Wollen Sie eine Badestelle am Wöhrder See?

Die Surfer wünschen sich eine Welle, die Kanuten eine Slalomstrecke, die Radler eine eigene Spur, die Spaziergänger Toiletten und die Anwohner Ruhe. Der Wöhrder See der Zukunft soll es irgendwie allen recht machen. Das aber wird kaum möglich sein.
Um die Bürger in die Diskussion einzubeziehen, haben Wasserwirtschaftsamt und Stadt erst kürzlich wieder eine öffentliche Versammlung einberufen. Jeder soll zu Wort kommen, der etwas zum Thema Umgestaltung des Wöhrder Sees zu sagen hat. Damit am Ende auch keiner sagen kann, man habe ihn nicht gefragt.
Die Bürger nutzten rege die Gelegenheit sich zu äußern – und recht schnell wurde deutlich, dass es schwer zu vereinbarende Vorstellungen gibt. Heftig diskutiert wurde unter anderem die Idee, zu Füßen des Norikus eine Bucht zu schaffen. Hier sollen Kinder plantschen und Erwachsene ihre müden Füße kühlen dürfen. Weil das Seewasser keine Badequalität hat, soll der Bereich abgetrennt und einer speziellen Behandlung unterzogen werden – einer ökologischen, wie Bayerns Umweltminister Markus Söder, der oberste Herr über den See, im Internet verspricht.
Zu diesem Thema meldete sich bei der Versammlung in Mögeldorf eine Krippenleiterin zu Wort. Sie ist von der Idee mit der Badebucht begeistert – vor allem im Namen der Kinder. Was für ein schönes Erlebnis wäre es doch für die Kleinen, an heißen Sommertagen in den See hüpfen zu können. Ein Stückchen Natur in der Großstadt – davon sollen doch alle etwas haben. Es meldete sich aber auch eine Norikus-Bewohnerin zu Wort, die keinesfalls will, dass sich Menschen in der Nähe ihres Heims zusammenrotten. Denn die würden Lärm machen. Tagsüber, so befürchtet sie, würden die Kleinkinder schreien und nachts Horden betrunkener junger Menschen randalieren. Die Debatte über die Zukunft des Wöhrder Sees offenbart almählich eine traurige Kluft zwischen Jung und Alt.
Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: „Wünschen Sie sich eine Badestelle am Wöhrder See?“ Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: „Haben Sie Mitleid mit den Bayern?“ Mit Ja antworteten 14 Prozent, mit Nein 86 Prozent. gs