Sollen Geschäfte am Sonntag öffnen dürfen?

Nürnberg ist immer noch eine Einkaufsstadt, die mit ihren Geschäften viele Kunden aus dem Umland anzieht. Doch der Wettbewerb ist hart. Viele Kunden wandern mit ihren Bestellungen ins Netz ab und lassen sich ihre Einkäufe nach Hause bringen. Umweltfreundlich ist dieser Trend nicht, aber bequem. Die Gefahr ist, dass zunehmend mehr Geschäfte in den Innenstädten leerstehen werden und die Attraktivität der Einkaufs- und Touristenstadt Nürnberg abnimmt.
Die Stadt finanziert derzeit zwei Berater, die den lokalen Einzelhändlern helfen, mit den Herausforderungen durch das Internet umzugehen. Die Geschäfte sollen etwas Besonderes anbieten und das Internet dient dazu, Appetit auf den Kauf vor Ort zu machen. Nichts geht über die in Augenscheinnahme eines Objekts, das man kaufen will.
Die Situation bleibt aber für den Einzelhandel schwierig. Kaufhäuser wie Karstadt haben deshalb vor wenigen Tagen gefordert, auch am Sonntag öffnen zu dürfen. Einer der Gründe ist, dass der Internethandel seinen größten Umsatz an den Sonntagen macht – ohne stationäre Konkurrenz. Kein Wunder, dass etliche Einzelhändler darauf hoffen, ihre stagnierenden Verkaufszahlen durch die Sonntagsöffnungen zu verbessern. Etliche verweisen auch darauf, dass der Discounter, der am Hauptbahnhof bis in die Nacht und am Sonntag geöffnet hat, horrende Umsätze macht.
Die Gegnerschaft der Öffnungszeiten am Sonntag ist breit gestreut. Kirchen, Gewerkschaften, aber auch kleinere Ladeninhaber sind dagegen. Geschäfte am Sonntag zu öffnen, ist teuer, weil den Angestellten mehr bezahlt werden muss, Familien werden am Wochenende auseinandergerissen und es wird das Wochenende dem Kommerz untergeordnet.

Sollen Geschäfte auch am Sonntag öffnen dürfen?

Verkaufsoffener Sonntag nur noch in der Altstadt?

 

Der Streit um den verkaufsoffenen Sonntag (Foto: Eduard Weigert) ist alt, aber erhitzt trotzdem immer wieder die Gemüter. In Nürnberg gibt es vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr: zwei in der gesamten Stadt ohne Südstadt, zwei nur in der Südstadt. Die Verwaltung betont, dass diese Regelung rechtskonform sei, signalisiert aber Gesprächsbereitschaft mit den Kritikern – vor allem Kirchen und Gewerkschaften.
Die Kommunen dürfen an Sonntagen nur anlässlich von Märkten, Messen oder ähnlichen Veranstaltungen die Läden aufsperren lassen. Dies sieht das Ladenschlussgesetz vor. Darin steht außerdem geschrieben, dass die Veranstaltung und die Läden, die offen haben, nicht zu weit auseinander liegen dürfen. Wenn also, wie am kommenden Sonntag, die Geschäfte wegen des Herbstmarkts offen haben, sollten dann nicht auch nur die Geschäfte in der Altstadt öffnen dürfen? Reichen nicht generell zwei verkaufsoffene Sonntage im Jahr – und die dann nur im Stadtzentrum?
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Verkaufsoffener Sonntag nur noch in der Altstadt?“ – In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren. Vergangene Woche haben wir Sie gefragt: „Zu viel Aufhebens um den 1. Schultag?“ Teilgenommen haben 88 Leser. Mit Ja antworteten 93,2 Prozent, mit Nein 6,8 Prozent.

Gabriele Eisenack

 

 

 

 

 

 

Verkaufsoffener Sonntag nur noch in der Altstadt?

  • Ja (86%, 6 Stimmen)
  • Nein (14%, 1 Stimmen)

Wähler insgesamt: 7

Hat Nürnberg zu viele Gratisparkplätze?

Schlechte Luft, Lärm, Stau: Der Straßenverkehr setzt den großen Städten zu und bedeutet für die Bewohner den puren Stress. Es sind immer noch zu wenige Menschen, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel setzen oder das Fahrrad dem Auto vorziehen. Wissenschaftlern zufolge liegt das Problem auch darin, dass es zu viele kostenlose Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum gibt (Foto: Oliver Acker). Dieser Fakt trage dazu bei, dass das Auto nach wie vor das beliebteste Fortbewegungsmittel ist. In Nürnberg stehe bei Diskussionen über Parkgebühren immer die Altstadt zu sehr im Vordergrund, so Professor Harald Kipke von der Technischen Hochschule. Man müsse jedoch auch die angrenzenden Stadtteile mit einbeziehen. Dort stünden Parkplätze am Straßenrand größtenteils gratis zur Verfügung.
Die Stadt Wien ist schon aktiv geworden und hat in allen dicht bebauten Vierteln flächendeckend Parkgebühren eingeführt. Gleichzeitig bietet sie Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr zu attraktiven Preisen an. Damit tut sie letztlich auch den Autofahrern einen Gefallen, denn die finden einen Parkplatz, wenn sie ihn brauchen, und müssen nicht endlose Schleifen ziehen, bis sie ihren Wagen endlich irgendwo abstellen können – und damit auch wieder zum Verkehrschaos beitragen.

Gabi Eisenack

Hat Nürnberg zu viele Gratisparkplätze?

Sollen Straßenmusiker zum amtlichen Vorspielen?

Ohne Frage: Straßenmusiker (Foto: Michael Matejka) bereichern eine Großstadt. Doch in Nürnberg werden sie für die Bewohner der Innenstadt zum Ärgernis. Manche der Musiker spielen immer das Gleiche, einige sogar immer nur ein und das selbe Lied in Dauerschleife. Entnervte Innenstadtbewohner sprechen schon von „musikalischem Psychoterror“ und haben sich an Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly gewandt. Doch der zeigt sich hilflos, verweist auf die Auflagen – nur fünf Mann oder Kleingruppen (mit maximal fünf Personen) dürfen spielen, alle halbe Stunde müssen sie die Spielstätte wechseln und dürfen keine Verstärker oder zu laute Instrumente verwenden. Auf das Repertoire des Straßenmusikanten hätte er keinen Einfluss, so Maly.
Doch ist das wirklich so? München litt vor 15 Jahren unter der gleichen Problematik: Mehr oder minder begabte Musiker beschallten Anwohner und Geschäftsleute mit der immer gleichen Musik. Doch die Stadt zeigte sich kreativ und entschied, dass nur noch Straßenmusiker- und -künstler in der Innenstadt auftreten dürfen, die zuvor in der Stadt-Information eine Kostprobe ihres Könnens abgegeben hatten.
Drei Stücke müssen die Musiker flüssig und einigermaßen fehlerfrei vortragen, dann bekommen sie eine Spielerlaubnis. Diese wird nur tagesaktuell vergeben, es dürfen keine Verstärker benutzt werden und – ganz entscheidend: Die Musiker dürfen einen Standplatz nur einmal täglich für eine Stunde aufsuchen, Spielzeiten sind festgelegt (11 bis 14 Uhr und 15 bis 22 Uhr). Die Auftritte sind auf maximal zwei Werktage pro Woche limitiert, die Stadt vergibt zweimal fünf Genehmigungen pro Tageshälfte. Die Qualität der Darbietung wird nicht nur morgens im Amt überprüft, die städtischen Mitarbeiter sehen sich später die Auftritte auch live in der Innenstadt an.
Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert Sperren von drei bis zwölf Monaten. Das ist oft schmerzhafter für die Musiker als Geldstrafen, zeigt die Erfahrung. Und wesentlich teurer ist die Vorgehensweise nicht, weil sich die Stadt aufwändige Ordnungswidrigkeitsverfahren spart.
Die Lage habe sich durch das Vorspielen entspannt, sagt Albert Dietrich von der Stadt-Information München. Er ist zuständig für das Casting. Der Erfolg ist so groß, dass Berlin, Frankfurt/Main und Innsbruck das Modell übernehmen wollen.

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Claudia Urbasek

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Soll der Stadtstrand den ganzen Sommer bleiben?

PK StadtstrandSeit Freitag herrscht Strandfeeling auf der Insel Schütt. Ende Juli ist es damit aber vorbei. Für das Bardentreffen muss der Strand (wie auch in den vergangenen Jahren) weichen. Tonnenweise Sand aus der Oberpfalz, mehrere Dutzend Palmen aus der Toskana – der Aufwand, der jedes Jahr für den Stadtstrand betrieben wird, ist immens. Die Nürnberger aber freuen sich darüber – das bestätigt nun sogar eine Studie, die von den Stadtstrand-Machern in Auftrag gegeben wurde. Die Befragung war unabhängig, dennoch stellt sie dem Strand ein gutes Zeugnis aus. Mehr sogar: sie empfiehlt, dass der Strand am besten länger auf der Insel Schütt bleiben soll. Schüler, die mit den Füßen im Sand ihre Sommerferien genießen wollen, Familien, die sich keinen Urlaub leisten können oder wollen – sie alle würden von einer längeren Dauer des Angebots profitieren.
Das geht aber nicht – sagt zumindest die Stadt. Die will nämlich unbedingt eine der großen Bühnen des Bardentreffens genau an dem Platz aufbauen, der derzeit von Sand bedeckt ist. In das sandige Spektakel integrieren, so die Stadtverantwortlichen, lasse sich die Veranstaltung nicht.
Immer wieder hat Beachboy Lorenz Kalb das Gespräch mit der Stadt gesucht. Heuer hat er aufgegeben. Er hat sich damit abgefunden, dass Ende Juli Schluss ist mit dem Strand in der Innenstadt. Wie aber sehen Sie das? Ist es das Bardentreffen wirklich wert, dass der Sand Platz machen muss? Oder soll sich die Stadt bewegen und für ihre große Bühne einen Ausweichplatz suchen?

Julia Vogl

Soll der Stadtstrand den ganzen Sommer bleiben?

Parkgebühren: Sind 2,50 Euro zu viel?

Parkgebuehr
Nürnberg zieht mit München gleich. Zumindest was die Parkgebühren auf öffentlichen Parkplätzen anbelangt: Ab Januar 2016 kostet auch in Nürnberg die Stunde parken 2,50 Euro. Sicher, in Nürnberg waren die Parkgebühren seit 1996 konstant niedrig und es war ein gewisser Nachholbedarf gegenüber den Preissteigerungen im Öffentlichen Personennahverkehr vorhanden. Musst aber gleich um einen Euro angehoben werden?
Der Beschluss des Stadtrats, die Parkgebühren zu erhöhen, erfolgten zusammen mit der Neugestaltung der VAG-Preise. Ziel der Reformprojekts ist es, die ÖPNV-Nutzer dauerhaft zu binden, deshalb werden vor allem die Abonnements günstiger. Mit den Mehreinnahmen durch höhere Parkgebühren will die Stadt den höheren Zuschussbedarf für die VAG decken. Offiziell wurden beide Beschlüsse nicht miteinander verknüpft, um den Vorwurf, die Autofahrer würden den ÖPNV subventionieren erst gar nicht entstehen zu lassen. Das ist aber reine Rhetorik, denn der städtische Haushalt kann gar keine Mindereinnahmen verkraften: Ohne höhere Parkgebühren könnte die Stadt das Tarifexperiment im ÖPNV nicht stemmen, denn keiner weiß, ob die Kalkulation aufgeht.
Parkgebühren und Ticketpreise sind die beiden Steuerungsmechanismen, Kritiker nennen sie auch Gängelungen, um das ÖPNV-Angebot für Autofahrer attraktiv zu machen. Da Menschen oftmals rational entscheiden, werden sie wohl eher auf ein Auto verzichten, wenn Parken teurer wird, Busse und Bahnen aber günstiger werden, so die Überzeugung bei den meisten Stadträten im Rathaus. Straßen würden entlastet und die Auslastung von Bahnen und Bussen erhöht werden. Doch die Menschen entscheiden eben nicht immer rational, vielleicht wollen sie das Angebot einfach nicht annehmen.

André Fischer

Parkgebühren: Sind 2,50 Euro zu viel?