Ist der Kapitalismus am Ende?

Die jüngsten Daten vom Arbeitsmarkt zeigen, wo es langgeht: Es geht bergab. Wir alle blicken in den Abgrund eines außer Kontrolle geraten Systems. Auch hier in Nürnberg ist zu befürchten: Die heile Welt des verkaufsoffenen Sonntags mit gut gelaunten und kauflustigen Menschen wird sich nicht lange halten.
Die Aussagen unserer Politiker im Zeitraffer: „Die schlimmste Krise seit Jahren.“ „Die schlimmste Krise seit Jahrzehnten.“ „Die schlimmste Krise seit 1945.“ Dass dies also die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg ist, war wortgetreu erst nach Ablauf einer Schamfrist zu hören.

Fassungslos sehen die Menschen ratlose Experten im Fernsehen oder lesen entsetzt die neuesten, abgrundtief schlechten Nachrichten in der Zeitung. Kaum vorstellbare Milliardenbeträge verschwinden in einem schwarzen Loch. Auch in Deutschland stehen etliche Banken vor dem Bankrott. Und unsere Politiker pumpen Milliarden Euro in eine völlig außer Kontrolle geratene Branche. Immer mehr Unternehmen werden flügellahm – immer mehr Angestellte verschwinden heulend in der Toilette. . .
Berufsoptimist Alan Greenspan bejammert die „schlimmste Krise seit 1929“. Finanzminister Steinbrück entdeckt plötzlich wieder „Licht am Ende des Tunnels“. Dann stellt sich heraus, dass es ein entgegenkommender Zug war! Es schafft sich die üble Ahnung Raum, dass dies nicht der letzte entgegenkommende Zug war. Bei dieser Achterbahnfahrt wird den meisten Menschen schwindlig.

Der weltweite Kollaps der Finanzsysteme ist bei uns noch gar nicht angekommen. Wir haben „das dicke Ende“ dieser Finanzkrise noch lange nicht erreicht. Aber schon jetzt stellen sich viele die Frage: Ist das der Anfang vom Ende – das Ende des Kapitalismus? Das kommt nicht von ungefähr: Auffallend oft tauchen die Begriffe „regulieren“ und „verstaatlichen“ auf. Politiker, ja sogar die Banker – hochnotpersönlich – können sich plötzlich eine Teilverstaatlichung großer Banken vorstellen.
So nähern wir uns – angeschoben von einer langen Kette schlechter Wirtschaftsnachrichten – schrittweise der Frage: Ist der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, am Ende? Bei allem aktuellen und künftigen Elend darf man dabei aber nicht aus dem Blickfeld verlieren: Viele Millionen Menschen haben in und mit diesem System am Wohlstand teilgenommen. Und es ist fraglich, ob diese umfassenden Errungenschaften von einer auch noch so gravierenden Finanzkrise nachhaltig zerstört werden kann.
In unserer Leserfrage der Woche wollen wir deshalb diesmal von Ihnen wissen: Ist der Kapitalismus am Ende? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Unterrichtsbeginn erst um 9 Uhr? Mit Ja antworteten 30 Prozent, mit Nein 70 Prozent.

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Streik in der Krise: Macht das Sinn?

Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst wollen acht Prozent mehr Lohn, die Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs in Bayern fordern gar 9,5 Prozent. Mit Warnstreiks haben sie am Donnerstag und Freitag auch in Nürnberg ihre Forderungen untermauert.

Aber ist es in den dunklen Zeiten der Wirtschaftskrise nicht fahrlässig oder sogar anmaßend von den Beschäftigten, mehr Geld zu verlangen? Müssen sie nicht froh sein, überhaupt noch einen Arbeitsplatz zu haben?

Andererseits scheint es für Lohnerhöhungen nie einen geeigneten Zeitpunkt zu geben. Läuft die Konjunktur gut, mahnen die Arbeitgeber, den Aufschwung nicht durch solche Forderungen zu gefährden. In Krisenzeiten argumentieren sie dann, dass eine bessere Bezahlung der Beschäftigten die Erholung der Wirtschaft verhindern würde.

Lohnerhöhungen würden dazu führen, dass zumindest die weniger sparsamen Arbeitnehmer auch mehr ausgeben – der Konsum könnte die lahmende Wirtschaft wieder ankurbeln. Und es erscheint zudem fraglich, ob man die teilweise sehr niedrigen Gehälter der Beschäftigten im öffentlichen Dienst wirklich mit dem Verweis auf die von globalen Zockern verursachte Wirtschaftskrise rechtfertigen kann.

Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Streik in der Krise: Macht das Sinn? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Staatshilfe für Schaeffler? Mit Ja antworteten 61,1 Prozent, mit Nein 38,9 Prozent.

Den Solidarzuschlag abschaffen?

Der Streit über Steuererleichterungen ist voll entbrannt. Schon im Landtagswahlkampf hatte die CSU die Absenkung von Steuern gefordert, war aber bei der Schwesterpartei auf Ablehnung gestoßen. Kein Wunder, bei dem Schuldenberg! Noch sind die Finanzen des Bundes nicht konsolidiert. Vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel fürchtete, dass das konjunkturelle Strohfeuer nach einer Steuersenkung schnell verpufft ist und am Ende ein neuer Schuldenberg, der von der nächsten Generation abgetragen werden muss, aufgehäuft wurde, ohne dass es der Wirtschaft etwas genutzt hat.

Nachdem bei der Finanzkrise aber offenbar alle Dämme brechen und selbst konservative Politiker sich für große Eingriffe des Staates in wirtschaftliche Entwicklungen aussprechen, kommt es vielleicht doch noch zu einer Steuersenkung. Die Menschen hätten dann mehr Geld, das sie dann ausgeben können, um die Konjunktur anzukurbeln. Millliardenschwere Schirme für leichtsinnige Firmen aufzuspannen und den Menschen nicht mehr von ihrem erarbeiteten Einkommen zu lassen, passt nicht zusammen.

Doch welche Steuer kommt für eine Absenkung überhaupt in Frage? Niedrigere Autosteuern oder die Benzinsteuern würden unter ökologischen Gesichtpunkten erhebliche Nebenwirkungen haben. Schon seit Jahren wird über den Solidarzuschlag gestritten, denn auch im Westen gibt es Landstriche, die eine besondere Förderung bräuchten. 18 Jahre nach der Wiedervereinigung wäre es an der Zeit, diese Sonderbelastung zu streichen. Die Erleichterung würde die Menschen in Ost und West entlasten.

Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll der Solidarzuschlag abgeschafft werden? Ihr Votum können Sie (ab Montag) hier abgeben.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Soll der Staat Opel retten? Mit Ja antworteten 11,7 Prozent, mit Nein 88,3 Prozent (wegen eines technischen Fehlers wurde auf unserer Online-Seite leider ein abweichendes Ergebnis angezeigt).   fis

Soll der Staat Opel retten?

Opel_Kri.JPGWenn eine Firma in Schwierigkeiten geraten ist, dann hat sie bisher entweder Geld von der Bank erhalten oder ist pleite gegangen. Pleite gehen gehört zu den Risiken eines Unternehmers, und der strengt sich an, weil er es nicht so weit kommen lassen will.
Inzwischen scheint sich da aber einiges gewandelt zu haben. Wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, schreit es plötzlich nach dem Staat. Der Staat soll dann, mit unserem Geld aushelfen. Jetzt hat das Opel-Management um eine Milliarden-Bürgschaft gebeten, um nicht durch die Krise bei der Konzernmutter General Motors in den Abgrund gezogen zu werden. Als ob es nur General Motors war, das die falschen Autos gebaut und sich nicht ums Verrecken auf neue Anforderungen einstellen wollte? Gibt es denn bei Opel ein Modell, dem irgendwer eine Träne nachweinen würde, wenn es nicht mehr gebaut würde? Eigentlich war das letztmals beim Manta der Fall.
Insofern könnte man Opel durchaus über den Jordan gehen lassen, das Staatsgeld anderweitig einsetzen und einen Präzedenzfall verhindern, der dazu führt, dass andere Unternehmen genauso behandelt werden wollen. Allerdings: Allein bei Opel sind rund 25.000 Arbeitsplätze  betroffen, dazu kommen fast doppelt so viele Arbeitsplätze bei den Zulieferern. Eine ganze Menge und — vor allem wenn man die mit betroffenen Familien dazu rechnet — ein enormes Wählerpotential, das niemand angesichts der anstehenden Landtagswahlen in Hessen und Thürigen vor den Kopf stoßen will.
In unserer Leserfrage der Woche wollen wir diesmal von Ihnen wissen: Soll der Staat Opel retten? Abstimmen können Sie (ab Montag) hier.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Braucht der Club einen neuen Präsidenten? Mit Ja antworteten 48,5 Prozent, mit Nein 51,5 Prozent.

Trauen Sie den Banken noch?

Zusammen.JPGOb ein Ereignis eine Zeitenwende bedeutet, können die Menschen in aller Regel nur mit zeitlichem Abstand erkennen. Bei der Krise der Finanzmärkte war man sich aber gleich ihrer epochalen Bedeutung bewusst Wenn allein Amerika 700 Milliarden Euro zur Beseitigung der schlimmsten Verwerfungen zur Verfügung stellt, dann kann man nicht mehr anders als von einer Zeitenwende bei den Finanzmärkten sprechen. Finanzminister Peer Steinbrück nahm in der vergangenen Woche kein Blatt vor den Mund, als er sagte, die Welt werde nicht mehr wieder so werden, wie vor der Krise.
In Zeiten der Globalisierung haben amerikanische Finanzkrisen auch auf Deutschland Einfluss. Da überweist schnell mal eine Bank in Frankfurt noch 300 Millionen Euro in ein Pleiteunternehmen nach New York. Das Wirtschaftswachstum wird hierzulande wegen der leichtfertigen und großzügigen Kreditvergabe amerikanischer Banken nachlassen und damit alle treffen. In Deutschland wird der Finanzmarkt stärker reglementiert und die Verbraucher sind besser geschützt, trotzdem haben viele Banken bei ihren US-Geschäften sehr viel Geld verloren. Etliche Kunden haben deshalb ebenfalls Einbußen erlitten. Kunden wollten deutliche höhere Gewinne in den letzten Jahren bei ihren Finanzanlagen haben und Banken haben gerne Kundschaft mit hohen Gewinnen und zum Teil dubiosen Produkten angelockt. Das geht nur gut, wenn man ein hohes Risiko auf den Finanzmärkten eingeht. Bei der NZ-Leserfrage wollen wir deshalb von Ihnen wissen: Trauen Sie den Banken noch? Abstimmen können Sie (ab Montag) hier. Kommentare zur Leserfrage können Sie, wie immer, ebenfalls abgeben (einfach unter diesem Beitrag rechts auf „Kommentare“ klicken).

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Braucht Nürnberg mehr Radwege? Mit Ja antworteten 62,5 Prozent, mit Nein 37,5 Prozent. fis