Ist der Kita-Streik gerechtfertigt?

Kitas droht StreikDas wird viele Familien vor eine schier unlösbare Aufgabe stellen: 240.000 Erzieher und Sozialarbeiter in den kommunalen Einrichtungen sind zum Streik aufgerufen. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern über eine finanzielle Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe sind gescheitert. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) sieht sich mit einer Gesamtforderung in Höhe von 1,2 Milliarden Euro konfrontiert. Zu viel, heißt es dort zum wiederholten Mal.
Die Gewerkschaftsantwort: 96,5 Prozent haben sich bei der Urabstimmung beim Beamtenbund für einen unbefristeten Arbeitskampf ausgesprochen. Ab kommenden Montag bleiben auch in Nürnberg die kommunal geführten Kitas geschlossen. Die VKA spricht von „vollkommen unangemessenen und überzogenen Streiks“.
Vollkommen unangemessen ist allerdings nach Meinung vieler Erzieher und Sozialarbeiter die Vergütung für ihre Arbeit. Aus finanzieller Sicht sei dieser Beruf überhaupt nicht mehr anzustreben. Die Tätigkeit sei anspruchsvoll und kräftezehrend und schlicht unterbezahlt. Berufseinsteiger in Vollzeit beginnen nach vier bis fünf Jahren Ausbildung mit einem Verdienst von durchschnittlich 2069 Euro brutto. Netto hatten Erzieherinnen nach Zahlen des Mikrozensus im Schnitt 1365 Euro zur Verfügung. Nicht wenige Erzieher müssen ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken, ein Drittel der Berufsanfänger gibt den Job nach kurzer Zeit wieder auf.
Viele Kinder, reduziertes Personal, erhöhte Anforderungen, schlechte Bezahlung – das ist der Mix, der jeden Enthusiasmus früher oder später erstickt. Umso verwunderlicher ist es zu beobachten, wie viele diese Arbeit trotzdem noch mit viel Herz und Hingabe machen. Es gibt aber auch zahlreiche verzweifelte Mütter (und Väter), die kein Verständnis dafür haben, dass der Gehaltsstreit jetzt auf ihrem Rücken ausgetragen wird.

Dieter Wegener

Ist der Kita-Streik gerechtfertigt?

Haben Sie Verständnis für den Streik der Erzieherinnen?

Der Streik der Mitarbeiter von Kindertagesstätten geht in dieser Woche in die nächste Runde. Der Unmut der Erzieherinnen ist groß angesichts der niedrigen Löhne und der hohen Verantwortung, die sie bei der Kindererziehung haben. Beim Streik geht es offiziell zwar um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, doch im Grunde wollen die Beschäftigten mehr Geld.
Auf der anderen Seite stehen die Eltern, die ihre Kinder unterbringen müssen, wenn sie arbeiten. Nicht jeder kann den Nachwuchs bei der Verwandtschaft oder Freunden abgeben. Auch klappt die Notversorgung nicht immer. Im Einzelfall kam es doch zu Problemen. Kritiker des Streiks bemängeln, dass auch andere Berufsgruppen, die wichtige Tätigkeiten ausüben, niedrig bezahlt werden und die öffentlichen Kassen leer sind. Spielräume für Lohnerhöhungen gebe es nicht.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Haben Sie Verständnis für den Streik der Erzieherinnen?

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Shoppen in der Blauen Nacht, eine gute Idee? Mit Ja antworteten 25,2 Prozent, mit Nein 74,8 Prozent.

fis