„Ehe für alle“: die richtige Entscheidung?

Diese Sitzungen gelten eigentlich als Sternstunden des Parlamentarismus: Wenn im Bundestag jeder Abgeordnete abstimmen kann, wie er möchte, und er nicht der Parteilinie folgen muss. Unerwartet kam es am Freitag – gleichsam auf der Zielgeraden der Legislaturperiode – nun noch einmal zu einer solchen Abstimmung ohne Fraktionszwang. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte mit einer Einlassung bei einem Podiumsgespräch der SPD eine Steilvorlage dafür geliefert, das Thema „Ehe für alle“ auf die Tagesordnung zu bringen.

Die Mehrheit fiel nach einer nur 38-minütigen Debatte deutlich aus – homosexuelle Paare werden fortan mit heterosexuellen gleichgestellt, sie dürfen nun auch Kinder adoptieren. Daran stören sich konservative Kritiker, die die „Ehe für alle“ auch deshalb ablehnen, weil sie in der Kindererziehung männliche und weibliche Einflüsse sichergestellt wissen möchten. Außerdem beharren sie auf dem klassischen Ehebegriff, der von einem Bund zwischen Mann und Frau ausgehe und der nun durch diese Öffnung verwässert werde. Zudem verweisen die Gegner der Entscheidung auf den grundgesetzlichen Schutz der Ehe.

Die Befürworter der „Ehe für alle“ halten dem entgegen, dass der Ehebegriff im Grundgesetz nicht abschließend definiert sei. Außerdem soll niemand aufgrund seiner sexuellen Identität benachteiligt werden – dass den Homosexuellen bisher nur die Lebenspartnerschaft, gleichsam die „Ehe light“, als Option zur Verfügung stand, sehen die Gesetzesbefürworter als Diskriminierung an. Sie machen auch geltend, dass durch das neue Gesetz keiner irgendwelche Nachteile haben werde, niemandem werde etwas weggenommen. Außerdem sei das klassische Familienbild Vater– Mutter– Kind in der Lebensrealität freilich längst nicht mehr der einzige Entwurf, nach dem Menschen ihr Familienleben organisieren.

Auf das letztgenannte Argument verwies auch die Nürnberger CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl, die, wie 74 andere Unionspolitiker, für das neue Gesetz stimmte. Die hohe Zahl an konservativen Ja-Stimmen – SPD, Linke und Grüne stimmten ohnehin ausnahmslos dafür – macht deutlich, dass auch bei den Schwarzen bereits eine Bewegung in dieser Frage stattgefunden hat.

"Ehe für alle“: die richtige Enscheidung?

Soll Deutsch im Grundgesetz verankert werden?

Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch.“ Nicht nur Wortverliebte wie die Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache würden jubeln, stünde dieser Passus eines Tages im Artikel 22 des Grundgesetzes. Dass die CDU diese Idee jüngst auf ihrem Parteitag durch einen Beschluss untermauerte, begrüßen auch alle, die sich nach einem politischen Bekenntnis zur viel beschworenen „kulturellen Identität“ sehnen. Sie halten dies für ein gesundes Maß an Patriotismus und sehen die dümmsten Anglizismen schon ausgerottet.

Andererseits ist Deutschland kein afrikanischer Staat, der an höchster Stelle Klarheit im Nebeneinander verschiedenster Verkehrs- und Amtssprachen schaffen müsste. Warum also sich um diese Nebensächlichkeit kümmern? Und welches Deutsch wäre eigentlich gemeint? Das alemannische, das fränkische, das Hannoveraner oder auch das Straßendeutsch der türkischen Jugend? Bis heute haben sich alle diese Sprecher immer verständigen können, wenn sie einander begegnen. Ausländer lernen dann gut Deutsch, wenn ihre Lehrer gut und die Wohnviertel intakt sind, nicht weil das Gesetz es als Landessprache erwähnt.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll Deutsch im Grundgesetz verankert werden? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Soll der Solidarzuschlag abgeschafft werden? Mit Ja antworteten 70,5 Prozent, mit Nein 29,5 Prozent.