Impfpflicht für Kita-Kinder?

Alle reden im Moment über die Grippe – in ihrem Windschatten sind aber noch andere Krankheitserreger mit Gefahrenpotenzial unterwegs. Keuchhusten zum Beispiel. 2016 starben in Deutschland drei Babys an diesen Bakterien, meldete jüngst das Robert-Koch-Institut. 22 119 Keuchhusten-Fälle registrierte das Institut im vergangenen Jahr insgesamt, ein Höchststand seit Beginn der Meldepflicht 2013. Es komme derzeit wieder zu Erkrankungswellen – auch wegen Impflücken in der Bevölkerung, so das Institut.
Keuchhusten, Windpocken, Masern, Mumps, Röteln, Pneumokokken – sie zählen zu den ansteckenden Infektionskrankheiten, gegen die die Ständige Impfkommission Schutzimpfungen für Kinder empfiehlt. Der Nürnberger CSU-Stadtratsfraktion gehen die bloßen Empfehlungen nicht weit genug: Sie will speziell die Masernimpfung zur Voraussetzung für die Aufnahme in eine Kindertagesstätte der Stadt Nürnberg machen. Denn die wenigen Impfgegner oder -faulenzer würden viele andere Menschen gefährden, die zum Beispiel wegen Immunschwäche nicht geimpft werden dürfen.
Tatsächlich führen gerade die Masern in Einzelfällen zu tragischen Komplikationen: Sie können eine tödliche Hirnhautentzündung auslösen. Fälle davon gab es auch schon in Nürnberg. Die Nürnberger Jugend- und Gesundheitsämter lehnen eine Impfpflicht trotzdem ab. Eltern müssten durch Sachargumente überzeugt werden. Auch wäre die Vorschrift zur Impfung bei Einrichtungen der öffentlichen Hand gesetzlich derzeit gar nicht oder nur sehr aufwändig durchsetzbar.

Isabel Lauer

Impfpflicht für Kita-Kinder?

Lassen Sie sich impfen?

MassenimLangsam weiß man gar nicht mehr, was und wem man glauben soll. Wenn es um die Schweinegrippe geht, dann paaren sich Angst, Geschäftsinteressen, Panikmache und politische Blauäugigkeit mit medizinischen Fakten. Da sehnt sich mancher nach Ärzten und Fachleuten, denen man noch vertrauen kann.

Im Vorfeld hat der Wahlkampf (wie derzeit auch in der Ukraine) und der Streit um Zweiklassen-Impfstoffe eine sachliche Auseinandersetzung unmöglich gemacht. Doch auch jetzt ist guter Rat oft teuer. So spricht beispielsweise der Göttinger Medizinprofessor Michael Kochen von einer „medialen Schlacht“ und behauptet:

Dieses Virus ist bei weitem nicht so gefährlich, wie es in manchen panikartigen Verlautbarungen dargestellt wird.

Der Berufsverband der Umweltmediziner warnt beispielsweise Patienten mit Umweltkrankheiten vor der Impfung. Neben den Meldungen über Tote durch die Schweinegrippe gibt es auch Hinweise auf Komplikationen und Todesfälle, die auf die Impfung zurückzuführen sind.

Andere, wie der Hallenser Virologe Alexander Kekulé, aber raten dringend dazu, sich impfen zu lassen.

Wir Journalisten, das geben wir gerne zu, sind in diesem Wirrwarr an Expertenaussagen manchmal etwas unschlüssig. Im Zweifelsfall, und das wird uns niemand verdenken, raten wir dann eher zur Vorsicht als dazu, nicht abschätzbare Risiken einzugehen.

Gerade deshalb würden wir gerne wissen, wie Sie sich, lieber Leser, in dieser Frage orientieren und wonach Sie entscheiden, ob Sie sich impfen lassen oder nicht.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Braucht Nürnberg externe Berater? Mit Ja antworteten 31,6 Prozent, mit Nein 68,4 Prozent.