Ausländer kämpfen für Nürnbergs Altstadt

Das Luitpoldhaus, Teil der Stadtbibliothek, wird abgerissen. Der Abbruch des Luitpoldhauses hat begonnen, das ideologische Gefecht geht weiter. Pablo de la Riestra versteht sich so fieberhaft als Nürnberger, dass es ihm noch nicht genügt, eine Lichterkette gegen den Umbau der Stadtbibliothek auf den Plan gerufen zu haben.

Sein südamerikanisches Feuer brennt länger. Soeben hat er, lässt er die Zeitungen wissen, die Initiative „Ausländer für den Erhalt der Nürnberger Altstadt“ gegründet.

Nun ist die Altstadt derzeit gottlob nicht vom Einsturz bedroht. Es geht dem Kunstprofessor und Architekturzeichner aus Argentinien, der seit 1991 in Nürnberg wohnt, vielmehr darum, das Stadtbild „vor weiteren unsensiblen Fremdkörpern“ zu bewahren, als da wären: Citypoint, Kornmarkt, Katharinenparkhaus, Sebalder Höfe, Wirtschaftsrathaus oder – als nächster Coup in der „Ansammlung von Fehlentscheidungen“ – die geplante neue Stadtbibliothek.

Deren Proportionen würden die Altstadt wie ein wild gewordener Le Corbusier verunstalten, meint de la Riestra. Auch gegen die Entfernung der Lorenzer Dachgauben hat er in diesem Sommer schon protestiert (die NZ berichtete).

Als er Nürnberg 1979 zum ersten Mal betrat, seien ihm Tränen gekommen vor Bewunderung für den Wiederaufbau, sagt der Argentinier. Die Einheit der historischen Gebäude sei es, die alle ausländischen Besucher entzücke. „Die Stadt Nürnberg scheint aber nicht zu kapieren, warum diese Leute in die Stadt kommen.“

Hier gelangt der Mann nun zu seiner pikanten These: Ausländer wie er, meint er, würden Nürnbergs historisches Gesicht prinzipiell mehr wertschätzen als Einheimische. „Die heutigen Deutschen sind mit diesem Problem überfordert.“ In ihrem Komplex der Scham über die NS-Zeit würden sie es sich versagen, die gewachsene Ästhetik ihrer Städte zu ehren. Stattdessen: architektonische Zumutungen aus bürokratischen Bauverwaltungen, „die uns für dumm verkaufen“.
Stundenlang kann der 56-Jährige sich echauffieren über falschen Stolz von Architekten, Ohnmachtsgefühle und Medien, die ihm nach der Lichterkette Feindlichkeit gegen die Moderne zuschrieben. Dabei sei er der größte Verehrer moderner Architektur, aber nur auf geeigneten Flächen, etwa außerhalb mittelalterlicher Zentren oder in der Kunststadt Brasilia. Er hasse beispielsweise historisierende Möbel.
Aus dem Verein der Altstadtfreunde, die ja ebenfalls einiges am Bibliotheksneubau kritisieren, schert de la Riestra aus, weil sie ihm zu wenig Biss beweisen. Und wer außer ihm erinnere schon daran, dass mit dem nach dem Krieg wiederaufgebauten Luitpoldhaus jetzt die Erinnerung an den jüdischen Stifter Berolzheimer verschwinde? „Es hat Schönheit und gehört seit 50 Jahren zum Stadtbild.“
Bislang ist die Schlagkraft der „Ausländer-Initiative“ allerdings limitiert. Sie besteht nur aus ihrem Gründer, einem Mitstreiter und sechs ideellen Partnern in Spanien und Südamerika. Weil Pablo de la Riestra sich nicht der Deutschtümelei verdächtig machen will, sollen ausdrücklich nur Migranten mitmachen.

Kontakt: pablo@de-la-riestra.de

isa