Ausbildungshürden für Flüchtlinge senken?

Den Firmen fehlen Lehrlinge, die Asylbewerber wollen arbeiten – warum senkt man nicht einfach die Hürden für Flüchtlinge, sich in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren? Das fragen sich nicht nur Wohlfahrtsverbände oder die in der Flüchtlingsarbeit tätigen ehrenund hauptamtlichen Helfer, sondern auch die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer (die NZ berichtete mehrfach).

Sie kritisieren, dass die Ausländerbehörden zu hohe Ansprüche – etwa bei der Identitätsfeststellung – stellen: Die jungen Flüchtlinge könnten die entsprechenden Papiere oft gar nicht beschaffen, weil ihre Herkunftsländer sie nicht ausstellten. Wer sprachlich und von der Schulbildung her schon so weit sei, dass ihn ein Betrieb als Auszubildenden einstellen würde, beweise doch alleine dadurch seine Integrationsbereitschaft. Sozialreferent Reiner Prölß mahnte auch an, dass es selbst für Flüchtlinge, die dann doch wieder in ihr Land zurück müssten, besser sei, hier zu arbeiten statt zum Nichtstun verdammt zu sein. Und den Firmen wäre angesichts des Fachkräftemangels mit etwas mehr Kulanz bei der Bewilligung von Ausbildungen auch geholfen. Die Ausländerbehörden mahnen aber an, dass die Basis für eine Genehmigung zur Ausbildung die Mitwirkung bei der Identitätsfeststellung und eben auch eine gute Bleibeperspektive sei.

Marco Puschner

 

Ausbildungshürden für Flüchtlinge senken?

Asylunterkünfte: Muss die Stadt besser informieren?

Immer wieder muss sich die Stadt Nürnberg vorwerfen lassen, über geplante oder bereits mit Flüchtlingen belegte Asylbewerberunterkünfte zu spät oder zu schlecht zu informieren. Nun sind Informationen für die Bewohner in einem Stadtteil sicher wichtig, gerade auch, wenn Integration gelingen soll. Angesichts der mitunter sehr hitzigen öffentlichen Debatten über die Flüchtlingssituation erwiese sich die Stadtverwaltung einen Bärendienst, wenn sie die Öffentlichkeit mit großen Unterkünften (Foto: Michael Matejka) in den Stadttteilen förmlich überrumpeln würde. Auf der anderen Seite liegt es im Ermessen der Verwaltung, wie sie diese Informationspolitik konkret gestaltet. Das Sozialamt hat entschieden, die Bürgervereine regelmäßig auf dem Laufenden zu halten und im Bedarfsfall (bei großen oder im Stadtteil auffälligen Einrichtungen) Informationsabende zu den Unterkünften oder auch – wie kürzlich in Gebersdorf – einen Tag der offenen Tür in der betroffenen Einrichtung zu halten (die NZ berichtete). Manchen Bürgern reicht dies nicht aus.

Marco Puschner

Asylunterkünfte: Muss die Stadt besser informieren?

Mehr Wohnungen auf Kosten von Grünflächen?

Der Stadtplanungsausschuss hat am vergangenen Donnerstag gleich mehrere Bebauungspläne und Änderungen von Bebauungsplänen auf den Weg gebracht. Ziel ist, möglichst schnell Bauland zu aktivieren. Plötzlich kommen Projekte voran, die jahrelang vor sich hindümpelten. Die Kulturverwaltung hat sich jetzt endlich durchgerungen, auf den Ausbau des Museums Industriekultur zu verzichten, was den Bau vom mehreren Hundert Wohnungen (Foto:Oliver Acker) in der Umgebung des Museums ermöglicht. Geld für den Museumsausbau ist auf Jahre hinaus nicht vorhanden. Auch beim August-Meier-Heim gibt es eine Weiterentwicklung: Experten haben schon lange gesagt, dass die Kosten der überalterten Pflegeeinrichtung nicht zu erwirtschaften sind und ein Neubau nötig ist. Das soll jetzt geprüft werden. Auf dem Gelände sollen dann 400 bis 600 Wohungen entstehten.

Stadtspitze und Stadtverwaltung regieren etwas dynamischer. Das liegt nicht nur daran, dass aufgrund des Zuzugs und der steigenden Einwohnerzahl mehr günstiger Wohnraum benötigt wird, sondern auch daran, dass die Flüchtlinge, wenn sie eine Duldung bekommen oder Asylstatus erwerben, Wohnungen benötigen. Da die Stadtspitze kein Interesse daran hat, dass der Verdrängungswettbewerb um günstigen Wohnraum nicht noch härter wird, als er schon ist, soll das Angebot von Sozialwohungen möglichst schnell vergrößert werden.

Es könnte sein, dass das zu Lasten von Grünflächen geht. Es dürfte den Entscheidungsträgern hoffentlich nicht sehr schwer fallen, wenn sie die Wahl zwischen Menschen oder Bäumen haben: Der Wohnungsbau muss schnell vorankommen. Wenn bei einigen Arealen, die bebaut werden sollen, erst noch mühselig nach Ersatzflächen für das wegfallende Grün gesucht werden muss, dann dürfte die Baulandmobilisierung nur schleppend vorankommen. Zwar ist Nürnberg im Inneren, das hat vor allem historische Gründe, keine grüne Stadt. Sie ist aber vom Reichswald umgeben, und Erholungssuchende werden vor allem im Osten und Süden schnell fündig.

André Fischer

Mehr Wohnungen auf Kosten von Grünflächen?