Bauernprotest: Haben Sie Verständnis?

Sie kamen zu Tausenden mit ihren Traktoren auf den Volksfestplatz: Vor Kurzem protestierten bayerische Bauern gegen die aktuelle Agrar- und Umweltpolitik. Die Landwirte klagen über überbordende Bürokratie, die sie immer stärker in ihre Büros zwingt, statt auf dem Acker und bei den Tieren ihrer eigentlichen Arbeit nachzugehen. Über immer höhere Auflagen bei Pflanzen- und Düngemitteln. Und über die mangelnde Wertschätzung ihres Berufsstands in der Gesellschaft. „Ohne Landwirtschaft wärst du hungrig, naggad und nüchtern“, war bei der Demo auf einem Plakat zu lesen. Die Landwirte monieren, dass die Bürger ihre Vorgärten in Steinwüsten verwandelten und gleichzeitig beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterschrieben, um ihr Gewissen zu erleichtern.

Nicht wegdiskutieren lassen sich allerdings die hohen Nitratwerte im Grundwasser. Oder ein massives Insektensterben, das Wissenschaftler auf der ganzen Welt alarmiert. Beides unter anderem ausgelöst durch eine immer intensivere Landwirtschaft. Und sicher wird kein Bauer bestreiten, dass es auch in seiner Branche schwarze Schafe gibt, die es mit einer verhältnismäßigen Düngung nicht immer so genau nehmen. Da wirken die Proteste doch etwas übertrieben.

Judith Horn

Bauernprotest: Haben Sie Verständnis?

Würden Sie mehr für Milch bezahlen?

Melken_1.JPGDie Bauern versuchen einen Milchboykott durchzuführen, weil sie 43 Cent für den Liter Milch von den Molkereien wollen. Die derzeit von Molkereien und Discountern bezahlten Preise würden nicht reichen, um das Überleben der Höfe auf Dauer zu sichern, so die Haltung der Boykottführer. Hohe Energiepreise und Investitionskosten könnten mit niedrigen Milchpreisen von den Bauern nicht finanziert werden. Das ist eigentlich unbestritten.
Preisdrücker bei den Milchpreisen sind die Supermarktketten und Discounter, die Milchprodukte zum Teil noch unter Einstandspreis verkaufen, um Kunden anzulocken: Butter, Joghurt und Milch braucht fast jeder, vielleicht kauft er dann auch noch andere Lebensmittel ein, so die Rechnung. Milchprodukte im hart umkämpften Einzelhandel sind oft „Lockvogelangebote“, deshalb drücken die Konzerne auch in diesem Bereich gerne die Preise.
Aber nicht nur die Bauern müssen mit jedem Cent rechnen, sondern auch die Kundschaft. Noch dazu ist völlig offen, ob ein höherer Milchpreis tatsächlich auch bei den Bauern ankommt.

Wir wollen deshalb von unseren Lesern wissen: Sind Sie bereit, mehr für die Milch zu bezahlen? Ihr Votum können Sie auf der NZ-Homepage abgeben. Sie können aber auch hier Kommentare zur Leserfrage abgeben. Die Leserfrage der vergangenen Woche lautete: Ist das Bußgeld für Verkehrssünder zu hoch? Mit Ja antworteten 42,9 Prozent, mit Nein 57,1 Prozent.