Beratungsklau: ein Kavaliersdelikt?

Immer mehr Leute lassen sich zwar von Verkäufern im Geschäft beraten, kaufen die Ware dann aber im Internet.

Es hat das Zeug zum Unwort des Jahres, das Wort „Beratungsklau“. Doch dahinter steckt ein Problem, das Einzelhändlern zunehmend zu schaffen macht: Der Kunde informiert sich in einem Geschäft, kauft das gewünschte Produkt dann aber im Online-Shop.

In diesem Jahr wird der Internethandel erstmals einen Anteil von über zehn Prozent erreichen – die Konkurrenz macht vor allem den kleinen Läden vor Ort das (Über-)Leben schwer, klagte jüngst auch der Bezirk Mittelfranken des Handelsverbands. Die Folge: Der klassische Einzelhandel verschwindet mehr und mehr aus dem Stadtbild.

Einen Vorschub in diese Richtung leistet auch der Beratungsklau, kritisiert der Handelsverband. Denn statt stationäre Geschäfte zu stärken, werden ihre Vorzüge wie persönliche Beratungsgespräche zwar gerne angenommen, der verdiente Lohn fließt in andere Kanäle. Die Umsätze gehen zurück, Miet- und Personalkosten bleiben.

Gleichzeitig lässt sich das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen, die Möglichkeiten des Kunden haben sich dank Internet und mobilen Endgeräten vervielfacht, und auf dem Markt wird nur überleben, wer beide Verkaufsebenen – die virtuelle und die stationäre – beherrscht und miteinander kombiniert. Denn auch umgekehrt funktioniert das Prinzip: Der Kunde informiert sich vorab im Internet, kauft die Ware dann aber im Laden, um zum Beispiel im Fall von Problemen einen Ansprechpartner vor Ort zu haben. Was denken Sie: Ist der Beratungsklau eine legitime Informationsquelle für aufgeklärte Kunden und insofern höchstens als Kavaliersdelikt zu bewerten? Oder handelt es sich um nicht zu tolerierenden geistigen Diebstahl? Wir wollen von Ihnen in unserer Leserfrage daher diesmal wissen: „Beratungsklau: ein Kavaliersdelikt?“

Geben Sie Ihr Votum bitte auf www.nz.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Schafft der Club den schnellen Wiederaufstieg?“ Teilgenommen haben 368 Leser. Mit Ja antworteten 42,1 Prozent, mit Nein 57,9 Prozent.