Braucht Nürnberg einen Drogenkonsumraum?

 

Bisher scheiterte die Einführung von Drogenkonsumräumen, in denen Schwerstabhängige ihren Stoff (Foto: Boris Roessler) unter medizinischer Aufsicht nehmen können, am Veto der CSU. Experten der Drogenhilfe fordern solche Einrichtungen schon lange, weil sie die Überlebenschancen und auch die Behandlungsbereitschaft der Betroffenen verbessern könnten. So mancher einsame Tod auf einer Bahnhofstoilette wäre zu verhindern, wenn es Drogenkonsumräume auch in Bayern gäbe, meinen die Befürworter.
Bereits im Jahr 2010 hat der Sozial- und Gesundheitsausschuss des Stadtrats sich mehrheitlich für eine solche Einrichtung auch in Nürnberg ausgesprochen – doch hierfür müsste der Freistaat grünes Licht geben. Lange war von der CSU nur ein striktes Nein zu hören. Inzwischen scheinen die Reihen bei den Konservativen aber in dieser Frage nicht mehr so geschlossen zu sein. Während CSU-Stadtrat Max Höffkes kürzlich noch im Stadtrat vor „Rauschgifthäusern“ warnte, hat sein Parteifreund Josef Mederer eine ganz andere Haltung.
Der Präsident des Bayerischen Bezirketages sieht angesichts der großen Zahl von 314 Drogentoten im Jahr 2015 im Freistaat Handlungsbedarf und fordert Drogenkonsumräume für die Ballunsgzentren (München, Nürnberg, Augsburg).  Angesichts der guten Erfahrungen mit diesen Einrichtungen in anderen Bundesländern ist Mederers Vorstoß, zumindest einen Modellversuch zu wagen, verständlich. CSU-Gesundheitsministerin Melanie Huml hält es aber für hochproblematisch, wenn der Staat den Konsum harter Drogen erleichtert und schützt, andererseits aber Erwerb und Besitz strafrechtlich verfolgt. Neben polizeilichen Sicherheitsbedenken war stets das Hauptargument der CSU gegen diese Konsumräume, dass man keine rechtsfreien Räume schaffen wollte. Andererseits würde aber ein Drogenkonsuraum nur einer kleinen Gruppe von Schwerstabhängigen offenstehen – Erst- oder Gelegenheitskonsumenten wären ausgeschlossen.

Wir wollen deshalb in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Braucht Nürnberg einen Drogenkonsumraum?“ – In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren. Vergangene Woche haben wir Sie gefragt: „Soll sich Nürnberg als Kulturhauptstadt bewerben?“ Teilgenommen haben 171 Leser. Mit Ja antworteten 31,6 Prozent, mit Nein 68,4 Prozent.

m.p.

 

Braucht Nürnberg einen Drogenkonsumraum?

  • Nein (58%, 11 Stimmen)
  • Ja (42%, 8 Stimmen)

Wähler insgesamt: 19

Braucht Nürnberg Drogenkonsumräume?

fixerstube_dpaBereits 15 Drogentote hat es in diesem Jahr in Nürnberg gegeben, eine schockierende Zahl. Städte wie Frankfurt oder Hamburg haben es geschafft, durch die Einführung von Drogenkonsumräumen die Zahl der Todesfälle zu reduzieren. Der Sozial- und Gesundheitsausschuss des Stadtrats hat  deshalb kürzlich gegen die Stimmen der CSU einen Beschluss gefasst, sich bei der Landesregierung dafür einzusetzen, solche Räume auch in Bayern  zuzulassen. Dort fehlt bisher die gesetzliche Grundlage.

In den Räumen können Schwerstabhängige Drogen, die sie selbst mitbringen,  unter ärztlicher Aufsicht nehmen. Die Auswertung der Arbeit dieser Einrichtungen in anderen Bundesländern hat gezeigt, dass sich  nicht nur der Zustand der Suchtkranken verbessert, sondern auch der öffentliche Raum entlastet wird, weil die Betroffenen sich die Rauschmittel beispielsweise nicht mehr auf Bahnhofstoiletten spritzen müssen.

Aber es gibt auch kritische Stimmen wie von Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder, die zum Beispiel ein Problem damit haben, den Besitz harter Drogen im Umfeld der Konsumräume straffrei zu stellen.  Wir wollen in unserer Leserfrage daher von Ihnen wissen: Braucht Nürnberg Drogenkonsumräume? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.  Die Frage der vergangenen Woche lautete: Haben Sie noch Vertrauen in die Bahn? Mit Ja antworteten 33,7 Prozent, mit Nein 66,3 Prozent.