Pfarrermangel: Laien in die Kanzel?

In Brasilien oder im Kongo gibt es das schon ein halbes Jahrhundert: Die katholische Kirche organisiert sich im Alltag teilweise ohne Priester. Mit dem vor allem aus Lateinamerika bekannten Modell solcher Basisgemeinden setzen sich neuerdings auch Christen in Deutschland vermehrt auseinander. Laien an die Macht – holt das die Kirche aus ihrer Schrumpfungskrise?

Die ersten Bistümer, Osnabrück und München-Freising, gehen bereits in die Testphase. Sie gestatten es künftig nichtgeistlichen Beauftragten, Pfarreien zu leiten. Für die Sakramente bleibt ein Priester notwendig, doch die Seelsorge wird kollegial geteilt, und die Sonntagmorgenmesse ist nicht mehr das Nonplusultra. Die katholische Stadtkirche in Nürnberg trägt sich mit ähnlichen Gedanken. Hier sind es erst Erwägungen, mit kirchenrechtlichen Fragezeichen behaftet. Auch ist im Zukunftsplan der Stadtkirche momentan nicht von haupt-, sondern ehrenamtlichen Laien die Rede – schlicht aus Mangel an entsprechend vielen Theologen.

Doch Nürnbergs Katholiken haben erkannt: Durch den Rückgang an Priestern und aktiven Gläubigen braucht es ein neues Amtsverständnis, bevor die Kirche vor Ort ganz wegbricht. Schließlich geht es bei so einer Strukturrevolution nicht nur um die Verwaltung des Mangels. Sie kratzt auch an Traditionen und Autoritäten. Wahrscheinlich wird die Not der Umstände sowieso bald dazu zwingen.

Skeptiker, und diese müssen nicht Ultrakonservative sein, werden es für einen verzweifelten Versuch halten, derart umständlich die Organisationsstrukturen auf Notbetrieb umzubauen. Aus ihrer Sicht erspart das nicht die inhaltlichen, versäumten Kirchenreformen: das Priesteramt zu öffnen, Frauen gleichzustellen und manch alten Zopf abzuschneiden, bei dem die theologische Spitzfindigkeit der Auslegung noch die letzten treuen Gemeindemitglieder zu vergraulen droht. Der aktuelle Papst gewährt den Bischöfen vor Ort teils größere Freiheiten, als sie heute in Anspruch nehmen.

Isabel Lauer

Pfarrermangel: Laien in die Kanzel?

Soll sich Deutschland zwei Feiertage mehr leisten?


bedford-strohmDer Ratsvorsitzende der Evangeli­schen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm, wünscht sich min­destens einen bundesweiten Feier­tag mehr. Und zwar einen Tag, der für mehr Miteinander der Menschen reserviert sein sollte. Passend dafür findet er entweder den Reforma­tionstag – also den heutigen 31. Oktober –, der gegenwärtig nur noch in den östlichen Bundeslän­dern gesetzlicher Feiertag ist. 2017 kommt er aber ausnahmsweise wegen des 500. Jahrestags von Luthers Thesenanschlag in ganz Deutschland wieder zu Ehren. Als zweite Option schlägt Bed­ford-Strohm den Buß- und Bettag vor, der 1995 der Pflegeversiche­rung geopfert wurde. Derzeit begeht man nur in Sachsen diesen evangelischen Feiertag, der stets auf den Mittwoch vor dem Ewig­keitssonntag (dem letzten Sonntag des Kirchenjahres) fällt, heuer also auf den 16. November.

Der Landesbischof plädiert für eine neue Feiertagskultur in Deutschland, gerade im Monat November. Zumindest einen der bei­den Tage möchte er dauerhaft als Feiertag im ursprünglichen Wort­sinn sehen. Natürlich ist einem Mann der Kir­che wie Bedford-Strohm dabei der christliche Aspekt mit der Hinkehr zu Gott besonders wichtig. Es geht ihm wohl aber auch darum, dass an einem solchen Tag Defizite aufgear­beitet werden können, die in unse­rer Gesellschaft immer stärker zum Problem werden: Für das Familien­leben ist oft ebenso wenig Zeit wie für ein Ehrenamt, Gespräche mit anderen oder ganz einfach fürs Nichtstun, Entspannen und Zu-sich­selbst-finden. Es könnte ein Tag werden ohne Terminzwang, Shop­pen und zwanghafte Familientref­fen wie an Weihnachten oder Ostern. Ein gemütlicher verregneter Herbsttag, an dem man es sich mit einem Buch auf der Couch bequem macht oder mit den Kindern gemein­sam spielt.

Natürlich wird die Wirt­schaft argumentieren, dass so ein Tag aus ökonomischer Sicht von Nachteil sei, mitten in der Vorweih­nachtszeit, wenn die Geschäfte am besten laufen. Die SPD tritt wieder mal als Bedenkenträger auf, dass so ein christlicher Feiertag die bei uns lebenden Muslime ausschließe. Aus­gerechnet die Linksfraktion nennt Bedford-Strohms Idee charmant, wenn ihr auch der christliche Impe­tus nicht recht gefällt.

Ute Wolf

Soll sich Deutschland zwei Feiertage leisten?

Mehr Freiraum für die Lorenzkirche?

„Die Reformation hat ausgeräumt“ – dieser Leitgedanke bestimmte auch die Aktionen beim „Spielraum Reformation“ in der Lorenzkirche: So wie Martin Luther und seine Mit-Reformatoren an vielen Dingen rüttelten, die scheinbar untrennbar mit der Kirche verbunden waren und doch nur den Blick auf das Wesentliche verstellten, so sollten sich zur Lutherdekade auch in St. Lorenz ganz neue Perspektiven eröffnen. Kunstinstallationen und -aktionen wie die Jukebox zur Blauen Nacht füllten den Kirchenraum, dafür verschwanden die so vertrauten Kirchenbänke und wanderten teilweise als bunt bemalte „Hingucker“ in den öffentlichen Raum rund um das Gotteshaus. Vor allem diese Neumöblierung rief auch etliche Kritiker auf den Plan: Sie könnten ihre vertraute Kirche nicht wiedererkennen, bemängelten sie, andere sahen den „Mut zur Leere“ gar als ausgewachsenen Skandal an.
Im Laufe des Aktionszeitraums von April bis Ende Juni zeigte sich aber, dass die meisten Nürnbergerinnen und Nürnberger die Chance gerne wahrnahmen, eine ihrer Hauptkirchen aus einer ganz neuen und vielleicht sogar authentischen Perspektive zu erfahren. Aus diesem Grund will die Kirchengemeinde jetzt auch nicht so einfach nach Ende des Aktionszeitraums zum Bisherigen zurückkehren und einen Teil dieses Wagnisses in die Zukunft mitnehmen.

Clemens Helldörfer

Mehr Freiraum für die Lorenzkirche?

Yoga gegen leere Kirchenbänke

lixWenn es darum geht, Menschen für die Kirche zu begeistern, gibt es wahrlich keinen Mangel an innovativen Ideen. Die Junge Kirche Lux bietet am Sonntag, 17. Mai, um 18 Uhr einen Simpsons-Gottesdienst an – übrigens fast zeitgleich zur Ausstrahlung der Comic-Serie im Pro7-Vorabendprogramm. Anhand von Filmausschnitten der Zeichentrick-Familie aus Springfield lädt Lux zur Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben ein.

Die Offene Kirche St. Klara hat mit ihrem regelmäßigen „Gottesdienst für Mensch und Tier“ nicht nur Stirnrunzeln hervorgerufen. Tierliebhaber waren begeistert, endlich in Begleitung ihrer Lieblinge die Kirche besuchen zu können. In der Ludwigskirche finden in Kürze Yoga-Kurse statt – begleitet von live gespielten Orgelklängen. Dass die Kurse auf Widerspruch stoßen, glaubt Pfarrer Alexander Gießen aufgrund des meditativen Charakters nicht, zumal mit den „Bewegten Frauen“ immer wieder eine Frauengruppe innerhalb des Gotteshauses tanzt.

Die Fitnesskurse sind Teil des Gemeinschaftsprojekts „St. Ludwig moves Nürnberg“, das Studierende der International Business School Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde St. Ludwig seit März organisieren. Ab dem 11. Juni wollen sie jeweils donnerstags und sonntags in und vor der Kirche kostenlose Sportkurse anbieten – darunter auch Zumba und das in verschiedenen Kampfsportarten verwurzelte Les Mills Bodycombat –, um Gemeindemitglieder wie auch die übrigen Bewohner im Nürnberger Süden für Bewegung zu begeistern.

Die Idee für das innovative Projekt inner- und außerhalb der Ludwigskirche stammt von Pfarrer Gießen selbst. Ihn treibt vor allem die Frage um, ob die neuen Angebote den Geist der Stadtteilbewohner treffen. Einen Vorgeschmack darauf dürfte er bekommen, wenn sich zeigt, wie viele Stadtteilbewohner sich bei der Auftaktveranstaltung am 23. Mai für die Kurse interessieren. Ein reger Zuspruch ist ihm zu wünschen.
Johannes Handl

Begrüßen Sie das Streikrecht für Kirchenbeschäftigte?

„Christen verhandeln, aber sie üben keinen Druck aus.“ Mit diesem Argument spricht sich Michael Bammessel, Präsident des bayerischen Diakonischen Werks, gegen Arbeitskampfmaßnahmen in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden wie Diakonie und Caritas aus.

Arbeitgeber und -nehmer in kirchlichen Einrichtungen verstehen sich demnach als Dienstgemeinschaft, die in paritätisch besetzten Arbeitsrechtlichen Kommissionen über Gehaltsfragen verhandelt, bei Zwistigkeiten entscheidet eine Schiedskommission verbindlich. Abgeleitet wird dies aus dem im Grundgesetz garantierten kirchlichen Selbstverwaltungsrecht. Die Gewerkschaft ver.di hält ein solches Modell für viel zu harmonisierend und nicht mehr zeitgemäß. Immerhin seien 1,3 Millionen Menschen bei diesen Einrichtungen beschäftigt und diese müssten mit normalen Arbeitnehmern gleichgestellt werden, also auch die Möglichkeit haben, Tarifforderungen über Streiks zu erkämpfen. Dies sei Teil einer demokratischen Konfliktkultur, die auch für die Kirchen gelten müsse. Außerdem ist das Streikrecht ebenfalls über das Grundgesetz garantiert. In der vergangenen Woche hat denn auch das Bundesarbeitsgericht Streiks in kirchlichen Einrichtungen unter bestimmten Bedingungen für rechtens erklärt.

Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Begrüßen Sie das Streikrecht für Kirchenbeschäftigte?“

Ihr Votum können Sie auf der NZ-Internetseite abgeben.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Studiengebühren: soll Bayern sie abschaffen?“ Mit Ja antworteten 50,1 Prozent, mit Nein 49,9 Prozent.

Sollen die Hartz-IV-Regelsätze angehoben werden?

Hartz IVKirche und Politik sind aneinandergeraten bei der Frage, ob Bedürftige mehr Geld erhalten sollten. So wurde aus der katholischen Bischofskonferenz die Forderung laut, die Bundesregierung sollte die Hartz–IV-Regelsätze auf mehr als 400 Euro erhöhen. Der Satz liegt derzeit bei 359 Euro. Wie berichtet verlangt das Bundesverfassungsgericht von der Politik, die Sätze bis zum Jahresende „neu zu berechnen“.

Bischofskonferenzvorsitzender Robert Zollitsch warnte vor einem „sozialen Kahlschlag“. Und auch der evangelische Landesbischof Frank Otfried July wirbt dafür, den Bedürftigen mit einem höheren Regelsatz ein „menschenwürdiges Leben“ zu ermöglichen. Notfalls müssten dafür auch höhere Schulden in Kauf genommen werden.

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Denken Sie über einen Kirchenaustritt nach?

Immer mehr KirchenaustritteUnsere tägliche Meldung gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld: Missbrauchsfälle, fast jeden Tag werden neue bekannt, ein Ende ist nicht absehbar. Viele gläubige Kirchenmitglieder sind enttäuscht, entsetzt, erschüttert. Priester missbrauchten ihre Opfer und nutzten ihre besondere Vertrauensstellung schamlos aus.

Angesichts der zahlreichen Enthüllungen über den sexuellen Missbrauch und über nicht zu entschuldigende körperliche Misshandlungen erlebt besonders die katholische Kirche einen massiven Exodus. Auch in Nürnberg (die NZ berichtete) haben fast dreimal so viele Katholiken ihre Mitgliedschaft gekündigt als im Vormonat. Beim „Abschied“, nicht von Gott, sondern von der Kirche, ist häufig zu hören, dass die nun bekannt gewordenen Auswüchse das Fass zum Überlaufen gebracht hätte. Diese Priester haben ihren Opfern viel Leid zugefügt. Nun leiden auch die Gläubigen – und in der Folge leidet die gesamte Kirche.
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Kampf den Wildpinklern

Die einen können ihre Fenster nicht mehr öffnen, weil sich fiese Wildpinkler regelmäßig unter selbigem erleichtern. Das Stangengässchen bzw. die Passage zur Kaiser- und Adlerstraße wird immer mehr zur öffentlichen Bedürfnisanstalt, beklagen Anwohner.

Einen Angriff auf christliche Toleranz stellen die Ereignisse rund um die Epiphaniaskirche dar. Egal, zu welcher Tag- und Nachtzeit pinkeln Männer in den Vorgarten. Manche hinterlassen auch größere Geschäfte. Für viele von ihnen scheinen die 31 öffentlichen Toiletten nicht attraktiv genug zu sein. Die Betroffenen fordern mehr öffentliche Toiletten von der Stadt. Diese wiederum klagt über den Vandalismus, der regelmäßig Schließungen der WC-Anlagen notwendig macht.

Was kann man gegen Wildpinkler tun? Sind sie nur Einzelphänomene? Diskutieren Sie mit.

Weitere Infos zum Thema finden Sie hier.