Soll die Nürnberger Innenstadt autofrei werden?

Autos sind laut und sorgen für schlechte Luft. Manchmal aber braucht man sie doch. Aber auch in der Innenstadt? „Wir fordern den Umbau der Innenstadt (innerhalb der Stadtmauern) zu einer autofreien Zone“, heißt es in der Petition auf der Plattform openpetition.de, die seit Anfang April rund 400-mal unterzeichnet worden ist. „Im Hinblick auf den zunehmenden Stress, Lärm und Abgase, welche sich ein Anwohner tagtäglich aussetzt, würde diese Maßnahme dazu führen, eine Stadt zu planen, welche sich um den Menschen dreht und nicht wie ein Auto am besten durch eine Stadt kommt.“ Der Verfasser ist sich sicher: Eine solche Maßnahme würde den Einzelhandel beleben und mehr Platz für Grün in der Stadt schaffen.

Aber: Widersprechen derartige Verbote nicht der Freiheit eines jeden Einzelnen? Und: Würde ein Autoverbot nicht auch Geschäfte treffen, die Waren anbieten, die nur schwer ohne Auto zu transportieren sind? Würde das nicht auch Arbeitsplätze gefährden? Und: Was machen Altstadtbewohner, die ihr Auto täglich für die Arbeit brauchen, es künftig aber erst am Stadtrand abholen müssen? Überhaupt: Wie sollen weniger mobile Menschen die Vorzüge einer autofreien Innenstadt genießen können, wenn sie ohne Auto gar nicht mehr in die Stadt kommen?

Julia Vogl

Soll die Nürnberger Innenstadt autofrei werden?

Greta Thunberg – ist der Personenkult übertrieben?

Seit etwa vier Monaten gehen Schüler auf der ganzen Welt auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu protestieren. Und ein Ende der Bewegung „Fridays for Future“ scheint nicht in Sicht. Ins Leben gerufen hat den wöchentlichen Schulstreik Greta Thunberg, eine 16 Jahre alte Schwedin (Foto: dpa). Die junge Klimaaktivistin ist das Gesicht der Bewegung: Sie sprach auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, ließ sich von Anne Will interviewen, schüttelte Papst Franziskus die Hand und kommt nach Hamburg, um mit den deutschen Schülern zu streiken.
Das amerikanische „Time“-Magazine wählte Thunberg in die Liste der 25 einflussreichsten Teenager des Jahres 2018 und in die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres 2019. Zum Internationalen Frauentag wurde sie in Schweden 2019 zur wichtigsten Frau des Jahres ausgerufen, sogar für den nächsten Friedensnobelpreis ist sie nominiert. Ganz schön viel Aufhebens um ein junges Mädchen. Die Schülerbewegung will – das ist immer wieder zu hören – unabhängig sein und sich nicht vereinnahmen lassen, sondern Politik und Wissenschaft zum Handeln auffordern. Muss da ein junges Mädchen medienwirksam zum Papst reisen? Greta Thunberg ist gerade einmal 16 Jahre alt, sie diskutiert mit den Großen der Welt, was kommt danach? Kritiker sprechen bereits von „Personenkult“ und davon, dass die Klimaaktivistin als „Allheilmittel“ angesehen werde.
Andererseits: Eine erfolgreiche Bewegung braucht ein Gesicht, um gehört zu werden. Eine junge Schwedin, die es schafft, bis zu 300.000 Schüler auf die Straße zu holen, ist schon außergewöhnlich. In einer nicht repräsentativen Umfrage des Berliner Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (IPB) gaben 40 Prozent der Teilnehmer an, dass Thunberg ihr Interesse am Thema Klimawandel befördert hätte. Ohne eine Identifikationsfigur ist das nicht möglich.

Wir wollen daher in unserer Leserfrage der Woche wissen: „Greta Thunberg – ist der Personenkult übertrieben?“

Judith Horn

Greta Thunberg – ist der Personenkult übertrieben?


Vergünstigtes VAG-Ticket für Senioren?

Die Grünen haben die Stadtverwaltung aufgefordert, auszurechnen, was ein verbilligtes Ticket für Senioren für den öffentlichen Nahverkehr kosten würde (Foto: Distler). Die Umweltpartei hatte dabei vor allem die wachsende Altersarmut im Blick. Aber könnte man nicht generell älteren Menschen einen ermäßigten Tarif für Bus und Bahn gewähren? Die Deutsche Bahn, hat ja auch eine Bahncard für über 60-Jährige im Angebot. Man würde die Lebensleistung der Senioren würdigen und vielleicht viele der Älteren dazu bewegen, vom Auto auf Bus und Bahn umzusteigen. Zudem wäre dies auch eine Reaktion auf eine älter werdende Stadtgesellschaft. Und das Ansinnen der Grünen, ärmeren Senioren durch günstige Fahrten im ÖPNV mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, hat durchaus auch seine Berechtigung. Auf der anderen Seite gibt es auch viele gut betuchte Rentner, die auf solche Tickets nicht angewiesen sind. Und für ärmere Senioren existiert bereits ein verbilligtes Monatsticket, das sich zumindest für Vielfahrer rechnet. Außerdem müsste die Stadt die Einnahmeverluste der ohnehin rote Zahlen schreibenden VAG ausgleichen, die durch die Billigtickets vermutlich entstehen.

Marco Puschner

Vergünstigtes VAG-Ticket für Senioren?

Dicke Luft: Würden Sie auf Ihr Auto verzichten?

Wer auf sein Auto angewiesen ist, bekommt es vor allem während der Hauptverkehrszeiten in Nürnberg täglich zu spüren: Die Pkw-Massen wälzen sich durch die Straßen, der Verkehr stockt – von der anschließenden Parkplatzsuche ganz zu schweigen. Autofahren macht in Nürnberg wenig Spaß. Hinzu kommt das Problem der Luftverschmutzung. Stickoxide verursachen schwere gesundheitliche Probleme. Dieses Problem ließe sich zwar durch den Umstieg auf Elektromobilität lösen, die Blechlawine bliebe aber die gleiche – ganz zu schweigen von der umweltschädlichen Herstellung und Entsorgung der Akkus.

Es gibt Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, etwa weil sie auf dem Land wohnen und keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen können. Doch die Mehrzahl der Nürnberger fährt mit dem Auto Strecken unter fünf Kilometern, die in vielen Fällen sicher auch mit Bus, Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden könnten.

Obwohl viele junge Leute heutzutage auf ein Auto gut verzichten können und es zum Teil sogar als Belastung empfinden, gibt es immer noch zahlreiche Menschen, denen ihr Gefährt lieb und teuer ist. Sei es, weil sie darauf angewiesen sind, weil es für sie ein Statussymbol darstellt, weil sie sich damit ungebundener fühlen als mit anderen Verkehrsmitteln oder weil ihnen Autofahren schlichtweg Spaß macht.

Stephanie Siebert

Dicke Luft: Würden Sie auf Ihr Auto verzichten?

Weniger Fleisch essen für den Klimaschutz?

Stromfressende Glühlampen kommen in den Müll, das Haus wird gedämmt, statt jeden Meter mit dem Auto zurückzulegen, kommt das Fahrrad zum Einsatz – es gibt viele Möglichkeiten, das Klima zu schützen. Andreas Troge bringt eine neue ins Spiel: weniger Fleisch essen. Der Chef des Umweltbundesamtes empfiehlt „die Rückkehr zum Sonntagsbraten und eine Orientierung an mediterranen Ernährungsgewohnheiten“.
Denn nach den Berechnungen seines Hauses verbraucht die Fleischproduktion besonders viel Energie: in Rindermägen entsteht bei der Verdauung klimaschädliches Methan, die Tiere brauchen viel Grünzeug. Doch bei der Düngung von Böden wird schädliches Lachgas freigesetzt, dazu kommt das Kohlendioxid der landwirtschaftlichen Maschinen.
Doch anders als in der italienischen oder der asiatischen Küche setzt man in Franken auf Deftiges. Die hiesigen Braten und Fleischspezialitäten sind weltberühmt – man denke nur an die Nürnberger „Broadwerschtla“, die sogar von der Europäischen Union geschützt sind. Für viele Menschen gehören Wurstbrötchen oder Leberkäs-Semmel einfach zum täglichen Speiseplan dazu, an den Wochenenden fahren ganze Heerscharen aufs Land, um in den Gaststätten Schäuferle und Sauerbraten zu genießen. Vegetarische Speisen setzen sich hierzulande kaum durch, noch immer gelten sie als die schlechtere Wahl.
Dabei mahnen auch Ärzte immer wieder, dass weniger Fleisch auf den Teller kommen sollte. Berichte von Massentierhaltungen verderben Konsumenten immer wieder den Appetit. Und nun sollen Wurst und Braten auch noch klimaschädigend sein.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll auf das Fleisch essen zugunsten des Klimaschutzes verzichtet werden? Abstimmen können Sie hier.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Halten Sie die Schrottprämie für sinnvoll? Mit Ja antworteten 8,1 Prozent, mit Nein 91,9 Prozent.