Soll das Quelle-Gebäude abgerissen werden?

Wer Besuch von auswärts hat und mit ihm an der Fürther Straße, Höhe U-Bahn Eberhardshof, vorbeikommt, muss als Ortskundiger öfter mal diese eine Frage beantworten: Was, um Himmels willen, ist das? Da liegt eingezäunt ein hellbrauner, offensichtlich toter Gebäudekomplex von riesigen Ausmaßen. Das Quelle-Versandzentrum, es ist zum Mitleidsobjekt geworden.

Seit der spektakulären Firmenpleite des Versandhändlers 2009 steht es leer, als zweitgrößte deutsche Immobilienbrache nach dem Flughafen Tempelhof, wobei sogar dessen Sanierung inzwischen vorangeht. Zurzeit gibt es nicht einmal mehr Zwischennutzungen. Der Eigentümer, der portugiesische Einzelhandels-Immobilienkonzern Sonae Sierra, ist abgetaucht. Interessierte Partner sprangen alle wieder ab. Die Stadtverwaltung kann außer Nachfragen und Bitten nicht viel tun.

Oder? Ein Nürnberger Immobilienvermittler hat jetzt öffentlich auf den Abriss gedrängt. Er meint: Bei diesem schwierigen Gebäude lässt sich die Umnutzung schlicht nicht finanzieren. Allerdings: Mit dem Abbruch verschwände nicht nur ein denkmalgeschütztes Monument der lokalen Wirtschaftsgeschichte. Auch gigantische Mengen an Baumaterial und Energie würden verschleudert.

Isabel Lauer

Soll das Quelle-Gebäude abgerissen werden?

Pellerhaus-Fassade: Ist die Rekonstruktion sinnvoll?

Das Pellerhaus am Egidienplatz (Foto: Edgar Pfrogner) gehörte zu den Architekturikonen Nürnbergs. Doch wurde der Renaissancebau 1945 zerstört. An seiner Stelle errichteten Fritz und Walter Mayer 1955 bis 1957 ein Anwesen im Stil der fünfziger Jahre, in das zunächst das Stadtarchiv einzog. Vom Pellerhof wurden nur die Reste gesichert. Inzwischen steht der Mayer-Bau unter Denkmalschutz. Die Altstadtfreunde sind dabei, mit Hilfe von Spendengeldern den Pellerhof zu rekonstruieren, ein finanzieller Kraftakt. 2017 soll der Rohbau fertig sein. Handwerklich, das steht außer Frage, wird diese Rekonstruktion den anderen Meisterstücken des Wiederaufbaus in nichts nachstehen.
Das Problem aber ist, wie es weitergeht, denn das Pellerhaus hat noch keine neue Nutzung auf Dauer gefunden, nachdem das Stadtarchiv ausgezogen ist. Derzeit logiert das Spielearchiv in den Archivräumen. Innerhalb der Stadtverwaltung ist von einer Nutzung als Jugendhaus in Verbindung mit dem Spielearchiv sowie der Graphischen Sammlung der Stadt Nürnberg die Rede. Die Altstadtfreunde lehnen ein Jugendhaus ab. Es ist dabei auch noch nicht klar, wie der wieder aufgebaute Pellerhof in das Ensemble eingebunden wird. Außerdem muss das Pellerhaus saniert werden.
Bevor Millionen in diese Sanierung gesteckt werden, will der Vorsitzende der Altstadtfreunde, Karl-Heinz Enderle, noch einmal in alle Richtungen denken und hat deshalb in der NZ eine Rekonstruktion der Fassade des Pellerhauses ins Spiel gebracht, damit der Egidienplatz wieder an seine alte „Grandezza“ anknüpfen könne. Die architektonische Mitte des Platzes sei das Pellerhaus. „Als Bauwerk von Weltgeltung blieb es immer in den Köpfen der Nürnberger erhalten. Seinen Verlust haben sie nie verschmerzt, mit seinem Platzhalter konnten sie sich nie anfreunden“, formuliert Enderle auf der offiziellen Seite der Altstadtfreunde im Internet. Es sei fatal, den heutigen Zustand für alle Zeit zu konservieren. Im Grunde plädiert Enderle nicht nur für die Rekonstruktion der Fassade, sondern des ganzen Hauses.
Er spricht dem Mayer’schen Bau zwar architektonische Qualität zu, die ihm auch Denkmalcharakter verleihe, „zeittypisch für die 1950er Jahre ist er mit seiner Tonnendecke und seinen eng gestellten Sandsteinpfeilern jedoch nicht“.
Die Gegner von einer Rekonstruktion der Fassade des Pellerhauses sehen einen groben Verstoß gegen das Denkmalschutzgesetz, wenn der Mayer-Bau abgerissen werden würde. Außerdem gebe es wenige andere noch erhaltene, charakteristische Beispiele für eine Architektur aus den fünfziger Jahren in Nürnberg, die an die Qualität des Pellerhauses heranreichen. Die Rekonstruktion der Fassade des alten Pellerhauses gehöre in ein architektonisches Disneyland.

André Fischer

Pellerhaus-Fassade: Ist die Rekonstruktion sinnvoll?

  • Ja (90%, 2.072 Stimmen)
  • Nein (10%, 221 Stimmen)

Wähler insgesamt: 2.293

Soll die Stadtbibliothek gebaut werden?

Der Neubau der Stadtbibliothek treibt derzeit nicht nur die Altstadtfreunde um, siehe nebenstehenden Bericht, sondern auch die Parteien im Stadtrat. Während SPD, Grüne und FDP an den Beschlüssen festhalten wollen und die Stadtbibliothek wie geplant bauen wollen, möchten CSU, ÖDP und Freie Wähler das Verfahren noch einmal aufrollen. Ziel der Kritiker ist, den Hauptbau entlang der Nonnengartenstraße ein Stockwerk niedriger zu bauen, damit der Riegel ohne Satteldach nicht so massiv ausfällt. Außerdem soll die Westfassade völlig neu gestaltet werden.
Die Befürworter der Pläne sehen die Fassade als gelungen an und befürchten durch eine Verzögerung des Bauwerks den Verlust von Fördergeldern. Außerdem hätten die Kritiker über ein Jahr Zeit verstreichen lassen, bis sie sich ablehnend geäußert haben. Jede Verzögerung kostet aber Geld. Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll die Stadtbibliothek wie geplant gebaut werden?

Sagen Sie uns doch Ihre Meinung.

Vernachlässigt die Stadt ihr historisches Erbe?

Seit der Debatte über den Augustinerhof vor fast zwanzig Jahren sind die Bewohner Nürnbergs sehr sensibel, was Bauen in der Innenstadt anbelangt. Verteidigern des noch existierenden architektonischen Erbes wird dann oft reflexhaft altmodisches Denken unterstellt. Dabei hängen sie nur an ihrer Stadt. Viel ist nach dem Zweiten Weltkrieg auch nicht stehen geblieben und gelungene moderne Bauten in den Innenstadt sind an einer Hand abzuzählen. Wirklich attraktiv sind von wenigen Ausnahmen abgesehen die wieder aufgebauten historischen Großbauten wie Rathaus, Burg und die Kirchen.

Nach dem Abriss des markanten Milchhofes, der Paketpost und der Diskussion über die Nutzung und Umgestaltung des Deutschen Hofs wurde jüngst wieder heftig über die Stadtpolitik und ihren Umgang mit der Historie gestritten. Auch die Debatte um den Wiederaufbau des Pellerhofs hat neuen Schwung in die Diskussion gebracht.

Insgesamt entstand aber der Eindruck, dass Denkmalschutz, Politik und Verwaltungsspitzen zu wenig für den Erhalt markanter Architektur tun. Da passt es ins Bild, dass direkt an der Stadtmauer ein Glasgebäude mit roten Riegeln gebaut werden soll (Bild) und niemand etwas davon gewusst hat. Was natürlich nicht ganz stimmt, denn im Jugendhilfeausschuss wurde das Thema behandelt. Die Fachkollegen wurden dann aber nicht informiert.

Auf der anderen Seite darf natürlich auch die Innenstadt kein Museum werden. Sie muss sich entwickeln können und moderne, gelungene Bauwerke zulassen. Das muss aber mit durchschauberen Prozessen und öffentlichen Debatten durchgesetzt werden. Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Vernachlässigt die Stadt ihr historisches Erbe? Ihr Votum können Sie hier abgeben.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Bildungsstreik: Haben Schüler und Studenten recht? Mit Ja antworteten 50,4 Prozent, mit Nein 49,6 Prozent. fis

Soll der "Deutsche Hof" abgerissen werden?

Was prägt das Nürnberger Stadtbild heute eigentlich? Ist es die Verbindung zwischen Neu und Alt, Historie und Moderne, Fachwerk und Bürokomplexen? Sollen alte Fassaden erhalten und genutzt oder abgerissen werden? Wie ging und geht die Bauordnungsbehörde, wie Baureferent Wolfgang Baumann mit an sich schützenswerten Gebäuden um?
Das alte Bahnpostamt aus den 30er Jahren neben dem Hauptbahnhof wird nur noch partiell genutzt. Das „Bavarian American Hotel“ neben dem Grand Hotel: Leerstand auf wertvollem Grundstück. Das frühere Paketpostgebäude wurde abgerissen – seit Jahren prangt dort eine hässliche Baulücke. Der Milchhof – ein Thema für sich. Aktuell ist nun die Diskussion um das ehemalige „Hotel Deutscher Hof“ in der Lessingstraße/Ecke Frauentorgraben.
1912/1913 erbaut, zieren das mächtige Gebäude historische Treppenhäuser, Sandsteinfassade, Chörlein und Neurenaissance-Reliefschmuck. Auch mit seinem hohen Dach bietet es architektonisch ein Gegengewicht zur nebenstehenden Oper. Vertreter des Denkmalschutzes sollen bereits zu erkennen gegeben haben, dass grundsätzlich über einen Abbruch des Areals geredet werden könne. Kochinvest, mit der künftigen Gestaltung des Quartiers um den „Deutschen Hof“ betraut, verkündet in einer Pressemeldung, dass über einen möglichen Abriss „frühestens im Frühjahr 2009“ entschieden wird, wirbt aber per Faltblatt bereits für „Businessflächen in bester Lage am Altstadtring“. Ein Zweckbau stünde somit neben der Oper, das historische Gebäude müsste fallen.
Wir wollen von Ihnen wissen: Soll der „Deutsche Hof“ abgerissen werden? Abstimmen können Sie hier.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Weniger Fleisch essen für den Klimaschutz? Mit Ja antworteten 32,8 Prozent, mit Nein 67,2 Prozent.

ambi