Ist die Tagesschau zu kompliziert?

TagesschauDie „Tagesschau“ erreicht mit ihrer Sprache die Zuschauer nicht mehr, lautete eine Schlagzeile in dieser Woche. Von 1002 Befragten wusste keiner was eine „Schutzschrift“ oder die „Vorteilsabschöpfung“ ist. Nur wenige wussten mit „Koalitionsfreiheit“ oder mit der „Basta-Politik“ etwas anzufangen. Andere wiederum behaupteten, Begriffe zu kennen, konnten sie dann aber nicht erläutern.

Wenn eine der wichtigsten Nachrichtensendungen häufig Worte verwendet, die die Welt für viele Zuschauer nicht mehr erklären, sondern eher verhüllen, dann läuft etwas falsch. Eine Fernsehsendung, die Verständigungsprobleme hat, muss sich ändern. Sicher, die Welt ist komplizierter und unübersichtlicher geworden, doch Journalisten sollten immer versuchen, die Welt zu erklären und sich nicht auf Schlagworte einzulassen.

Auf der anderen Seite sind natürlich immer auch Fachbegriffe notwendig, sonst kann man in populären Sendungen bestimmte Sachverhalte nicht mehr darstellen, ohne endlos in Beschreibungen und Bebilderungen stecken zu bleiben. Koalitionsfreiheit ist eben die Freiheit von Parteien, Koalitionen mit anderen Parteien einzugehen. Alle anderen Erklärungen sind umständlich und wenig ergiebig. Ein bisschen Bildung muss schon sein, wenn man Demokratie verstehen und demokratisch handeln will. Ein Gesellschaft braucht Bürger, die sich auch anstrengen, etwas kennenzulernen, was sie vielleicht noch nicht wissen. Nachrichtensendungen sind eben keinen Zurschaustellung von spracharmer persönlicher Betroffenheit: Sie sollen Fakten und Analysen lieferen . Wir wollen deshalb von unseren Lesern wissen: Ist die „Tagesschau“ zu kompliziert? fis