen Woche lautete: Haben Sie Verständnis für den Streik der Erzieherinnen? Mit Ja antworteten 53,6 Prozent, mit Nein 46,4 Prozent.