Sind wir zu kritisch mit unserem Tatort?

Essen, Duisburg, Düsseldorf, Köln, Münster, Dortmund – der Westdeut­sche Rundfunk (WDR) hat schon verschiedensten Städten zu „Tat­ort“- Ehren verholfen. Der Bayeri­sche Rundfunk (BR) dagegen hielt eisern an der Monopolstellung Mün­chens fest, 45 Jahre lang.
Erst 2015 bekamen endlich auch die Franken ihren schon lange gefor­derten „Tatort“. Doch die Freude darüber scheint abgeebbt: In Nürn­berg wurden die ersten beiden Fälle des neuen Ermittlerteams um die Kommissare Ringelhahn und Voss eher kritisch gesehen. Überregional dagegen kamen sie durchaus an, „Spiegel online“ zum Beispiel lobt den „unaufgeregten Tonfall“ der beiden Streifen – genau damit setzt der Franken-Tatort übrigens in der Tat einen Kontrapunkt in Zeiten, in denen die Krimireihe – wohl als Konsequenz aus dem Erfolg der Münsteraner Fälle – oft sehr zum Klamauk neigt.
Manche Stimmen bemängeln Unstimmigkeiten – etwa, dass man zum Beispiel im ersten Franken-Tat­ort vor dem Rathaus Wolff’scher Bau parken konnte. Aber darf sich denn ein Filmteam, das sich mit sei­nem Krimi ja ohnehin im Reich der Fiktion bewegt, hier nicht gewisse poetische Freiheiten nehmen? Auch solche Kleinigkeiten interessierten ortsunkundige überregionale Zu­schauer
freilich weniger.

Marco Puschner

Sind wir zu kritisch mit unserem Tatort?

Brauchen wir einen Tag der Franken?

Oft wird Ministerpräsident Horst Seehofer ja eine gewisse Wankelmütigkeit vorgeworfen. Beim „Tag der Franken“ (Foto: dpa) hat er nun diesen Ruf oberflächlich betrachtet bestätigt, denn auf die Zu- folgte die Absage. Aber andererseits scheint es verständlich, dass der CSU-Politiker angesichts der derzeitigen europa- und bundespolitischen Situation Wichtigeres zu tun hat, als auf Festivitäten zu gehen. Zumal man schon fragen kann, welchen Sinn ein solches Fest überhaupt hat. Offiziell soll an die Gründung des Fränkischen Reichskreises am 2. Juli 1500 erinnert werden, aber es geht wohl auch darum, das Selbstbewusstsein der Franken zu stärken, wo doch in Bayern von Oberbayern aus regiert wird – und Nürnberg und Co. oft den Eindruck haben, zu kurz zu kommen.
Die Befürworter eines „Tags der Franken“ sind denn auch der Meinung, dass man sich hier der eigenen Kultur und der eigenen Identität versichern kann, dass man sensibilisiert wird für die Geschichte der Region. Außerdem gibt es ein buntes Unterhaltungsprogramm sowie geselligen Austausch beim Bier – und obendrein sollte man doch die Feste feiern wie sie fallen. Die Gegner finden eine solche Einrichtung wie den „Tag der Franken“ vielleicht ein wenig provinziell. Zudem haben die Franken doch nun einen eigenen „Tatort“, und das zählt doch vielleicht viel mehr als ein solches Fest.

Marco Puschner

Brauchen wir einen Tag der Franken?

Kommt Franken im Tatort gut weg?

Franken-TatortEs ist geschafft! Der erste fränkische Tatort überhaupt ist mittlerweile über die Mattscheiben der Republik geflimmert, und der in den letzten Tagen allgegenwärtige Pulverdampf verzieht sich langsam. Doch eine Frage bleibt neben der nach dem Täter noch zu klären: Haben es die Krimi-Macher vom Bayerischen Rundfunk geschafft, das fränkische Lebensgefühl jenseits von Bratwurst und Butzenscheiben so wiederzugeben, dass auch deutsche Bürger, die etwa hinterm Deich oder im Ruhrpott leben, unser Seelenleben nachvollziehen können? Das ist schließlich eine der zentralen Botschaften dieses Krimi-Flaggschiffs: Zu zeigen, dass Verbrechen und Polizeiarbeit nicht im luftleeren Raum, sondern in wirklichen Städten und inmitten von wirklichen Menschen stattfinden.
Das Produktionsteam vom BR hat sich nicht lumpen lassen und schon bei der Besetzung auf Lokalkolorit geachtet: Eli Wasserscheid, die die Kommissarin Wanda Goldwasser spielt, stammt im Film und im echten Leben aus Bamberg, bei Andreas Leopold Schadt alias Sebastian Fleischer gilt dasselbe in Bezug auf seine Heimatstadt Hof. Die mittelfränkische Note ist schließlich bei Matthias Egersdörfer gut aufgehoben. Als Spurensicherer Michael Schatz kann er sich so ausdrücken, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Der Kabarettist und Schauspieler zollt auf jeden Fall dem Regisseur Max Färberböck großes Lob: „Ich finde das sensationell, dass ein Oberbayer diese Stadt wirklich inhaliert hat und versucht, das wiederzugeben. Das ist ihm überdurchschnittlich gelungen“ schwärmt er geradezu im NZ-Interview. Aber nichts ist so entscheidend wie der ganz persönliche Eindruck.
In unserer Frage der Woche möchten wir deshalb von Ihnen wissen:

 

Kommt Franken im Tatort gut weg?

Clemens Helldörfer

Nehmen schlechte Umgangsformen zu?

Mit Missmut und Grantigkeit kommt man - wie Matthias Egersdörfer beweist - auf der Bühne zum Erfolg. Aber ist das im Alltag genauso?

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker! Das Risiko, Opfer von übel gelaunten Mitmenschen zu werden, ist groß. Die Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Helfen können da aber weder Arzt noch Apotheker. Das beste Rezept gegen barsche, freche, garstige, unhöfliche, misslaunige, ruppige, rüde, sauertöpfische oder unverschämte Leute lautet: Auf gar keinen Fall anstecken lassen!

Die NZ hat in ihrer letzten Mittwochausgabe von den leidvollen Erfahrungen der Sör-Mitarbeiterinnen berichtet. Das Dilemma ist, dass dort meistens nur die Entgleisungen von Wutbürgern ankommen. Die netten Leute, also solche mit Umgangsformen, rasten nicht gleich wegen jedes Hundehaufens oder wegen jedes ungeleerten Abfallbehälters aus.
Mit den schlechten Umgangsformen ist das allerdings so eine Sache: Sie befruchten sich gegenseitig. Beobachtet man nämlich beispielsweise, wie viele Kunden ihr „Mütchen“ an Kassierinnen kühlen (daheim und am Arbeitsplatz wohl nichts oder wenig zu sagen!), ist es wenig verwunderlich, wenn die „hinter der Kasse“ im Laufe des Tages auch patzig werden.

Wer schon mal die Vereinigten Staaten bereist hat, kann sich als Deutscher nur wundern: Da befruchtet allüberall Freundlichkeit die Freundlichkeit. Richtig ist: Meistens handelt es sich um eine „aufgesetzte Freundlichkeit“. Damit lässt es sich aber im Alltag wesentlich besser leben als mit „unaufgesetzter Unfreundlichkeit“.

Aber auch im rauen heimischen Gewässer scheint es besser zu werden. In zahlreichen Servicebereichen (nicht bei Sör!) ist erfreuliche Freundlichkeit zu genießen. Das muffige Gebaren und der ungnädige Ton weichen freundlichem Auftreten und einem verbindlichen Ton. Natürlich können nun einige besonders mürrische Zeitgenossen von einer „unerträglichen Freundlichkeit“ sprechen und sich miesepetrig in ihre ungehobelte Welt zurückziehen. Weiser dürfte allerdings der Spruch des US-Schriftstellers Mark Twain sein: „Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können.“

Und wie erleben Sie im Frankenland ihre Mitmenschen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wir wollen in dieser Woche von Ihnen wissen: „Haben schlechte Umgangsformen zugenommen?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf der NZ-Webseite ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Ein Mahnmal für die Bücherverbrennung?“ Mit Ja antworteten 26 Prozent, mit Nein 74 Prozent. we

Christian Ude – geeigneter Ministerpräsident?

Was für ein Knall: Nicht nur die CSU staunt, auch die bayerische SPD kann es kaum fassen, denn sie hat etwas bekommen, mit dem sie wohl nicht mehr rechnen konnte: einen namhaften Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2013.

Christian Ude muss der SPD in Bayern deshalb wie Phönix aus der Asche erschienen sein. Eigentlich hat sich der clevere langjährige Münchner Oberbürgermeister selber wie das Kaninchen aus dem Zylinder gezaubert. Auf solche „Zaubertricks“ hätte Horst Seehofer sicher gerne verzichtet.

Mit Christian Ude droht ihm ein ernst zu nehmender Kandidat um das höchste politische Amt in Bayern. Ude könnte, wenn für Seehofer alles schief läuft, der Kretschmann Bayerns werden. Der voll ausgebildete Jurist und Journalist ist seit 18 Jahren roter Oberbürgermeister im Herzen des tiefschwarzen Bayerns. Er hat in München keinerlei Verschleißerscheinungen gezeigt, im Gegenteil: 2008 wollten ihn 66,8 Prozent wieder als OB haben. Gewinnt Ude 2013, schreibt er Geschichte: Der letzte SPD-Sieg einer bayerischen Landtagswahl war 1953.

Allerdings vertritt der stets eloquente Ude Positionen, die bei vielen Genossen für Sodbrennen sorgen, Stichwort dritte Start- und Landebahn in München. Und wollen die Wähler in Bayern Christian Ude wirklich im Verbund mit Grünen und Freien Wählern – etwas anderes kommt kaum in Frage – bayerische Politik machen sehen?

Von Ihnen wollen wir diesmal in unserer Leserfrage wissen: „Christian Ude – ein geeigneter Ministerpräsident?“

Braucht Nürnberg ein Bratwurstmuseum?

Nürnberg ohne seine Bratwurst, das wäre wie Paris ohne Eiffelturm, wie Fix ohne Foxi. Warum die Stadt ihr berühmtes essbares Wahrzeichen nicht schon längst in einem eigenen Museum oder zumindest einer Dauerausstellung würdigt, leuchtet vielen Einheimischen und Gästen überhaupt nicht ein. Die mindestens 700 Jahre lange Historie böte genug Stoff, damit so ein Projekt auch ohne zu viel Firmenwerbung gelingen kann.

Und so hat Nürnbergs oberster Bratwurstfreund Hartmut Frommer, der den Schutzverband für das Würstlein leitet, jetzt nach langer Pause wieder öffentlich den Wunsch nach einem solchen Museum geäußert.

Aber was ist mit all jenen, die schon beim Gedanken daran Magenschmerzen kriegen, weil Nürnberg dann an Biederkeit endgültig nicht mehr zu übertreffen sei? Lasst den Thüringern ihr Wurstmuseum, sagen sie – in Nürnberg brauchen wir Kunst, die man nicht essen kann. Wir wollen in unserer Leserfrage von Ihnen wissen: „Braucht Nürnberg ein Bratwurstmuseum?“

Schafft die CSU einen Neuanfang?

Mit Sicherheit waren es viele Gründe, die zum Wahldebakel der CSU geführt haben. Dennoch sind manche schnell bei der Hand, wenn es um die Suche nach Schuldigen geht. So haben vor allem oberbayerische CSU-Parlamentarier, nachdem sie Ministerpräsident Günther Beckstein erfolgreich zum Rücktritt gedrängt hatten, die Parole ausgegeben: Bloß keinen Franken mehr. Der in Erlangen kandidierende Joachim Herrmann hat diese Stimmungslage schon früher erkannt. Vor der Wahl ließ er bereits allerorten Bayernfahnen hissen und überall publizieren, dass er in München geboren sei. Dabei trat er bevorzugt im Trachtenlook auf, um nicht mit dem Frankenmakel belegt zu werden.
Für die Franken wird die Luft in der CSU jedenfalls dünn. Doch das, was da an altbayerischem Personal zu Debatte steht, scheint dafür eher in Richtung rückwärts zu gehen. Thomas Goppel hat längst seinen politischen Zenith überschritten. Georg Schmid schüttelt zwar gerne viele Hände, wird aber von vielen eher als Stoiber-Double angesehen. Horst Seehofer war eigentlich vor einem Jahr schon zweite Wahl. Über allem schwebt dann der eigentlich bereits auf dem Altenteil sitzende Edmund Stoiber als Racheengel.
Auf den ersten Blick sind das also keine guten Voraussetzungen, um zu alter Stärke zurückzufinden. Aber vielleicht auf den zweiten. In unserer Leserfrage wollen wir daher von Ihnen wissen: Schafft die CSU so den Neuanfang? Geben Sie Ihr Votum bitte ab Montag  hier ab.

Hier noch ein Video für Nostalgiker (so ändern sich die Zeiten; bemerkenswert auch Stoibers Grünen-Einschätzung):

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Die Frage der vergangenen Woche lautete: Trauen Sie den Banken noch? Mit Ja antworteten 19,9 Prozent, mit Nein 80,1 Prozent.

Kaiserburg: Soll die bayerische Fahne weg?

burg_klein.jpgNeuerdings wehen auf der Kaiserburg die deutsche und die bayerische Fahne einträchtig nebeneinander. „Die Bayern sind stolz auf ihre Landesfarben Weiß und Blau“, hatte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann gesagt, als er die neue Dauerbeflaggung vieler öffentlicher Gebäude vorstellte. Damit folgt die Staatsregierung dem patriotischen Trend, der bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gesetzt wurde. Beflaggung, so Herrmann, stärke die Identifizierung der Bürger mit dem eigenen Land und der eigenen Nation.

Doch in diesem Landstrich kommt er damit nicht bei allen gut an, selbst nach 200 Jahren Zugehörigkeit zu Bayern. Den Patrioten des Fränkischen Bundes etwa stößt sauer auf, dass der „Tag der Franken“ am 2. Juli ohne den rot-weißen Frankenrechen an staatlichen Gebäuden auskommen muss. Man erinnere sich an den Eiertanz, den der Kulmbacher SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Hoderlein und CSU-Ministerpräsident Günther Beckstein im letzten Jahr veranstalteten. Monatelang ging es da um die Frage, ob es von den fränkischen Rathäusern Rot und Weiß wehen darf. Schließlich wurde Hoderleins Antrag abgelehnt. Und nun hisst die Nürnberger Burg, das Wahrzeichen der Frankenmetropole, die bayerische Fahne – das tut manchem in der Seele weh.
Wir wollen daher von Ihnen wissen: Soll die Bayern-Fahne von der Kaiserburg weg? Sie können Ihr Votum ab Montag hier abgeben.

Die Frage der letzten Woche lautete: Braucht Nürnberg einen Lebkuchenmarkt? Mit Ja antworteten 24,9 Prozent, mit Nein 75,1 Prozent.

Warum waren Sie nicht wählen?

KommunalwahlNur etwas mehr als die Hälfte der wahlberechtigten Nürnberger hat am vergangenen Sonntag gewählt. Im Umland war die Wahlbeteiligung häufig sogar noch schlechter. Dabei fallen doch die Entscheidungen der Kommunalvertreter im Alltag doch am deutlichsten auf. Also müsste das Interesse an Stadtrats- oder Bürgermeisterwahlen doch vergleichsweise höher sein.

Welche Gründe könnte es geben, dass so viele nicht wählen gehen?

Von der CSU wird das Sturmtief „Emma“ genannt. Gerade die älteren, eher konservativ eingestellten Menschen seien aus Sorge, ihnen könnte ein Ast auf den Kopf fallen, lieber zu Hause geblieben. Andererseits führt schönes Wetter wiederum dazu, dass die Leute ins Grüne fahren und deshalb nicht wählen. Das Wetter kann man praktisch immer als Grund oder Nichtgrund heranziehen.

Dann war da der eng bedruckte Stimmzettel so groß wie ein Plakat mit 527 Namen, die den meisten unbekannt sein dürften. So demokratisch das Kom­munalwahlverfahren auch ist, es verlangt dem Bürger einiges ab und nicht jeder hat Zeit, Nerven und Lust, sich die notwendigen Informationen zu besorgen.

Nicht zu vergessen die Haltung: Die machen doch eh alle eine Politik, die an mir vorbei geht. In Nürnberg dürfte das breite Rathausbündnis hierfür zusätzlich Munition geliefert haben. Unterschiede waren nur selten erkennbar. Keinem war so ganz klar, warum er die eine Partei wählen sollte und nicht die andere.

Schließlich gibt es auch triftige, private Gründe. Menschen haben oft andere Sorgen. Nicht jeder hat ein so geregeltes Arbeitsleben, wie jene Beamten, Lehrer oder auch Journalisten, die sich nun über mangelnde Beteiligung beklagen. Mancher hat auch einen Hund, den er nicht allein lassen will. Andererseits hätte er den natürlich auch (wie im Bild) zur Stimmabgabe mitbringen können.

Falls Sie uns Ihre Gründe fürs Nichtwählen nennen wollen, können Sie das hier gerne tun. Zudem können Sie auch bei unserer Leserfrage mitmachen, wo es darum geht, ob die Stadtratswahl zu kompliziert ist.  Abstimmen können Sie wie immer auf unserer NZ-Homepage.