Sirenenwarnsystem: Eine sinnvolle Investition?

Ob bei Bränden, ausgelaufenen Giftstoffen, Fliegerbomben oder extremen Unwettern: Droht eine Gefahr, muss jeder Bürger schnell und unkompliziert gewarnt werden. Aus diesem Grund plant die Stadt Nürnberg, wieder ein flächendeckendes Sirenenwarnsystem (Foto: Feuerwehr Nürnberg) aufzubauen.
Die Kosten für die 107 Sirenen, die in den nächsten Jahren im ganzen Stadtgebiet installiert werden sollen, belaufen sich auf 2,8 Millionen Euro. 2017 könnte mit dem Aufbau begonnen werden – wenn der Stadtrat im Februar grünes Licht gibt.
Bis in die 90er Jahre hinein war Deutschland mit einem Netz von Sirenen überzogen. Auch in Nürnberg standen rund 150 Pilze auf den Dächern. Doch mit der Wiedervereinigung und dem Ende des Kalten Krieges glaubte man, dass die Welt nun in Frieden leben könne. Und Naturkatastrophen gab es damals noch nicht so viele. Aus Kostengründen sind deshalb fast alle Sirenen abgebaut worden.
Weil die Kommunen aber gesetzlich dazu verpflichtet sind, die Bevölkerung vor Katastrophen zu warnen, bauen nun viele Städte ihr Sirenennetz wieder auf. Einen Zuschuss vom Bund gibt es dafür allerdings nicht.
Deshalb wird die Stadt auch auf den 2,8 Millionen Euro sitzenbleiben, die das von der Berufsfeuerwehr entwickelte Warnkonzept kosten soll. In Zeiten eines klammen Haushalts mögen sich da manche fragen, ob das Geld nicht besser für andere Zwecke – etwa für die Kinderbetreuung oder die dringend nötigen Brückensanierungen – eingesetzt werden sollte.
Zudem sind die meisten Menschen heute ständig auf Facebook, Twitter oder Nachrichtenportalen im Internet unterwegs – eine mögliche Gefahrensituation spricht sich viel schneller herum als noch vor 15 Jahren.
Befürworter des Sirenenwarnsystems könnten dem entgegenhalten, dass vor allem auch ältere Bürger und Menschen, die kein Deutsch sprechen, rechtzeitig gewarnt werden müssen. Bei dem Warn- und Informationssystem Katwarn, das angemeldete Nutzer per SMS oder Smartphone-App alarmiert, sind bisher nur sehr wenige Nürnberger registriert.
Und aus datenschutzrechtlichen Gründen darf die Stadt auch nicht einfach eine SMS an die Einwohner schicken, wenn diese nicht zuvor ihre Zustimmung gegeben haben. Außerdem haben Sirenen allein von ihrer Lautstärke her eine ganz andere Reichweite. Und man kann sie auch nachts hören, wenn das Handy mal aus ist.

Judith Horn

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