EM 2024: Soll Nürnberg sich bewerben?

Noch ist es nur eine Interessenbekundung, die förmliche Bewerbung steht noch aus. Aber die Stadt Nürnberg hat schon mal klargemacht, dass sie offen dafür ist, bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 wieder ihr Stadion zur Verfügung zu stellen. Wer an die Begeisterung zurückdenkt, die etwa die Fans aus den Niederlanden oder aus Trinidad/Tobago bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2006 in die Stadt brachten, wird wohl eine Bewerbung auf den ersten Blick gut finden. Die vielen Touristen brächten natürlich auch Geld in die Stadt. Zudem käme durch eine solche Bewerbung neuer Schwung in die Debatte um die Modernisierung des Stadions. Doch da fangen die Probleme auch schon an: Die Stadt als Eigentümer kann sich den Umbau nicht leisten, der Club wohl auch nicht. Es ginge nur mit einem privaten Investor. Zudem könnte es sein, dass dem sportlichen Großereignis die Laufbahn im Stadion geopfert werden müsste – denn es steht zumindest zu befürchten, dass von Berlin abgesehen nur reine Fußballstadien den Zuschlag erhalten, weil der DFB sich in diesen Arenen mehr Stimmung verspricht. Für die Freunde der Leichtathletik wäre dies ein Schlag ins Kontor.

Marco Puschner

 

EM 2024: Soll Nürnberg sich bewerben?

War Wolfs Entlassung richtig?

Das Aus für den Club-Fußballchef Wolfgang Wolf (Foto: Zink) kam nicht überraschend: Nachdem klar war, dass der 1. FC Nürnberg einen neuen Sportvorstand von außen holen will, wackelte der Stuhl des 2014 zurückgeholten ehemaligen FCN-Trainers.
Wolf kam nach dem Abstieg des Vereins aus der Bundesliga, weil er mit seinem Fußball-Sachverstand Sportvorstand Martin Bader entlasten sollte, dem Kritiker vorwerfen, auf diesem Gebiet Schwächen zu haben. In der Tat hatten sich in der Zeit nach dem Abschied von Trainer Dieter Hecking im Dezember 2012 die Fehler bei Spielertransfers gehäuft. Der neue Sportvorstand Andreas Bornemann hat – wenn auch nicht gerade lange – in der Bundesliga gekickt, insofern braucht er nicht zusätzlich einen Fußball-Abteilungsleiter, der ihm zur Seite gestellt wird. So wurde die Stelle ersatzlos gestrichen, was zunächst plausibel erscheint. Zudem vermeidet der Club ein weiteres Kompetenzgerangel – schon das Zusammenspiel zwischen Bader und Wolf hat nicht wirklich geklappt. Auf der anderen Seite geht die Zeit der Alleinherrscher im Profifußball zu Ende, das sieht man an den großen Trainerstäben der Vereine. Auch im Management können Profiklubs mehrere kluge Köpfe brauchen. Deswegen wäre es vielleicht sinnvoll gewesen, eine Kooperation der beiden Ex-Profis zumindest auszuprobieren, bevor man Wolf – zudem wenig stilvoll – den Stuhl vor die Tür stellt.

Marco Puschner

War Wolfs Entlassung richtig?

Kein neues Fußballstadion für den Club!

grethlein„1. FC Nürnberg hat Investor für ein neues Fußballstadtion“ ist heute als Aufmacher in den „Nürnberger Nachrichten“ zu lesen. Und im Lokalteil heißt es: „1. FC Nürnberg will die Ehe mit der Stadt eingehen“. Dumm ist nur: Bei der Stadt, der das Grundig-Stadion gehört, weiß man nichts davon. „Sehr verwundert“ über den Artikel zeigt sich Bürgermeister Christian Vogel: „Mir ist nichts davon bekannt. Ich als zuständiger Werkleiter des Stadions müsste es ja wissen.“

Noch dümmer ist: Der im Bericht zitierte Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Grethlein (auf dem Foto mit Club-Nachwuchs bei der Enthüllung des 1. FCN-Gedenksteins diese Woche) kennt diesen Investor ebenfalls nicht. Es könnte Leute geben, die daran interessiert wären, so eine moderne Arena zu bauen, meint er. „Aber das dürfte noch länger dauern.“ Auch wenn der 1. FCN mittlerweile nur noch zweitklassig ist, verfolgt der Verein das Ziel einer Spielstätte ohne Leichtathletik-Anlage weiter. „Wir würden verantwortungslos handeln, wenn wir nicht dran bleiben würden“, sagt Grethlein. Denn bis sich der Traum verwirklicht, könnte der Club ja wieder aufgestiegen sein.

Der Club wünscht sich bekanntlich schon seit einiger Zeit ein reines Fußballstadion, wie es viele andere Vereine schon längst haben. Mit einer solchen modernen Arena ließe sich um einiges mehr verdienen – und darum geht es heute vor allem anderen im Fußball. Ob es in Nürnberg aber überhaupt genügend Betuchte oder V.I.P.´s gäbe, die sich Logen im Stadion eine Menge kosten lassen würden, darf man durchaus bezweifeln. Schaut man sich nämlich die Arena der Ice-Tiger an, dann sind viele der dort vorhandenen exklusiven Sitzplätze die meiste Zeit über verwaist. Nürnberg ist halt nicht München oder Köln.

Der Vertrag der Stadt Nürnberg mit der Betreiber-Gesellschaft des Grundig-Stadions endet am 30. Juni. Vielleicht auch eine Chance, dass das Stadion endlich auch den einzig richtigen Namen bekommen könnte: Max-Morlock-Stadion. So, wie es die Fans schon ewig fordern. Sie melden sich jetzt zurück mit einer neuen Aktion. 

Ute Wolf

Braucht Nürnberg ein reines Fußballstadion?

Die Fans sollen näher ran ans Geschehen auf dem Spielfeld, findet Martin Bader. Deswegen würde der Sportvorstand des 1.FC Nürnberg gerne dem Beispiel anderer Vereine folgen und die Spielstätte des Clubs in eine reine Fußball-Arena umbauen lassen.

Ob er den Anhängern damit aber wirklich einen Gefallen tut, ist fraglich, denn viele Fans mögen das Nürnberger Stadion gerade wegen der roten Laufbahn und der achteckigen Form. Die Neubauten vieler Bundesligisten seien austauschbare Betontempel ohne individuellen Charme, meinte zum Beispiel kürzlich ein Mitglied der Initiative „Max-Morlock-Stadion jetzt!“ im Gespräch mit der NZ. Kämmerer Harry Riedel hat allen Umbauplänen für dieses Jahrzehnt angesichts der angespannten Haushaltssituation ohnehin eine Absage erteilt und sich von Baders Vorstoß wenig erfreut gezeigt. Dennoch, die Debatte wird weitergehen.

Unsere Leserfrage lautet in dieser Woche: „Braucht Nürnberg ein reines Fußballstadion?“.

Kommt der Club wieder unter die ersten Sechs?

Nachdem in der Spielzeit 2009/10 der Klassenverbleib nur äußerst mühsam und in der Relegation geschafft worden war, hätten wohl selbst ganz optimistische Club-Fans im vergangenen Sommer nicht mit einer derart sorgenfreien Saison gerechnet: In der Abschlusstabelle 2010 rangierte der 1.FC Nürnberg auf Platz sechs, ein ganz toller Erfolg für Trainer Dieter Hecking und seine Schützlinge.

Mit dieser Platzierung und der gelungenen Vorbereitung im Rücken kann der Club selbstbewusst in die neue Runde starten; falls es Kapitän Raphael Schäfer und Co. gelingen sollte, Rang sechs zu wiederholen, würde das diesmal sogar die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb bedeuten.

Allerdings war die Saison 2010/11 auch eine ganz besondere: Vermeintliche Größen der Branche wie Schalke, Bremen oder Wolfsburg befanden sich im Dauertief, Außenseiter wie Hannover, Nürnberg oder Mainz mischten die Liga auf. So etwas ist nicht beliebig wiederholbar. Zudem hat der Club neben dem früheren Torschützenkönig Marek Mintal – das Fan-Idol spielte zuletzt sportlich keine große Rolle mehr – gleich vier absolute Leistungsträger verloren. Der kampfstarke Abwehrrecke Andreas Wolf, Ilkay Gündogan und Mehmet Ekici, die beiden Kreativköpfe im Mittelfeld, sowie Julian Schieber, zuverlässiger Vollstrecker im Sturmzentrum, verdienen ihr Geld mittlerweile woanders.

Ob der FCN diesen gewaltigen Umbruch verkraftet? Mit dem 1:0 gegen Hertha BSC Berlin vom vergangenen Samstag hat der Club eine erste Antwort darauf gegeben. Skeptiker meinen, der FCN könne froh sein, wenn er eine gewisse Distanz zu den Abstiegsrängen wahrt. Andererseits gab es auch 2010 eine relativ große personelle Fluktuation, und Hecking hat sehr schnell ein neues, erfolgreiches Team geformt. Klappt das ein weiteres Mal? Wir wollen in unserer Leserfrage von Ihnen wissen: „Kommt der Club wieder unter die ersten Sechs?“

Soll Alkohol im Stadion verboten werden?

Der Meinungsstreit zum Alkoholverbot in den Stadien der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga geht quer durch die Gesellschaft. Auch die Innenpolitiker sind sich uneins in ihrer Bewertung.

Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) stößt mit seinem Vorstoß für ein Alkoholverbot in Fußballstadien auf wenig Gegenliebe. Er will mit einem Alkoholverbot in den Stadien Gewaltexzesse eindämmen. Seiner Meinung nach enthemmt erst der Alkoholkonsum viele der späteren Täter.

Die FDP-nahen Jungen Liberalen sprachen von einer „Bevormundungskultur“, die sie eher bei den Grünen erwarten würden. „Prinzipiell sollte jeder Mensch selbst urteilen, wann, wo und ob er Alkohol konsumieren kann und will“, sagte ihr Vorsitzender Hendrik Silken. Ein Verbot wäre nach seiner Ansicht auch „nutzlos“. Der Alkohol-Konsum werde sich „lediglich verlagern“. Zudem sei die Initiative ein Verstoß gegen den „Geist der sozialen Marktwirtschaft“. Der Staat solle keinem Fußballverein vorschreiben, wie er sein Stadion zu betreiben habe, meinte Silken.

SPD-Politikerin Nancy Faeser sprach von einem „hilflosen Profilierungsversuch“ des Innenministers Rhein, ist aber nicht gegen ein solches Vorgehen. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) spricht sich gegen ein generelles Alkoholverbot in Stadien aus. Mit der Einschränkung von individueller Freiheit müsse man „immer anlassbezogen sehr sorgsam und auch ein bisschen staatstragend umgehen“. Ein Alkoholverbot bei normalen Spielen hält er nicht für nötig: „Bei einem vernünftigen Spiel mit vernünftigen Fans schmeckt auch das Bier mal zur Bratwurst.“

Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: „Soll Alkohol im Stadion verboten werden?“

Zu viel Gebabbel über Fußball?

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz“, meinte einst Otto Rehhagel. Wer sich derzeit die Berichterstattung zur Europameisterschaft ansieht, könnte indes glauben, dass die Spiele nur das Vorprogramm für die Experten- und Comedyrunden abgeben. Stundenlang debattiert Johannes B. Kerner im ZDF mit seinen beiden Fachmännern, und danach präsentiert Ingolf Lücks Gaudirunde in „Nachgetreten“ viele abgestandene Gags, in denen zudem oft üble nationale Klischees – zum Beispiel gegen die osteuropäischen Teams – reproduziert werden.

Andererseits haben die Dialoge zwischen Günter Netzer und Gerhard Delling, die im Ersten die Spiele flankieren, eine treue Fangemeinde. Zudem bietet das Rahmenprogramm im TV oft auch wichtige Einordnungen. Gerade jetzt, wo die Gruppenphase zu Ende geht, benötigt der nicht so kundige Zuschauer ja auch Informationen darüber, wie sich die Mannschaften für das Viertelfinale qualifizieren. Zudem bereiten die Experten und Kabarettisten vieles auf, was der Kommentator während der Spiele schon aus Zeitgründen offen lassen muss.

Wir wollen von Ihnen wissen: Gibt es zu viel Fußball-Fachsimpelei im Fernsehen? Abstimmen können Sie (ab Montag) hier.

Die Leserfrage der vergangenen Woche lautete: Wird Deutschland Europameister? Mit Ja antworteten 32,7 Prozent, mit Nein 67,3 Prozent.

Ist Nürnberg frauenfeindlich?

Frauenfußball

Nach der Fußball-WM der Männer im vergangenen Jahr findet nun auch die der Frauen in Deutschland statt. Während Nürnberg bei den Männern als Spielort dabei war und deswegen einen Mords-Zinnober veranstaltet hat, hat man sich für die Frauen-WM nicht einmal beworben. Dabei wären die Einrichtungen ja schon vorhanden gewesen. Größere Kosten, gar immense Millionenbeträge wie bei den Männern, wären also nicht angefallen. Warum sich das Nürnberg Rathaus bei den Frauen so vornehm zurückgehalten, ist daher nur schwer erklärbar. Den Männern dort wird das wohl zu abartig und der Frauenbeauftragten zu primitiv gewesen sein, könnte man annehmen. Doch die Fußballverantwortlichen (Männer!) beteuern, dass nicht sie, sondern der Deutsche Fußballbund (Männer!) schuld sei. Der glaubt nämlich, dass Frauenfußball nur kleine Stadien, wie die in Sinsheim, Magdeburg oder Augsburg, füllt. Nürnberg sei für Frauen einfach eine Nummer zu groß.