Frauenquote für Straßennamen?

Sie verdienen immer noch weniger als Männer, bekommen seltener Führungspositionen und sind, so gut ausgebildet sie auch sein mögen, mehrheitlich für Kinder und Küche zuständig: Die Frauen in Deutschland sind weit gekommen, aber noch nicht weit genug. Deshalb weisen sie am 8. März, dem Weltfrauentag, auch immer wieder darauf hin, dass bis zu einer echten Gleichberechtigung der Geschlechter noch ein gutes Stück Weg zurückzulegen ist.
Ob Frauenquoten im Berufsleben oder an anderer Stelle sinnvoll sind oder nicht, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Auch die Frauen selbst sind nicht immer dafür – sie wollen keine Quotenfrauen sein. Kürzlich wurde von Aktivistinnen – auch in Nürnberg – jedoch eine neue Quote gefordert: für Straßennamen. Sie finden, dass auch hier die Männer zu sehr im Vordergrund stehen – ob Feldherr oder Politiker. Bei einer Aktion haben die Frauen aus der Franz-Josef-Strauß-Brücke eine Helene-Grünberg-Brücke gemacht, um an die Gewerkschafterin zu erinnern und die Stadt Nürnberg zu ermahnen, mehr Straßen nach Frauen zu benennen. Aber: Bringt das tatsächlich die Gleichberechtigung der Geschlechter voran oder wird hier einfach nur zu viel Wind gemacht?

Gabi Eisenack

Frauenquote für Straßennamen?

Halten Sie eine Frauenquote für sinnvoll?

Selbst in der CDU-Führungsriege kann von Einigkeit beim Thema Frauenquote nicht die Rede sein: Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sprach sich mit großem Engagement dafür aus, wohingegen ihre Kabinettskollegin und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder weiter auf Zeit und die Einsicht der Unternehmen setzen will. Und die dritte Frau im Bunde, Bundeskanzlerin Angela Merkel, die es auch ohne Frauenquote ganz nach oben geschafft hat, setzt ebenfalls auf die Freiwilligkeit der Unternehmen, Mitarbeiterinnen in Führungspositionen zu befördern.

Unumstritten ist, dass es zu wenig Frauen in den Chefsesseln gibt. Das kann jeder in seinem eigenen Arbeitsbereich nachprüfen – und er wird sich, um zu diesem Ergebnis zu kommen, nicht besonders anstrengen müssen. Geradezu aberwitzig wirken Fernsehbilder von Vorstandssitzungen großer Unternehmen: Hinter einem langen Tisch ist eine lange Reihe von Anzugträgern zu sehen, die sich meistens auch noch abgesprochen zu haben scheinen, dass es außer Schwarz und ganz dunklem Blau keine anderen Farben gibt. Weit und breit keine „Ackerfrau“ zu sehen, dafür jede Menge „Ackermänner“.

Gesetzliche Quoten haben natürlich immer den schalen Beigeschmack einer sozialistischen Planwirtschaft, mithin dem Gegenteil der sozialen Marktwirtschaft. Abgesehen davon gibt es zahlreiche Meinungen, dass es nicht an einer fehlenden Quote in den Vorstandsetagen fehle, sondern vielmehr an Kita-Plätzen, flexiblen Arbeitszeitmodellen und an vorausschauender Personalpolitik.

Tatsächlich ist es für viele berufstätige Frauen eine Herkulesaufgabe, ihr Kind tagsüber unterzubringen, und manche Väter registrieren missbilligende Blicke, wenn sie in Elternteilzeit gehen. Auf der Minusseite einer Frauenquote ist also zu verbuchen, dass eine solche Quote an den vorhandenen Strukturen kaum etwas ändern würde.

Andererseits hat die Selbstverpflichtung der Wirtschaft, vor zehn Jahren abgesprochen, nicht mehr Frauen in Spitzenpositionen gebracht. Nach wie vor befördern Männer Männer, anders ausgedrückt: Ein Ackermann kommt selten allein. In 90 von 100 der größten deutschen Unternehmen sitzt – keine einzige Frau im Vorstand oder Aufsichtsrat.

Die Nachhaltigkeit der Selbstverpflichtung offenbart sich nach zehn Jahren in einer Nullnummer. In anderen Ländern wie in Norwegen, Spanien und Frankreich ist ein 40-prozentiger Frauenanteil in der Vorstandsetage Alltag. Und es wird auch berichtet, dass solche Unternehmen besonders erfolgreich wirtschaften.

Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: „Halten Sie eine Frauenquote für sinnvoll?“ Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: „Sind die Sportreporter im Fernsehen zu schlecht?“ Mit Ja antworteten 76 Prozent, mit Nein 24 Prozent.                                                                                                                                                                           we