Club: Soll der Profibereich ausgegliedert werden?

„Wir Clubfans brauchen den Erfolg nicht auf Teufel komm‘ raus, wir können warten“, wurde Christian Mössner von den Ultras Nürnberg in der NZ zitiert. Anlass war eine Diskussionsveranstaltung, ob überhaupt und wie die Fußball-Profi-Abteilung des 1. FC Nürnberg vom normalen Verein ausgegliedert werden kann. Der Club ist immer noch als eingetragener Verein mit einem Aufsichtsrat aufgestellt, das macht Entscheidungen schwieriger und vor allem dauern sie länger. Die Aufsichtsräte müssen sich dann vor der Jahreshauptversammlung des Vereins, die nicht immer rationalen Regeln folgt, verantworten. Der frühere Sportvorstand Martin Bader konnte die Emotionen der Fans zu seinen Gunsten steuern und blieb deshalb auch für viel zu lange im Amt. Allerdings sind solche Abstimmungsdramen bei Mitgliederversammlungen auch gelebte Vereinsdemokratie.
Viele der Fußballprofi-Vereine der ersten und zweiten Liga organisieren sich aber anders. Die ausgegliederten Profi-Bereiche gehören dann zwar noch zu den Vereinen oder die Vereine halten Aktien von den selbständigen Gesellschaften, doch die eigentlichen Entscheidungen treffen nur Fachleute im kleinen Kreis. Neben der effizienteren Entscheidungsfindung hat das Modell auch noch Vorzüge, wenn es um die Finanzierung von Spielern und um den Umgang mit Krediten geht.
Sieht man einmal von 1860 München oder dem HSV ab, die desolat gewirtschaftet haben und deshalb abhängig von Geldgebern sind, haben die Vereine mit einem ausgegliederten Profibereich mehr Erfolge und können noch am ehesten Spitzenfußball bieten als Vereine mit einer traditionellen Struktur.
Die Formulierung, dass man in Nürnberg, wenn man nichts ändert, etwas länger auf den Erfolg warten muss, wäre dann wahrscheinlich zu erweitern: Der Erfolg kann gar nicht mehr kommen, weil der Club wirtschaftlich mit Vereinen, selbst wenn sie kleiner sind, mithalten kann. Das Modell, das der 1. FC Nürnberg anpeilt würde aber kein reines Aktienmodell sein: Am Ende würde immer die Stimme des Vereinsvorsitzenden den Ausschlag geben.

André Fischer

Club: Soll der Profibereich ausgegliedert werden?

Club: Ist der Traum vom Aufstieg schon ausgeträumt?

Das Modewort „suboptimal“ schmeichelt wohl den Nürnbergern noch, wenn man ihren Saisonstart in der Zweiten Fußball-Bundesliga beschreiben will. In der Liga haben die Schützlinge von Trainer Alois Schwartz zunächst zwei magere Unentschieden abgeliefert, dann kamen sie im Pokalwettbewerb beim Viertligisten Viktoria Köln nur mit Ach und Krach eine Runde weiter. Anschließend gab es die 1:6-Pleite bei Eintracht Braun­schweig. Muss sich der 1.FC Nürn­berg schon nach drei Spieltagen von allen Aufstiegsträumen verab­schieden? Es scheint zumindest so, als könn­te der Dritte der Vorsaison nach den Abschieden von Trainer René Wei­ler sowie der Offensivkräfte Füll­krug, Kerk und Blum nicht mehr mit den Topteams der Liga mithal­ten.

Ein Blick in die Geschichte tröstet

Auf der anderen Seite mag ein Blick in die Geschichte trösten. Denn oft tat sich der Ruhmreiche in der Zweiten Liga zu Beginn schwer. Zum Beispiel die Saison 1979/80: Damals lag der Club nach drei Spie­len auf Rang 20 von 21 Teams in der guten alten Zweiten Liga Süd und war zum Beispiel gegen den Außen­seiter VfR Bürstadt nicht über ein 2:2 hinausgekommen. Der damalige Trainer Jef Vliers bekam seine Papiere und eine Abfindung im legendären Schuhkarton, danach starteten die Nürnberger durch und feierten am Ende dann die Meister­schaft. Oder die aufregende Saison 1984/85: Da fand der Club bis in den Herbst hinein nicht in die Spur, setzte dann aber nach der berühm­ten Oktoberrevolution und Spieler­entlassungen zu einer beachtenswer­ten Aufholjagd an. Amletzten Spiel­tag eroberte er mit einem 2:0 im Endspiel gegen Hessen Kassel noch den Platz an der Sonne. Oder die Spielzeit 2003/04: nach neun Spieltagen war der Club Vier­zehnter,
am Ende Erster. Oder 2008/09, als die Mannschaft sogar nach dem Ende der Hinserie nur Platz acht im grauen Mittelfeld belegte und schließlich trotzdem noch den Sprung ins Oberhaus schaffte.

Furiose Serie zum Abschluss

Und selbst in der vergangenen Saison lief es ja anfangs nicht rund, was dann aber dank einer furiosen Serie von 18 Spielen ohne Nieder­lage und dem Beinahe-Aufstieg rasch in Vergessenheit geriet. Inso­fern sind Aufstiegsträume eigent­lich nicht schon nach drei Spiel­tagen ausgeträumt. Oder doch?

Text: Marco Puschner

Club: Ist der Traum vom Aufstieg schon ausgeträumt?

Braucht Nürnberg ein reines Fußballstadion?

Die Fans sollen näher ran ans Geschehen auf dem Spielfeld, findet Martin Bader. Deswegen würde der Sportvorstand des 1.FC Nürnberg gerne dem Beispiel anderer Vereine folgen und die Spielstätte des Clubs in eine reine Fußball-Arena umbauen lassen.

Ob er den Anhängern damit aber wirklich einen Gefallen tut, ist fraglich, denn viele Fans mögen das Nürnberger Stadion gerade wegen der roten Laufbahn und der achteckigen Form. Die Neubauten vieler Bundesligisten seien austauschbare Betontempel ohne individuellen Charme, meinte zum Beispiel kürzlich ein Mitglied der Initiative „Max-Morlock-Stadion jetzt!“ im Gespräch mit der NZ. Kämmerer Harry Riedel hat allen Umbauplänen für dieses Jahrzehnt angesichts der angespannten Haushaltssituation ohnehin eine Absage erteilt und sich von Baders Vorstoß wenig erfreut gezeigt. Dennoch, die Debatte wird weitergehen.

Unsere Leserfrage lautet in dieser Woche: „Braucht Nürnberg ein reines Fußballstadion?“.

Kommt der Club wieder unter die ersten Sechs?

Nachdem in der Spielzeit 2009/10 der Klassenverbleib nur äußerst mühsam und in der Relegation geschafft worden war, hätten wohl selbst ganz optimistische Club-Fans im vergangenen Sommer nicht mit einer derart sorgenfreien Saison gerechnet: In der Abschlusstabelle 2010 rangierte der 1.FC Nürnberg auf Platz sechs, ein ganz toller Erfolg für Trainer Dieter Hecking und seine Schützlinge.

Mit dieser Platzierung und der gelungenen Vorbereitung im Rücken kann der Club selbstbewusst in die neue Runde starten; falls es Kapitän Raphael Schäfer und Co. gelingen sollte, Rang sechs zu wiederholen, würde das diesmal sogar die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb bedeuten.

Allerdings war die Saison 2010/11 auch eine ganz besondere: Vermeintliche Größen der Branche wie Schalke, Bremen oder Wolfsburg befanden sich im Dauertief, Außenseiter wie Hannover, Nürnberg oder Mainz mischten die Liga auf. So etwas ist nicht beliebig wiederholbar. Zudem hat der Club neben dem früheren Torschützenkönig Marek Mintal – das Fan-Idol spielte zuletzt sportlich keine große Rolle mehr – gleich vier absolute Leistungsträger verloren. Der kampfstarke Abwehrrecke Andreas Wolf, Ilkay Gündogan und Mehmet Ekici, die beiden Kreativköpfe im Mittelfeld, sowie Julian Schieber, zuverlässiger Vollstrecker im Sturmzentrum, verdienen ihr Geld mittlerweile woanders.

Ob der FCN diesen gewaltigen Umbruch verkraftet? Mit dem 1:0 gegen Hertha BSC Berlin vom vergangenen Samstag hat der Club eine erste Antwort darauf gegeben. Skeptiker meinen, der FCN könne froh sein, wenn er eine gewisse Distanz zu den Abstiegsrängen wahrt. Andererseits gab es auch 2010 eine relativ große personelle Fluktuation, und Hecking hat sehr schnell ein neues, erfolgreiches Team geformt. Klappt das ein weiteres Mal? Wir wollen in unserer Leserfrage von Ihnen wissen: „Kommt der Club wieder unter die ersten Sechs?“