Soll das Kleingeld abgeschafft werden?

Der alltägliche Wahnsinn. Die Kunden stehen an der Kasse, ungeduldig, wie immer. Ganz vorne kramt jemand verzweifelt im Portemonnaie – auf der Suche nach den richtigen Centstücken (Foto: Mark Johnston). Schließlich gibt er entnervt auf, drückt der Kassiererin mehrere in die Hand und sagt: „Schauen sie doch mal, ob das so stimmt.“ Da verdreht die Kassiererin die Augen und die Wartenden stehen kurz vor der Explosion.
Geht es nach der EU-Kommission, werden solche Bilder des „menschlichen Leids“ bald der Vergangenheit angehören. Sie würde nämlich die Ein- und Zwei-Cent-Münzen am liebsten abschaffen. Der Grund dafür ist ebenfalls „geldwertig“, denn der Preis für die Rohstoffe Kupfer und Stahl steigt unaufhörlich. Auch steigt die Zahl derer, die auf dieses Kleingeld gerne verzichten würden, zuletzt waren es 53 Prozent. In Finnland gibt es die Ein- und Zwei-Cent-Münzen zwar noch, aber nur faktisch. Dort werden die Preise immer auf fünf-Cent-Beträge gerundet. Dies ist mittlerweile auch in Belgien, Irland und den Niederlanden so.
Verbraucherverbände befürchten, dass eine Abschaffung der Kleinstmünzen verdeckte Preiserhöhungen zur Folge haben könnte. Und das Kinderhilfswerk befürchtet erheblich weniger Spendeneinnahmen: Bundesweit stehen über 50.000 Spendendosen in Geschäften, und da kommt auch mit den Ein- und Zwei-Cent-Münzen über die Monate viel Geld zusammen. Und auch die Händler würden wohl ungern auf dieses Kleingeld verzichten, denn eine Preispolitik für „Pfennigfuchser“ ist eben nur damit machbar.

Dieter Wegener

Soll das Kleingeld abgeschafft werden?

Bürgerhaushalt: Ist das eine gute Idee?

Die CSU drängt auf die Einführung eines Bürgerhaushalts. Schon 2011 sollen die Bürger im Vorfeld der Haushaltsberatungen im Internet selbst Vorschläge machen dürfen, wo gespart wird. Nun sind die Haushaltsberatungen zwar öffentlich, aber über eine solche Online-Plattform könnten die Bürger die Daten nicht nur einsehen und die Debatten verfolgen, sondern sich direkt einbringen. Vielleicht sinkt dadurch die Politikverdrossenheit, wenn die Menschen merken, dass sie unkompliziert etwas bewegen können. Zudem werden unangenehme Sparmaßnahmen nicht über ihre Köpfe hinweg beschlossen, sondern sie sind mit im Boot. Viele andere Städte haben gute Erfahrungen mit diesem Instrument gemacht.

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob nicht doch die Bürger ähnlich agieren wie viele Interessengruppen – nämlich nach dem Motto: Sparen ja, aber doch bitte nicht bei mir. Vielleicht schauen die Nutzer des Forums dann doch eher in anderen Stadtteilen nach Sparmöglichkeiten als im eigenen Viertel. Wir wollen daher in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: Bürgerhaushalt: Ist das eine gute Idee? Geben Sie Ihr Votum bitte unter www.nz.de ab.

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Die Frage der vergangenen Woche lautete: Alkohol in Bussen und Bahnen verbieten? Mit Ja antworteten 82,4 Prozent, mit Nein 17,6 Prozent.