Skandale: Ist Olympia noch attraktiv?

Wenn der olympische Gedanke noch nicht tot ist, so kränkelt er zumindest chronisch. Nicht erst jetzt, wenige Tage vor Beginn der Winterspiele in Südkorea, mehren sich wieder die ablehnenden Stimmen. Olympia – ist das eigentlich etwas anderes als eine Dauerwerbesendung und ein Konjunkturprogramm für die Baubranche? Und sollte das Publikum nicht besser ins örtliche Stadttheater gehen, wenn es eine Tragikomödie über Betrug und Bestechlichkeit des Menschen sehen will?

Nach den dopingverseuchten Radrennen und der ins Zwielicht geratenen Fifa hat mittlerweile auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Ansehen schwer gelitten. Es bekommt die Doping-Probleme nicht in den Griff, im Gegenteil. Der Umgang mit betroffenen Teilnehmern aus Russland war halbherzig, jetzt hebeln auch noch Sportrichter verhängte Sperren wieder aus. Skirennfahrer Felix Neureuther tat am Wochenende in einem Interview nicht als Erster sein Unbehagen kund. Der Glanz der Medaillen verblasse, kritisiert er, weil das Programm aufgebläht und kommerziell sei. Die Athleten selbst müssten endlich protestieren.

Was gibt es überhaupt noch Gutes über Olympia zu sagen, von der Traditionswahrung abgesehen? Vielleicht dass der Sport in einer mehr denn je zerstrittenen Welt eines der letzten Instrumente für Völkerverständigung darstellen kann – gerade im Fall der beiden Koreas? Oder der Bildungsaspekt. Als Zuschauer kann man abwegige Sportarten entdecken, atemberaubende Spitzenleistungen sauberer Athleten bewundern, von denen sich zu Hause auf dem Sofa nur träumen lässt. Olympia war immer auch Unterhaltung und Emotion. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Isabel Lauer

Skandale: Ist Olympia noch attraktiv?

Kommt Franken im Tatort gut weg?

Franken-TatortEs ist geschafft! Der erste fränkische Tatort überhaupt ist mittlerweile über die Mattscheiben der Republik geflimmert, und der in den letzten Tagen allgegenwärtige Pulverdampf verzieht sich langsam. Doch eine Frage bleibt neben der nach dem Täter noch zu klären: Haben es die Krimi-Macher vom Bayerischen Rundfunk geschafft, das fränkische Lebensgefühl jenseits von Bratwurst und Butzenscheiben so wiederzugeben, dass auch deutsche Bürger, die etwa hinterm Deich oder im Ruhrpott leben, unser Seelenleben nachvollziehen können? Das ist schließlich eine der zentralen Botschaften dieses Krimi-Flaggschiffs: Zu zeigen, dass Verbrechen und Polizeiarbeit nicht im luftleeren Raum, sondern in wirklichen Städten und inmitten von wirklichen Menschen stattfinden.
Das Produktionsteam vom BR hat sich nicht lumpen lassen und schon bei der Besetzung auf Lokalkolorit geachtet: Eli Wasserscheid, die die Kommissarin Wanda Goldwasser spielt, stammt im Film und im echten Leben aus Bamberg, bei Andreas Leopold Schadt alias Sebastian Fleischer gilt dasselbe in Bezug auf seine Heimatstadt Hof. Die mittelfränkische Note ist schließlich bei Matthias Egersdörfer gut aufgehoben. Als Spurensicherer Michael Schatz kann er sich so ausdrücken, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Der Kabarettist und Schauspieler zollt auf jeden Fall dem Regisseur Max Färberböck großes Lob: „Ich finde das sensationell, dass ein Oberbayer diese Stadt wirklich inhaliert hat und versucht, das wiederzugeben. Das ist ihm überdurchschnittlich gelungen“ schwärmt er geradezu im NZ-Interview. Aber nichts ist so entscheidend wie der ganz persönliche Eindruck.
In unserer Frage der Woche möchten wir deshalb von Ihnen wissen:

 

Kommt Franken im Tatort gut weg?

Clemens Helldörfer

Hat Deutschland ein Sportreporter-Problem?

poschDie Fans des 1.FC Nürnberg mussten beim Pokalspiel auf Schalke gleich zwei bittere Pillen schlucken: Das entscheidende Gegentor kurz vor dem Ende und die teilweise unsäglichen Kommentatoren.

Während Wolf-Dieter Poschmann im ZDF eindeutig auf Seiten der Schalker stand, sogar deren Stürmer Farfan anfeuerte („Mach es!“) und durch wenig Sachkenntnis glänzte, war Fritz von Thurn und Taxis im Bezahlsender Sky keineswegs besser. Nur ist der immer so, da regt sich kaum noch einer auf. Die Nennung seines Namens ist dann lediglich ein Grund zum Wegschalten – zumindest beim Ton.

Zorn auf TV-Kommentatoren baut sich also nicht erst seit vergangenen Dienstag auf. Kenntnisfreiheit gepaart mit Selbstverliebtheit stößt eben selten auf Begeisterung. Nicht wenige behaupten deswegen sogar, Deutschland habe ein Reporterproblem.

Andererseits muss man den TV-Kollegen aber zugute halten, dass sie es auch nicht leicht haben. Konkurrenz belebt bei ihnen nicht unbedingt das Geschäft, sondern führt eher dazu, dass man seltener dran und damit aus der Übung kommt, bzw. dass, wie beim ZDF, eben auch mal ein Leichtathlet als Fußballkommentator ran muss. Zu selten sind die Momente, in denen man noch Fußballspiele übertragen darf, da kann man keine festangestellten Fachleute vorhalten. Der Kommentator selber steckt zudem in der Zwickmühle, dass sachliche, unparteiische Berichterstattung oft als langweilig empfunden wird, während bei Engagement und Emphase eben manche schnell beleidigt reagieren. Außerdem haben die TV-Kommentatoren das gleiche Problem wie die Schiedsrichter: Der Zuschauer kann anhand der Bilder schnell überprüfen, ob sie danebenliegen oder nicht.
In unserer Leserfrage wollen wir daher von Ihnen wissen: „Sind die Sportreporter im Fernsehen zu schlecht?“ Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: „Haben Sie Ihren Speiseplan umgestellt?“ Mit Ja antworteten 38 Prozent, mit Nein 62 Prozent.

Soll die GEZ abgeschafft werden?

Gottscha.JPGAn der GEZ, die die Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender eintreibt, wird schon seit Jahren herumgekrittelt. Mancher ist einfach nur sauer, weil er zahlen muss. Doch wenn er einsichtig ist, kann man ihm meistens schon erklären, worum es beim öffentlich-rechtlichen Auftrag geht, und was uns blüht, wenn nur noch Private Sender Informationen an die Zuschauer bringen – selbst wenn das mit der journalistischen Grundversorgung nicht mehr so wichtig ist, wie zur Zeit der Einführung des öffentlcih-rechtlichen Rundfunk und wenn Quote mittlerweile eine größere Rolle spielt.
Inzwischen fängt aber das öffentlich-rechtliche Fernsehen an, sich selbst zu demontieren. Zuerst hat Marcel Reich-Ranicki dem Fernsehen attestiert, es sei  zu seicht zu  und schustere seine Sendezeit mit „Blödsinn“ zu. Elke Heidenreich hat dann nachgelegt und eine Qualitätsdebatte eingefordert. Anstatt diese Debatte zu führen, wurde Heidenreich beim ZDF wegen ihrer Kritik rausgeworfen. Die von ihr moderierte Sendung „Lesen“ wurde eingestellt. Wenn Heidenreich und Reich-Ranicki recht haben, zahlen wir also zwangsweise für „Blödsinn“ und dafür, das Gleiche als Aufzeichnung zu sehen, was die Privaten live bringen. Vielleicht haben die Kritiker aber auch nicht recht und viele Zuschauer sind froh, dass sie etwa in arte oder in den Dritten Programmen mitunter auch Gehobeneres geboten bekommen und  Johannes B. Kerner oder Waldemar Hartmann  ohne Werbeunterbrechungen genießen können.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll die GEZ abgeschafft werden? Geben Sie Ihr Votum bitte (ab Montag) hier  ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Gefällt Ihnen der neue Augustinerhof? Mit Ja antworteten 39,0 Prozent, mit Nein 61,0 Prozent.

Zu viel Gebabbel über Fußball?

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz“, meinte einst Otto Rehhagel. Wer sich derzeit die Berichterstattung zur Europameisterschaft ansieht, könnte indes glauben, dass die Spiele nur das Vorprogramm für die Experten- und Comedyrunden abgeben. Stundenlang debattiert Johannes B. Kerner im ZDF mit seinen beiden Fachmännern, und danach präsentiert Ingolf Lücks Gaudirunde in „Nachgetreten“ viele abgestandene Gags, in denen zudem oft üble nationale Klischees – zum Beispiel gegen die osteuropäischen Teams – reproduziert werden.

Andererseits haben die Dialoge zwischen Günter Netzer und Gerhard Delling, die im Ersten die Spiele flankieren, eine treue Fangemeinde. Zudem bietet das Rahmenprogramm im TV oft auch wichtige Einordnungen. Gerade jetzt, wo die Gruppenphase zu Ende geht, benötigt der nicht so kundige Zuschauer ja auch Informationen darüber, wie sich die Mannschaften für das Viertelfinale qualifizieren. Zudem bereiten die Experten und Kabarettisten vieles auf, was der Kommentator während der Spiele schon aus Zeitgründen offen lassen muss.

Wir wollen von Ihnen wissen: Gibt es zu viel Fußball-Fachsimpelei im Fernsehen? Abstimmen können Sie (ab Montag) hier.

Die Leserfrage der vergangenen Woche lautete: Wird Deutschland Europameister? Mit Ja antworteten 32,7 Prozent, mit Nein 67,3 Prozent.

18 Euro monatlich für ARD und ZDF

Die Rundfunkgebühren sollen weiter steigen. Die Gebührenkommission hat eine Erhöhung um 95 Cent pro Monat vorgeschlagen und wie es aussieht, wird dieser Vorschlag abgenickt (in der Hoffnung, dass eh die meisten sagen: Ist ja nicht einmal ein Euro, was soll also die Aufregung). Knapp 18 Euro (17,98 Euro genau) werden dann monatlich als Fernsehgebühr abgebucht. Zwangsweise, denn eine Möglichkeit, auf die öffentlich-rechtlichen Sender zu verzichten und nur werbefinanzierte Sender zu schauen, hat man nicht.

In den NZ-Weblogs ist in den letzten Tagen wiederholt Kritik an ARD und ZDF geübt worden. Sei es beim seltsamen Verhalten der ARD in Sachen Tour de France, sei es bei der Unkenntnis der Sender in Bezug auf das Internet oder sei es wegen bezahlter Eigenwerbung jobsuchender Journalisten. Auch an teuren und ehrgeizigen Filmprojekten ließ der NZ-Kritiker kaum ein gutes Haar. Selbst wenn es um Berichte aus unserer Region geht, bleiben die gebührenfinanzierten Sender den Beweis schuldig, dass sie es besser hin bekommen.

Dabei wäre es augenblicklich nicht schwer, kompetenter und seriöser Programm zu machen als die Privaten mit ihren Gewinnspielen oder Dschungelcamps, zumal wenn man wie ARD und ZDF dafür 7,7 Milliarden Euro pro Jahr zur Verfügung hat.

Zugegeben, es gibt hin und wieder auch gute Sendungen bei den Öffentlich-Rechtlichen, aber sind die 18 Euro pro Monat wert?

Ist die Tagesschau zu kompliziert?

TagesschauDie „Tagesschau“ erreicht mit ihrer Sprache die Zuschauer nicht mehr, lautete eine Schlagzeile in dieser Woche. Von 1002 Befragten wusste keiner was eine „Schutzschrift“ oder die „Vorteilsabschöpfung“ ist. Nur wenige wussten mit „Koalitionsfreiheit“ oder mit der „Basta-Politik“ etwas anzufangen. Andere wiederum behaupteten, Begriffe zu kennen, konnten sie dann aber nicht erläutern.

Wenn eine der wichtigsten Nachrichtensendungen häufig Worte verwendet, die die Welt für viele Zuschauer nicht mehr erklären, sondern eher verhüllen, dann läuft etwas falsch. Eine Fernsehsendung, die Verständigungsprobleme hat, muss sich ändern. Sicher, die Welt ist komplizierter und unübersichtlicher geworden, doch Journalisten sollten immer versuchen, die Welt zu erklären und sich nicht auf Schlagworte einzulassen.

Auf der anderen Seite sind natürlich immer auch Fachbegriffe notwendig, sonst kann man in populären Sendungen bestimmte Sachverhalte nicht mehr darstellen, ohne endlos in Beschreibungen und Bebilderungen stecken zu bleiben. Koalitionsfreiheit ist eben die Freiheit von Parteien, Koalitionen mit anderen Parteien einzugehen. Alle anderen Erklärungen sind umständlich und wenig ergiebig. Ein bisschen Bildung muss schon sein, wenn man Demokratie verstehen und demokratisch handeln will. Ein Gesellschaft braucht Bürger, die sich auch anstrengen, etwas kennenzulernen, was sie vielleicht noch nicht wissen. Nachrichtensendungen sind eben keinen Zurschaustellung von spracharmer persönlicher Betroffenheit: Sie sollen Fakten und Analysen lieferen . Wir wollen deshalb von unseren Lesern wissen: Ist die „Tagesschau“ zu kompliziert? fis